LANDART  „Steinbögen“  im Schwazer Silberwald

::: mit Nature art artist Mischa Engele - Innsbruck
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Steinerweichung:
Peter Sloterdijk prägte den Begriff der „ Steinerweichung“. Erst als es dem Menschen gelang, den Stein zu bearbeiten und zu formen, ihn in seinen Händen „weich“ und gefügig zu machen, konnten Behausungen, Brücken, Theater, Kathedralen, Dome entstehen und Ideen manifestiert werden. (Die erste große Veränderung vollzog sich im Schritt vom Holz zum Stein als Baumaterial)

Historisches:

Die antiken Griechen setzten ihre Tempel noch in den Kategorien „stehend“ und „liegend“ (Säule und Architrav) um. Ein Meilenstein in der Architektur vollzog sich durch die Erfindung des Rundbogens durch die Römer. Entwässerungskanäle, Brücken, Gewölbe,  Amphitheater, Triumphbögen….. Sümpfe konnten trockengelegt Distanzen schneller überwunden, Wasser gefördert, Prachträume erstellt, Macht dargestellt, Berge durchlöchert werden. Die vielfältigen Verwendungsweisen des ursprünglich schlichten Bogens sind hinlänglich bekannt. (Die zweite große Veränderung in der Architektur vollzog sich in dem das „Stehende - Liegende“ Prinzip verlassen und in Rundungen gedacht wurde.)

Der freie, sich selbsttragende Steinbogen

Das sensible Zusammenfügen von losen unbearbeiteten Bruchsteinbrocken – ohne zusätzliche Bindematerialien (wie Zement, Kalk oder Gips) stellt symbolisch einerseits den technischen Fortschritt, anderseits die Vergänglichkeit dar.

Meine Intervention in der Natur stellt eine sensitive, intime Arbeit dar, die das Vergängliche sucht. Der Zerfall spielt eine wesentliche Rolle.  Der Steinbogen ist ein sensibles Gefüge von individuellen Elementen und verkörpert morbide Stabilität. Indem jeder Stein permanent dem Erdmittelpunkt zufallen möchte, entsteht ein sich ausgleichendes Kräfteverhältnis, das eine gewisse Starrheit und Festigkeit darstellt. In einem sensiblen Findungs-, Verdichtungs-, Balance- und  Äquilibristikprozess  werden Findlinge in eine grazile Form der selbsttragenden Überspannung gebracht. Das grazile Ausbalancieren dieser Bruchsteinbrocken braucht viel emotionelles und manuelles Gespür. Diese skulpturellen Objekte sind instabil und dem Zerfall preisgegeben und im wahrsten Sinn des Wortes „ent-gegen-kommend“. Der Steinbogen ist die künstliche „Re-duktion“ auf eine natürliche, transparente, feminine Weichheit.

Arte Silberwald am Fuße des Falkenstein, Eibelschrofen:

Der Ausgehöhlte braucht Erholung.

Der Eibelschrofen als Symbol von einstmaliger Hochkultur, Reichtum und  prosperierender Wirtschaft stellte bis vor geraumer Zeit eine Gefahr für die Bevölkerung dar. Malträtiert, ausgenutzt, durchlöchert, ausgehöhlt. Der Eibelschrofen ist immer noch eine „Bedrohung durch Bewegung“. Täglich erinnert er uns an seine Geschichte.

Die vielen Steine die herumliegen sind einst von Knappen aus dem Berginneren herausgetragen worden. Die Steine gehören dem Berg. Die Steine sind dem Berg angestammt. Der Berg verwesentlicht sich in Steinen. Der Stein ist im wesentlichen Berg.  Diese Bruchsteine sind Parolen, die von mir aufgelesen werden. Sie sind Kennworte einer reichen Vergangenheit. Die aufgelesenen Bruchsteine verkörpern eine Re-signation des Vorhandenen.

Die Besucherin des Arte Silberwald, die Beobachterin, der Wahrnehmende, der mit dem hörenden Herz,  sie sind Adressaten, die in dieser neu geformten irdenen Archaik lesen dürfen. Kohärente Steinelemente nehmen  Bezug zum historischen Silberabbau.  Der Besucher spürt das Nachklingen der Vergangenheit. Im Spannungsbogen zwischen dem Erlebten, dem Wahrgenommenen UND dem Werdenden, der Veränderung, dem Zerfallenden,  dem Vergänglichen nistet sich Architektur  ein, verdichtet sich das Vergangene und eine Ahnung  einer möglichen Zukunft wird spürbar. Geheimnisse jedem Warum entrückt.

Philosophisches:

Im Mittelpunkt des Bogens steht die Leere. Das Seiende (die Steine des Bogens) ist nützlich und das Nichts (der freie Zwischenraum) ist wesentlich. Wie nichts tanzen Massen in ihrer scheinbaren Schwerelosigkeit, trotzdem stellt sie umbaute Natur ahermetisch, stellen gefrorene Erwartung, die Erwartung des Fallenden, des Einstürzenden dar. Das Gegebene in seinem Erscheinen findet Raum beim Empfangenden und dieser wird an die weibliche Form der Natur erinnert. Das Wahrmachen von Steinbögen gelingt im Innehalten von bewegten störenden Vorstellungen. Das Denken als Spüren in seiner haptischen Funktion findet Gebung, weil die Qualität der künstlerischen Arbeit aus der Hand sich heraus entwickelt. Durch das sich Einlassen und Zulassen von Vorgegebenen wird Ungesehenes Sichtbar. Steinbögen sind authentische Rückführungen. Im mutigen „Mehr-Meinen“ entfaltet sich ein Spiel am Horizont der Sinne. Der Steinbogen als neue Ver-ding-lichung. Was immer stürzen mag, ist im Jetzt.

www.schwazersilberwald.at  :::  Anmeldung bei Armin Wechselberger 0650 4574 230
info@schwazersilberwald.at

 

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