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Zweite Tiroler Sonnwendfeier - Winter 2004 im Schwazer Silberwald
 
Finnischer OfenDie Arena des Schwazer Silberwaldes bietet heuer den Platz für die zweite Wintersonnwendfeier nach uraltem archaischen Ritus. Ab 18 Uhr öffneten Künstler in einer Feuerlandschaft mit längst verschüttet geglaubtes Wissen ein Tor in das Neue Jahr.
Schwazer Künstler nahmen die Besucher auf eine Reise in die Vergangenheit mit, zeigten ihnen Hoffnung und Glück am Wendepunkt von Dunkelheit zum Licht. Im lebendigen Feuer spiegelten sich archaische Symbole.

Die Performance erinnerte an eine Zeit, in der Himmel, Erde und die Natur den Rhythmus des Lebens bestimmten.

Gedankt sei vor allem den kostenlos mitwirkenden Musikern und Künstlern, arbeitenden Helfern, dem Grundeigentümer die Österreichischen Bundesforste AG vertreten durch DI Otto Gasser und Ing. Michael Tendl, sowie Schmidt Wilhelm vom Motorsport Club und Bernhard Hell für die Herstellung der Finnischen Öfen.
Gedankt sei auch dem TVB Silberregion Karwendel, vertreten durch Geschäftsführer Mag. Markus Schmidt, und dem Kulturamt der Stadt Schwaz, vertreten durch Dr. Reinhard Prinz, für die finanzielle Unterstützung.
Unser besonderer Dank gilt den Redakteuren Klaus Horst und Christoph Rohrbacher vom ORF für die landesweite Ankündigung unserer Veranstaltung und den RedakteurInnen unserer Zeitungen Angela Dählig vom Brennpunkt, Petra Mayer-Linnehan vom Bezirksblatt und Erwin Schwaiger von der Tiroler Tageszeitung.

Ein Großer Dank gilt dem zahlreich erschienen Publikum, das trotz tiefer Temperaturen bei ca. -15 GrC lange ausharrte. Besucher reisten an von Imst bis Kufstein und Kitzbühel.
Eine Entschuldigung gilt dem Publikum gegenüber, wir haben mit 100 Besuchern gerechnet, gekommen sind mehr als 300, so dass wir improvisieren mussten und nicht alles wie geplant lief. Die Wintersonnwendfeier 2005 machen wir besser und wir freuen uns schon auf Ihr Kommen.

Armin Wechselberger



Programm:

Teil 1  "Wendezeit in Schwaz" 


Armin Wechselberger referiert über die Wintersonnwende
- Ansage der Veranstaltung und die Wintersonnwende heute, sowie ihre jeweilige geografische, klimatische und kosmische Begründung durch Armin Wechselberger.
- Die Wintersonnwenden seit der Megalithkultur (Stonehenge), Kelten, Römer etc., die bis heute nachwirken; die innere Sicht ihrer Kalender im Spiegel der Wintersonnwende am 22. Dez..
- Versuch einer Interpretation archaischer Wintersonnwendriten am praktischen Beispiel eines lebendigen Feuers im Silberwald und eine Deutung des transphänomenalen Ausdrucks archaisch genuiner Spuren im Werk der Künstlers Jones und Schwarz-Lahnbach.
Dieser Teil wird begleitet vom Trommler Bernd Pirker
(dorisundbernd@aon.at) und Freunde von der Gruppe "Los Mariandls" Petra, Simone und Natalie.
Bernd Pirker ist Trommellehrer und zusammen mit den Silberwaldfreunden suchen wir Teilnehmer für einen Anfänger-Trommlerkurs.
info@schwazersilberwald.at

Teil 2
  "Die Feator's (Feuerfrauen)" 

"Feathor's (Feuerfrauen)"Gertraud Kapfinger führte einen keltischen Tanz mit einer Räucherzeremonie vor.
Trommlerinnen/Djembe: Silvia Aschberger, Karin Walenta, Monika Erharter, Claudia Donau
Trommler/Djembe und Didgeridoo: Gottfried Michael
Tanz und Räucherung: Gertraud Kapfinger aus Kirchbichl, Kufsteinerstraße 2; Schamanka, Feuerfrau und Tänzerin, Tel. 05332/88421 - 0699/10054287, gertraud.kapfinger@utanet.at.
"Wir leben in der Erde und deren Kräfte, nicht auf der Erde. Sie verdient mit Würde und Dankbarkeit behandelt zu werden ....."

 
Teil 3   "Der kürzeste Tag – die längste Nacht"
 
Der Rotation der Erdachse verdankt die Erde ihre Jahreszeiten, Wetterphänomene, Naturlandschaften – alles Leben.
An den beiden Sonnwendtagen lässt sich dieser hunderte Millionen Jahre alte Zyklus authentisch miterleben – die Position der Erde im Sonnensystem – die sie begleitenden Planeten, die erdnahen und die sonnenfernen rufen sich wieder ins Gedächtnis der Menschen; die Kraft der Sonne, die Einwirkungen von Planeten und Mond auf die Natur, das Leben – alles Dinge, die durch die Astronomie, das Hubble-Teleskop, die Astrophysik und die Raumfahrt nichts an ihrer Faszination verloren haben. 
"Feathor's (Feuerfrauen)"Die Menschen vor der geschriebenen Geschichte wussten um die Bedeutung der Mondzyklen, der Sonnwendtage, der Sternkonstellationen. Die bedeutenden Funde der Himmelsscheibe von  Nebra, der Himmelsobservatorien der Mayas oder die Entschlüsselung von Stonehenge geben einen kleinen Einblick in das Wissen und Können dieser Menschen. 
Der Schwazer Künstler Jones wird seine besondere Interpretation unserer Nachbarplaneten entwickeln – unser Sonnensystem als Hintergrund für seine Gedanken. Den Planeten werden Wesenheiten zugeordnet; Töne, Feuer, Lichterzauber lassen die acht Segmente dieses Kosmos aufleuchten und sich in der tiefen Interpretation dieses Sonnwendabends erleben. 
Gertraud KapfingerMartin Schwarz-Lahnbach (www.ms-lahnbach.at) möchte dazu an diesem Abend den Kältehauch der Nacht mit der Gluthitze flüssiger Bronze vereinen – direkt im Silberwald soll eine Interpretation des Sonnwagens entstehen – ein archaisches Bild der Vorstellung über die Zusammenhänge  im Weltraum und auf der Erde – ein Bild das von den Sonnenbarken der Ägypter über den Sonnenwagen des Helios bis zu den Kelten und den nordischen Steinritzungen in vielen Teilen der Welt zu finden ist.
 
Teil 4  "Liebe Hoffnung und neues Leben"
 
Räucherschale 1,2 m dm der "Feathor's"Veronika Hütter ließt für ihre Arbeitskollegen der Firma Orgler  vom Dichtertisch über Hoffnung, Liebe und Advent.
 

Pressetext der Tiroler Tageszeitung vom 23. Dezember

Längste Nacht im Silberwald    Mehr als 200 Teilnehmer  versammelten sich im Schwazer Silberwald, um die Wintersonnwende zu feiern. (200 Teilnehmer ist nicht korrekt, es waren mehr als 300 Teilnehmer.)

SCHWAZ (efs) "Wir wollen die Wintersonnwendfeier so feiern, wie sie wahrscheinlich schon vor 1000 Jahren und mehr inszeniert wurde", kündigte Initiator  Armin Wechselberger vor der Feier an.
Artefakte von Jones
In der  Steinarena des Schwazer Silberwaldes stimmten mehr als 300 Teilnehmer erst ab, ob die Zeremonien zur Wintersonnwende überhaupt stattfinden sollen. Der Entscheid war eindeutig dafür.
Bei klirrender Kälte waren eine keltische Räucherzeremonie und der keltische Tanz, dargeboten von Gertraud Kapfinger aus Kirchbichl, Elemente in dieser längsten Nacht des Jahres. Trommler und Didgeridoo-Spieler ließen ihre Instrumente im Schein der lodernden Feuer ertönen.
Die Schwazer Künstler Martin Schwarz-Lahnbach und Herwig Mühlegger "Jones" verdeutlichten mit flüssiger Bronze die Zusammenhänge im Weltraum und auf der Erde: Im Silberwald entstand vor den Augen der Teilnehmer aus der Gluthitze eine Interpretation des Sonnenwagens.
"Auch Pfarrer Rudolf Theuerl nahm an der Wintersonnwendfeier teil. Und eine Adventlesung am Dichtertisch ergänzte die Feier" betont Armin Wechselberger.
Die Wintersonnwendfeier fand zum zweiten Mal im Silberwald statt.


Rede von Armin Wechselberger zu:   Block 1/1

Sehr geehrte Freunde des Silberwaldes, einen schönen guten Abend zur ersten großen Wintersonnwendfeier Tirols im Schwazer Silberwald und herzlichen Dank für das zahlreiche Erscheinen. 
Artefakte von Jones
Die Wintersonnwende ist eigentlich erst morgen, aber wir feiern sie schon heute, weil der 21. Dezember auch ein besonderer Tag ist, wie viele wahrscheinlich wissen.
Die Wintersonnwende wird in einigen Regionen Österreichs, vor allem aber nördlich der Alpen bis weit in den Norden hinauf, heute noch auf unterschiedlichste Art gefeiert.
Nur bei uns zuhause, hat man sie vergessen, obwohl sie sonderbarerweise als Begriff vielen geläufig scheint. Trotz intensiver Nachforschungen gibt es nahezu kein Wissen, wie die Wintersonnwende in unserer Region gefeiert wurde. Sicher ist, dass man sie feierte! 
Artefakte von Jones
Vor mehr als tausend Jahren wurde die Wintersonnwende in unserer Heimat in den unterschiedlichsten Kulturepochen gefeiert. Aber in den folgenden Jahrhunderten der Christianisierung des Ostalpenraumes assimilierte die junge Religion uralte heidnische Bräuche. Oder sie setzte z.B. anstelle der Wintersonnwende die Thomasnacht. Am Vergessen hatte die Kirche sehr gründlich gearbeitet.
Bemerkenswert ist; erst in jüngerer Zeit, seit Beginn der 30iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, lebt der Brauch der Summersonnwendfeuer bei uns immer mehr auf. Das hat aber vorwiegend politische Intentionen.
Wenn vor vielen Jahrhunderten eine Sonnwendfeier gefeiert wurde, so war es fast ausschließlich die Wintersonnwendfeier, denn sie war mit der Hoffnung auf kommende fruchtbare Ernten, auf Haustiersegen sowie auf Frieden ausgerichtet. 
Jones beim Auflegen der Planetensteine für die Ausstellung im Schwazer Rathaus
Das raue Klima der Alpen, sowie die geografische Lage in der Schnittfläche zwischen den nördlichen und südlichen Kulturkreisen muss die Art des Feierns bestimmt haben. Wahrscheinlich in deftiger und heftiger Ausdrucksweise. Auch in der Buntheit der Farben der Gewänder und paradoxerweise in der Kargheit der Darstellungsweise der Riten.
Mit Sicherheit spielten hier genaues kosmisches Wissen der benachbarten nördlichen und südlichen Kulturen keine wesentliche Rolle. Wahrscheinlich hatte man den 22. Dezember gar nicht immer genau getroffen.
Auch darf nicht vergessen werden, an Zahl ist die damalige Bevölkerung nicht mit der heutigen zu vergleichen. Wichtigeres tat Not, als zu feiern – nämlich zu überleben in einem rauen, immer wieder von fremden Völkern durchquerten Land.

● Bernd Pirker und seine Freunde aus Innsbruck spielen ein Trommlerstück

Block 1/2

Ob man die Wintersonnwende, so wie wir sie uns vorstellen, schon vor 5000 Jahren feierte, ist fraglich. Besonders beachtet hatte man sie sicher, denn schon damals, in der Megalithkultur, gab es ein kosmisches Wissen über diese Sonnenwende, wie an der Ausrichtung von Stonehege zu erkennen ist.
Zuallererst machte man in der Landschaft Marken, wo die Sonne alle Jahre regelmäßig unter ging. Heute wissen wir, dass das Verhältnis von längster Nacht zum kürzesten Tag von der Neigung und Stellung der Erdachse zur Sonne bestimm ist.
Bronze-Glutofen in der Wintersonnwendfeier 04Dieses Wissen ging nicht verloren, denn die später über die böhmische Platte bis nach Irland eingewanderten Kelten haben dieses Wissen in ihr Kulturgut aufgenommen. Die Verwalter und Vermehrer dieses Wissens waren dann die Druiden.
Nach dem Sieg Caesars über die Gallier und der späteren Ausrottung der Druiden nahm die römische Kultur in den Ländern nördlich der Alpen das spezifisch nördliche Wissen um die Wintersonnende in sich auf.
Das nördliche römische Kulturwesen, vor allem in der späteren christianisierten Ausprägung fand ihre eigen Riten zur Sonnenwende. Aber die Feier war immer verbunden mit einem die lange Winternacht allmählich niederringendes und künftiges Leben spendendes Feuer.
Eine wesentliche Rolle spielte hierbei der Mondkalender der Kelten und der spätere Kalender der Römer. Beide Kalender bestätigten sich immer wieder im Wechsel von längster Nacht zum allmählich länger werden Tag.

Trommlereinsatz von Bernd

Block 1/3

Wie man aus Überlieferungen der im Norden gefeierten Wintersonnwende weiß, scheint die Feier immer etwas mit einem Kultfeuer zu tun gehabt haben. Das lebendige Feuer wird der Mittelpunkt kultischer Handlungen gewesen sein. Zur Anschaulichkeit haben wir heute hier in der Arena eine Feuerlandschaft.
Bronzeguss für den keltischen Sonnenwagen von Jones und Martin Schwarz-LahnbachEs gibt nichts archaischeres als die Beziehung zwischen Mensch und lebendigen Feuer. Die in dieser Relation enthaltenen kultischen Feuerhandlungen beinhalteten damals eine enorm starke religiöse Komponente. Welche Religion aber auch immer den Kult der Feier bestimmte, sie sah Göttliches im Feuer.
Später, noch lange Zeit nach der Christianisierung, diente das Feuer als Symbol der Reinigung und Hoffnung, durch das Gott zu den Menschen sprach. Schamanen, Druiden und Priester waren die Vermittler zwischen Gott und Mensch und lange nutzten sie das Feuer instrumentell.
Heute, wie schon seit archaischen Zeiten, fasziniert und bewegt jede Art Feuer den Menschen. Nahezu nichts wissen wir von emotionaler Seelenbewegtheit der damaligen Menschen zum Feuer in der Wintersonnwendfeier.
Bronzeguss für den keltischen Sonnenwagen von Jones und Martin Schwarz-LahnbachDas Wissen darüber ging aber nicht wirklich verloren, es ruht wie ein Schatz vergraben unbestimmt und nicht streng wissenschaftlich fassbar in den Tiefen unserer Seele. Gezielt kann man mit verschiedensten Methoden versuchen, den Schatz freizulegen und zu heben. Aber besonders bei Künstlern, die sich mit dem Feuer auseinander setzen und es als Instrument ihrer Arbeit nutzen, kommt dieses Wissen zum Ausdruck.
Das zeigt sich beispielhaft in der uralten Schmiedekunst, aber noch mehr in der noch älteren Bronze-Gießkunst.
Speziell beim Bronzegießer treten die Kunstwerke in einer stark reduzierten und symbolhaften Ausdruckskraft hervor. Die extrem reduzierte Symbolhaftigkeit der Bronzewerke sind das Phänomen, also das Bild, das uns dieses verschüttete archaische Wissen zu vermitteln versucht.
Mit einiger Mühe lassen sich diese Phänomene lesen und deuten. Und das kann heute in dieser Nacht jeder an den Werken von Jones und Martin Schwarz-Lahnbach mit ihren Bronze-Gießofen versuchen.

Alle Fotos sind von DI Otto Gasser von den Österreichischen Bundesforste AG

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