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MELCHISEDEK

 

Barabbas-Yuha-Eley

1983 -- 1990

 

Fast alle Rechte dem Schreiberling vorbehalten. - Einzelkopien sind sehr wohl gestattet. 1991

 


 

Ein Prolog zur Warnung!

Man möge mir nicht verübeln, wenn nicht so, wie sonst üblich, an dieser Stelle ein Vorwort steht, sondern eine Warnung.

Die Darstellung einer Geschichte, in diesem Falle die meine, erfolgt immer aus subjektiver Sicht, und für Außenstehende stellt sich beim Lesen einer solchen oft die Frage nach der Wahrheit.

Diese, meine Wahrheit, ist sicher für viele schwer verstehbar, und für manche noch schwerer akzeptierbar, aber ob ich wollte oder nicht, ich musste sie in Wort und Geist festhalten. Jetzt, nachdem die letzte Seite dieses Buches geschrieben ist, ist diese Wahrheit noch immer präsent und ihr Schauen und Ahnen will kein Ende nehmen,

Das Erlebte sollte genauso niedergeschrieben werden, wie ich damals, als das Sonderbare geschah, dachte und empfand, ohne Rücksicht auf Form, Ordnung und Bequemlichkeit. Dieser Anspruch ist ein Versuch wert, wird hier aber leider nur unzureichend erfüllt. Was bleibt ist nur mehr eine etwas ungewohnte Art eines Textes.

Als Zeugnis meiner Erlebnisse ist diese Geschichte denen gewidmet -nur denen-, die ähnliches erlebten, und vor allem solchen, die in mehr als nur in Büchern lesen können!

So schwer die Geschehnisse von damals auf mir lasten, da hilft auch keine Aufarbeitung durch die Feder, heute der Computer,  kann sie empfindsame Leser verführen. Ich bin auf Grund dessen nicht glücklich, wenn dieser Text von jenen gelesen wird, die noch keine Erfahrungen, wie die die dieser Geschichte zugrunde liegen, gemacht haben.

Nicht das Schreiben an sich, sondern das Lesenlassen lastet dem Schreiberling die Verantwortung des Wortes gegenüber dem Leser auf. Ich will nicht daran denken, was mit den Worten dieses Textes alles angerichtet werden kann.

Zum Schluss noch etwas zum Titel dieser Geschichte. Es ist sonst keinesfalls meine Art irgend jemandem irgend etwas zu erklären, aber in diesem Falle ist es notwendig, weil mich schon die erste Begegnung mit der biblischen Person des Melchisedek tief berührt hat.

Wenige lesen heute noch die Bibel, und noch wenigere haben jemals in den Apokryphen, den verborgenen Büchern der Bibel, wie sie genannt werden, in der Gnosis oder in den Schriften der Drusen gelesen.

In den Schriften der Apokryphen, zum Beispiel im Kapitel "Die Schatzhöhle", beauftragte Noe im Auftrag Gottes seinen Sohn Sem den Leichnam Adams heimlich aus der Arche zu nehmen und ihn am Mittelpunkt der Erde, in Golgatha, die Schädelstätte, genannt Gabbatha, zu bestatten und Melchisedek als Diener und Wächter über Adams Grab einzusetzen.

Melchisedek solle dort kein Gebäude errichten, all sein Leben enthaltsam sein, sich kein Weib nehmen, alleine leben, weder Blut vergießen, noch Opfer von wilden Tieren und Vögeln darbringen, sondern nur Brot und Wein opfern, denn er ist ein Diener des höchsten Gottes. "Der Engel Gottes wird stets zu dir herunter steigen und für dich sorgen", heißt es in den Schriften. Weiters: "Seine Tage haben weder Anfang noch Ende, und niemand weiß, wann, wo oder ob er überhaupt aus dieser Welt schied."

Die Geschichte Melchisedek wird in vielen Schriften mehr oder weniger ähnlich sinngemäß erzählt. Und wenn auch die Überlieferung apokryphisch und nicht kanonisch ist, so spricht doch aus ihr ein großer Geist. Diesem Geist möchte den Titel dieses Buches zu widmen.

1990 Barabbas-Yuha-Eley

   Er lacht trotz der müdigkeit und der schmerzen in seinen gliedern, oder vielleicht gerade deshalb, und er lacht, weil er sich wie ein vogel im gleitflug fühlt, wie dieser die freiheit und die schwerelosigkeit erlebt.

In ihm lacht alles, und es tut ihm gut wieder mit hitze, mit steilen wegen und mit dem eigenen körper belastet zu werden und gleichzeitig den verstand nicht gebrauchen zu müssen - so fühlt er sich während des schindens und plagens herrlich, und wohl gerade deswegen lacht und freut sich jede faser seines fleisches, freuen beide sich ihrer freiheit von logik und vernunft; vielleicht ist das der grund, warum ES agiert wie ER will, und ES so wider des verstandes sich den instinkten und begierden hingeben, ja diese wie im rausch inhalieren und in der allseitigen reizflutung die animalische onanie voll auskosten kann.

Alles lacht in ihm, weil der verstand, die logik und die mühsam gefundene realität auf einmal nichts mehr gelten, sie alle hier nicht mehr wichtig sind, alle verloren gingen, bewusst verloren wurden, und wenn sich einige von ihnen nicht verlieren lassen wollten, wurde einfach nachgeholfen, sodass nur mehr das fleisch, das sich zum kadaver reduzierte und unter schmerzen im tod bettete, übrig blieb, dafür aber frei wurde und sich langsam wieder ohne die fesseln des verstandes mit leben füllte, um den gefühlen macht und bestimmung zukommen zu lassen, bis ES sich frei und unsterblich vorkam - unsterblich auf zeit, eine scheinbar relative unsterblichkeit, eine endliche, weil die zeit hier nicht meßbar ist, sie einfach verloren ging, und mit ihr so vieles, das von ihr geschaffen wurde; deshalb lacht auch ER, und lacht ES, der kadaver, lachen sie beide gemeinsam, weil es so aussieht, als wäre es problemlos dorthin zurückzukehren, wo der erdling so sein kann, wie er heute nicht mehr ist, wo er vielleicht gar nicht mehr er selbst ist, sondern nur sterbliche unendlichkeit, die der zeit kein maß gibt, in der gut und böse nicht zur diskussion stehen, und in der die zeit ohne ziele, ohne vorgaben und ohne den trugbildern der hoffnung und der sehnsucht ihren wert verliert.

Aus diesem Grunde lachen sie, und ES lacht schallend, weil lachen gut tut, weil lachen schmerzt, es im moment alles vergessen lässt, schwerelos macht, andere welten öffnet, und besonders weil das lachen von gott kommt, ihm ähnlich macht, denn nur im lachen sind die erdlinge wie er, sind sie im augenblick des tuns ihm so nahe wie keine andere spezies, kehren sie die kräfte und die ordnung der evolution um, um für einen moment ein geschöpf des kosmos, seiner intelligenz zu sein.
 


  
D
er blick schweift alles umfassend die runde und fragt, ob dieses felsige und steile gelände die zukunft sein soll; aber vielleicht lässt sich gerade hier die ersehnte ruhe von allzu vielem, besonders von der vergangenheit finden, und so gott will, wird es hier lebbar sein; wobei dieser spruch, 'so gott will', kein besonders gescheiter ist, denn wer glaubt heute noch wirklich an gott - an einen, wie es ihn vor der heidnisierung des christentums gab, an einen archaischen, elementaren gott, der eifert, der wütend ist, und vor allem, der so lacht, dass die erde bebt und in einem zuge die aus dem gleichgewicht geratene ordnung immer wieder zurechtrüttelt; aber irgendwie nivelliert in dieser zeit des aufbruchs, in der des steten versuches anders zu sein als die anderen, solch ein spruch für kurze zeit die gefühle, die ideen und die ahnungen, die der lacher vielleicht mit ihm gemeinsam hat, mögen beide noch so verschieden und voneinander weit entfernt sein.

Was wird dieses unbekannte land geben, was wird es nehmen - es war ein trieb, ein trancezustand, der hierher führte, ja, sogar fluchtartig jagte, der jede verantwortung und jedes risiko vergessen ließ, wobei sich die frage nach der möglichkeit eines überlebens in diesem lande auf dauer oder nur für kurze zeit gar nicht stellte, denn die ursachen für die entscheidung das unbegreifliche zu wagen waren die nicht mehr ertragbare sehnsucht nach dem alleinesein, nach ein vergessen können; und wenn auch mit jedem schritt der tod hier wirklicher wurde, so ist es jetzt mit ihm doch wie in einem spiel, vielleicht ist es auch eine sehnsucht nach seiner nähe, auf jedem fall eine brennende neugierde nach seinen gesichtern; doch hier scheinen die qualitäten anders gereiht zu sein, nur, in welcher reihenfolge, und ob überhaupt noch irgendwelche vorhanden sind, wird sich erst zeigen, denn das eine kann nur die folge des anderen sein, bedingt im werden den tod jetzt zu einer anderen qualität, besonders weil die qualitäten in der vergangenheit flach und leer waren, obwohl es in ihr scheinbar an nichts fehlte, denn immerhin hatte es nach außen hin den anschein, als sei zum beispiel die familie nett und lieb, aber aus bequemlichkeit und aus angst vor der verantwortung wollte keiner kinder haben, besonders weil es mit denen auf zeit aus der verwandtschaft geliehenen zu angenehm und die befriedigung der eigenen bedürfnisse mit ihnen zu leicht zu erreichen war, schon alleine deswegen, weil diese kinder leicht, schnell und oft reichlich beschenkt zu ihren problemen in ihre familien zurückgeschickt werden konnten; auch war noch neben diesen kindern vieles von dem, was träume wecken vorhanden, wie zum beispiel ein schönes haus, ein noch schönerer garten, ein weiteres haus, nicht zu vergessen das obligate, schnelle auto, zwei mehr oder weniger gut florierende unternehmen, und wie selbstverständlich, die sich daraus ergebende achtung der gesellschaft, die überproportional mit dem geschäftlichen erfolg wuchs, auch wenn hierbei manche leiche überstiegen werden musste, und letztendlich alles nur auf betrug und korruption aufgebaut war; nur, aus der distanz betrachtet, florierten die unternehmen nicht so gut, weil meist alles andere als ernstes arbeiten gefragt war, besonders nachdem immer mehrere arbeiten gleichzeitig in angriff genommen, mit größter begeisterung organisiert und sehr viel kraft ans durchziehen von projekten verbraucht wurde, und war irgend etwas aufgebaut und schien zu funktionieren, so ging daran bald wieder jedes interesse verloren, wobei anschließend mit einer unerklärbaren gleichgültigkeit das erreichte meist sich selbst überlassen wurde, denn es reizte immer nur das neue und das unbekannte, sowie das unüberwindbare, bei deren angesichter sich das suchen nach dem, was hinter ihnen sein könnte, das schaffen meist in einem arbeitsrausch ausartete, der erruptiv wie ein vulkanausbruch war, und dadurch dem schaffungswillen eine eigendynamik verpasste, die letztendlich nicht mehr beherrschbar war, so dass auf diese weise alles erträumte erreicht und doch nichts gewonnen schien; aber vielleicht steht gerade deswegen ES jetzt auf diesem hundsköpfigen stein, fragt nach vielem, während ER in eine ungewisse zukunft späht, und die sonne und die widerhitze des steines ES so erbarmungslos schinden, dass der schweiß in strömen am fleisch herunter rinnt.

Jetzt ist es von nutzen, dass die zeit der leichtathletik und des vielseitigen sportbetreibens, das so genannte voll fit sein, obwohl schon lange zurückliegend, eine scheinbar ewige grundkondition aufgebaut hat, und trotz des sich in den letzten jahren um die leibesmitte angesetzten fettringes das herz und die lunge, Gott sei Dank, noch immer leistungsfähig sind, ansonsten wäre diese schinderei jetzt schon tödlich, denn in mehreren etappen wurde werkzeug, ausrüstung und verpflegung über steile gras- und felshänge, auf schmalen wildpfaden und über alle möglichen hindernisse hinweg hierher getragen, so dass nun müde und steif, mit weichen knien und einem übervollen rucksack der versuch des hinsetzens zu einem risiko wird, denn der sorgt auch prompt, wie nicht anders zu erwarten ist, für ein übergewicht, für ein ungleichgewicht; und schon zappeln arme und beine hilflos mit den traggurten auf dem rucksack und damit auf dem boden niedergehalten wie die eines auf dem rücken liegenden krebses, während zu allem unglück noch die sonne wie durch ein brennglas auf den bauch und ins gesicht brennt, obwohl es das gar nicht geben dürfte, weil es in diesem monat schon einmal schnee gegeben hat, und doch die sonne noch immer soviel kraft aufbringt, dass ihre hitze vor den augen flimmert und den puls kräftiger schlagen lässt; aber mit der zeit beruhigt sich der kreislauf so weit, bis sich ein koordinieren der gedanken wieder einstellt, und ein sonderbares gefühl heran wächst, das zu erkennen gibt, wie sich hier auf diesem stein das bisherige leben wie mit einem scharfen messer vom noch zu erwartendem abtrennt, und mit jedem augenblick immer mehr eine bestimmte freude am kommenden und am ungewissen aufkommt - eine freude, die alles geschehen im moment wie in euphorie umarmt, das vergangene fluchtartig distanziert, zum vergessen und verschwinden hinter die horizonte auffordert; ER und ES sich aber zugleich der irrationalität des entschlusses für ein leben hier in einer ungewissen zukunft immer mehr bewusst werden, wobei alles, für das das leben der erdlinge schlechthin zu stehen scheint, die familie, die arbeit und überhaupt alle ziele zurück bleiben, und zwar für ein solches leben, für das niemand verständnis hat, schon gar nicht die eigene logik und vernunft, und doch scheint diese verrücktheit seit langem system zu sein, denn rückblickend ist nicht zu übersehen, dass alle bisherigen handlungen von einer elementaren und unerklärbaren eigendynamik bestimmt waren, die jeder vernunft widersprach; auch weil immer das unbekannte und das jenseitige des möglichen faszinierte, bis alles das den geist und die vernunft verführte, zu irrationalem handeln zwang, so dass in logischer folge dieser irrationalismen es immer öfters zur steigerung des jeweils gegebenen kam, ganz im gegensatz zu diesesmal, wo das vergangene mit dem kommenden nicht verglichen werden kann, weil jetzt etwas unerklärbares hinzu kommt, -hinzu ist wohl die falsche wortwahl-, denn die gefühle sagen in diesem moment sehr deutlich: irgend etwas sonderbares passiert hier oben auf dem leider noch immer sehr heißen stein, der einfach nicht kühler werden will, und der die frage aufwirft: warum dieser rastplatz ganz oben auf dem stein, wo doch an seinem fuße bestimmt irgendwo schatten ist, aber nein, ganz oben, wo die sonne besonders quält, muss gerastet werden -pervers wie immer, aber faszinierend-, zieht doch jetzt trotz der steifheit der glieder, der müdigkeit des geistes, der hitze und des durstes sich in diesem moment das neue aus dem vergangenen wie die schlange aus ihrer alten haut, während sich das fleisch wie neugeboren zu fühlen beginnt, zumindest vorläufig, und es so aussieht, als schwinde das erdlingssein langsam und stetig, als würde etwas 'anderes' geboren, eine andere art oder eine andere gattung; schwer erklärbar - einfach auf den nenner gebracht: die hülle noch erdling, der geist scheinbar nicht mehr, denn der wird langsam anders, ist außerhalb, ist überall und nirgends, steht schräg, irgendwo weit oben und beobachtet von dort aus alles plagen, und so dumm es sich anhören mag, auch alles denken hier herunten, und je mehr dieser vorgang bewusst wird, umso schneller verlieren sich die schmerzen, sowohl die des fleisches, als auch die, die durch die erinnerung genährt werden, so dass jeder stein, jeder baum und strauch, jede höhe und tiefe, überhaupt das gesamte gelände mit hungrigen augen sondiert beziehungsweise seziert und mit allen sinnen die tiefenversetzten bilder ringsherum aufgenommen werden können, während langsam das sehnsüchtige verlangen dies alles kennen zu lernen und zu berühren immer mächtiger anwächst.

So spontan und unbegreiflich der entschluss für ein leben hier war, erfolgte doch, der eigenen art entsprechend, die vorbereitung umfangreich und präzise, wurden eifrig daten gesammelt und ausgewertet, wurde vor allem aber wegen der äusserst günstigen klimawerte, die geringe bevölkerungsdichte und die niederen höhen mit ihrem waldreichtum, sowie die nähe zur alten heimat die wahl für diese land getroffen.

 

 

   Innerhalb eines radius von fünfzehn kilometer zeigt sich keine größere ortschaft, und im engeren umkreis ist das gebiet vielseitig gegliedert, unübersichtlich, felsig zerklüftet und schwer begehbar, denn diese landschaft dominieren vorwiegend waldige erhebungen, welche mit schroffen und zerklüfteten felsformationen gespickt sind, zusätzlich durchschneidet dieses land eine schmale, lange und tiefe schlucht mit vielen querspalten, so es an ein wunder grenzt, dass im herzen europas überhaupt noch so ein bizarre Vielfalt existieren kann, denn dort rauscht ein kleiner wasserfall, da spiegelt sich ein seichter tümpel in der frühwinterlichen sonne, lockt ein teich oder ein see, mahnen steine in jeder form und größe, felswände und steile grashänge an die gefahren diese landes, und überall fesselt der wald mit unzähligen lichtungen, dichtem staudenwerk und verwachsenem unterholz die augen; nur, auch hier stehen viele kranke bäume, die wohl in ihrer größe und vielfalt den betrachter beeindrucken, aber nur weil dieser wald, zumindest teilweise, keine monokultur, sondern ein lebendes gemisch aus laub- und nadelbäume darstellt.

Die starke profilierung und differenzierte gliederung des geländes lässt hier keine planmäßige und rentable forstwirtschaft zu, auch die bekannt faulen, zu nekrophilen handlungen gesetzlich legitimierten flintenpsychopaten scheinen hier wegen der schweren begehbarkeit des geländes, trotz des wildreichtums, von einer sogenannten pflege und hege ihrer schützlinge abgehalten zu sein, auf grund dessen könnte alleine schon deswegen hier ein gutes sein sein; und während diese bilder und gedanken durch den kopf gehen, sind die befreiungsversuche aus dem rucksack noch immer fruchtlos, eilt die zeit, weil sich die dunkelheit schon ankündet, der himmel mit wolken schließt, und ein kalter wind aufkommt, der zur errichtung eines nachtlagers zwingend auffordert; aber irgend etwas lässt nicht aufstehen, hält nieder, weil dieser verfluchte rucksack noch immer nicht frei gibt, und ein kleines kind könnte nicht hilfloser sein, aber es nützt nichts, er musste hierher getragen werden, weil sein inhalt überlebenswichtig ist, er einen teil der ausrüstung enthält, die wie geplant zum überleben reichen sollte, vor allem für ein von aussen unabhängiges leben - die zeit wird es zeigen, auf jeden fall beinhaltet die ausrüstung vom lesbaren bis zu werkzeugen, geschirr, bekleidung und anderen scheinbar notwendigen dingen, so ist es nur verständlich, wenn er gezwungenermaßen schwer und groß ist, und es birgt trotzdem keine sicherheit, ob ein zuviel oder ein zuwenig an allem notwendigen mitgenommen wurde, aber andere aus-, um-, neben-, und sonstige steiger rüsten sich aus sportlichen motiven meist nur mit einem messer und einem blechtopf aus, können aber jederzeit zu mamas kochtöpfe zurückkehren, während hier diese möglichkeit gar nicht zur diskussion steht, und in logischer konsequenz bewusst alles geld und zu geld machbare zurückgelassen wurde, um ein einkaufen in der nächsten jausenstation oder im nächsten gasthaus von selbst auszuschließen - aber nun, gott sei dank, endlich aus den rucksackgurten befreit; es wurde hierfür auch zeit, weil leichter regen aufkommt, und es bis zu den erspähten, jenseits im hang liegenden, voraussichtlichen lagerplatz weit ist; aus diesem grunde nochmals auf und losmarschiert, und beim herunterklettern vom noch immer warmen stein ist es, als bliebe etwas zurück, das zum wiederkommen einlädt und zur namensgebung auffordet, so dass dieser stein den namen MOORO bekommt, besonders zumal es eine manie ist, den dingen, die einem persönlich geworden sind, einen namen zu geben; auch wäre ein name wie hundsstein wohl passend, aber einfach zu banal, würde ein solcher der situation nicht gerecht, denn eine namensgebung macht lebendig, personifiziert und wirkt anziehend, besonders nachdem dieser stein ein markanter scheidepunkt zwischen vergangenem und zukünftigem darstellt; und so ladet er schon jetzt, beim verlassen, zum wiederkehren und zum zurückschauen in die vergangenheit ein, in eine, die im moment ferner denn je scheint - ein zurückschauen aber erst dann, wenn der geist hierfür wieder genügend kraft aufbringt; im augenblick aber, während eine schwarze regenwand immer näher kommt, eilt die zeit, wird es windig und saumäßig kalt, ist der weg wegen dem an den kleidern zerrenden wind, wegen des steilen geländes und des dichten unterholzes kaum zu begehen, so dass mit letzter kraft und mit weichen knien die von MOORO aus erspähte lagersenke erreicht wird, wobei trotz der kälte der schweiß in strömen am fleisch herunter und in die augen oder sonst wo hin rinnt, bis die umgebung kaum mehr zu erkennen ist; nur, eines ist sofort sehbahr, dieser platz ist bestens zum lagern geeignet, oder vielleicht doch nicht, vielleicht scheint er nur nach all den strapazen zu paradiesisch zu sein; tatsache ist, dass die senke durch den rückwärts ansteigenden, steilen hang und den beiderseits seitlich stehenden, mannshohen felsrücken besonders geschützt und heimelig eingebettet im hang liegt, wobei drei an der vorderkante der senke stehende, hohe bäume genügend windschutz von vorne geben, und sie sich sicher auch zum spannen der regenhaut gut eignen werden, damit beim zu erwartenden regen wenigstens ein kleiner platz trocken bleibt, der zusätzlich durch am kopf- und fussende aufzuschichtende reisighaufen vom wind freigehalten werden kann; aber nun schluss mit dem sinnieren, die zeit eilt, und mit dem bau des unterschlupfes sollte raschest begonnen werden; auch ein feuermachen ist bei diesen verhältnissen nicht möglich, wäre reine zeitverschwendung, weil im moment nur der wunsch nach einem trockenen platz, einen windschutz und nach schlaf vorhanden ist.

Es wird eisig kalt, während der regen in einen eisregen übergeht und die kälte in den schlafsack kriecht; deswegen nochmals raus in die dunkelheit und tastend und stolpernd, so unangenehm das im moment auch ist, einen weg zum rucksack suchen, der dummerweise nicht gleich neben dem schlafsack abgestellt ist, und als wäre dies alles noch nicht genug, dringt die jetzt rapide fallende, klirrende kälte bis in die knochen, lässt das feuchte gewand am fleisch gefrieren, so dass jede bewegung schwer fällt, währenddessen die beißend kalte luft noch unerbittlicher ihren schleichenden angriff fortsetzt, sie den wind zum stillstand zwingt, und fluchend die suche nach den überkleidern in einer inzwischen absolut dunkel gewordenen finsternis erfolgen muss, bis eine lange unterhose, ein paar wollsocken, ein pullover, ein weiterer, eine sturmhaube und eine zweite natojacke gefunden sind; wobei nun erst die schwierigkeiten beginnen: die des ausziehens der regennassen, steif geforenen überkleidung in der alles erstarren lassenden kälte, dann die gefundene unterwäsche über die alte, nicht mehr ausziehbare feuchtkalte unterkleidung überziehen, wieder die alte überkleidung und darüber die neue ziehen, bis alles, was an kleidern vorhanden, angezogen ist, und es grenzt an ein wunder, dass dies alles ohne komplikationen gelingt, so dass vermummt und schwerfällig kriechend auf allen vieren der weg zum schlafsack zurück gesucht werden kann, damit dort dann die fleischeswärme hoffentlich die gefrorene feuchte aus der kleidung ausdampfen wird, sofern überhaupt noch etwas wärme aufkommen kann, und so sollte sicherheitshalber noch zusätzlich die entstehung dieser wärme eine zweite, wie eine decke übergezogene regenhaut dies begünstigen; wie sich aber bald herausstellt, ist das ein schwerer fehler, weil nun die eingesperrte, ausdampfende feuchte nicht mehr entweichen kann; dies letztendlich aber gleich ist, denn schon bringt die müdigkeit den ersehnten schlaf, trotz des vor kälte taub und gefühllos gewordenen gesichtes und der aufgerauten, schmerzhaft brennenden atemwege - einen schlaf, der zum glück mit hilfe der überraschend wieder wärmer werdenden lufttemperatur leichter gelingt, und sogleich der regen aufgrund der schwindenden kälte mit einem großen monotonen rauschen einzusetzen beginnt, das den schlaf leicht und schwerelos macht; aber obwohl es trotz der feuchten kleidung im schlafsack nun angenehm warm ist, kommt unruhe auf, werden die sinne wider willen hellwach, besonders weil oberhalb im hang irgend jemand oder irgend etwas zu rumoren beginnt, und mit der zeit dieses rumoren zu einem poltern anwächst, das wie konzertante hintergrundmusik den rauschenden regen begleitend, trügerisch den wachen schlaf wiegt, ihn einlullt, bis das poltern und rumoren zu elementaren klängen, wie solche von beethoven, anwachsen, und spätestens jetzt, nachdem der lärm in ein bedrohliches gurgeln übergeht, wäre es an der zeit, munter zu werden, doch die verführerische wärme im schlafsack und die bleierne müdigkeit betten den traum und nähren das wohlsein, weshalb sich da aus den tiefen eines wohltuenden schlafes herauskämpfen; nun, sowohl die dummheit als auch die faulheit stirben nie aus, ansonsten müsste solch ein gepolter in solch einer situation wie ein stromstoß elektrisieren; aber es ist schon zu spät, weil trotz nun wacher augen, diese scheinbar jede orientierung verloren haben, es ist, als stünde alles auf dem kopf, und glaubte man vorher noch naß gewesen zu sein, so ist man es jetzt wirklich, denn rundherum reisst dunkles, bewegtes wasser an der kleidung und an den gliedern, der mund ist voll schlamm, und das gesicht und die augen sind irgendwie zu, voll, verklebt -alles ist zu, ist dunkel, unüberschaubar, unkontrollierbar-, und die eigene wärme und hautige nässe geht plötzlich verloren, während ständig von allen seiten stöße und schläge kommen, scheinbar überall und gleichzeitig treffend, wobei dieses geschehen und empfinden wie in zeitlupe, wie in einem schlechten film abläuft, -stehen, liegen, oben oder unten, wo ist wo-; irgendwo findet aber die rechte hand halt, oder ist es die linke, oder gar ein fuß; unwichtig, auf jeden fall ist es etwas festes und greifbares, das aber noch immer keine orientierung zulässt, auch weil von überallher höllischer lärm kommt, und zugleich dem fleisch wieder so kalt wird, dass ES sich seiner selbst immer weniger bewusst ist; vielleicht ist dies aber gut so, denn inmitten dieser hölle oder ist es der himmel, kann das fleisch nur ein hindernis sein, ein etwas, das einen angriffspunkt für alle schmerzen bietet, so dass das einzig reale nur dieses etwas ist, das sich wie ein ast anfühlt, das alleine mit der alten und bekannten welt verbindet, die jetzt wie mit satter schwärze das von überallher geschlagene und geschundene, am ast hängende fleisch umgibt, wobei dieser zustand aber doch nach endlos scheinender zeit seiner selbst bewusst macht, während zugleich ein wasser- und schlammstrom mit aller kraft an jeder faser des fleisches zerrt; aber den ast loslassen - das gibt es nicht; und obwohl scheinbar tausende kilogramm an den beinen zerren, wird doch mechanisch, automatisch und unbewusst höher immer höher nach dem nächsten und wieder nach dem nächsten ast gegriffen; nur, wie das mit schlammverschmierter und nasser kleidung gelingt ist unerklärbar, geschieht einfach, und zuguterletzt, in einem baum auf einem ast sitzend, den dreck aus die augen reibend, während unten wasser, schlamm und geröll wie eine höllenfahrt zu tale schießen, kommen mit der klarheit der gedanken die schmerzen und die erkenntnis, dass dummheit unausrottbar ist, dass deshalb strafe auf dem fuße Fuß folgen muss, denn das lager war genau am ende einer rinne aufgebaut, in der eben bei starken gewittern von zeit zu zeit die überschüssigen wässer, die der boden nicht mehr aufnehmen kann, besonders wenn dieser gefroren ist, zu tale geleitet werden; deswegen ist das fleisch jetzt wie eine einzige große wunde, kein zoll scheint davon frei zu sein - frei in einer situation, die sich wie eine szene in einem komikfilm darstellt, in der das fleisch wie eine mühsam um ihr gleichgewicht ringende henne auf ihrer stange beziehungsweise auf einem ast hockt, und zusätzlich noch der regen zur allgemeinen not in einen eisregen übergeht, die temperatur so rapide fällt, dass bald wieder klirrende kälte herrscht, die die nässe an der rinde des baumes und in der kleidung friert, so dass das fleisch immer schwächer und härter wird, es wie am baum angefroren scheint, während von unten eine einzige, bizarrverschwommene schlamm- und schattenlandschaft hohnvoll heraufgrüßt; dem fleisch es aber doch gelingt mit mechanischen bewegungen, ohne zu denken, sich mit einer beim händewärmen in der tasche gefundenen schnur zur sicherung an den baumstamm zu binden, damit ES nicht herunterfallen kann, wenn auch hiermit in folge die bewegungsfreiheit stark eingeschränkt ist, und bewegung zur aufrechterhaltung der lebensfunktionen notwendig wäre; die angst aber vor einem hinunterfallen während eines schwächeanfalls größer ist als ein erfrieren oder ein anfrieren am baum, besonders weil die vorstellung schrecklich und unwürdig ist, dass das gefrorene fleisch wie ein stein von ast zu ast hinunter fallen, unten am wieder hartgefrorenen schlamm aufschlagen, dort wie glas in unzählige, mikroskopisch kleine splitter zerspringen würde, nur um anschließend sich wie eine eisstaubwolke zu erheben und vom wind fortgetragen zu werden - das bild einer vorstellung, das sich wie ein alptraum in einer zeit- und konturlosen welt darstellt, in welcher sich die schmerzen und die kälte des fleisches verlieren, und in der sich die frage, wo die ordnung geblieben ist, oder wann sie wieder kommt, gar nicht mehr stellt; aber, Gott sei Dank, sind die augen immer noch, oder schon wieder, wach und voll leben, auch wenn der geist und das fleisch irgendwo sind, nur nicht dort, wo sie sein sollten; aber die augen leben, und das ist schon viel, denn noch sehen sie schatten und nichtidentifizierbare gebilde, obwohl es rundherum schon heller wird, die konturen schärfer, die körper sich profilieren, statisch werden, und die frage nach dem wo des lebens und dem wann des todes voranstellen, ob es beide überhaupt noch gibt, während allerorts die helle und die schärfe der sicht zunimmt, so dass die augen jetzt schauen können, aber nichts sehen außer fragen - fragen, die die gedanken wie das licht des beginnenden morgens in die dämmerung geleiten, sie wie dieser allmählich sich einstellen, ihre präsenz kund tun, zu geist werden, damit sie erkennen, wo sie überhaupt sind, warum ER mit unglaublicher schärfe die unwirkliche welt um und vor ihm erkennt, glaubt sie zu erkennen, glaubt in all die sonderbaren dinge hinein sehen zu müssen, bevor sich unausweichlich die scheinbar letzte frage stellt: ist das schon das ende, schaut ER bereits von jenseits aller grenzen herüber, oder betrachtet ES nur das unwirkliche von einer anderen seite - ER weiß es nicht; weiß vorerst nichts, weiß weder vom ja noch vom nein, kann sich diese sicht nicht erklären, nicht diese schärfe, -unheimlich, aber keineswegs beängstigend-; wo ist da das fleisch geblieben, wo seine art, wo sein leben, wenn ES doch nichts mehr fühlt, nur blind schaut, und das offensichtlich noch immer starre, unbewegliche und an den baum gefesselte fleisch nicht einmal das eigene nichts erkennt, nichts spürt, das schauen, wenn auch nicht das sehen, durch und über IHN, verloren hat, blind ist, obwohl die sicht vorhanden; aber je heller es wird, umso mehr loten die wandernden augen immer tiefer das zu sehende aus, lässt eine lichtüberflutete wirklichkeit nicht nur das leben sondern auch den tod schauen - einen, wie den dort unten, wo eine dünne und magere schlammspur an das ereignis von gestern erinnern soll; nur, warum sitzt jetzt das fleisch in einem baum auf diesem ast, wenn doch alles so unwirklich, eben nicht wirklich ist, warum spürt ES nichts, warum leben nur die augen, und warum rinnen die gedanken zäh und doch widerstandslos ohne eine spur zu hinterlassen durch die zellen, während langsam die erkenntnis des verlustes des gewesenen wächst, die hilflosigkeit des fleisches und das fehlen jeder art von gefühlen eine grauenhafte, stumme panik gebierende furcht bringt, die die augen sehen lässt, wo es nichts zu sehen gibt, bis das hirn nur mehr im kreis arbeitet, es die kälte der einsamkeit schaut, und in folge die frage: in welchen zustand ES, das fleisch, ist, ängstlich vor sich selbst verbirgt, obwohl die verzweiflung die frage so laut hinausschreit, dass es jeder und niemand hört, sie zwanghaft fragen muss: was überhaupt an ES noch funktioniert, wird das fleisch auf ewig an diesem baum gebunden sein, mumifiziert und luftgetrocknet wie ein toter indianerhäuptling in seinem bestattungshorst; soll das das ende sein, solch ein ende - wie unrühmlich; noch schlimmer: wenn ameisen am baumstamm heraufkriechen, das gebundene fleisch von den öffnungen her und von innen heraus aushöhlen würden, nur um zuguterletzt die übrig gebliebene haut wie ein geplatzter luftballon zu einer handvoll faltiger fetzen an der baumrinde kleben zu lassen, die dann der wind zum letzten grusse, für alle sichtbar, aufnehmen und weit und hoch übers land tragen könnte - so wäre dies aber immer noch erträglich; wenn aber die krähen den kadaver erspähend sich vorsichtig von ast zu ast näherten, dabei immer wieder den kopf schief haltend, begehrlich scharfäugend die gebundene, noch lebende energie abschätzen und letztendlich mit ihren scharfen schnäbeln streifen für streifen und faser für faser aus dem kadaver herausschälen und hinunterschlingen würden -grauenhaft-; aber immehin könnte in diesem falle ein rest von würde die situation ertragen helfen, denn diese art einer verwertung, einer nutzbringenden entsorgung, würde immerhin einer hiesigen spezies für einige zeit die bäuche füllen; wirklich schlimm und nicht ertragbar wäre aber eine ewige mumifizierung und ein früheres oder späteres finden eines an diesem baum gebundenes, vertrocknetes kadaver - gefunden von bekannten erdlingen -ausgerechnet von bekannten-; denn wie würden die sich darüber das maul zerreden, würden sagen: das war ja nicht anders zu erwarten, der spinner hat ja uns, unsere sicherheit verlassen und ist in die wildnis gegangen, um so zu enden; vielleicht hätten sie damit gar nicht so unrecht, nur was ist hier recht, und was ist unrecht, wer darf das bestimmen, wer legt das fest, wer vor allem weiß das, gibt es hier das eine oder das andere überhaupt noch; und mag auch ihre sicht von richtig und falsch berechtigt sein, warum soll sich aber der kadaver hier noch um die sicht der erdlinge scheren, was geht denen ER und ES und ihnen beiden sie an, wenn ES doch glaubt in diesem moment von solchen banalitäten, von allzuviel erdlingsart befreit zu sein; aber eben ER weiß es nicht, und ES glaubt es nur zu sein, wie sonst ist erklärbar, dass sich die eitelkeit der erdlinge auch hier im baum nicht so einfach ablegen lässt, besonders wenn anscheinend der tod noch gar nicht so lange hinter einem liegt, wovon ES überzeugt ist; und verflucht, wie lange wird es noch dauern, bis all die altlasten entsorgt sind.

Obwohl die augen scheinbar alles durchdringen können, sehen sie noch immer nichts, kann das hirn die fülle des nichts nicht verarbeiten, so dass nur bilder, wie solche aus der vergangenheit, wie eine endlos aneinandergereihte landschaft einer verschüttetgeglaubten welt, irgendwo da draussen, vorüberziehen, während die blinden augen bequem und wohlig warm am fensterplatz der visionenschau sitzen, und unmittelbar vor ihnen sichten einer nach innen gerichteten ahnung eines vergangenen lebens, eine vision uralter träume, zurückgelassener wünsche und nie geborener hoffnungen am guckloch der gezeiten wie ein irres konglomerat eines ordnungs- und endlosen inszenarios, immer wieder von vorne beginnend, vorbeieilen; bis die hast der bilderfolge sich erschöpft, sie immer langsamer wird, es dunkelt, sie zu nebelfetzen zerfließt, die zu trägen, zuerst zu weißen und dann zu immer schlierern fahnen und bändern aufsplitten, um als warme, grauseidene, sich ringelnde und flatternde schleier die welt des jenseits zu umhüllen, so dass nie gesehenens zwielicht und nie erfahrene wärme den schlaf des erbärmlichen seins schwerelos wiegend und bettend einlullen, bis von fern, jenseits des dunklen, hinter der grenze, wo keiner hinkommt, wo die sehnsucht wohnt, wo es nicht nur hell ist, den geist umschmeichelnde musik herüber klingt, und wo leises, weiches licht von den freunden der freude kündet, welche im zögernden näherkommen dem geschundenen geist träume wie nahrung zuführen, damit er sich die letzte frage stellen kann, ob alles das nur ein wunderschöner traum ist, ob das schon der ersehnte tod sein kann, oder nur ein tiefer wohltuender schlaf; wer weiß es, wer kann es erklären, und was ist dieses ferne helle licht wirklich, das die dünne eisschicht hier herüben schmelzen und überall kleine, kristallklare gerinne abwärts eilen lässt, so alles zu dampfen, zu regen und zu leben beginnt.

 

 

   Verloren sind die gefühle - besiegt die angst; und so wie die geschehen der vergangenen nacht verdaut wurden, so erstickt hier auch niemand an der gegenwart und schon gar nicht an der zukunft, denn die einzige vorgabe ist: leben um jeden preis und verluste als solche gar nicht zu akzeptieren; die sind einfach wie schlechte nahrung mit möglichst wenig widerstand durch sich hindurchgehen zu lassen und ebenso schnell als fäkalie wieder auszuscheiden; und wenn es hierbei zu geistigen oder körperlichen blähungen kommen sollte, könnte und müßte an schlecht zu verdauender nahrung trotzdem ein maximum an nutzen herausgeholt werden, wie einige besonders gute futterverwerter immer wieder vorzeigen, und die bekanntlich gar nicht so schlecht von dieser anderen art einer nahrung leben; so sind es gerade oft diese superverwerter, die die wahren meister im überleben sind, die immer und überall relativ gut leben, denen scheinbar fürchterliche erlebnisse nichts anhaben können - und der, der sogar das am eigenen leib und an der eigenen seele fürchterliche erfahren hat, und dies für sich zu nutzen weiß, der wird aus noch so schrecklichem, so pervers es auch sich anhört, gesättigt und stärker oder zumindest reicher an erfahrung aus dem alten leben heraus- und in ein neues hineintreten, wobei manch einer sich in folge einer überernährung durch ein mehr oder weniger freiwilliges oder zwangsweises leben in der welt der aggressionen und des immer wiederkehrenden kampfes, in diesem falle des grauens, einer solchen letztendlich nicht mehr enthalten will, sie sogar nicht mehr missen kann, weil er sich in einer ständig fordernden und belastenden katastrophenwelt ohne dieselbe nicht mehr wohl fühlt, und kommt ihm einmal seine welt abhanden, so leidet er unter entzugserscheinungen, oder geht sie ihm gar verloren, so baut er sich sofort eine neue, eine noch belastendere, eine der natur noch fremdere, wenn möglich noch schrecklichere; aber auch das gehört scheinbar zu einer art ordnung, oder wenn man so will zu einer unordnung, denn der erdling hat ja im wesentlichen keine feinde mehr außer sich selbst, und so muss er anscheinend selber für die notwendige belastung, härter gesagt, für die eigene auslese, für den evolutionären ausgleich seiner art gegenüber dem rest der welt sorgen.

Verwandelte sich in der vergangenen nacht die eigene existenz in einen baum, in einen stein oder in sonst etwas - es lässt sich nicht mehr nachvollziehen, sicher ist aber, dass sich das fleisch in der zeit der gefahr wandelte, denn sonst wäre es zerstört worden, besonders weil es solche belastungen nicht kennt, dafür gar nicht konditioniert ist, und auch weil es sofort begriff, dass nur das überleben, das leben als solches, wichtig ist - ein überleben in welcher form auch immer; ein solches, wie es hier die norm darstellt und ständig erkämpft werden muss, ein kampf wie er hier permanent stattfindet, und sich darüber scheinbar niemand aufregt, auch niemand gedanken macht, denn hier wird der tod und das leben geduldig hingenommen, was aber nicht heißen soll, dass für das eine oder gegen das andere nicht mit allem einsatz gekämpft wird; entscheidend ist nur, wie im jeweiligen fall die qualitäten und manchmal auch die quantitäten verteilt sind, auch wer zum schluß der stärkere, der schlauere und der erfahrenere ist; und so ist immer wieder nur 'das überleben' das ziel - eines, um der sterblichkeitwillen, denn dann verliert der tod und mit ihm das verlangen nach der unsterblichkeit des lebens seine dimension; nun wird es aber zeit, der kadaver sollte erwachen, muss wieder fühlen und funktionieren, damit leben rinnen und wärme strömen kann - wärme vom hirn in die glieder und zurück; wärme der sonne, die immer stärker die auftauende kleidung durchdringt, so dass vom gewand feine dampffäden aufzusteigen beginnen, der sonne strahlen in den kadaver und bis in die gebeine wandern, sie die bäume, das gras und alles rundherum in geschwängerter feuchte baden, bis das schauen wie ein entlangtasten an einem weiß glitzernden vorhang ist, der die wärme des eigenen fleisches zurück schickt, so es dann im kadaver immer wärmer wird, da und dort eine faser, ein muskel zuckt, das blut zu fließen beginnt, und obwohl ES sich des eigenen lebens verlustig fühlt, fängt es schon überall zu kitzeln an, zu arbeiten, die nase zu rinnen, der atem sich zu manifestieren und der kadaver sich wohl zu fühlen, so dass hände, arme und füße sich regen können; aber, damit kommen auch die schmerzen zurück, die die das blut noch zusätzlich mit wärme aufheizen - eine samtene, geschmeidige wärme, die sehr gut tut, auch weil die müdigkeit und die gefühllosigkeit im kadaver die schmerzen so weit betäuben, dass diese wie in weiter ferne entrückt scheinen; so der kadaver sich nun auf dem ast zu regen beginnt, obwohl die masse der kleider und die fesselung an dem baum die hilflosigkeit nur noch stärker unterstreichen, auch weil die, wegen der starren hände nichtlösbaren knoten der fesseln die ungeduld steigern, eine ohnmächtige wut wachsen lassen, bis jede kontrolle, zum wievielten male schon, verloren geht, und nichts anderes mehr übrig bleibt, als die fesseln durchzubeissen - ein beissen, das eher einem mühsamen kauen gleicht, und das immer wieder wegen der ermüdenden kiefergelenke mit einer langen rast unterbrochen werden muss, auch weil die zähne diese belastung immer weniger ertragen, der schmerz in ihnen bis hinter die ohren zieht, so zum schluß dann alles weh tut, was nur weh tun kann, und es trotzdem interessant ist, wie mit beharrlichkeit und ohne ein technisches werkzeug und ohne den einsatz einer sonst hierfür notwendigen kraft eine schier ausweglose situation gemeistert wird, besonders wenn stets das inzwischen oftmals geschaute bild der eigenen mumifizierung in dieser baumkrone vor augen steht, und auf grund dessen nun die nicht zu verdrängende angst der eitelkeit den rhythmus des befreiungsversuches zu diktieren beginnt, so dass eben nur nagen und nach längeren pausen der rast immer wieder nur ein unter dem diktat der besessenheit nagen hilft, denn, wie schon einmal erträumt, ist das bild von hämisch lachenden, bekannten erdlingen unerträglich - verflucht und lächerlich, auch für die zeit nach dem tode noch stolz und anmaßend; und wo es eigentlich nichts mehr zu lachen gibt, lacht einer noch immer, lacht der da irgendwo oben - ER, der aus sicherer distanz mit selbstbegeilender neugierde den kampf des kadavers verfolgt, bis der sich nun doch befreien kann; aber was nun, wie soll es weiter gehen, die gefahr des herunterfallens ist permanent, denn nur mit gewagten verrenkungen ist das herauswinden aus der nassen und schweren überkleidung möglich, um anschließend vorsichtig den abstieg zu wagen; und wenn auch die hände noch immer nicht brauchbar sind, ist doch das herunterklettern durch ein einhaken der arme in den ästen wie mit großen schweren ankern möglich, erfolgt das mechanisch und roboterhaft, als wäre der kadaver eine vom geist autarke maschine, die nur für diesen abstieg programmiert zu sein scheint; und irgendwann setzt dieses programm auch prompt aus, scheint nicht mehr zu funktionieren und stürzt ab, denn plötzlich halten die anker nicht mehr, gleiten ab, und der fall beginnt, der kadaver fällt von ast zu ast, dabei immer weiter nach aussen an den baumrand wandernd, bis er auf den astspitzen geleitet und gebremst, wie in zeitlupe auf einer ruppig steilen nadelbahn dem boden so entgegen fährt, als hätte die zeit ihre einheit verloren, als würde die rutschpartie nie enden, der boden nie näher kommen, und zu alledem geisseln die astspitzen mit ihren tausenden nadeln den kadaver so langsam, lange und gründlich, als würden sie ihn mit viel liebe und lust bearbeiten, bis irgendwann doch der boden erreicht ist, der ES in seinen weichen und warmen schlamm behutsam wie ein fruchtbarer mutterschoß aufnimmt, einer der leben schenkt und der kraft gibt, und so der kadaver ohne das geschehen und seine folgen zu begreifen und ohne sich zu fragen: was da eigentlich passiert, fortzukriechen versucht, der dann doch ohne zu denken und ohne auf die umgebung und die umstände zu achten auf allen vieren wie ein krebs über das liegengebliebene geröll robbend und im wieder weich gewordenen schlamm den hang abwärts rutschend und blind einem unbestimmten instinkt gehorchend sich direkt auf MOORO zu zubewegen beginnt; zu dem stein, der unbewusst anzieht, der das ziel des geistlosen etwas ist, das sich auf allen vieren mit einer unerklärbaren ausdauer und kraft über jedes hindernis hinweg den verwüsteten hang hinunter und den gegenhang wieder hinauf kämpft, dieses etwas sich nichts und niemanden, nicht der arbeit der arme und beine bewusst ist; es sich so darstellt, als käme der befehl zur fortbewegung von außerhalb des kadavers und nicht von dem normal in ihm wohnenden geist, und diese betrachtungs- und koordinationskommunikation von scheinbar außerhalb ist bei allem vermeintlichen verlust der normalität klar wahrnehmbar, zeigt mit fortschreitender dauer umso schärfer die momentane trennung zwischen dem geist außerhalb und dem etwas, dem kadaver, dem am boden kriechenden ES auf, so aber doch noch in diesem etwas eine minimale fülle an gefühlen und empfindungen vorhanden sind, die eine immer länger werdende kette von fragen wie eine fahne hinter sich her ziehen, und zuletzt mit zunehmender klarheit der gedanken die neugierde und das verlangen, dies alles, das gesehene, kennen und verstehen zu lernen wächst.

Warum kommt jetzt auf MOORO die im baum erlebte klarheit der sicht und diese unbeschreibliche wahrnehmungsfähigkeit wieder zurück, während es gleichzeitig rundherum immer heller wird - heller als sonst bei sonnenschein, so hell wie in einer sonnenflutung, die jedes detail der landschaft scharf wie auf einer makrofotographie erkennbar macht, überdimensional im detail und in farbe und zeitlupenhaft in der bewegung, so dass jede pore zum krater wird, das leben von innen heraus sehbar ist, und dort, weit entfernt, an einem borkigen baumstamm die augen zwischen auf und ab eilenden ameisen wandern können, mit ihnen hasten, zugleich da und dort neugierig alles beobachten, oder nicht weit entfernt einem im losen waldboden grabenden käfer bei seinem kraftakt unterstützen, während es rundherum sich so darstellt, als sei all das getier beim laufen, graben und leben zu fühlen und zugleich zu ahnen, wie alles sich sorgt, freut und mit eile den weg vom leben zu tod sucht, wobei die zeit trotz ihrer präsenz wie der sanfte wind stehenzubleiben versucht, sie wie er sich abwechselnd dehnt und schrumpft, so sie dann selbst nicht mehr zu wissen scheint, ob sie lang oder kurz, rauh oder sanft, wie er ist - er der eine vielfalt an gerüchen und geräuschen zuträgt, ein endloses band an informationen ist und zusätzlich, wie ein geschenk, die heißen wangen so befühlt, als könne er nur auf diesem wege seine botschaft allen mitteilen, alle fühlen lassen, wie alles lebt und sich mit der leichtigkeit des spieles und der freude bewegt, oder unter schmerz und schwäche sich müht; und wenn der kadaver auch noch immer hilflos an MOORO lehnt, wärmt der stein ihn mit seinen über das jahr gespeicherten sonnenstrahlen, leitet er diese in das herz, stützt mit ihnen ES, gibt halt und hebt den geist über alles, damit ER unbegrenzt weit ins land schauen kann, während der kadaver ruhig schläft, und nur die augen und die sinne wach sind, sie weit ins land sehen und fühlen, sie all das kleine und das verborgene aufspüren, alles leise und stille, ferne und unausgesprochene hören, betasten und durchdringen und ohne widerstand die distanzen und dimensionen verlustlos an kraft und zeit durcheilen, bis ein verlangen nach hoffnungslosigkeit aufkommt - eines nach sonderbaren gefühlen, die nicht zu schnell vergehen dürfen, ja, die sich sogar, bevor der letzte schlaf kommt, sich konservieren oder zumindest als unerklärbares manifestieren sollen, damit sie nicht vergessen werden oder verloren gehen, bevor die eigene art in ihnen aufgehen kann.

 

 

   Der morgen ist vorüber - die sonne schwängert die luft mit schwüle und den waldboden mit aufsteigender feuchte, nur um diese boten des tages sofort in glitzernde, breite und langgezogene fetzen, bullige polster oder in feine fäden zu sammeln, sie zum himmel steigen zu lassen, so sie dort für kurze zeit unwirkliche und phantastische trugbilder schaffen, die den geist überall und nirgends hin geleiten, auf dass ER den traum nützen, die wirklichkeiten verschieben und mit ES ohne rücksicht auf gefühle und sehnsüchte spielen kann, um so von allem für den splitter einer zeit mit oder ohne gewalt besitz zu nehmen.

FAULIGWOHL LIEGE ICH IN EINER GRASMULDE UND LASSE MIR DIE SONNE AUF DEN BAUCH SCHEINEN, WÄHREND LUG AUF EINEM WAAGRECHT AUS DEM HANG WACHSENDEN BAUM SITZT, SEINE BEINE BAUMELN LÄSST UND ZU MIR HERUNTER SIEHT, ICH IHN ABER NICHT SEHE SONDERN NUR SPÜRE, WAS ER TUT, SPÜRE, DASS ER AN MICH DENKT, WOBEI ER NATÜRLICH GENAU weiß, DASS ICH weiß, DASS ER IM MOMENT VON MEINEN GEDANKEN weiß UND MICH WISSEN LÄSST, DASS ER SIE KENNT; NUR, ER weiß GENAU VON DEN MEINEN, WÄHREND ICH DIE SEINEN NUR AHNE, UND AUF DIESE ART ERZÄHLT ER MIR VOM WIND, WIE MAN IN IHM LIEST, ALL DIE VORBEIEILENDEN GERÜCHE UND GERÄUSCHE DEUTET, IHN DURCH DIE KLEIDUNG HINDURCH ÜBER DIE HAUT FAHREN LÄSST UND GLEICHZEITIG DIE AUGEN SCHLIESST, SO ER DANN JE NACH LAUNE EINE SANFTE MELODIE ANSTIMMT ODER MIT ELEMENTAREN KLÄNGEN ALLES RINGSHERUM DRÜCKT UND BEUGT UND GLEICHZEITIG SEINE STIMME ZU EINEM ARCHAISCHEN BRAUSEN UND HEULEN ANHEBT - AUF DIESE ART ERZÄHLT LUG MIR AUCH VOM NEBEL, WIE DER JEDEN UND ALLES VERFÜHREN KANN, LOCKT, TÄUSCHT, IRRE FÜHRT UND ZUGLEICH WIE MIT ENDLOSE, SEIDENE GESPINSTE BERGAN UND BERGAB FLIESST, GLEISSEND HELLE BRÜCKEN ÜBER ABGRÜNDE BAUT, NUR UM SIE DANN ALLZU SCHNELL ZERRINNEN UND ZERFLIESSEN ZU LASSEN, BIS ALLES FÄLLT, FÄLLT, EWIG FÄLLT; DIES ALLES UND VIELES MEHR ERZÄHLT LUG MIR, LEHRT MICH, VERBLÜFFT MICH, NARRT MICH UND SCHEINT MICH AUF DIESEM WEGE FÜR DAS LEBEN HIER AUF SEINE ART ZU SCHULEN.

Verflucht! bei solchen träumen heißt es aufpassen - es stellt sich die frage, ob an ihnen irgend etwas wahr ist, und ob sie eine botschaft oder nur trugbilder verwirrter phantasien darstellen und dem träumling ungewohntes vorgaukeln; besonders weil das leben hier zum träumen einladet, es vielleicht überhaupt nur ein traum ist, ein greifbarer und lebbarer, oder wirken die realitäten der vergangenheit und das geschehen der letzten nacht, die zu drückend, zu hart waren, noch nach; und vielleicht stellen deswegen die träume hier eine notwendigkeit dar, so helfen sie wahrscheinlich, die härten und die vielen sonderbarkeiten ertragbar und verkraftbar zu machen, denn anscheinend ermöglichen gerade die träume das verstehen dieser so sonderbaren und irrealen welt, oder sind gar sie es, die den notwendigen schutzmantel bilden, um den geist vor den folgen von verwirrung zu schützen; nun, die zukunft wird es zeigen, auf jeden fall ist LUG´s lehre vom wind und vom nebel -sofern es überhaupt eine ist- interessant und beeindruckend; wer aber soll LUG sein, ist er eine manifestation einer anderen existenz, ein archont oder nur ein produkt einer art von bewusstseinsspaltung, die sich wegen der hier fremdartigen und äusserst belastenden situation immer wieder von selbst ergibt, einfach ergeben muss; in jedem fall ist es aber so, als sei LUG jetzt überall präsent, und obwohl er auf sanfte und doch dominierende art bestimmt, was zu geschehen und was nicht zu geschehen hat, scheint auch er gewalt über das fleisch und alles was in ihm wohnt zu haben, und nur ER, der außerhalb lebt, versucht ihm manchmal ebenbürtig zu sein; als sonderbar erweist sich auch, dass frühere träume im nachhinein immer diffus und schwer rekonstruierbar waren, auch die tagträume, der vorangegangene traum mit seinen bildern und seiner botschaft diesesmal aber klar und deutlich wie ein real ablaufendes geschehen wahrgenommen wurde und so auch im gedächtnis verankert scheint; was soll aber die botschaft dieses traumes mitteilen - die zukunft wird versuchen es zu zeigen; und nicht nur ihre vorausschau trägt zur verwirrung bei, es ist, als hätte es keine vergangene nacht, keine kälte und kein leiden in der baumkrone gegeben, als sei alles nichterklärbare und nichtverstehbare hier eine banale normalität, scheint es normal zu sein, wenn jeder gefallene regentropfen wieder vom boden aus in den himmel aufsteigend zurückkehrt, solange, bis die rückkehrer die luft, sowie auch alles leben hier, wie mit einem stillen, schwülen korsett festigen, einzementieren; und das ist auch der grund warum der kadaver wieder munter wird, ES immer wieder zum leben erwacht, zu fleisch wird, fleisch geworden ist, obwohl das sich noch nicht bewegen will, und so liegt ES in der feuchtegeschwängerten luft schwimmend mit ausgebreiteten armen auf MOORO - in einer luft, die bettet, die die haut benetzt und die seele wäscht, wo dann das fleisch sich in der dichte und wärme der feuchte wie ein fisch in einem warmen meer fühlt, wobei ER, der selbstständig agierende teil des geistes, immer noch außerhalb zu sein scheint, irgendwo oberhalb des niveaus beobachtend, scheinbar von nichts beeinflussbar, frei von allzu irdenem und wandernd zwischen den nebelbehangenen bäumen, einen hang hinauf und einen anderen hinunter gleitend, über wiesen und kämme segelnd, teiche umkreisend, häuser durchdringend, und auf orte hinab schauend, um dort den erdlingen in die seele zu spähen, solange, bis sich alles einsehbar, erkennbar und nichts mehr fremd darstellt, so dass ER manches und vieles an sich selbst eilend, kämpfend liebend, leidend und sterbend erlebt, und während diese geschaute vielfalt hierhin und dorthin immerfort drehend träge fließt oder eilend strebt, ahnt die schau, wie doch nichts vom fleck weg kommt, nichts weiter geht in einer endlos statischen und letztendlich unwichtig scheinenden welt; nun aber genug, sonst wird das sehen zur droge, führt es zum wahnsinn, wenn es das nicht schon ist, denn der wahnsinn gibt sich hier nur allzusehr als ein angenehmer zustand, er ölt und macht fleisch und geist geschmeidig, und in ihm öffnen sich neue welten, die die neugierde nähren, die sie nach anderem gieren lässt; und warum auch nicht, stellt meist nicht die mühsam gepflegte realität die basis für den potenzierten wahnsinn des erdlings genesis dar; muss da zwangsweise nicht auch der hier gelebte wahnsinn pausen machen, sogar lange pausen, ansonsten er ebenfalls zur norm wird, und ob freiwillig oder nicht, besteht leider die notwendigkeit sich allzuoft aus ihm zurückziehen, wobei es dann zu leicht und zu schnell zu entzugserscheinungen kommen kann, die das leben hier nur noch schwerer machen würden, wenn man zulange und zu oft in ihm verweilte.

Der sonne nach muss es mittag sein, und der hunger macht sich energisch bemerkbar, um aber etwas kochen zu können, besteht die notwendigkeit vorher die in der schlammlawine verstreuten und verschütteten ausrüstungsteile zu bergen, und wenn sich die glieder hierbei auch noch so steif anfühlen, so glaubt doch sonst alles fleischliche zu jeder tat oder untat bereit zu sein, wobei kein gedanke mehr an vergangenes, an träume oder an katastrophen erinnert, denn die sonne scheint hell und warm, der himmel klart auf, und das leben ruft - ein leben, das die unternehmungslust zurück bringt, freude und kraft am tun werkt, so dass das wohlbefinden glaubt, alleine zu herrschen, so als wären schon lange all die lasten der zeit abgeworfen; und obwohl irgendwo noch ein rest von müdigkeit lauern muss, wird dieser einfach von der wachsenden lebenslust zugedeckt; nur, beim betrachten des geländes stellt sich zwangsweise der boden der realität gleich wieder ein, denn noch immer scheint es unbegreiflich, wie vergangene nacht diese schmale spur von schlamm und geröll solch eine katastrophe gewesen sein konnte, und so herrscht pures unverstehen vor, wie doch relativ kleine geschehen solche folgen haben können; aber das vergangene glaubt sich jetzt verdaut, muss wohl vorerst noch vergessen sein, damit die zukunft nicht in die vergangenheit mündet, daher rasch nach dem schlafsack, den rucksack, dem messer und den rest der ausrüstung gesucht, die auch bald alle zur gänze gefunden sind, nur strotzt alles das vor nässe und vor schlamm und muss zum trocknen ausgelegt werden, um es anschließend leichter mit der bürste reinigen zu können; und übrigens ist hier schmutz nicht gleich schmutz, denn berührungsspuren von erde, staub, baumrinde oder sonstigem wird nicht als solcher empfunden - als wirklicher schmutz stellt sich nur der dar, der aus dem inneren des fleisches heraus kommt, wie zum beispiel eingetrockneter schweiß, welcher aber nach einiger zeit auch nicht mehr stört, einfach nicht mehr wahrgenommen wird, weil bald das gefühl vorherrscht, dass das fleisch nicht mehr stinkt, weder aus dem mund, noch von sonst wo; und sich nur als unangenehm erweist, wenn der rinnende schweiß den hintern ständig so auswäscht, bis die unterwäsche ungewollt ihre farbe wechselt, wobei dies aber im moment überhaupt nicht ins gewicht fällt, denn seit tagen fehlt der stuhlgang, weil einerseits zuwenig gegessen wird, und sich die verdauung noch nicht umgestellt hat, andererseits die zugeführte wenige nahrung sich zu fast hundert prozent in energie umwandelt, es auf grund dessen so gut wie keine ausscheidung geben kann; deswegen zeigt sich der schmutz vorwiegend an den händen, die ständig porentief verdreckt, aufgerauht, voller kratzer und wunden sind, aber dieser schmutz stellt nur eine edelbeschichtung, wie die grüner patina auf altem kupfer, dar; auch ist es interessant, dass aufgrund der vielfalt der kleineren und größeren wunden, die eigentlich bis zur heilung alle verdreckt sind, sich noch keine entzündung eingestellt hat - ganz im gegenteil; nach oftmaligen darüberlecken oder wenn es größere wunden sind, nach wiederholtem daraufurinieren, schließen sie sich rasch und vernarben schnell, wobei früher jeder noch so kleine kratzer so schlecht heilte, dass auf grund dessen oftmalige blutuntersuchungen gemacht wurden; hier scheint aber ausfluß, besonders 'geistiger', zu heilen, scheint dieser alles offenliegende zu schließen und zu vernarben, bis nur mehr erinnerungsmale zurückbleiben, die sogar der seele profil geben, ihr unter umständen gut tun können, und die bei richtigem verstehen manch hässliches und schmerzendes ins schöne und wohltuende umwandeln, so dass es immer besser gelingt distanz zu bewahren und zu erreichen, und die eigenen gefühle, wenn gefahr für sie besteht, zu isolieren und zu schützen -was aber noch immer nicht voll gelingt-, und bei alledem zugleich höchste notwendigkeit besteht, den betrachtungsstandort zu neutralisieren, damit zwischen den gefühlen und den schmerzen auf der einen und dem betrachter auf der anderen seite die notwendige distanz, eine imaginäre schutzzone entstehen kann, deswegen gibt es seit stunden keine muskelschmerzen mehr -fast keine-, weder fleischliche noch geistige; auch stellt es sich wie ein wunder dar, dass die strapazen der vergangenen nacht im großen und ganzen keine unbewältigbaren beschwerden hinterlassen haben, wenn man von denen, die sich weit hinter dem geist einnisteten, absieht, und die wahrscheinlich erst später zu einem richtigen problem werden, weil die isolation der folgen des schrecklichen noch nicht zur gänze gelingt - verdrängen lässt sich auch nicht eine, so, unbestimmte müdigkeit, die permanent vorhanden und stets auf lauer liegt, mit der aber gelebt werden kann; auch scheint zum glück der hunger, der nur fallweise und ganz ohne plan gestillt wird, vergessen zu sein - und wenn gegessen wird, dann mit einer gier, mit einer geschwindigkeit und einer lustvollen brutalität, ganz ohne rücksicht und ehrfurcht vor der nahrung, die eigentlich die lebensbasis darstellt, dass nachher scham und die hoffnung aufkommt, ob ja niemand zugesehen hat, weil solch ein konsumieren nicht einmal ein fressen, sondern wie ein primitives reissen in sakralen organismen ist; auch weil essen hier eben nur eine notwendigkeit darstellt, die zeit kostet, und das zwischendurch zu geschehen hat - es ist aber nicht so, als wäre die zeit hier eng, nur bei all dem vielen neuen und erlebbaren gibt es eben schöneres und interessanteres als essen, auch schadet weniger essen nicht, denn das fleisch nivelliert sich bei solch einer schmalen naturkost sowieso von selbst auf ein bestimmtes, wenn auch sehr, sehr niedriges gewicht ein, und ab diesem zustand wird alles fleisch zu zähen fasern und sehnen, wobei eine solche nivellierung keinesfalls einen ausgemergelten kadaver bedingt; es sich von selbst versteht, dass bei einer solch geringen energiezufuhr und deren gezwungenermaßen guten umsetzung sich kein muskelberg und keine scheinbar explosive kraft, wie die bekannter leinwandhormonmuskelmaschinen, ansetzen kann, so bleibt eben nichts anderes übrig, als hier jede handlung und jedes vorhaben umso mehr überlegt und ökonomisch vorauzusplanen und einzuteilen, denn dann kommt es im anvisieren eines zieles oder beim nur so hineinleben in den tag im regelfall nur auf ausdauer, beharrlichkeit und vor allem auf einen bestimmten bewegungs- und verhaltensrhythmus an, bei dem in den meisten fällen ein zuviel an muskeln und an kraft ein hindernis wäre; nur, ein zuviel von ihnen wird es hier sicher nie geben, weil sich hier eben die energiezufuhr als zu unregelmäßig und zu gering herausstellte, deswegen kommt es im wesentlichen auf ausgeglichenheit, auf 'die gebremste geschmeidigkeit' von fleisch und geist und in folge erst auf eine etwaige schnelligkeit in bewegungen und das rasche reagieren auf vermeintlich gefährliche situationen an; stellt sich solch ein gleichgewicht ein, braucht es selten irgendwelche kraftexplosionen und hastigkeiten, und deswegen bewegt sich das fleisch, das im moment im hang nach den letzten fehlenden ausrüstungsgegenständen sucht, ruhig, statisch und ohne hast, fühlt sich gleichzeitig aber doch noch allzuoft zu schnellerem verführt, wobei abgesehen von tag und nacht und den jahreszeiten die zeit hier keine dimension mehr darstellt, oder vielleicht gerade deswegen -weswegen- eile nicht not tut; auf jeden fall hat die zeit ihren wert verloren, ist sie nur mehr eine verblassende erinnerung aus der vergangenheit, und so wird gerade hier jede handlung, jedes unternehmen und jede bewegung mit äusserster sparsamkeit, bedächtigkeit und überlegtheit durchgeführt, schon alleine um gefühle und empfindungen voll auskosten zu können, und wenn hierbei auch noch so ein tiefes hochgefühl und ein scheinbarer kraftüberschuss vorhanden sind, so bestimmen doch nie mehr, oder fast nie das temperament, die leidenschaft oder irgendeine kurzschlusshandlung das tempo oder die art eines unternehmens; es ist aber nicht so, als würden temperament und leidenschaft fehlen, nur, es wird jeder handlung ein schalldämpfer, sozusagen ein emotionsfilter vorgesetzt, damit die noch immer schwer kontrollierbaren instinkte und eigenschaften nicht das handeln bestimmen - nun genug der gedanken- und gefühlsakrobatik, das wetter und vor allem dieses land ist hierfür viel zu schön ; ist zu schön in allem was hier geschieht, sowohl in der katastrophe als auch in seiner sanftheit; wobei beängstigend ist, dass das denken immer mehr im zwiegespräch, im plural erfolgt, aber vielleicht geschieht das deshalb so, weil sich hier niemand alleine fühlt, weil überall leben eilt oder ruht, das fühlt, leidet, und das sich wie das fleisch und der geist freut, während ER und ES immer weniger eins sind, sie nur noch selten gemeinsam im selben haus wohnen und immer mehr unabhängig voneinander agieren -schwer verstehbar, noch schwerer erklärbar-; es ist, als trennen und entfernen sich beide voneinander immer weiter, während der eine doch noch der gefangene des anderen zu sein scheint.

 

 

   Die ausrüstung ist wieder komplett - und inzwischen geht der tag schon in die zweite hälfte, so dass nun die suche nach einem dauerlager beginnen muss, denn der winter wird kommen, wie er immer kommt; und wenn auch das jahr sich schon spät gibt, so wird er sich doch zurückhalten, bis alles gerüstet ist, deshalb herrscht auch keine angst vor ihm, besonders weil der glaube an seine zurückhaltung gewachsen und unverrückbar scheint - ein glaube, der hier mehr als ein gefühl, der eine tatsache darstellt; erklärbar nur, weil sich für solche vorhersagen und ahnungen allmählich ein instinkt entwickelt, der selten trügt, gar nicht trügen darf, weil einfach von ihm zuviel abhängt.

Leichtes gepäck macht das gehen angenehm, besonders dann, wenn wie bisher nur schwere lasten geschleppt wurden, und so ist es einfachg herrlich nur einem gefühl gehorchend sich irgendwelchen pfaden und wegen ohne ziel und vorgabe entlang treiben zu lassen; wobei doch zu berücksichtigen wäre, dass hier an der schattseite des tales im winter zuviel und sicher zu lange schnee liegen wird, um sich auf dauer für ein leben, wenn auch ein kurzes, einrichten zu können, aber gegenüber auf der anderen seite, der sonnseite, sind die lieblingsplätze der gemsen, die dort schon zeitig am morgen äsen und ruhen, deswegen müßte dort auch irgendwo der beste platz für ein winterlager sein, und obwohl ein solcher nur in der ahnung existiert, zieht er jetzt schon das fleisch an, lenkt gezielt und gibt ihm kraft und sicherheit - eine kraft und zielstrebigkeit und ein besonderes verlangen, welches ES in dieses land führte, zog und ohne vorgabe eines genauen zieles trieb; und wenn, wie jetzt, ein nahes ziel vor augen ist, vervielfachen sich die kräfte und lassen diese alle müdigkeit und hemmnisse vergessen, müssen einfach vergessen werden, weil das gelände immer schwerer begehbar, der lagerplatz noch weit und die ausrüstung umfangreich ist, von ihrem gewicht gar nicht zu sprechen, und eben hierfür alle kraft und noch mehr benötigt wird; aber wie meist, eilt der wunsch der tat voraus, ist der schon am erträumten lagerplatz und errichtet eine unterkunft - nur, wie immer ist die vorstellung ein zu schnelles produkt der phantasie, von der leider sich allzuviel vorhanden zeigt, und die dann allzuoft als ursache eine gehörige portion folgeschäden garantiert; so hört es sich auch nicht besonders verwunderlich an, wenn mit hilfe der phantasie in einem gelände, wo alles nur aus steilen, mit felsen bespickten und von geröllrinnen durchzogenen hängen zu bestehen scheint, relativ rasch unüberwindlich aussehende hindernisse überstiegen oder umgangen werden können, auch sind zusätzlich -zum glück- die steilen hänge immer wieder von einzeln stehenden sträuchern oder knorrigverwitterten bäumen so bewachsen, dass an ihnen ein leichtes festhalten und ausruhen möglich ist, um dann an den um diese jahreszeit mit dichtem, langen und sonnenverbrannten, die hänge kreuz und quer durchziehenden grasnarben, wie auf einer himmelsleiter, relativ sicher hinauf und hinab zu steigen, sofern das vom wind und vom schnee umgelegte und von der sonne ausgetrocknete gras durch den regen oder den tau nicht zu nass und ein festkrallen mit zumindest einer hand möglich ist, während die andere hand über einen langen stock das fleisch abzustützen versucht, bis die steig- und rutschpartie endlich am schluchtartigen talgrund endet, an dessen boden ein bach entlang fließt, der mit einigen sprüngen auf herausragenden steinen überquert werden kann, und der hierherunten eine sonderbare stimmung schafft - eine kühle, fast kalte und sehr düstere, während er über kleine wasserfälle eilt, sich als klares smaragdgrünes juwel in tief ausgewaschenen felsenschalen sammelt, die als natürliche wannen schöner als jedes marmorbad zum verweilen einladen und sofort das verlangen zu baden wecken; nur, die eigenkontrolle sollte jetzt nicht verloren gehen, das gleichgewicht muss um des überlebens willen bewahrt bleiben, denn erstens ist das fleisch zu erhitzt und zweitens fehlt im moment die zeit für ein badevergnügen; aber es ist schon verrückt: alles wurde verlassen und zurückgelassen, um den zwang der zeit zu entgehen, und nun bestimmt sie wieder das handeln und den rhythmus, so im moment nur als trost der bach als ein leitfaden in eine hoffentlich zeitlose zeit bleibt, als ein band in eine andere zukunft und in ein werteloses leben - eines, das wie der lauf des baches nicht mit dem auge verfolgbar ist, denn das enge tal krümmt sich bald zur gewundenen schlucht, wahrlich einem symbol einer fragwürdigen zukunft, die meist einmal links und dann wieder rechts des bachufers genügend platz zum marschieren frei gibt; nur muss vorher noch die gesamte ausrüstung hierherunter zur talsohle getragen werden, wobei unzähligemale die hänge hinauf und wieder herunter zu klettern sind; aber, gott sei dank, liegt jetzt endlich all dieses gerümpel auf einen haufen hierherunten, so dass unwohlsein aufkommt, wenn zu bedenken ist, wie weit und über welche hindernisse hinweg diese menge an scheinbar notwendigem noch getragen werden soll, denn normal ist solch ein umfang an ausrüstung sicher nicht, und es entspricht auch nicht der früheren art, nicht dem alten geist des fleisches, mit solch einem sammelsurium auf gut glück und ohne genaue planung einem nur in der ahnung existierenden ziel entgegen zu steuern, aber das gefühl der bestimmtheit und der sicherheit ist stärker als die vernunft und der verstand.

Wiedereinmal geht es mit gepäck am rücken los, dem bach entlang, von zeit zu zeit die ufer wechselnd - dieser gang entlang des wassers kommt sehr gelegen, weil hier keine fussspuren zurück bleiben, und so auch kein erdling nachfolgen kann, schon gar nicht der hund eines jägers, denn sicher wird die familie eine suchaktion starten, die aber hier nur ergebnislos sein kann, und das ist gut so, deshalb ist diese wasserdurchflossene schlucht wie ein weiteres tor in die zukunft, in ein neues leben, stellt es sich so dar, als wäre diese gewundene schlucht ein symbol des kommenden, weil das hier herunten scheinbar stets vorherrschende dämmerlicht nach jeder windung trotz anfänglicher düsterheit heller wird, werdendes, unnatürliches licht die dämmerung schritt für schritt aufhellt, so dass nach jeder krümmung die bedächtigkeit und besonnenheit sich selbst vergisst, das gehen in ein eilen mündet, ja es zu schnell im laufen endet, weil ES sich dem saugenden vakuum des dunkel umrandenden lichttores am schluchtende ergeben muss, auch weil dies alles hier ein wunder an bizarr himmelhochragende, das gemüt drückende felsen darstellt, gesäumt und gebunden von einem schmalen himmelsband, und immer voraus der klare und leise gurgelnde, vom abgefallenen laub bernsteinfarbene bach, aus dem zu trinken die lust oder ist es einfach nur der durst in den immer öfter erfolgenden pausen der rast befiehlt, aber vielleicht auch weil das fleisch unmengen von wasser verlangt, das dann mehr als oft wie bei einem hund abgelassen werden muss, obwohl durch die schwere packerei der schweiß in bächen am fleisch herunter rinnt; trotzdem bricht von zeit zu zeit aus purer lust ein langgezogener, häulender schrei, ähnlich dem einems wolfes, heraus, der von den felswänden widerhallend sich brechend überschlägt, umkehrt, leiser wird, splittet und zuletzt, mit der hoffnung von niemanden gehört zu werden, sich wie ein heiliges wispern in einem dom verliert - so verliert, wie sich die zeit hierherunten von selbst aufgibt oder auch nur verirrt, ER sich deswegen fragt: wie weit die sonne schon im tage steht, und ob es vielleicht gar schon nacht ist; aber, gott sei dank, diese schlucht endet doch irgendwann einmal vor einem hohen, weißschäumenden und tosend lauten wasserfall, der mit seinem wasserstaub einen kleinen talkessel zur gänze ausfüllt und ein fortkommen hierherunten unmöglich macht, so es dann nur mehr nach rechts oder nach links hinauf weiter gehen kann; da aber irgendwo weit hinten der weg von rechts herunter führte, wird er wohl jetzt nach links hinauf weiter gehen müssen; nun, zuerst muss aber noch in mehreren gängen die ausrüstung hierher getragen werden, und diese aussicht zerstört jede romantik, verstärkt nur die dargebotene, beklemmente fremdartigkeit dieser situation, auch weil jetzt für eine viel zu lange zeit das schleppen und immer wieder das schleppen dieser manchmal unnötig scheinenden ausrüstung den zur neige gehenden tag bestimmt, und so stellt sich immer wieder die frage: ob ES nur hierher gekommen ist, um sich mit lasten zu schinden, sich schon wieder oder noch immer dem zwang selbstauferlegter arbeiten unterwerfen zu müssen, auch ob gerade dies alles notwendig sein soll, ob da vielleicht nur eine last gegen eine andere ausgetauscht wird, die lasten der vergangenheit durch die der zukunft ersetzt werden sollen, und vor allem, ist in anbetracht der schlepperei überhaupt so viel ausrüstung notwendig, besonders da die angst, es könnte im entscheidenden moment gerade das benötigte fehlen, deren umfang und damit auch ihr gewicht bestimmt; deshalb scheint auch hier, zumindest im augenblick, das uralte gesetz zu gelten, dass das tun vor dem nichtstun kommt - und so wird jetzt am ende des letzten ganges mit zittrigen knien und bleierner müdigkeit der vorerst letzte rucksackinhalt zum inzwischen hoch angewachsenen ausrüstungsberg geschüttet, welcher sich am linken hinteren rand des kleinen talkessels ansammelte, und von dem an seiner rückwärts liegenden wand der zuvor bestaunte wasserfall in einer hohen und breiten kaskade herunter fällt, nur um entgegen jeder ordnung zugleich wieder wie eine wasserstaubsäule aufzusteigen, während gleichzeitig rundherum von allen seiten kleinere und größere wässer rinnen, fallen oder springen, so dass ein tiefes und stetes rauschen die ohren betäubt, und die mit unzähligen wasserkristallen gesättigte luft das von oben kommende tageslicht zu unwirkliche perspektiven verzerrt, die die atmosphäre hier herunten sonderbar kalt, sehr kalt und naß werden lassen, bis sich die kleidung und die ganze ausrüstung mit einem feinen film aus gefrorenem wasserstaub zu überziehen beginnt.

Alles hochgefühl ist vergangen - und langsam kommt hastigkeit auf, die von einer sich schon lange ankündenden angst genährte wird, welche gemeinsam mit einer schleichend einhergehenden müdigkeit und einem rapiden verlust der ansonsten unerschöpflichen kraft eine tiefe niedergeschlagenheit verursacht; und was ist dann, wenn unter solchen bedingungen hierherunten überraschend die nacht herein bricht, die feuchte mit der beginnenden nachteskälte zu gefrorener, stehender luft wird, wenn die zeit davon eilt, so dass es kein vor und kein zurück mehr gibt, denn hierherunten ist die tageszeit nicht abschätzbar, weil der weite horizont fehlt, und der lärm und die dichte, zähe feuchte das bild einer fremden, dimensionslosen welt vor augen gaukeln; deswegen gibt es nur eines: 'raus hier', irgendwo links hinauf, an höhe gewinnen und möglichst schnell über den schrecklichen, brodelnden kessel hinaufsteigen - ein steigen, das wiedereinmal die suche nach einem begehbaren steig notwendig macht -das wievielte mal schon-, nur diesesmal, so schnell wie möglich, weg von hier, irgendwie und irgendwo so schnell wie möglich an höhe gewinnen; und gott sei dank, sind es nach einiger zeit nur mehr wenige meter bis zum rettenden kesselrand, und jetzt wirkt dieser ort auch etwas freundlicher, weil es bis zum freien gelände gar nicht mehr so weit ist, wie es zuerst von unten den anschein hatte, auch weil der hastige aufstieg nicht so beschwerlich, wie befürchtet, von statten geht, denn solche vorhaben lassen sich leichter bewältigen, wenn auf die zuletzt verschmähte hoffnung doch noch zurückgegriffen werden kann; und so ist es jetzt am kesselrand auf einer kleinen felsennase sitzend ein leichtes in das land hinein spähen, und während es schon abend wird, ein anmaßend lässiges mit den beinen über den abgrund baumeln, so wie gleichzeitig ein respektvolles von oben betrachten dieser lauten und feuchten düsterheit, nur sollte hierbei nicht vergessen werden: vom kesselboden ist noch das notwendigste zur nächtigung heraufzuholen; wobei es schon sonderbar ist, dass trotz des tagsüber immensen energieverbrauches sich bis jetzt kein hunger meldet, wahrscheinlich ist hierfür die müdigkeit und die freude über den bisher zurückgelegten weg ein grund - nun, etwas später ist der schlafsack ausgerollt, und in doppelter kleidung verpackt und dick vermummt wird der sack von innen verschlossen, damit der inzwischen aufkommenden kälte und der erinnerung an die katastrophe der vergangenen nacht zum trotz die beginnende körperwärme und die ungewohnte ruhe zufriedenheit und wohlbefinden aufkommen lassen können.

Die nacht ist schnell da - im schlafsack stellt sich rasch wohlige wärme ein, auch wird, wie die erfahrung lehrt, die von der nassen kesselluft feucht gewordene kleidung mit hilfe der körperwärme in wenigen stunden ausdünsten, so dass die zu erwartende, rasch tiefer fallende ausßentemperatur kein problem mehr darstellen sollte, sogar die müdigkeit jetzt wohl tut, auch wenn sich nun langsam der hunger zu melden beginnt, aber das monotone rauschen des wasserfalls und ein starkes gefühl der zufriedenheit lässt alles häßliche vergessen und den ersehnten schlaf kommen.

 

 

    Um diese jahreszeit beginnt die nacht spätestens um fünf uhr abends und endet erst um sieben uhr früh am morgen, was zum durchschlafen einfach eine viel zu lange zeitspanne ist - eine, die in den vergangenen nächten immer wieder wegen alle möglichen gedanken gewürzt, oft zu scharf geürzt wurde, wobei immer dieselben bilderfolgen solange durch den kopf gingen, bis die müdigkeit für kurze zeit den abwechselnd kommenden und gehenden schlaf brachte, und in solchen nächten das bewusstsein oft, viel zu oft, vom schlaf ins wachsein und wieder zurück schaukelte, besonders weil die erlebten emotionen und geschehen der vorangegangenen tage und nächte sich selbst vervielfachend weit in die nacht hinein wirkten; auch lässt nun die beissende kälte in dieser nacht selten einen längeren schlaf zu, lässt sie das atmen im bereich der nasengänge äusserst schmerzhaft vor sich gehen, ja sogar ätzend, weil scheinbar die eiskalte luft durch die nase ins hirn gelenkt und dort so lange wie auf einer rundbahn im kreis geführt wird, bis die schmerzzentren vereist und somit betäubt sind, sie keine reize mehr aussenden, und zum schluss die eingeatmete luft nun doch so warm geworden ist, dass sie ihren weg in die lunge hinunter findet, wobei einmal der versuch des kurzen weges, des atmens über dem mund, nur ein kurzer war, denn der automatisierte selbstschutz stellte diesen versuch schnellsten ein, und in folge nur mehr das auflegen eines tuches auf das gesicht und ein darunter möglichst flaches atmen über den langen moment hinweg rettete.

Die anpassung erfolgt schnell, weil der vorteil der freiheit von kleinen lästigkeiten als folge steter wiederholungen von unannehmlichkeiten begriffe wie schnupfen und verkühlung zu fremdwörtern bedingt, auch sind größere, ja sogar extreme temperaturschwankungen, regen oder schnee immer weniger belastend und werden weniger spürbar wahrgenommen, bis reaktionen auf solche klimatischen vorkommnisse nur mehr automatisch und reflexhaft erfolgen, wenn überhaupt noch; ganz im gegensatz dazu, wenn schwere lasten bei extremer hitze geschleppt werden müssen - einer hitze, die dem fleisch noch immer zu schaffen macht, die es während weniger stunden am tage immer wieder gibt, wobei es hier normal um diese jahreszeit nicht mehr heiss sein sollte, in windgeschützten nischen sonnseitiger berghänge sich aber das unmittelbare bodenklima um ein mehrfaches gegenüber exponierten lagen aufheizt, denn an solch geschützten plätzen gibt es im vergleich zum offenen gelände temperaturunterschiede bis zu zehn und mehr graden, vorausgesetzt, die sonne strahlt einigermaßen klar vom himmel; auch genügt manchmal schon eine diffuse strahlung für ein angenehmes bodenklima in solchen plätzen, die, wenn sie bekannt sind, während einer landesweiten kälte eine aufwärmung des fleisches relativ rasch und angenehm ermöglichen; aber solche plätze wirken auch negativ reflektierend, weil sie an warmen tagen während schwerer arbeiten viel substanz kosten, und so einen vorgeschmack eines martyriums vermitteln können, welches aber im vergleich zur nutzung des unterschiedlichen bodenklimas bei einer kältewelle sicher weniger wiegt, denn eine solche nutzung nimmt dem leben hier zeitweise die härten, zumindest was das klima betrifft, und das ist hier schon viel; da ist es dann schon eine besondere kunst, ein geschenk der geister, wie LUG einer ist, einfach in einer windgeschützten und sonnenerwärmten grassenke oder felsennische zu liegen, alles rundherum vergessen zu können und in der feuchtegeschwängerten bodenwärme zu suhlen, bis das fleisch sich schwerelos und grenzenzerfließend fühlt, und die vielen differenzierten gerüche wie von eim süchtigen inhaliert werden können, so dass die seele der gerüche das äussere ins innere kehrt, während draussen im glände die verspielten winde alles drücken und beugen; da wächst in solchen momenten der sehnsucht sattheit und der verlangen faulheit, ist das leben mit sich selbst zufrieden, befriedet, versöhnt es sich mit dem lugenden tod, weil dieser nur mehr die letzte, die erstrebte magapotenz der faulheit darstellt, und dieses befinden als einziger und ersehnter endzustand erstebenswert scheint und auch angestrebt wird - ein zustand ohne einen sichtbar dahinterstehenden willen, und einen ohne das sein des muss, ansonsten ein solcher doch wider des seins ein endgültiger, ein absoluter, einer der hier für das individuum seinerselbst zuviel wäre - vielleicht sein kann, wenn das individuum nicht zuviel eingebunden in der masse seiner art ist, und es sich deren bestimmung nicht allzusehr hörig und gehorchend hingibt, obwohl es im regelfalle derselben solange nicht mehr entkommen kann, bis sich trotz aller anstrengungen das absolute in einsamkeit und nichtigkeit verliert, dort im auftrag der genesis schon vor dem ende des seins von dasein abrückt, rückwirkend, schritt für schritt, immer mehr an bewusstsein verliert, schwindet, ohne sich jemals der erinnerung wieder habhaft zu werden, deswegen wird am anfang vom ende alles still stehen, wird sich dort dann nichts mehr bewegen, weder nach vor noch nach rückwärts, und niemand wird dann dem leben ein leben sein wollen, es können, mit ausnahme des verschwindens der sonnenspende oder das sich rückwärtsdrehen des windkarussells, denn oft genug gehen in solchen momenten der auflösung in der korona des nichts die lösung in der lösung auf, hebt diese sich dort wider aller gesetze und ordnungen selbst auf, schafft sie ohne aufwand aus dem nichts absolutes - absolute fähigkeiten, die den blick ohne zu schauen weit ins land hinaus schicken, in vielen verborgenen orten tastend und fühlend nach der formel suchen, um dort zu bewegen, zu lenken oder einfach nur zu beobachten; deswegen sind die plätze des wohlbefindens und der langen sicht sehr rar, sind eigentlich nicht vorhanden, bevor sie nicht mit hilfe der ahnung gefunden, ja, erst durch eine solche geschaffen werden; und so sind diese plätze immer nur in bestimmten höhenlage und auf seltenen böden, in nischen der zeit zu finden - in solchen, die das fleisch und seinen geist wie eine samtene, weiche und anschmiegsame haut umschließen, so dass blindheit nach innen und nach aussen herrscht, bis allmählich transparenz aufkommt, die bald endlos weit in beide richtungen gleichzeitig sehen lässt, damit es dort, an diesen plätzen, nicht nur eine aussicht gibt, sondern auch das sehen in und durch die lösung gelebt werden kann - gelebt in der ferne und erlebt im nirgendwo, ein sehen über und hinter die horizonte, ein sehen in und durch die dinge und in folge ein verstehen widerwillen ihrer selbst, weil trotz der faszination und der freude über das werden niegekannter möglichkeiten wiedereinmal und immerwieder die überheblichkeit gegenüber dem leben und die entmutigung in der erkenntnis eines fehlens jedes bildes vom tod am ende einer jeden aussicht trotz der gefundenen lösung erbarmungslos die beschneidung durch die einsicht steht.

Neben der kälte und den alpträumen sorgen in den nächten immer wieder einige irgendwo in den rücken oder sonstwohin drückende, eigenleben entwickelnde wurzeln für viel zu wenig schlaf - wurzeln, die gerade immer dort drücken, wo es am meisten weh tut, aber vielleicht ist das nur die rache der bäume, von denen einer eines teiles seiner äste für den lagerbau beraubt wurde; deswegen wächst oft der wunsch nach einem federbett, denn diese wurzeln und andere bodenunebenheiten kosten viele stunden schlaf; wobei doch mekwürdig ist, dass solche unannehmlichkeiten nach mehr oder weniger langer zeit der marter wohl wahrgenommen, aber als schmerzen nicht mehr empfunden werden; besonders deswegen, weil ein jahrelanges schlafen auf einem brett, und zwar das brett nicht unter der matratze, sondern auf ihr liegend, eine besondere gewöhnung und liegetechnik entwickelte, die mit der zeit ein automatisches, gleichmäßiges verteilen der körperlast auf möglichst viele druckpunkte bedingte, so dass dieser schlaf bald dem in einem normalen bett entsprach, und letztendlich die gewöhnung an die harte unterlage genau so war, wie vorher ein schlafen in einem normalen bett als angenehm empfunden wurde, ein mediziner aber sicher von solch einer art zu schlafen abraten und auf eine mögliche schädigung der wirbelsäule und des beckens hinweisen würde; nur, diese art zu schlafen ermöglicht jetzt wenigstens ein minimum an schlaf, denn wenn zu allen sonstigen umständen noch die unverträglichkeit des harten lagerbodens hinzukäme, wäre an eine erholung überhaupt nicht zu denken, und die strapazen des tages und der nacht würden wohl kaum mehr ertragbar sein; trotzdem ist jede nacht noch immer ein durchwachen und ein sehnsüchtiges erwarten des morgens, der all das bringen soll, was die nacht vorenthält, der von den qualen der kälte, des harten bodens, der müdigkeit und der träume befreiein soll - ein morgen, der, wenn er dann da ist, ein herrliches gefühl bringt, eines das keine plagen kennt, das mit allen sinnen das werden des tages verfolgt, aber auch nicht vergessen lassen kann, dass im moment des aufstehens jeder einzelne knochen und muskel schon bei der ersten bewegung wieder schmerzen wird, und eine bleierne müdigkeit daran erinnert, wie die nacht unangenehm war, und der beginnende morgen jetzt gut zu werden verspricht; und so erwachen knapp vor der dämmerung, wenn der vorerst letzte schlaf vorüber ist, wieder auf sonderbare weise die sinne, die die zwiewelt der wachsenden dämmerschatten auf unwirkliche weise intensiv wahrnehmen lassen, während gleichzeitig in dieser welt der hellen finsternis eine müdigfaule wohligkeit heranwächst; eine, die erst die basis für das werden von besonderen gefühlen schafft, denn nur die gefühle tragen zum tiefen empfinden in der kurzen zeit der lichtwerdung bei; deswegen ist es nicht verwunderlich, wenn sich im langen augenblick der dämmerung die erholung plötzlich einstellt, ganz im gegensatz zur langen zeit der nächte, die immer noch von längst aufgebrauchten, eigentlich von nicht mehr vorhanden sein dürfenden kapitalien zehren, die aber wider erwarten nochmals nach dem bewussten erleben der dämmerung, und vor dem schauen des hoffnungsvoll warmen lichtes des morgens, wenn auch nur für einen langen augenblick, den alles betäubenden schlaf ermöglichen, der in seiner tiefe nach nirgendwo führt, um dort die so oft verlorene und immer wieder schwer von neuem zu findende ruhe zu suchen, denn die nächte sind hier nicht weniger bewegt als die tage, nur eben auf eine andere art; das fleisch ist nachts nicht so dynamisch wie tagsüber, muss sich aber im schlafsack unzählige male drehen, wenden, krümmen und strecken oder irgendwelche komische stellungen einnehmen, damit die durch den harten und unebenen boden entstehenden druckstellen von zeit zu zeit entlastet werden können, und ER der währenddessen höchstleistungen vollbringt, die probleme, geschehnisse und träume verarbeitet und den hierfür notwendigen freiraum bekommt, während gleichzeitig immer wieder das gewissen und die ängste der vergangenheit wie schwarze phantome in den schlafsack gekrochen kommen; gott sei dank aber, die bilder der alten welt mit der zeit immer mehr schwinden, so dass es schon beängstigend ist, wie erfahrenes wissen und angeeignete, sogenannte bildung aus vergangenem leben rasend schnell verloren gehen, es so aussieht, als ob der preis für das aufgehen im neuen den bedingungslosen verlust des alten verlangt; nur, so faszinierend und interessant der erwerb des einen ist, so schmerzhaft ist dann doch der verlust des anderen, und wann, wie und wo dieser austausch enden wird, ist nicht abzusehen, wobei anzunehmen ist, dass diese permanent einseitige verschiebung in ein fiasko mündet oder zumindest auf eine dauernde androhung durch dasselbe hinausläuft; aber, auch ein fiasko kann ein dauerzustand sein, wobei jeder zustand, wenn er nur lange genug anhält, im regelfalle früher oder später zur norm wird, und es sich relativ leicht an einen solchen gewöhnen lässt - so gewöhnen, wie ein jeder sich in den vielen nischen des genormten wahnsinns gut einzurichten vermag; nur, im moment noch quälen die nächtöichen wahnsausinnsritte des geistes das fleisch unerträglich; besonders dann, wenn die gedanken in fremde, uferlose weiten abgleiten, das herz wie verrückt zu schlagen beginnt, der puls jagt, wohligheisse und kalte schauer über den rücken fahren, die hautporen abwechselnd sich schließen und öffnen, der atem stoßweise geht, und trotz der bitteren kälte der schweiß hervorbricht, während abwechselnd, dem entgegengesetzt, wie in einem wechselbad, der lebensrhythmus verflacht, sich potenziert und wieder bis zum stillstand abflaut, so dass ES sich wie in einem süß-rosa-nebel auf- und abschwingend vorkommt, bis die versuchung zum bequemen missbrauch dieser art zu empfinden und die sucht nach dem daraus sich ergebenden denken zu groß und zu unkontrollierbar wird, denn allzuschnell ist dann die kälte und die momentan missliche lage vergessen, und in folge es sehr schwer ist, wieder aus den sich auftuenden, fremden welten zurückzufinden, in denen es gegen die träume keine waffen zu geben scheint, weil ein leben außerhalb dieser welten, im moment ihres seins, unerträglich ist, und so diese -der sonderbaren gedanken und empfindungen- locken, verführen und nötigen, von vielen lasten für kurze sichten befreien, besonders wenn der rationale teil von ES sich dem irrationalen von IHM nicht verweigert, beide sich zur symbiose vereinen, und in einer solchen so aktiv werden, dass sie im durcheilen der welten gedankenebäude mit hilfe der lösung bauen, diese aus entschlackten vorkommnissen modellieren, und an hand potentieller, ungeschehener formeln analysieren, um solange darüber zu grübeln, bis die müdigkeit das geschaute dunkelt und zu schlafphasen zwingt, wenn auch nur für kurze regenerationspausen, nur um dann kraft für ein neues sehen zu gewinnen und um anschließend wieder in den befruchtenden qualen des wahnsinns zu tauchen, bis sich dieser wechselnde und immer wiederholende rhythmus in den langen nächten einen eigenen, ewigfürchterlichen kreislauf schafft, der jenseits des empfindens eine wertneutrale, bisher absolut fremde eigenintelligenz entwickelt, welche sich nur ab den höhepunkt der dämmerung für die dauer eines fragwürdigen tages zurückzieht, davor aber noch wie zum hohne darauf hinweist, dass die erlösung nur eine kurze zeit anhält, nie eine endgültige sein kann, um in folge dessen während des tages die angst vor der kommenden nacht nicht zu vergessen, auch nicht diese so fremdartige, unfaßbare intelligenz, die jetzt jederzeit so verläßlich gegenwärtig ist, wie sich der schreckliche kreislauf mit anbruch der dunkelheit wieder wie ein uhrwerk zu drehen beginnt; deswegen ist es oft eine erlösung, wenn die stille der nacht durch einen herabpolternden stein oder durch sonstige geräusche des waldes unterbrochen wird, denn einerseits ummauert das geschaute die fremden welten so, als gäbe es aus ihnen kein entrinnen, andererseits aber gibt es in diesen mauern immer wieder offene fenster, die eben solche geräusche durchlassen, und die dann wie ein rettungsanker sind, der ein zurückseilen in die kleine, alte welt des alltags ermöglicht, sofern überhaupt noch ein wille hierfür vorhanden ist, und nicht, wenn sich wie gerade jetzt wieder einmal die gefühle bis zum kollaps potenzieren, nur um sich anschließend über alles gesehene und erlebte zu entleeren - in eine welt entleeren, die fremd und doch wieder so bekannt ist, dass immer mehr des eigenen seins als ewig suchender teil in ihr verweilen möchte, und diese den rückkehren wollenden zurück halten will, bis alles jenseits des vorzustellenden bleibt, und es keine rückkehr mehr gibt.

WEITFLÜGELIGE TORE SCHWINGEN AUF, UND LICHT FÄLLT AUF IHRE BLASSEN UND STARREN GESICHTER. SIE KOMMEN AUS DEM DUNKELN, AUS DER STILLE. ABER SCHON BALD IST BEWEGUNG IN IHREN TOTEN AUGEN, WÄHREND IHRE GESTEN NOCH SPARSAM SIND, UND IHRE STIMMEN WIE FERNES MURMELN KLINGEN.

SCHON BLEIBT DER ODER JENER ABSEITS DES STROMES STEHEN UND LÄSST DIE HARTE WÄRME DES FLUORIZIERENDEN LICHTES AUF SEIN GESICHT WIRKEN. UND ES IST SO, ALS WÜRDE DIESE WÄRME IHRE INNERE STILLE UND LEERE AUFZEHREN, SIE IN GESCHWÄTZ UND HAST VERWANDELN, UND SO DAS GEWOHNTE VERLANGEN NACH UNSTERBLICHKEIT, NACH EWIGER RUHE UND GEFÜLLTER LEERE VERGESSEN MACHEN.

DIE VERGESSENEN TRETEN MEHR ODER WENIGER REGELMÄSSIG DURCH DAS TOR DER ZEIT. TEILS ZÖGERLICH, TEILS AUS BISHER NICHT GEKANNTEN VERLANGEN NACH DEM NICHT SEHBAREN. UND MANCH EINER VERMEINT SCHON ZU SPÜREN, WO NOCH LANGE NICHTS ZU SEHEN SEIN KANN.

NOCH WECHSELN SIE TASTEND UND WITTERND ZWISCHEN DEN WELTEN, ZWISCHEN HELL UND DUNKEL, WOBEI VIELEN UNKLAR IST, WO DAS EINE ANFÄNGT UND DAS ANDERE AUFHÖRT. GRENZEN FLIESSEN, WELTEN ÜBERLAPPEN UND BALD STRÖMT LICHT DORT, WO DUNKELHEIT UND EWIGKEIT ANFÄNGT, UND WO DIE WÄRME DIE LEERE DER FINSTERNIS, DAS ELEND URALTEN WISSENS UND DAS GRAUEN UNSTERBLICHEN SEINS ZU VERTREIBEN BEGINNT. DAS WECHSELBAD DER GEFÜHLE, DAS DER SCHEU UND DAS DER SUCHE NACH ERKENNEN UND VERSTEHEN BESTIMMEN NUN IHRER EWIGKEIT MASS. IHNEN GEBIERT IHRE ZUVOR NICHTGEKANNTE FURCHT UND DIE IHNEN NOCH VIEL ZU AUFDRINGLICHE NÄHE ZUM BILD DES FÜR SIE UNERKLÄRBAREN

WIE SIE, LEBT NUN DIESES BILD. ES UNTERLIEGT ABER NICHT DEM GESETZ DER ZEIT, UND DEN STETS WECHSELNDEN PERSPEKTIVEN ZUM TROTZ GEWINNEN SCHÄRFE UND FARBE VOR BLÄSSE UND GRAU. DAS EINE BILD WIRD IHNEN ZUR WELT, IST NUN IHR UNIVERSUM UND IST DOCH SO FERN - DORT WO DER EINSAMKEIT CHAOS ZUR ORDNUNG NORMIERT, DIE STERBLICHKEIT FÜR EINEN MOMENT ZUR UNENDLICHKEIT MUTIERT.

>>EIN MOMENT EINER WELT DER KURZEN UNENDLICHKEIT IN EINEM SZENARIO MIT TAUSENDEN BILDSCHIRMBESETZTEN TISCHPLÄTZEN EINER AVANGARDISTISCH GESTYLTEN HALLE, IN DER DIE EINGETRETENEN SICH IN EINER ALLESÜBEDECKENDEN, SPANNUNGSGELADENEN STILLE MIT SUGGESTIVEN BLICKEN UND MIT OPTRONISCH BEDIENTEN TABULATOREN, WIE IN EINEM AUF DAUER GESCHAFFENEN MACRO-KONTINIUM DEN ZENTRALEN KYBERNETISCHEN MEGA-GIGA-FLOATING-POINT-OPERATOR UNTERORDNEN UND ALS SIMULTANKOLLEKTIVE QUANTENCHROMDYNAMISCHE SUPERINTELLIGENZ GEGEN DEN EINEN, GEGEN DEN EINSAMEN AUF DER PERSPEKTIVENPOTENZIERENDEN BÜHNE KÄMPFEN, DIE IN IHRER SKYLINE VON ENDLOSWEIT SCHEINENDEN HIMMELHOHEN REIHEN MIT LITHO-VIDEO-WÄNDEN GESÄUMT IST, WÄHREND XENONISCHE LASER-LICHTINSELN DIE DIMENSIONEN IN ABGESTIMMTE FARBEN-CLUSTER-KONZERTEN VERLIEREN LASSEN, HINTER DENEN DIE MODALARCHITEKTUR DER KAMERAPYRAMIDEN VON TELESTATIONEN UND SATELLITENRELAIS DER MILIARDEN SÜCHTIGEN NUR ZU VERMUTEN SIND, WÄHREND ÜBERALL AUF DEN MONITOREN SICH KOORDINATENMEHRGITTERRASTERDURCHZOGENE LICHTWÜRFEL DREHEN UND ZOOMEN, SIE SICH SELBST WIE AUS EINER UMGESTÜLPTEN WIRKLICHKEIT HERAUS BETRACHTEN, SEZIEREN UND UMKREISEN, ODER IN DEREN SUBMIKROBEREICH DIE SPIELER SEQUENTIONELL WIE MIT HILFE EINES TUNNELRASTER-ELEKTRONEN-MIKROSKOPES EINDRINGEN, GLEICHZEITIG ZWISCHEN DEN EBENEN UND DIMENSIONEN KOMMUNIZIEREND, BEZIEHUNGSWEISE DIE PARALLELITÄTEN WECHSELND FLOUTEN, UM SICH DEM KAMPF GEGEN DEN EINSAMEN, DEN GALLIUM-ARSENIT-FIRST-ADMINISTRATOR, GEGEN DEN BESTEN, UND ALLE GEGEN DEN EINEN, GEGEN "LUG" ZU STELLEN.<<

GEKOMMEN AUS DEM LICHT, FLACH DAS GESICHT, DIE AUGEN AUSGEBRANNT, DER ZEITSTROM IHNEN EIN GEWAND. SO, SIE QUEREN DEN HOF, KEIN RUF BRICHT DIE STILLE, BEVOR VERSCHLOSSEN DER GEZEITEN TOR.

ZUR LINKEN UND RECHTEN, MASCHINEN GESUMM, DER HELFER GEMURMEL ZURÜCKBLIEB IM FORUM. KEIN SCHATTEN FÄLLT. KEIN WIND WEHT, KEIN RUF BRICHT DIE STILLE, ÜBERALL IST LEERE, NUTZLOSER WILLE.

ALLES IST SAUBER, REIN UND GEORDNET, DAS BILD GRAU, IHRE WELT GEWÖHNT DER TRAUER. ES REGIERT DES GEISTES KLARHEIT, DER BEWEGUNG SPARSAMKEIT VERMITTELT RUHE UND EINSAMKEIT.

SIE JAGEN UND HETZEN AUF DES MACHBAREN FÄHRTE DAS UNBEKANNTE BILD VOM LETZTEN GEMÄLDE. SCHAFFEN SO IHRESGLEICHEN ZUM NUTZEN UND SCHADEN, DRINGEN WIE MADEN IMMER TIEFER, TEILEN UND SPALTEN MIT SUCHT UND FIEBER DER MÖGLICHKEIT FESSELN LETZTE GLIEDER.

DIMENSIONEN SIE DURCHEILEN, SAMELN UND ZERLEGEN. VOM NEHMEN SIE LEBEN, TÖTEN UND GEBEN, GEWINNEN GRÖSSE UND MACHT, SO IHR PROFIEL VERFLACHT. BIS NORMEN SIE GEZEUGEN, DES VERLUSTES VIELFALT UND WECHSEL NIEMAND MEHR REUT.

GRAUEN RUHT WIE SCHERES GAS, NÄHRT DER ANGST VOLLES MASS; RINNT IN ALLE RITZEN, FÜLLT LETZTE TIEFEN. BIS EIN LEICHENTUCH AUSGEBREITET DES GLOBUS HAUT ZUM LÜCKENLOSEN FLIESS ERWEITERT. SO ALLES AUFRECHTSTEHENDE ERSTICKT, IM KOMMUNATIVEN NETZ VERSTRICKT.

ENTLANG PROGRAMMIERTER FÄDEN RASEN SCHATTENWESEN, TRENNEN, TREIBEN FREMDES LEBEN. NUR AN KNOTEN WOHNT GLEISSENDE HELLE, EIN LEBEN VERDAMMT ZUR HÖLLE.

SELTEN LIEST JEMAND VON DER LUST, VON DER BERÜHRUNG GUNST, VON GERÜCHEN, VOM LAUSCHEN, VON FARBEN, VOM GOTT UND VOM LEBEN - DEM URALTEN NEHMEN UND GEBEN. IN BRÜCHEN DER ZEIT WEHT DER SEHNSUCHT LEID, WIRD AHNEN UND HOFFEN FÜR EINEN AUGENBLICK WIEDER GEBOREN.

ZUVIELES VERSHÜTTET, MANCHES VERROTTET - VERLORENES IHRER ERINNERUNG SPOTTET. SO AHNT MANCHER DOCH, DASS ALL DAS SCHÖNE, DAS VERLORENE WIEDERKOMMT IN GLORIE - IRGENDWANN. NUR, WER weiß WANN - WER weiß, WAS DANN?

Nehmen diese bilder nie ein ende, und schickt LUG sie immer wieder nur um zu quählen - wo gibt es vor ihnen schutz, was will er mit ihnen sagen, und die, die aus dem dunkeln kamen, warum haben die ein so gigantisches schachspiel in mehreren dimensionen gespielt; was soll das hier helfen; soll ES hier auch ein vierdimensionales schach gegen sich selbst, gegen LUG oder gegen den da oben, gegen IHN spielen um nicht so oft in die traumwelt flüchten zu müssen - was ist dagegen zu tun, was kann gegen die träume helfen, wenn diese sonderbaren welten doch gleichzeitig schön und grausam sind, und warum gibt es in ihnen diese vielzahl an schmerzen, die man nicht sieht, aber denen man dafüer umso hilfloser ausgeliefert ist, bis der wahnsinn, die hilflosigkeit und die erniedrigung normalisieren, sie die summe aller leiden zu sein scheinen, die aber trotzdem das leben erst bewusst machen und den tod wie eine endlösung anbieten - einen tod, der einen aber nicht annimmt, der jedesmal zuvor zur umkehr zwingt, und ohne den es hier doch kein zurück gibt, und der erst dann, nach der umkehr, das häßliche vergessen und das schöne erkennbar macht; wobei aber seine schau, vor allem bei klarem nachthimmel, wenn die gestirne alles mit hellem, marmornem sternenlicht überfluten,besonders schlimm ist, so dass da nur mehr ein aufstehen und ein sich bewegen hilft, das in folge das fleisch mit einen nicht mehr beherrschbaren drang zu laufen, zur extremen belastung von ES zwingt, damit die traumbilder ihre macht verlieren, und nichts anderes mehr übrig bleibt, als bei klarem sternenlicht über bergkämme zu jagen, pfade hinauf und hinunter zu hetzen, über bäche und gräben zu fliegen, an schluchten und felsenkanten entlang zu eilen und gleichzeitig dickicht und unterholz wie ein schneepflug zu teilen, bis ES zusammenbricht, zusammengekrümmt mit flatternder lunge am boden liegend das herz noch in den haarspitzen spürt, so dass das fleisch am ende solcher läufe matt und ausgelaugt oft erst nach mehreren versuchen den rückweg findet, zurück ins lager taumelt und wie ein geprügelter hund in den schlafsack kriecht; und so hilft immer öfters nur mehr ein solcher lauf, der anschließend wie ein naturereignis den tiefen und langen schlaf bringt, wobei es schon ein wunder ist, dass solche unternehmungen ohne verletzungen vor sich gehen, und der tod nicht den endrhythmus bestimmt; aber in solch einem mondlauf ist jeder tritt leicht und sicher, hindernisse werden mit unglaublicher geschwindigkeit überwunden oder gar überflogen, und alles das geschieht wie in tranze, erfolgt wie beim federnden springen eines rehes oder beim eleganten gleiten eines vogels, während schon bald zu beginn eines jeden laufes der grund desselben vergessen ist, jede last abgeworfen scheint, hindernisse, müdigkeit und hemmnisse unwichtig werden, diese mit jeden sprung immer mehr schwinden, schwerelos machen, bis solch ein lauf zu einem seelenlandschaftreinigenden gewitter wird, so dass ES und ER sich für einige zeit in einem wohltuenden, gleichgewicht, einem tiefsichtigen dämmerzustand befinden; nur, allzuoft dürfen solche läufe wegen des -wahrscheinlich- emensen energieverlustes nicht stattfinden, denn dafür ist hier das nahrungsangebot zu gering, auch könnte sich irgendwann, wenn auch nur der möglichkeit nach, eine schwere verletzung ergeben, die hier, wenn man pech hat, zu einer art des todes führen kann, die nicht erwünscht ist, deswegen besteht die höchste notwendigkeit einer kontrolle solcher nächte, muss die tagesaktivität weiter in die nacht hinein verlegt werden, sofern sternenlicht und witterung dies zulassen, denn das problem an sich sind die überlangen nächte, bedingt durch die jahreszeit, und in folge eine gedanken- und gefühlsakrobatik, die auf dauer in den wahnsinn treiben; zum glück werden aber im sommer die nächte wieder kürzer sein, und letztendlich wird die zeit auf irgendeine art das leben hier stabilisieren, werden ES und ER sich entsprechend konditionieren; deswegen fühlen beide sich im moment sehr wohl und bestaunen die geburt des tages, der immer verschiedenere, andersgeformte, alles mit feuchte überziehende nebelfetzen vorüberschickt, während gleichzeitig irgendwo ein tier auf seinen weg zur äsung geräusche erzeugt; und es diesesmal so wie jedesmal und andersmal - es etwas neues und wunderbares ist.

 

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   Eine neue zeit - eine neue zeitrechnung beginnt; genauer, sie begann ab dem schlammunglück und festigte sich durch die darauf folgenden geschehen, wie zum beispiel die nacht in dem vereisten baum, oder wie solche in den qualvollen und doch wunderbaren nachtträumen, wo jeder für sich einen kleinen tod darstellt, der die wandlung der art zwanghaft vorwärtstreibt, der immer noch mutiert, selektiert und im gleichgewicht prohibiert, vielleicht nur um die entwicklung nicht anzuhalten, diese fortwährend zum anderssein zu zwingen, und so die vergangene nacht, wie auch andere zuvor, zu einer schranke machte, die, je weiter zurückliegend, alles vergessen ließ, was hinter ihr lag, sei es das schöne oder das häßliche - ein vergessen ohne vergessen, ein 'nicht-mehr-sein' ohne 'gewesen-zu-sein', geradeso, als ginge es nur um den verlust der erinnerung willen; nur wohin führt der verlust um das wissen alter geschehnisse und erfahrungen, wo und wann endet die kette der träume in diesen furchtbaren nächten, ohne die aber keine wandlung mehr möglich ist, weil diese träume wie ein nährstoffreicher sumpf zum schmerzhaften und ungewollten wachsen zwingen, beziehungsweise erst sie rückwirkend die folgen der wandlung testamentarisch voraussetzen, so dass die andere seite, die des vergessenkönnens, nur zu existieren scheint, um hinter dem schein des könnens keine seite des freiseins zu finden, keine persönliche freiheit zur rückbesinnung, keine freiheit sich an das angenehme und an die gefühle der liebe, der treue und der freude zu erinnern, auch wenn sich immer noch die nicht mehr faßbare hoffnung, altes irgendwann einmal wieder empfinden zu können, tief ins momentane, reale leben eingräbt, wahrscheinlich so tief, bis alles vergessene nicht verloren sonder erstickt ist; es sich aber doch einer fragwürdigen gesetzmäßigkeit zum trotz, wohl nur als ein verlieren auf zeit, als ein zeitlicher verlust des teiles der ewigkeit darstellt, der das sein misst, und ohne dem hier ein sein nicht möglich wäre -vorest noch-; ganz im gegensatz zum ewigen sein; solch einem, wie es nur die verdammten, welche nie mehr an einem ende stehen, kennen, die die nicht mehr zurückkönnen, weil sie schon über jede grenze hinaus gesehen haben, sie der versuchung das chaotische ordnungsparadies der erdlinge zu verlassen erlegen sind und auf grund dessen die ihnen fehlende, kurze spanne besonders schmerzlich vermissen, sich nach ihr mit wehmut sehnen; deswegen kann jetzt in anbetracht des verstehens und genießens des wertes eines augenblickes der neue tag mit einer grenzenlosen zuversicht begonnen werden - mit zuversicht so vollgepumpt, wie an jedem morgen zuvor; eine solche, die immer wieder die erfahrung im moment der hellwerdung vergessen macht -wiedereinmal, zum wievieltenmale-; vergessen für diesen moment, für den augenblick, für einen zeitsplitter, der die welt anhält, und der den kreis der ewigkeit durchstößt oder sogar durchtrennt, so dass an seinen schnittflächen die sonst mühsam verborgenen, häßlichen und verzweifelten fratzen der unsterblichken zu sehen sind; solche, wie die von göttern und heroen, von leidenden und erlösten; und vielleicht verspricht deswegen dieser augenblick eines tages viel und zugleich nichts - verspricht einen platz für ein winterlager, weit oberhalb irgendwo im hang, wo dann das vielleicht mit dem hellwerden zur gewissheit wird, denn die stärkste waffe gegen die fratzen sind die gefühle, die hier nie trügen, für die es nie ein vielleicht gibt, geben darf, weil von ihnen zuviel anhängt, wiel sie hier nicht nur ahnungen sind, sondern sie die einzig wahre macht darstellen, und der verstand und intellekt nur ihre geringsten werkzeuge abgeben, wenn überhaupt, so dass immer öfters die gefühle ein überleben garantieren, sie sogar zu eigenem leben, zur selbstständigen intelligenz, zur nicht mehr bremsbaren noch lenkbaren dynamik anwachsen, wo sie dann einfach irgendwann einmal eine summe von erfahrenes wissen darstellen, das sich selbst kontrolliert, selbstständig agiert, sich selbst nicht mehr in frage stellt, scheinbar ewig und unumstößlich in allem bewegenden und ruhenden manifestiert; deshalb kann jetzt der kalte und feuchte felsenkessel mit seinem lauten wasserfall, ohne ihn eines blickes zu würdigen, leicht hinten an gelassen werden, weil ein sog, solch einer wie ein thermischer in einem felsenkamin, genährt von zuversicht und von der kraft der gefühle nach oben treibt, saugt und hebt wie ein hochgeschwindigkeitsaufzug in einem wolkenkratzer, und wenn auch währenddessen die gedanken an die ausrüstung, die später in etappen nachgebracht werden muss, noch für unwohlsein sorgen, so herrscht doch jetzt nur der wunsch nach 'ein nach oben steigen - ein fliegen' vor - ein aufwärts, immer höher dem himmel entgegen, einem schmalen serpentinenpfad entlange in einem geröllhang hinauf, einen alten, verwaschenen, anscheinend ewig nicht mehr begangenen pfad folgend, der sich bald in einem mischwald verliert, in dem unzählige versteinerte schwämme wie kleine vordächer schlanker erker mittelalterlicher fassaden an verwitterten stämmen knorriger bäume kleben, hoch oben über knöcheltiefes, alles zudeckendes laub thronend, das zeitdämmend die konturen besänftigt, harmonisiert und wie wabbernde laubwellentäler in gelben, braunen und roten farbspielen die augen laut werden lässt, so dass ein gehen in ihm, wie ein lautloses waten in knietiefen, der perfektion konkurrierenden, kostbaren alten teppichen ist - teppiche, die von hohen, schlanken, bizzarrnackten bäumen wie stehende träume der ewigkeit bewacht werden, und welche am ende ihrer zeit am boden liegend und doch dieselbe verhöhnend trotz ihrer sichtbaren krankheiten zeitlos altern; ja manche sogar ihren zellabbau so verlangsamen, um der erdlingszeit ihren wert zu nehmen, damit sie der ohnmacht der entarteten genesis das wunder des immerwiederkehrenden werdens der vielfalt gegenüberstellen, ohne die frage nach der macht, der präsenz und der sehnsucht der erdlinge in abrede zu stellen; deswegen sind diese wesen an der art der emporkömmlinge überhaupt nicht interessiert, lassen sie diese einfach ins nirgendwo leer laufen, führen sie sie ad absurdum, ab dem es dann diese zeitlosen und einsamen, in all den verschiedenen massen herumstehenden grauen individuen sind, die das altlaubgoldene, lückenlose vlies, wie die lebende haut der erdlingszeit ans gelände heften und dem pfad wie versteinerte, vorzeitliche monumente vergangener seher und weiser so spalier stehen, dass keiner sagen kann ob in ihren adern leben fließt oder nicht - leben, das sie vielleicht biegen und beugen können, es auch tun, oder einfach nur durch ihre seelen rinnen lassen ohne deswegen in hastigkeit zu fallen, oder vielleicht sind sie auch nur manifestationen längst vergangener, borkigvielarmigverschlungener und doch aufrecht stehender wesen, die zuerst mit neugierde, dann mit lust und wehmut betrachtet werden, bis immer schneller von einem zum andern eilend, mit staunender ehrfurcht einmal ihre glatte und dann wieder rauhe haut befingert, ihre aufgebrochenen, bewulsteten wundränder behutsam geöffnet, und zugleich ihre leiber und wuchtigen, freiliegenden feuchten glieder betastend und und befühlend so aufgenommen werden, als sei dies eine vereinigeung mit wesen, die nur mehr in längst verloren geglaubten empfindungen und erinnerungen vorkommen - erinnerungen, die hier weit in den himmel ragen, und die mit ihren übergreifenden, ausladenden und laublosen kronen ein nur zu ahnendes feines netzwerk ins bedrängte firmament zeichnen; einen hauch von netz spannen über am boden ruhende, in allen möglichen lagen liegende, zerborstene und gebrochene riesige leiber samt ihrem wuchtigen, frei aufragenden fusswerk; aber auch solche, die als gefallene riesen graben- und schluchtenüberspannende brücken sowie luftiges getürm bauen, und wie einsame zeugen längst vergangener größe, kraft und schönheit schützend und verbergend gegen die zeit da draussen wirken, obwohl es, scheinbar dem zum trotz, auch plätze mit einzeln oder verstreut stehende, durch unvorstellbare gewalten bis ins tiefe erdreich aufgespaltete und zerfetzte stümpfe dieser leiber gibt, die wie mahnende finger gegen die üppige schwüle der zeit im wechselspiel zwischen schatten und spärlich in stehende waldluft einfallende lichtstrahlen zeigen, und so mit den gefällten vom unvergänglichen endzeitlichen kund tun, so dass dem betrachter, erst wenn die riesen am boden liegen, die spur einer ahnung von ihrer einstigen größe und kraft überkommt - einer ahnung, wie sie auf friedhöfen altvorderer giganten spürbar, wenn auch nicht sehbar ist, und zugleich hier das bild ihres schweigenden ruhens allseits sichtbar und greifbar macht, denn viele der ehemals weit in den himmel strebenden sind nur mehr als eine am waldboden vermodernde, andersbewachsene, wie blutbahnen die haut der erde durchziehende humusspur sichtbar, die deutlich zeigt, dass diesen wald schon lange keine säge oder axt geschändet hat, und sie, die alten, so ruhen können, wie es ihrer würde entspricht,.so dass von ihnen letztendlich nur mehr vorstellungen präsent sind, die zu träume werden und ab nun die durchquerung dieses waldes begleiten, zum halt gebieten, zur ehrfurcht, zum fühlen, staunen und sehen zwingen, bis alles fremde sich diesen träumen ähnlich darstellt, - alles fremde in ihnen eine heimat findet, die nie und niemanden mehr frei gibt, frei geben kann, während gleichzeitig das sehen ES immer öfters anhält, zum stehen zwingt, und stellvertretend eines traumes dem land hier, im besonderen diesem wald, einen namen gibt, der nicht neu ist, den es schon lange in sehnsüchten und ahnungen gab, und der selbst nicht mehr weiß, von wo er herkommt, was er bis vor kurzem bedeutete; nur, jetzt bekommt er einen sinn, einen, den er eigentlich schon früher hatte, wo er stellvertretend für das jenseitige und alles unerreichbare stand, bis er eben jetzt greifbar wurde, sich personifizierte und dieser ganzen gegend hier, dem wald, der neuen heimat seinen namen gab - den namen 'LOORIEN', der name eines traumes, der diesem land gerecht werden soll; und so ein anderer name nur ein frefel wäre, weil dieses land selbst trotz allem greifbarem wie ein traum ist, es sich so verschieden von der alten weit gibt, wie sich eben nur ein traum von der altgewohnten realität unterscheiden kann; wohl nur weil ER den traum durch die namensgebung zum gebären einer anderen wirklichkeit zwingt, um dann in symbiose mit der ahnung traum um traum zu verketteten gliedern einer wirklichen macht und niegekannten weisheiten zu verbinden, damit die vereinigung von wissen, macht und weisheit greifbar wird wie die rinde der bäume, riechbar wie das moos auf den steinen und hörbar wie die bewohner und ihr ständiger gast, der wind; und so alles in diesem land auf grund dieser vereinigung vielfältig wie dieser wald ist; sonderbar schön, überreich an leben und sehr nahe dem tod, der hier seine schrecklichkeit verliert, weil er allgegenwärtig und doch nirgends ist, er wie alles hier ist und alles war - so; wie LOORIEN schon immer war, wie LOORIEN immer sein wird; und deswegen macht die endliche fixierung eines lebensbestimmenden traumes zufrieden und glücklich, befreit vom panzer erdlingssein, macht aber nicht frei vor der angst vor dem verlust der grenzen zwischen traum und wirklichkeit - wo immer diese auch sein mögen.

 

 

   Der schritt ist leicht - links hinauf beginnend führt ein pfad zwischen felswänden eingebettete, und durch steil hochziehende, schmale grashänge mit sich ständig kreuzenden wildpfaden himmelwärts, so dass der aufstieg trotz des steilen geländes einfach und rasch vor sich geht, die tritte mit leichtigkeit von grasbüschel zu grasbüschel erfolgen, von zeit zu zeit mit kurzem festhalten und rasten an einzeln stehenden, verwitterten bäumen und mageren sträuchern, ab denen es dann wieder ein leichtes gehen auf für kurze zeit angenehm haltgebende graskanten ist; schon bald aber beginnt das steile steigen wieder mühsam zu werden, und immer wieder zurückrutschend bleibt es doch ein steter kampf den hang hinauf, bis der salzige schweiß so in die augen rinnt, dass die schönheit dieses landes nicht mehr gesehen werden kann, und so erfolgt der aufstieg umso schneller und hastiger, besonders weil das ziel schon lockend ruft, es bald, wie die gefühle sagen, erreicht sein muss, und wieder einmal die ahnung bestätigt, dass der ersehnte platz gleich oberhalb sein wird; zuvor müssen aber noch die grashänge durchstiegen werden, die immer mehr in flockige, allmählich dichter bewachsenen, steile waldhänge übergehen, aber schon zu beginn, gleich nach den ersten baumgruppen, ragen unmittelbar voraus, isoliert und quer zum hang stehend drei hohe bäume in den himmel, von deren linker und rechter seite aus zwei schmale und strauchlose grasbänder talwärts führen, die dieser baumgruppe einen wuchtigen, freien und isolierten charakter geben, denn diese bäume stehen auf einem grasbewachsenen kleinen vorsprung, von dem aus der blick ins land frei hinaus reicht, und zugleich der wasserfall sich aus der tiefe herauf wieder bemerkbar macht; so ist dieser platz ein guter, ein trockener, ist genau der mittagssonne zugewandt und den kalten winden nicht besonders ausgesetzt, und wenn sich auch kein zoll ebener boden zeigt, kann dem leicht abgeholfen werden, indem der hang hinter den bäumen abgetragen und der aushub vor ihnen zu einem plateau aufgeschüttet wird, um eine groß genügende, ebene fläche zur errichtung eines winterlagers zu bekommen; nur, noch ist es nicht so weit, die phantasie galoppiert wiedereinmal der realität voraus; sie suggeriert: das ist der erträumte platz, das ist ein guter ort, dies ist 'der platz' - einer, der in den träumen im vorhinein gesehen wurde, und auf dem diese schon in den nächten zuvor ein erdhaus, wie es noch keines gab, errichteten: warm, trocken und heimelig, mit ruhigen, satten und speckigen erdwänden, mit einem bewachsenen, lebenden und dicken grasdach und darauf ein großer und wuchtiger kamin, wie ein hochaufragender aus rasenziegeln geschichteter grashügel; deswegen muss das hier ein guter platz sein, einer, auf dem überall liegespuren von gemsen zu sehen sind, was schließlich als gutes zeichen gilt, dass dieser platz eine gute art hat, wobei nur mehr der nicht ebene boden stört, alles andere aber zu passen scheint, wie zum beispiel die in näherer umgebung genügend vorhandenen jungen, zum bau der dachkonstruktion notwendigen bäume, weiters ein fester rasen zum ausstechen der grasziegel für die wände, die dacheindeckung, den kamin und nicht zu vergessen die aussicht auf viel sonne, sowie eine im moment nur zu ahnende geborgenheit, die trotz der aus- und einsicht rundherum genug deckendes vor allzuneugierigen augen bietet - augen, die leicht einem jäger oder oder einem förster gehören können, die sich aber sicher wegen des besonders schierigen und mühsam zu begehenden geländes sowieso nicht bis hierher verirren, denn wahrscheinlich war der fuss eines jägers noch nie in diesem hang, und bei einem unauffälligen verhalten außerhalb des hanges, einem bewegen ohne spuren zu hinterlassen, ist sicher ein ruhiges dasein möglich, und zugleich entspricht dieser platz mit seiner freien aussicht besonders den bedürfnissen der eigenen art, ist ihr sehr verwandt, so dass für IHN und ES hier ein leben, ein hier sterben und wieder leben möglich sein müßte, wenn auch nur in kurzen intervallen zwischen leben und tod, beide aber dafür, je nach spezifikum, um ein vielfaches mehr als ein ganzes langes leben in der alten welt bereichert würden; und wenn der tod auch wirklich nicht allzufern ist, so wollen doch beide hier leben, wollen tiefe erleben, um dann, wenn es an der zeit ist, beide, oder einer, oder nur irgend ein teil von ihnen zu sterben - lautlos sterben, wie eben alles hier früher oder später stirbt, auf welche art auch immer, wann auch immer, und so schrecklich wunderbar wie immer - sterben, nur, um unter schmerzen und freuden wieder geboren zu werden; wer weiß wie, und wer weiß wann, wer kann das schon sagen, wer will es sagen und vor allem verstehen ohne den tod und sich selbst schänden zu wollen, es zu müssen; deswegen stellt sich der tod hier niemanden fremd dar, ist er am ende, vor jedem anfang, niemanden einen gedanken wert, so dass hier keiner angst vor ihm spürt - eine angst, die hier unbekannt ist, und wenn doch, dann nur als eine längst verschüttete, überwachsene ahnung, denn hier will alles nur leben, so lange leben, wie es eben lebbar ist - am boden leben wie ein tier, während zur gleichen zeit der freie teil, ER, mit hilfe der träume und gedanken alle horizonte überschreitet, und der andere teil, das fleisch, ES, währenddessen noch hier herunten am boden leben muss, bis ein nicht geringer teil des von oben herab beobachtenden und kommunizierenden in konkurrenz zum gebundenen seine gedanken in den träumen auf reisen schicken kann - auf weite und wunderbar schöne reisen; so beide dann, irgenwann einmal, als früchte aller mühen und gefahren mehrdimensionales schach ohne zuhilfenahme irgendwelcher krücken gegeneinander und vor allem gegen das unbekannte spielen können; und wenn die träume zu unerträglich, wenn sie nicht besser verdaubarer werden, und die gefahr besteht, dass aus ihnen keine umkehr mehr möglich ist, dann vorerst eben nur ein schachspiel gegeneinander, denn dieser platz hier ist ein guter in einem guten land, der zu schade für nicht erfolgversprechende experimente ist, die auf dauer dieses land hier schänden und entwürdigen und dem namen LOORIEN seine kraft und zukunft nehmen würden, bis dieses land keine heimat mehr für das unaussprechliche wäre, vielleicht dann nie geworden ist; obwohl sie vorerst immerhin doch eine, wie eine greif- und sehbare fiktion zu sein scheint - und trotzdem ist dieses land im moment ein lebbares, ist es die heimat von ES und von IHM, wo immer sie sich auch gerade befinden, und in ihm können sie vergangene taten vergessen, können immer wieder zurückehren, so weit sie sich auch voneinander und von LOORIEN entfernt haben mögen, können auch in anderen zeiten zeiten, in andere welten schauen und leben, könne jetzt wieder die alte welt besuchen ohne der neuen art verlustig zu werden, weil sie am eigenen sein spüren, dass wissen hier nicht mehr weh tut, dass weh in welcher form auch immer hier kein solcher mehr ist - keiner ist, der mehr reflexe auslöst, der nur mehr selten wahrgenommen wird, und wenn doch, dann nur, um wie ein seltenes gefühl bestaunt und zum verweilen eingeladet zu werden; ganz im gegensatz zu früher, wo wissen sehr weh tat, und nur die die glücklichen waren, die nichts wussten, oder die wussten und durch wissen oder mit ihm besonders gut lebten; und leider, oder doch für viele zum glück, gehörten allzuviele zu denen, die überhaupt nichts wussten, im gegensatz zu den wenigen, die wussten ohne belastet zu sein; aber die wenigen, die wissen hatten, wissen, das ihnen weh tat, waren von den glücklichen ausgeschlossen, und obwohl diese unter den glücklichen lebten, konnten sie nie mehr zu ihrem persönlichen glück, zur zufriedenheit, zur ruhe und einfachheit zurückkehren, sobald sie den schmerz vom wissen wie ein stachel in ihrer seele hatten - in sich, wie ein schleichendes gift, das sich immer mehr in ihnen ausbreitete, bis sie den schmerzen erlagen, oder dem entgegen, den mut zum beschreiten eines neuen, anderen weges, einen der heilung, der heil versprach, aufbrachten, aber, der auch das gegenteil von alledem bringen konnte; oder einen weg, wie ihn religionen allzuleicht und für allzubequeme gläubige bereiten, die aus dem schneckenhaus ihrer lethargie nicht herauskriechen wollten und es sich im namen der religion, im namen igendeines gottes oder enes erlösers zu einfach machten, -und das waren gar nicht so wenige neben den total gleichgültigen-, und letztendlich noch die unverwund- und unberührbaren der geistigen eliten, die trotz der fähigeit zu sehen und zu verstehen in ihrer gesättigten eitelkeit oder ihrer grenzenlosen gier nach wissen das gemüt besaßen die schmerzen aus dem erkennen und verstehen wie eine treibende insel im meer des allseitigen elends schwimmend vor sich her zu schieben; so blieb um zu überleben, um all dem geschauten entgehen zu können als einzige hoffnung nur mehr die flucht auf den scheinbar letzten offenen weg, einen der hierher führen musste, wo altes wissen wertlos ist, und wo das neue anders zu sein verspricht, mittlerweile sich schon als anderes darstellt; hier neues langsam reifen und wachsen kann, so, wie hier auch wundersame und sonderbare wege begehen werden können, und es sich zu bereichern ohne reich zu werden gilt - so reich und doch schwerelos am ende eines jeden weges stehend, um an deren immerwiederkehrende anfänge neue und immer geringere lasten aufgebürdet zu bekommen; dort an den anfängen der enden, wo lasten nur mehr erfahrungen sind, wo alles letztendlich sich zu einer einzigen erfahrung reduziert; auch auf dem im moment beschrittenen weg, der so zu enden scheint, dass allem neuen, ohne sich immer wieder erneuern zu müssen, aufzeigt, wie altes wissen doch wieder brauchbar ist, obwohl werte in diesem land am ende eines jeden weges sich immer als belanglos und unwichtig darstellen, ja schon hier, an diesem platz, alles wert und zeitlos scheint, weil es hier weder gut noch böse, weder erstrebenswertes noch irgendwelche schätze zu horten gibt, denn das was früher wichtig schien, ist hier nicht einmal in der ahnung existent, ging auf dem weg hierher verloren, war nie da, wie zum beispiel die verscheidenen formen des besserseins, des strebens, des neides, des hasses und des nivellierens von leistungen und vorgaben, sowie alles was sich früher wichtig, programmiert und fundamental gab, und noch etliches mehr; aber ab einer bestimmten schwelle -oder waren es deren mehrere- auf dem weg hierher, wurde das alte nackt, wurde es all seiner kleider entledigt, wurden diese entsorgt, bis sie sich in nichts auflösten, so dass das nackte alte allem neuen schutzlos und offen ausgeliefert war, bis es auf grund seiner schutzlosigkeit und mit hilfe der träume selbst zu neuem wurde und noch immer wird; neues gebiert - neues, das jeden rest vom alten, das sich nicht entsorgen lassen will, zurückschickt, in die vergangenheit zurück; alleine schon um der gefühle willen, die hier regieren, die das alleinige sagen haben, und die dem verstand keine priorität zuordnen, ihn sich selbst überlassen, so es dann immer wieder nur eine frage der zeit ist, bis der sich selber in frage stellt, weil die eindrücke und das volumen an leben und tod hier alles ausfüllen, und kein platz mehr für alte banalitäten wie das ratio, die logik und die vernuft lassen, denn hier sind leben und tod in ihrer zeitlosigkeit selbst banal, sind sie sich selbst ohne wert, ohne anspruch, und ein jeglicher sinn scheint nur im potential der art, in der kraft zur vielfalt der gattungen und in ihren spezifiken einerseits und andererseits in ihren beziehung untereinander und zur immerfortwährenden erhaltung und abschaffung ihrer eigenen welten, des ganzen und der einheit als ultimative summe zu liegen, beziehungsweise in den befruchteten auseinandersetzungen zwischen den arten zu finden, die wohl alle nur für einen unsterblichen moment zu funktionieren scheinen, und sich vielleicht gerade deswegen immer wieder neue errichten, und um sich selbst in den ewig wandelnden formen des todes und des lebens bestätigt zu sehen; ja, wo dann diese wandelnden formen zu einer alleinigen, formlosen wandlung werden, die die grenzen zerfließen lässt, so dass niemand mehr weiß, wo das eine anfängt und das andere aufhört, und ob es da überhaupt noch unterschiede und kontraste gibt, aber nicht einmal solch eine frage ist hier wichtig, denn was bleibt reduziert sich meist nur auf das außerhalb seiner selbst, auf das kennenlernen der eigenen reflektionen, auf ein lernenkönnen im allgemeinen, im dienste des seins, und nicht auf die eigenen möglichkeiten - ein lernen wie sonst nirgendwo in der alten welt; eines, das umsonst scheint, das aber doch dem leben einer jeden form von intelligenz erst seine berechtigung gibt - ein lernendes leben aus denen beide, ER und ES, die distanz zur sicht des unmöglichen gewinnen, um zu sehen und nicht um zu schauen, zu lauschen und nicht um zu hören, zu fühlen und nicht zu spüren und zu handeln zwischen der dualität des lebens und der des todes, wobei die drei, der denkende, der vegitierende und der vorerst noch unerklärbare und namenlose sich in einem dilemma befinden, denn einerseits will ER lernen, und andererseits will Es nur leben wie ein tier mit all der auskostung dessen triebe und verhalten, daher muss der versuch der teilung zwischen IHN und ES, und später noch die abtrennung des namenlosen gewagt werden, wo dann der eine teil, der fühlende, der tierhafte in ES bleibt, und der andere, der lernende, ER, der schon scheinbar außerhalb ruhende und von irgendwoher beobachtende einen teil seiner selbst, den unbegreiflichen und namenlosen, bei besonderen gelegenheiten unter hierfür notwendigen bedingungen auf weite reisen schickt, nicht ohne die zurückgebliebenen stehts und gleichzeitig, freiwillig oder unfreiwillig, an allen freuden und leiden der reisen teilhaben zu lassen; wobei dies alles zuerst in LOORIEN geschiehen soll - in ihrer aller heimat LOORIEN, in einer anderen welt, in der eine andere wirklichkeit herrscht; und weil alles das rundherum ihrer drei und doch niemanden land ist, ist das sein an diesem ort ein stilles, eines voll leben und eines voll tod, ist es ein sonderbarer ort, einer ohne dem trügerischen verlangen nach hoffnung und ohne angst vor jeglicher gewalt - ein heiliges stück erde mit viel kraft und noch mehr herrlichkeit.

 

 

   Es ist wieder schneidend kalt - von der jenseitigen bergsilhouette fallen stahlblaue, die grauen nebelmassen des beginnenden morgens zu schlanke, hochaufragende sonnenschiffe schneidende und teilende lichtbalken der aufgehenden wärmespenderin herüber; so diese sonnenschiffe gestützt von sich in die ferne verjüngenden beiderseits begleitenden reihen schattenloser baumsäulen, ähnlich in die höhe gestellter ruderkämme, das nebelmeer wie nadelspitze hochseegaleeren pflügend der noch kalten und fernen lichtquelle entgegen eilen, um dann in der lichteskälte der fernen morgenqelle als reine und glasklare kristalle von der geburt der unschuld zu künden, währenddessen hier, fern des geschehens, ES sich müde und steif aus dem schlafsack herausschält, mit einem auge fasziniert das phänomen des morgendlichen lichtspiels verfolgt, und mit dem andern auge das eigene jämmerliche sein bemustert, bemitleidet, wehleidig die spuren der kälte am eigenen fleisch beäugt, obwohl diese seit einiger zeit gar nicht mehr wahrgenommen werden kann, denn die kälte wird, gott sei dank, weil sie für diese jahreszeit mit ihrer grimmigkeit normal ist, ein immer kleineres problem; ihre normalität auf grund dessen einen belebenden mantel bildet, der die haut wie ein guss heisses wasser reizt, und der sie in den atemwegen nicht mehr so schlimm schmerzen lässt; ist sie aber bei nacht doch wiedereinmal unerträglich, so gibt es noch immer ein ausweichen in die wegen der gefahr der unumkehrbarkeit äusserst vorsichtig zu betretene traumwelt, und um diese kälte vergessen zu können, der müdigkeit zu entfliehen und den träumen nicht zuviel gewalt zu überlassen, ist es da vorerst noch sicherer, das dreidimensionale schach zwischen den teilen des geistes zu spielen; aber im moment plagt beim aufstehen wirklich anderes, peinigt eine tiefe müdigkeit, so dass das anziehen der kleidung ein schmerzhaft mühevoller und langwieriger prozess ist, an dessen ende ein roboterhaft bewegendes, mehrlagig bekleidetes und unförmiges etwas umher stampft, ein unter allen möglichen bunten kleidungsstücken und lumpen vermummtes, sich selbst fremd gewordenes wesen, das eigentlich ein erheiterndes bild für götter sein müßte; da ist dann schon zu verstehen, wenn die götter über die krone ihrer schöpfung lachen, und ihnen das scheinbar beste stück ihrer genesis einen einzigen, gewaltigen lacher wert ist; einen, wie ihn viele alte gesänge und schriften bezeugen, deswegen muss jetzt das einzige, was unbedeckt ist, die augen, auch lachen - lachend sehen durch die augen des anderen, durch den von oben herab beobachtenden sehen, wie der reif wie eine dünnhäutige schneeschicht oder wie ein geschmeidiges leichentuch von sonderbarer schönheit und leuchtkraft, plastifizierend, anschmiegsam und pelzig an allem bis ins letzte geäst der bäume und in den verborgensten ritzen des felsigen gesteins haftend beim betrachter kein gefühl von kälte aufkommen lässt, es eher umgekehrt ist: der reif durch die augen des anderen gesehen, wie ein schneeweißer, weicher und langhaariger pelz eines kostbaren hermelinmantels die eigenen wunden wärmt - ein mantel, dessen harte kristalle durch die jungfräuliche morgensonne beäugt und befeuchtet sich zu anschmiegsamen haaren einer einzig wärmenden und allesumschließenden umarmung wandelt, in der die mindesens zehn minusgrade ihrer selbst nicht bewusst und die schneidende schärfe des hellen morgenlichtes bei all der gefrorenen schönheit ringsherum vergessen sind, bis die lichtspenderin sich in den kristallen des reifes so bricht, als stellte und fühlte sich hier alles unwirklich schön und grausam warm dar; gleichzeitig der reif aber den profilen jede härte und jeden kontrast nimmt, damit sich das leben, wenigstens für einen der seltenen momente, geborgen und behütet fühlt, unkompliziert und vereinfacht darstellt, während allmählich das licht aufhellt, der reif in sich zusammenfällt und sonnseitig für einen langen augenblick alles leben glassiert, so dass an seiner statt feine nebelfäden wie stille, hauchdünne gespinste und schraubig weiße bänder spiralig zum himmel ranken, über allem einmal links- und dann wieder rechtsdrehend sich fortzubewegen beginnen, zu ballen sammeln, nebelbänke zerfließend die leere zwischen den baumwipfeln füllen, nur um am ende der sättigung dem sanft schiebenden und behutsam hebenden wind das einsammeln der fragwürdigen existenzen zu ermöglichen, auf dass er mit ihnen als unerreichbarer architekt und baumeister der phantasie mit einem letzten spielerisch gestalterischen kraftakt schwebende, steigendkehrende oder fallendgewundene hochstraßen, brücken und gebäude zwischen baumwipfeln und um felsenfinger herum bauen kann; und so die nebelstraßen, gestützt von schlanken baumsäulenreihen, an steilen felswänden entlang führt, alles verwurzelte mit weißgoldenem geschmeide umschmeichelt, um so mit dem urstoff der welt unermüdlich immer neuere gebilde zu konstruieren und zu bauen, obwohl bereits wissend, dass im moment der idee, seine wunderwerke, so wie er, schon bevor sie fertig sein werden, zum tode verurteilt sind, zu sterben beginnen, um noch einmal im letzten aufbäumen der dämmerschatten eine welt des sich niemals wiederholenden, des nie dagewesenen an traum und herrlichkeit entstehen zu lassen, so dann doch letztendlich mit ihrem beginnenden sterben das licht des morgens immer heller flutet, es klart und alles leben wie hinter ener sakralen lichterwand verglast; schon ahnend, dass das sehen das sterben einläutet, die sich eilends ausdehnende lichtflut das alte tötet und zum zerreissen des zwielichtes und zur kapitulation der geborgenheit zwingt, so alles liebgewonnene mit schamloser härte bloßgelegt wird, um beim öffnen des momentes staunend in die zukunft zu flüchten, und dort auf die wiedergeburt der verlorenen art zu warten, die rückblickend den kommenden morgen zu verstehen versucht - eine, der eine neue welt schaffen will, die dann nicht mehr dieselbe sein soll, die noch im zauber des augenblickes alle ordnungen und gesetze aufhebt und zeigt, wie der betrachter nur zu sehen braucht, um verstehen zu können.

Gestern nahm ES vor dem schlafengehen noch ein wenig trockenes reisig in den schlafsack mit, um jetzt am morgen das feuermachen rasch und einfach zu bewerkstelligen, und weil es höchste zeit ist, wiedereinmal für ein ausreichendes essen zu sorgen; nur muss hierfür eine für den ganzen tag reichende konserve warm gemacht werden, für die es eben ein richtiges feuer beziegungsweise ein trockenes brennholz braucht, obwohl feuermachen und konservenwarmmachen im moment, wo viele arbeiten für den winter zugleich zu erledign sind, zuviel zeit kosten, denn die ist trotz aller vorstellungen und wünsche an ein zeitloses, neues leben noch immer zu knapp, besonders weil feuermachen und andere handwerkliche tätigkeiten zu wenig geübt sind, und sie daher umständlich, mit zuviel aufwand erfolgen müssen - einen nicht abzuschätzenden aufwand, der auch bei vielen anderen vorhaben noch notwendig ist, besonders weil überall und rundherum die handwerkliche geschicklichkeit fehlt, und eine stete müdigkeit ein rasches und zügiges arbeiten stark behindert; auch sollte nicht vergessen werden, dass es, obwohl die sonne noch manchmal noch unerwartet warm vom himmel scheint, doch schon anfang dezember ist, und sich dieser sonderbare winter wie ein sommer gibt, zumindest tagsüber; nur, der winter wird früher oder später, so oder so, mit umso größerer macht und brutalität kommen - kommen, wie er schon immer kam; mit einer zu erwartenden lautlosen und unerbittlichen härte, die schon vor seinem dasein ein stetes bild des schreckens malt, bei dem wiedereinmal die angst die frage stellt: wann das leben eigentlich frei von solch einer ist; wann hier in LOORIEN endlich ein angstfreier zustand auf dauer sein kann - wohl nicht so bald, obwohl die autorität der angst immer mehr und für immer längere zeit in den hintergrund tritt, sie dafür aber, wenn sie präsent ist, umsomehr quält; solange, bis unruhe aufkommt, so dass ES in hast und hektik gerät, sich fragt: was wird passieren, wenn der winter erst richtig kommt, dann so da sein wird, wie er normal schon da sein sollte, und zum schutz vor ihm noch keine winterfeste unterkunft errichtet wurde; so ist es nicht unverständlich, wenn bei solchen überlegungen dem fleisch heisser als üblich wird, es zum raschen bau eines erdhauses auffordert, wobei doch fasziniert, dass ES wohl in hektik kommt, ER aber, dem entgegen, sich immer ruhiger zeigt und zugleich fühlt und weiß, wann der winter kommen oder freiwillig so lange warten wird, bis alles für ein überleben, auch mit einigem komfort, gerichtet ist, und obwohl dieses vorauswissen nur ein gefühl für ein erst mögliches sicheres überleben darstellt, vermittelt es sich doch als ein unheimlich starkes, eines das nicht trügt, und das pures wissen beinhaltet -ein vorher noch nie gekanntes gefühl-, das zu einem absolut sicheren glauben anwächst, bis dieser unerschütterlich ist, er in letzter konsequenz den winter zum warten anhält, die ordnung umkehrt und seine wandlung zum sommer erzwingt, um ihm dann die hierfür benötigte zeit für den bau eines erdhauses abzuringen, das natürlich in anbetracht der verhältnisse kein normales sein darf, denn was hätte dies alles hier für einen sinn, wenn nur um zeit zu gewinnen ein normales haus mit einem giebel und mit freistehenden, geraden wänden errichtet würde - welch ein frefel an diesem land, welch einer an seiner wirklichkeit; besonders da dieses haus schon lange vorher bis ins detail geplant, im geist errichtet und bewohnt wurde; vor allem weil berufsbedingt in der alten welt in die planung vieler häuser, besonders leidenschaftlich in die beiden eigenen, viel Liebe zum außergewöhnlichen zu investieren wurde, von denen dann einige mehr oder wenig sonderbar ausahen, aber doch nie zur gänze den eigenen vorstellungen entsprachen, hätte doch für solche bei einer nur annähernden verwirklichung der eigenen vorstellungen niemand verständnis aufgebracht; deswegen hat dieses jetzt zu errichtende erdhaus in den träumen oft gestalt angenommen, baute sich wie mit geisterhänden um, wandelte sich und reifte mit hilfe der idee zu einem immer skurileren und sonderbareren gebilde; zu einem, das lebbar, das selber zu leben und schon vor der errichtung zur realität wurde - zu einer sehr fragwürdigen und sonderbaren, welche niemals mehr aus dem kopf ging, und die jetzt transferiert werden soll, um eben ihrer selbst gerecht zu sein und um vom traum zur wirklichkeit zu werden, wie so vieles hier wirklich geworden ist, das nicht einmal erträumt sondern nur erahnt wurde - auch dieses noch nicht stehende erdhaus, bei dessen bau auf niemanden rücksicht genommen werden muss, und das keine vorbehalte und meinungen anderer mitgestalten, mit ausnahme die das überleben betreffenden, minimalsten funktionalen erfordernissen, die aber doch der phantasie, der basis aller kindlichen vorstellungen, den notwendigen freiraum geben, um für das unmögliche, das hier wieder zurück kam, und für dessen mutter, die kindliche phantasie, den notwendigen gestalterischen freiraum zur entfaltung zu schaffen; auch weil sich hier niemand zu schämen braucht, -ganz im gegenteil-, alleine schon die rückgewinnung und der gebrauch dieser kindlichen art macht die idee stolz, beflügelt ihren tatendrang, und bringt ihr die genugtuung und die gewissheit, dass ein noch oder ein schon wieder vorhandensein einer unmöglichen wirklichkeit die art und den geist dieses hauses so gestalten wird, wie eben geister tote dinge mit seelen beleben und gestalten können; denn schon in anbetracht dieses platzes hier, einen zu hellen und doch irgendwie heimeligen, verlangt es nach einer bestimmten form und art eines hauses, das als solches gar nicht erkennbar sein darf, und das sich in diesem platz und im weiteren sinne in dieses land einfügen, einordnen und unterordnen, sich wie ein gewachsener baum, ein großer stein oder wie hier alles lebende und tote anpassen muss; ja, wenn möglich, es sogar auf seinem weg zur vollendung am ende nur mehr ein etwas unter vielem, ein teil eines ganzen repräsentiert - ein noch nicht erkennbares etwas, das im vergehen wie im werden die reine idee eines zustandes darstellt, die das eigene sein zum puren stoff des nichts macht und in letzter konsequenz zur wirklichen und alleinigen existenziellen macht führt; nur muss vorher noch, leider, dieses erdhaus wegen der fesseln der eigenen hilflosigkeit und banalität zu einem ver- und geborgenen hort der ruhe vor dem oft lauten und gewalttätigen wald gemacht werden, so das erdhaus dann den wind, den regen und die sonnen, wenn diese zu aufdringlich und zu anmaßend agieren, aussperren kann, wo sie sich dann außerhalb ruhig als emsige gestalter und zerstörer der großen ordnung gebärden und auf die kleine, geborgene welt im erdhaus keine macht mehr ausüben können; deswegen sind die grenzen dieses erdhauses zwangsweise fließend und und rund zu gestalten, unaufdringlich im detail und von zeitlos harmonischer komposition, denn dann tritt die dimension der größe hinter die der weite und der tefe des sehens und der behaglichkeit zurück, stellt sich das maß als zweitrangig dar, und nur die notwendigkeiten bedingen des hauses größe - eine bescheidene und im minimum notwendige größe von ca. zwei meter breite und vier meter länge; wobei die breite wichtiger als die länge ist, weil das bett eine länge von eben dieser breite haben muss, um den vorstellungen in bezug auf schlafkomfort und -kultur gerecht zu sein, denn was gibt es schöneres als wohligwarm in einem geräumigen bett zu liegen, nicht nur zu schlafen, sondern hierbei auch zu träumen oder an das unmögliche zu denken, deswegen muss das bett das eine ende des erdhauses ausfüllen, von wo aus sich dann im liegen die relativ kurze perspektive des einzigen raumes verlängert und die kleine geborgene welt größer macht - eine dunkle und ruhige, von speckigen erdwänden und sattschwarzen, lichtschluckenden felsigen gestein umgebene miniaturwelt, die im schlaf zu einer dimensionslosen werden kann, und die die kreativität potenziert, um in den bis zu achtzehn stunden dauernden winternächten den scheinbar ewigen traum zu ermöglichen, der kein normaler ist, und der den notwendigen freiraum für den reisenden geist immer wieder von neuem schaffen muss; deswegen soll gerade auf diesem bestimmten platz das bett stehen, am ende des erdhauses und in fallrichtung des steil abfallenden berghanges, muss sogar das gesamte haus nach dem standort des bettes ausgerichtet sein, beziehungsweise um das bett herum gebaut werden, denn alleine schon die vorstellung eines dicken, grasbewachsenen und an der rückseite nahtlos und fließend in den hang übergehenden daches, worauf pilze oder blumen wachsen, sowie ein sich darauf befindender, freistehender und wuchtiger kaminhügel aus rasenziegeln, aus dem feiner rauch aufsteigt, und der nichts von einem im hang versenkten erdhaus ahnen lässt, besänftigt das verlangen nach anderem, erinnert gleichzeitig an die sich frontseitig befindende und aus aufeinandergeschichteten grasziegel bestehende, niedrige aussenwand, in der leicht ein fenster und eine genügend hohe einstiegsluke eingebaut werden kann, durch die licht bis zum tief auszuschachtenden boden fallen wird - wohl eine bodenschändende ausschachtung über die gesamte grundfläche mit einer tiefe von mindestens zwei meter raumhöhe, aber dies wird dann hoffentlich die letzte große und vor allem schwere arbeit sein, und letztendlich stellt sich dann alles, wenn es so weit ist, sowieso nicht so schlimm dar, denn immerhin liegt der bauplatz sehr vorteilhaft im näheren bereich kleinerer, zum bau der dachkonstruktion sich sehr gut eignende und nicht allzuweit entfernt zu fällende und zurück zu tragende bäume; so wird auf grund dieser günstigen umstände, und weil nun die lufttemperatur zu fallen und es zu schneien beginnt, rasch mit begeisterung die axt und die säge geschultert, nach bauholz ausschau gehalten, und gleichzeitig die beängstigende, aber den tatendrang nicht hemmende menge der bevorstehenden arbeiten abschätzt; nur, einen ganzen baum so einfach umzuschneiden stellt immer einen frefel dar, ist der eigenen art zuwider, besonders nachdem auf dem weg hierher so viele schöne und sonderbare bäume gesehen und befühlt wurden; deshalb fühlt ES sich beruhigt, dass einige exemplare vom wind entwurzelt am boden liegen und mit ihnen der größte teil des bedarfes gedeckt werden kann, so dass nur mehr der fehlende rest aus den geraden ästen lebender großer bäume heraus zu schneiden ist, wobei diese bäume, die nun leider durch die wiederkehrende kälte und den noch fallenden feuchten schnee an ihrer rinde zu vereisen beginnen, zuvor zu erklettern sind; das aber gar nicht so leicht vor sich geht, weil ihre erklimmung sehr viel kraft und anstrengung kostet, auch weil ES immer öfter an deren vereisten stämmen keinen halt findet, so dass immer seltener eine besteigung gelingt, bis es dann bei einem versuch einen schräg aus dem boden gewachsenen baum mit schwung zu erklettern, das heisst: mit einem langen anlauf und einem möglichst großen satz den stamm hoch anspringen, passiert, was eigentlich schon lange überfällig ist, und was früher oder später passieren musste; nochmals: ES nimmt anlauf, springt den baumstamm, wie schon einigemale gut bewährt, mit viel schwung möglichst hoch an, um sich dann wie eine klette festhaltend hinauf zu arbeiten, denn diese technik hat sich auf dauer als schnell und energiesparend bewährt; aber diesesmal läuft etwas schief, weil nach dem sprung im moment der umklammerung des stammes ein lautes krachen aus dem brustkorb kommt, ES irritiert an der vereisten rinde kleben bleibt ohne nach oben oder nach unten zu können, wobei im augenblick noch nichts weh tut, ein beginnender schwindel aber die orientierung abhanden kommen lässt, -'was ist passiert'- hinauf geht es nicht mehr, also bleibt nur mehr der weg nach unten, und so rutscht ES langsam, noch immer den stamm umklammernd und mit einer wange an der rinde bremsend hinunter, erreicht irgendwann den boden, während schon rundherum alles licht erlischt, und ein plötzlich einsetzender rasender schmerz ES, das in diesem moment wiedereinmal zum kadaver gewordene fleisch, so lähmt und betäubt, dass die scheinbar unlösbare umklammerung den stamm nicht mehr frei geben kann, ES am boden ankommend noch tiefer sinkt, bis nur mehr ein haufen elend am fusse des baumes zusammengesunken und den stamm umarmend im schnee kniet und mit blinden augen verwundert dem inneren echo eines scheinbar aus vorzeiten nachhallenden, nicht aufhören wollenden krachens nachlauscht; es sich so anhört, als würde der ton eines brechenden balkens unendlich in die länge gezogen, als würden sich vibrierend auf- und abschwellend die schmerzen verewigen, wobei nicht klar ist, von wo diese eigentlich herkommen, wo was weh tut, ob das brustbein, die rippen oder sonst etwas gebrochen ist; sicher ist nur eines, es ist der höllisch schmerzende brustkorb, der das bewusstsein wieder aus der dunkelheit zurücktreibt, damit ES sich erinnern kann, wie die brust viel zu hart am stamm angeschlagen ist - so schmerzhaft hart, wie ebenso schmerzhaft für die bäume, deren äste zuvor beschnitten wurden, aber vielleicht gibt diese verletzung nur eine antwort im nachhinein, eine solche, zu der es bei naturvölkern erst gar nicht kommt, weil die sich vorher für ihre vorhaben bei den bäumen entschuldigen, denn nicht umsonst kommt immer ein sonderbares und doch bekanntes gefühl auf, wenn die lebende rinde unschuldiger bäume betastet wird; nur, jetzt gibt es ein wirkliches problem; wie können mit einer mehr oder weniger großen, auf jedem falle sehr schmerzhaften brustverletzung die vielen schweren, naßgrünen stämme auf den schneeglatten und steilen waldpfaden zum bauplatz getragen werden, wo doch keine zeit zum ausheilen der verletzung bleibt, denn der winter wird kommen, wie er immer kommt, und seine momentane zurückhaltung und geduld dürfen nicht allzusehr strapaziert werden; daher nützt alles nichts: die bearbeiteten stämme sind zum bauplatz zu tragen, auch wenn sie auf dem weg dorthin oft, zu oft, zu boden drücken, und der kadaver hierbei immer wieder vor schmerzen, vor wut und verzweiflung seine hilflosigkeit mit einem tierischen schrei in den wald hinein entläd, bis die stimme bricht, und nur mehr der stumme, alles handeln motorisierende wille, als alleine agierender überbleibt, so dass letztendlich ER es ist, der trotz aller behinderungen des kadavers und einer beginnenden lethargischen apathie, von den schmerzen gar nicht zu sprechen, den bewegungsablauf dynamisiert, abseits dem alles zudeckt, dominierend verdrängt, bis das vorhaben sich selbst basiert, und ER mit dem kadaver alleine, ohne hilfe, wie mit unsichtbaren kranarmen, den naturgesetzen zum trotz die lasten zum bauplatz hebt, während gleichzeitig wie ein aufforderndes signal zum innehalten das blut aus der nase zu tropfen und aus den mundwinkeln zu rinnen beginnt, es so ist, als stülpten sich bei jedem luftholen die eingeweide von innen nach aussen um, so dass auf dem weg zur durchführung dieses bauvorhabens berge von hindernissen aufgetürmt scheinen, und nur der wille, der nicht nach verlusten und nicht nach erbarmen und mitleid mit seinem maroden werkzeug fragt, fähig zu sein scheint, diese hindernisse wegzuräumen oder zu überwinden, solange er das ziel des fertiggestellten erdhauses wie ein lichtpunkt am ende eines langen, warmen, feuchten und dunklen tunnels sieht, dessen wände rundherum nur schwarze tiefen sind, jenseits denen vielleicht irgendwer eine kosten-nutzen-rechnung aufstellt, die erst beim erreichen des an der peripherie der vorstellung liegenden lichtpunktes präsentiert wird, und wo ein richtender dann am ende von geschehen oder nichtgeschehen abwägend aufzurechnen beginnt, was verloren ging und was gewonnen oder was missbraucht oder vergeudet wurde, deswegen macht es jetzt im moment, fern der rechnungslegung, dem kadaver auch nichts aus, dass es tag und nacht schneit, alle nässe auf der haut gefriert, bis diese rissedurchzogen und blaugefleckt um hilfe schreit, und ER, währendessen ES immer schwächer und leichter wird, rücksichtslos gegen alle, nur nicht gegen sich selbst, auf dem vorgegebenen weg das kadaver vorantreibt, da ja die abrechnung erst viel später erfolgt, die bezahlung des preises für die freiheit zur entscheidung zum erreichen des angestebten zieles in eine nie näherkomende ferne gerückt scheint; scheinbar dort hin entrückt, wo die zeit sich selbst verliert, oder sie sich vielleicht nur nicht vorwärts bewegt, und auf grund dessen in ihrem gefolge keine notwendigkeit einer energiezufuhr, wie essen, freude, hoffen und anderem besteht, obwohl trotz dieser sonderbaren freiheit von bedürfnissen und einer niegekannten unabhängigkeit von not und der angst zu sterben die unterversorgung und die vergewaltigung des kadavers nicht entschuldbar oder rechtfertigbar ist; und so wird vielleicht wegen des verlustes der wahrnehmung und die dominanz der unabhängigkeit von schmerzen und leiden die zeit nur mehr als das kommen des winders verstanden, das zur tätigkeit zwingt, das den kadaver über den umweg über IHN antreibt, und über IHN ES sagen lässt, dass der winter warten wird, bis alles gerichtet ist, so dass jede angst vor seinem kommen nur eine vergeudung von potential darstellt, mit ausnahme der berechtigten angst vor den weithin schallenden axtschlägen, die von einem jäger oder einem förster gehört werden könnten; aber was wiegt schon solch eine angst, oder jede andere, gegen den steten wechsel zwischen kälte, warmen temperaturen und zwischen regen und schnee, wenn beim arbeiten mit der axt unter solchen bedingungen alle fingerkuppen aufplatzen, um dann eine einzig große abwechselnd verchrustete und wieder offen mehrgliedrige wunde an den fingerspitzen zu bilden, die den axtstiel mit rotem blut tief einfärbt, so dass eine immer wieder versuchte reinigung sowohl des stieles als auch der hände mit schnee fruchtlos ist, und sich diese reinigung alsbald als ein schwerer fehler herausstellt, besonders da gleichzeitig die hände zu oft und zu lange mit schnee in berührung kommen, und seine nässe gemeinsam mit seiner kristallinen struktur und den immer wiederkehrenden wechsel zwischen wärme und kälte zusätzlich die handballen aufplatzen lässt, bis sich großflächige, abwechselnd offene und verkrustete wunden bilden, so dass die hände zu rauhen, rissedurchzogenen und breit vernarbten, sich wie borkiges gestein anfühlende werkzeuge zeigen, welche immer mehr baumrinden ähneln, bis sie bald von solchen nicht mehr zu unterscheiden sind, besonders weil sich in ihren tiefen poren und narben der schmutz tief eingräbt und mit schneewasser nicht mehr herauswaschbar ist, aber dies ist kein so besonderes problem, sondern nur ein ästhetisches, da ist eher schon das holzschlagen als solches eines, weil bei dieser arbeit keine handschuhe getragen werden können, da ansonsten das gefühl zur führung der axt verloren geht, und der axtstiel wegen der schmerzenden wunden nicht mit voller kraft gehalten und mit ganzer handfläche umschlossen werden kann, so dass jeder schlag immer tiefer und weiter in die arme hinein wirkt, bis die summe aller schläge die schmerzen betäubt, die kraft schwinden lässt, und die wunden aus gleichgültigkeit, weil die schmerzreize als rückmeldesystem fehlen, nicht mehr gepflegt werden; auch ist interessant, dass die hände, obwohl sie nicht mehr wie solche aussehen, mehr denn je zu fühlen beginnen, sie, obwohl blind und taub, nur durch die berührung anderer, lebender oder scheinbar toter leiber, deren seelen fühlen, ja diese sogar magisch anziehen, und aus ihnen die kleinen wie die großen leiden herauslösen, um die verborgensten, darunterliegenden wünsche, ohne sich dabei selbst zu verletzen, frei zu legen - ihre wünsche zu den eigenen machen, damit wenigstens von zeit zu zeit die spur eines verlangens vorhanden ist, wo doch hier im wald, in LOORIEN, das leben sich so sonderbar wunschlos und zufrieden gibt, deswegen verrichten die hände nie geglaubte wunder, und irgendwann einmal haben diese hände alle arbeiten für die errichtung des erdhauses scheinbar mit schmerzhafter leichtigkeit erledigt, und zur krönung der arbeiten kommt beim letzten akt, wie in einem mystischen ritual, die sonne heraus, überflutet alles mit ihrer hellen wärme und belebt die welt der seelen mit ihrem geist.

Während ES die ruhe genießend mit baumelnden beinen auf einem dachsparren sitzt, ruft von irgendwo oben eine stimme herab, die sofort klar macht, dass die jetzt gefunden haben, was sie wahrscheinlich schon lange suchen, und um zeit zu gewinnen, und um eine chance zum sammeln der gedanken zu haben erfolgt vorerst keine antwort.

Der Ruf kommt nochmals: "He! Was machst du Da?" Eine dumme Frage. Was mache ich etwa hier? Das Fleisch dreht sich langsam um und sieht, wie es von zwei Männern beobachtet wird.

Während der schweigsamen, gegenseitigen Musterung vergeht eine ganze Weile. Dann sagt ES langsam und bedächtig: "Servus." Zu etwas anderem ist das Fleisch vor Überraschung nicht fähig.

Um es kurz zu machen. Es ist programmiertes Pech. Der Eine soll der Oberförster, der Andere der Förster des Reviers sein, und nebenbei ist dieser auch noch einer der heissgeliebten Jäger.

Es stellt sich aber bald heraus, dass beide keine Unmenschen sind, denn sie gestatten ein Hierbleiben. Nur solle beim Feuermachen aufgepaßt und keine Bäume mehr umgeschlagen werden, sagt einer von ihnen.

Die Konversation plätschert zäh dahin. Das Fleisch fragt die Männer: "Wie habt ihr mich gefunden?" Einer von ihnen antwortet mit einem Lachen in den Augen: "Wir haben die Axtschläge schon lange gehört, waren aber der Meinung, es sei ein Specht, der nicht zu schlagen aufhören wolle, und folgten daher seinem Klopfen."

Welch ein Jäger und welch ein Förster, die tagelanges Axtschlagen für das Klopfen eines Spechtes hielten, denkt ES sich, aber was soll's. Sie sind sehr freundlich, lassen mich hier leben und geben mir sogar etwas Verpflegung, bevor sie wieder gehen.

Die grasziegelstecherei ist bei diesem wetter eine schmutzige und nasse arbeit, und das gewand ist genauso mit nasser erde durchtränkt, wie die sehr schwer zu tragenden, mit regenwasser vollgesoffenen grasziegel, deswegen erfolgt die ausspatung im zeitlupentempo; wohl zwangsweise auch, weil ES sich für essen keine zeit mehr nimmt, und so sich für solche arbeiten selbst schwächt; isst das fleisch doch einmal, dann nur an den immerwiederkehrenden naßkalten, nebeligen morgen, wo die schmale kost kalt hinuntergewürgt meist in ein unangenehmes schlingen und gleich nachfolgendem erbrechen ausartet, das jedes gefühl für hunger und geschmack abtöten, denn um unter solchen verhältnissen überhaupt arbeiten zu können, ja sich auch nur zu bewegen, muss jegliches empfinden, wie das des hungers oder der appetitlosigkeit, unterdrückt und verdrängt werden, muss die kunst der überwindung in die der schmerzunempfindlichkeit münden und ist soweit zu perfektionieren, dass hunger und schwäche nur mehr wie ein weit entferntes signal und als keine belastung mehr wahrzunehmen sind; zugleich aber schwindet immer mehr die kraft, und die arbeit geht noch langsamer vor sich, wobei ER mehr als genau weiß, dass das fleisch unbedigt essen müßte, aber wie soll ES in seinem ihm aufgezwungenen willensrausch die notwendigkeit des essens begreifen, wenn schon lange keine schmerzen mehr an das notwendige erinnern, wenn nichts mehr zu spüren ist, und nur mehr der alleinige wille vorherrscht, alles andere sich aber in einem lethargischen, artzerstörenden fieberrausch befindet, der sich nur mehr aus sich selbst rechtfertigt, seine energie aus dem geist reproduziert, nicht ahnend, dass die stete anzapfung des letzten kapitals, ohne es zu erneuern, nicht mehr lange funktionieren kann; und nur wenn ES in immer seltener werdenden momenten sich zum abtasten des noch verbliebenen kadavers zeit nimmt, bekommt das fleisch eine ahnung seines zustandes und versucht ein wenig zu essen, alleine schon um den zipfel eines gefühles einer illusion von wärme, die die erdnasse kleidung nicht ständig wie eine kalte zweite haut an den knochen hängen lässt, zu erhaschen: aber die kälte ist schon lange kein problem mehr, genausowenig eines wie der schmutz der erde, der der bäume oder der steine ein mittlerweile schon ein gewohnt alter begriff ist, dieser sich hier sogar allmählich auf null hin reduziert, obwohl dem entgegen das faktum schmutz selbst ein ständig grüßeres wird, weil dieser ja hierher gehört, dem leben und allem was so herum steht, kriecht oder läuft ein gesicht gibt, der eigene schmutz aber vor jedem abend in einem nahen quellgerinne, weil er noch zu fremd und mit dem makel des unreilseins behaftet ist, vom fleisch und aus den kleidern gewaschen wird - in einem vom regen- und schneewasser gespeisten kleinen gerinne, das über einen zu querenden steilen gras- und laubhang zu erreichen ist, und in dessen wasser bisher das überzeug auf die übliche art gewaschen wurde, immer mit den notwendigen, dazwischenliegenden pausen, damit sich die eiskalten hände aufwärmen konnten, aber mit der zeit dauerte diese prozetur viel zu lange, und so steht ES jetzt immer öfters einfach mit der gesamten am fleisch anbehaltenen und schmutzigen kleidung mitten in einem kleinen bachtümpel und rippelt so lange am erdverschmutzten gewand, bis dies einigermaßen sauber ist, um in folge dann relativ rasch durch ein sich ständiges bewegen und ein darüberstreichenlassen des windes das nasse gewand am fleisch trocknen zu lassen, auch wenn der wind meist so schneidend kalt ist, dass die mit nässe vollgesaugte kleidung vor dem trocknen am fleisch gefriert, und es hierbei öfters vorkommt, dass die äussere schicht der gefrorenen kleidung sich steif und hart wie ein brett anfühlt, und sie zusätzlich durch ein lang genuges bewegen an den knickstellen bricht, dort die dünngewordene haut drückt und scheuert, und deshalb bei jeder bewegung dem gesicht wehleidige und theatralisch schmerzhaft aussehende grimassen abverlangt; aber trotzdem muss nach der reinigung viel und lange bewegung gemacht werden, damit das nasse gewand mit hilfe des ständig darüberstreichenden windes und in der feuchtesaugenden kälte austrocknen kann, und den rest dann die körperwärme im schlafsack besorgt, wenn auch nie zur gänze; nur, dieser allnächtliche vorgang dauert meist bis zum morgen, wo es leider erst dann im schlafsack so richtig warm wird, warm erst, wenn es zeit zum aufstehen ist, aber auch an diese nässe lässt's sich relativ leicht gewöhnen, denn irgendwie ist immer etwas naß, ob vom schweiß, vom regen oder vom reinigen der kleider; deswegen ist die nässe, so wie die kälte und die müdigkeit ab einem bestimmten quantum nicht mehr spürbar, und bei all den plagen ist sie sicher die kleinste.

Es ist wieder klirrend kalt - das erdhaus fast fertig, und noch immer macht sich kein hunger bemerkbar, aber dafür umso mehr der durst, deswegen werden unmengen wasser getrunken, das zum teil aus dem ständig im mund verflüssigten schnee gewonnen wird, weil allzuoft und im moment wiedereinmal der wasservorrat zu ende geht, und so macht ES sich mit einem am riemen umgehängten wasserkarnister quer über den steilen laubhang auf den weg zum naheliegenden gerinne, in der hoffnung, dieses nicht allzusehr zugefroren zu finden, ansonsten bliebe nur mehr die möglichkeit des weges hinunter in den dunklen kessel zum wasserfall, wobei dieser weg sicher der vernünftigere wäre, vor allem der sicherere, weil immer ein ungutes gefühl vor der querung des laubbedeckten pfades im steilen hang zwischen dem erdhaus und dem gerinne warnt, denn gefühle sollten hier auf keinem fall ignoriert werden, wie die erfahrung mit grauen an so manche vergangenen geschehen erinnert, ansonsten die strafe wie einem naturgesetz gehorchend sofort auf dem fusse folgt, besonders nachdem das am boden liegende schneenasse laub schon öfters standfestigkeit vortäuschte, und die schwächung von ES schon lange keinen sicheren tritt mehr garantiert; deswegen ist es nicht verwunderlich, wenn das schon lange überfällige nun eintritt, ein fuss ausrutscht, weil die nur dünn durchfrorenen oberste laubschicht einbricht, und ein unter dem laub verborgen liegender, nasser ast nun die ursache für eine kette von unabsehbaren geschehen ausöst, es aufeinmal keinen halt mehr gibt, weil nun ein ganzer eingebrochener fleck der trügerischen laubschicht mitsamt dem fleisch abwärts zu rutschen beginnt, und der versuch, auf allen vieren liegend zu bremsen, schon im ansatz ein fruchtloser ist, und so geht es bald wie mit der eisenbahn bergab, schon läuft, wie bereits in solchen situationen gewöhnt, wiedereinmal alles so ab, als würde die zeit manipuliert, als würde sie gedehnt, die von station zu station immer schneller werdende rutschpartei immer öfters angehalten, um dieses geschehen besonders genüßlich auskosten zu können, während ES einmal quer zum hang und dann wieder in längsrichtung liegend, talwärts sausend und fallend auf dem steilen hang hinunter fährt, immer schneller, immer härter aufschlagend, bis nur mehr der am riemen nebenher polternde und um die ohren schlagende wasserkarnister den einzig verbliebenen bezug zur realität darstellt, denn schon scheint sich das bewusstsein von allem realen, von den nun auftretenden und nicht mehr kontrollierbaren kräften, sowie von dem rasendschnellen geschehen zu verabschieden, während die fahrt immer öfters für kurze momente in einem freien fall übergeht, dieser wechsel der fortbewegungsarten immer weiter und schneller trotz der scheinbar zeitlichen verzögerung bergab führt, und ES oft dabei wie ein spielball ein oder mehrere meter in die höhe geworfen wird, während gleichzeitig LUG, um der perversion der situation gerecht zu sein, diesen vorgang belustigt von irgendwo her beobachtet, und vielleicht sogar er es ist, der das wunder ermöglicht, dass der aufprall des fleisches am ende eines jeden wurfes genausooft durch tiefes laub gedämpft wird, dessen oberste schicht zum glück nur dünn durchfroren ist, um wie mit einem etwas zu trägem netz unter dumpfen krachen ES aufzufangen, so dass jeder aufschlag auf die fahrtgeschwindigkeit wie eine bremse wirkt; aber dem zum trotz geht es doch rasend schnell zwischen schroffen felsen und einzeln stehenden bäumen vorbeisausend abwärts, und sonderbarerweise kommt kein gedanke an angst oder irgendwelche bedenken auf, es sogar so aussieht, als würde das ablaufende geschehen mit satter genüßlichkeit konsumiert, ja, jeder einzelne federnde rückwurf wie ein gleitender flug nach einem sprungbrettabsprung genossen, bis der endlos scheinende letzte plötzlich in einem kleinen zugefrorenen teich endet; zuletzt noch mit einem satten krachen durch eine zersplitternde eisdecke hindurch in einem wasserdümpel führt, nur, um zum schluss in einem sumpfigen oder schlammigen bodengrund abrupt zu enden, so dass es für einen moment absolut dunkel ist, solange bis ES wieder aufrecht auf den beinen, zumindest kniend, steht, wobei wahrscheinlich diese situation wie meist nicht einer gewissen komik entbehrt, besonders weil ES nun schlammverschmiert und halbblind sich nach verletzungen abtastend um die eigene achse dreht, und gleichzeitig bis zu den hüften in einem eisloch steckend, verwundert und verblüfft diese unwirkliche situation betrachtet; gerade so, als sei eben ein aufregendes erlebnis abgeschlossen, das rückblickend sich sofort zum wunder verklärt, weil, abgesehen vom wieder schmerzenden brustkorb, sonst nichts anderes weh tut, kein signal von einer verletzung durch die barriere der schmerzunempfindlichkeit durchdringt, und deswegen ES einer plötzlichen hysterie gehorchend im schlammloch wie ein übermütiger junger hund umher springt, sich freut und eigentlich nicht weiß warum - sich einfach freut, während das fleisch lachend und tollend wie eine mischung aus einem kleinen übermütigen kind und einem tobenden berserker mit den händen und armen den schlamm aufwühlt, die restliche eisdecke zertrümmert, bis das lachen in einen endlos freudigen, erlösenden schrei übergeht, in dem keine spur mehr von hysterie ist, und der weit in das jenseits des verstehens hinüberreicht, bis der blick wieder freigegeben ist - ein blick dort hinauf, von wo alles begann, und mein gott, von wo ES heruntergefallen sein soll -?- es sind sicher hundert oder mehr meter, und warum ES dabei auf keinen der vielen aus dem steilhang wachsenden felsen oder mächtigen bäumen gefallen ist -'ER weiß es nicht'- nur, eines ist jetzt wie ein loderndes fanal erkennbar, wurde in diesem moment ins bewusstsein eingraviert: 'ER und ES werden unsterblich sein, irgendwann einmal, aber doch', denn im moment des eintauchens in das schlammloch ist der sterbevorgan von ES vollendet, und im selben moment vollzog sich die wiedergeburt - das sterben begann hier in diesem land mit dem ersten schritt, erfolgte langsam und vollendete sich mit der fahrt den steilhang herunter, wurde vollkommen im untertauchen in diesem schlammloch, das die wiedergeburt sowie die auferstehung, dem langen sterben zum trotz, plötzlich und im augenblick ermöglichte, es einfach geschehen ließ; und warum soll ER ES da nicht lachen lassen, warum ER ES den, ihren geburtsschrei nicht in den wald hineinrufen, in das weite land hinausschicken, einen solchen vorgang nicht ermöglichen; denn es ist einfach viel zu überwältigend solch einen schrei in solch einer situation, ohne schmerzen, nur mit dem alleinigen bewusstsein der geburt eines neuen, noch niegekannten lebens, zu hören und zu erleben und zu wissen, dass nun wirklich alles neu beginnt - ein neues leben, wie ein schon lange ersehntes, für das lange gelitten wurde, und das jetzt ohne weh und ohne erinnerungen das alte irgendwo weit hinten zurück zu lässt; zurückgelassenes mit leichtigkeit so vergessen macht, dass das alte für immer verbannt und versiegelt zu sein hat, damit hier ein neues leben sein kann, denn eine neue art wurde geboren, eine, nicht nur mit einem neuen namen, der sich wie ein brandmal im bewusstsein verewigte, und der dort alles alte allmählich verbrannte, bis es wertlos und vergessen war, denn nun ist ER, heist ER: "YUHA" - "YUHA-ELEY" - ein name, von dem ER nicht weiß, von wo er herkam, aber er ist sein, er ist der name seiner art, und wenn er im moment auch der einzige seiner art sein sollte, so werden doch mit ihm, später, andere so sein wie ER, wird er in seiner art nicht mehr alleine sein, denn "YUHA" ist sein name und "ELEYISCH" ist seine art, und ER weiß, dass er in diesem moment auf dem weg zur unsterblichkeit ist, weil nur mehr seine hülle, die hülle eines erdlings, sterben kann, aber nicht seine art, das ELEYISCHE in ihm, das wird weiterleben, wird weitergegeben und nie mehr verloren gehen, weil sein wissen und seine kraft wachsen und von bestand sein werden.

Die situation ist unwirklich, wie so vieles in diesem land, und im moment passieren alle geschehnisse der vergangenen tage wie im eiltempo revue, immer wiederholend bis klar ist, dass das vergangene zum langsamen sterben gehört, genauso wie dem zukünftigen das leben, wobei es normal umgekehrt ist, denn mit dem jetzt beginnt das sterben, und im zuvor liegt die geburt, aber als ES in dieses land kam, um auf irgendeine art und irgendwann zu sterben, kam ein zielgerichteter tod nicht in frage, ein solcher schien zu unästhetisch, der eigenen art nicht gerecht zu sein, deswegen wurde ein tod gesucht, der ganz langsam kommen sollte, und dem neugierig, fragend, fühlend und irgendwie genießend begegnet werden konnte; ja, der dann, als er da war, wenn auch nur hautnah, wie im rausch inhaliert wurde, und der doch fürs erste, genauso wie der hunger und die kälte, nicht besonders aufregend war, aber vielleicht wurde er nur noch nicht intensiv genug wahrgenommen, vielleicht trübte die berauschung seiner nähe und seine ausstrahlung einfach nur die sicht, die aber bei der nächsten begegnung, gepaart mit einer gewissen art von respekt, klarer sein sollte, alleine schon um des eigenschutzes willen, denn noch ist nicht sicher wie er wirklich aussieht, da kann es noch manch unangenehme überraschung geben, und deswegen sollte jede weitere annäherung mit bedacht und vorsicht erfolgen; nur, wer kann sich solch einem mysterium, wie der tod eines darstellt, freiwillig entziehen, hat doch er hier noch zusätzliche, andere als die bekannten, faszinierendere und viele überraschende gesichter, von denen manche zu sehen und viele andere nur zu fühlen und zu ahnen sind; alleine schon deswegen will ES sich dem tod jetzt nicht mehr einfach so hingeben, sondern ihn nur wie rauch inhalieren, um die eigene neugierde zu befriedigen, und ihn sich dabei mehr als genau ansehen - so sieht der tod ES, und ER sieht ihn, und alle drei sehen sich nur grinsend und lauernd gegenseitig an, bis zum schluss nur mehr ein, der situation fremd anmutendes lachen im chor das groteske bild auflöst - ein lachen, zu dem nur eine bestimmte spezies fähig scheint, und das diese eben den göttern ähnlich macht; und so gibt der tod ES gezwungenermaßen zu verstehen, dass hier alles so wie er ist, -fast alles-, und wie ER da oben nicht ist; und mit diesem wissen sind ER und ES ihm nicht mehr so hilflos ausgeliefert, kann keiner von beiden mehr sterben, und keine krankheit, kein hunger und keine kälte kann ER oder ES töten, und wenn doch, so stirbt nur mehr die hülle eines erdlings, die früher oder später doch freiwillig abgelegt wird, die jetzt schon ihren alten wert zu verliern beginnt; aber es wird nie mehr die neue art sterben, nie das ELEYISCHE; und wenn sich die alte seele vollständig entleert haben wird, und die leert sich im moment rasend schnell, werden beide frei sein für das neue, werden sie trocken wie ein schwamm alles bisher nicht gekannte aufsaugen, das aufgesaugte in ahnung umwandeln, um so die wahrheit zu domestizieren, das wissen von seinem sockel zu stoßen und permanent in frage zu stellen, denn der ELEY wird die revolution der ahnung gegen das wissen sein, er wird auf die suche nach der formel der ahnung gehen, schon wissend diese nie zu finden; wird aber hierbei in dimensionen vorstoßen, in die noch keiner geschaut hat, um dort die fährte der ultimativen formel wie ein jäger aufzuspüren und zu verfolgen, denn jetzt ist ER frei, ist weit weg in seiner distanz zu allem irdenen.

ES wird nie mehr kalt sein, schon gar nicht jetzt, obwohl die nässe des schlammloches bis unter die dünne durchsichtig gewodenen haut geht - so sind ER und ES aber doch gelöster stimmung, weil abgesehen vom brustkorb nichts weh tut, und trotz einer noch immer vorhandenen müdigkeit der ausstieg aus dem hüfttiefen schlammloch mit einer unerklärbaren leichtigkeit und elastizität gelingt, die beänstigend ist, und die die eigenen existenz ebenso in frage stellt, wie das nicht endenwollende wundern beim betrachten der wie eine perlenreihe aufgereihten aufschlaglöcher im laubhang während des unnatürlich leicht vor sich gehenden aufstiegs entlang der fallspur, die die neue art wie ein geschriebenes dokument zu bestätigen scheint; und so wird der wiedergefundene wasserkarnister ruhig, als wäre nichts passiert, im bach gefüllt, die kleidung gereinigt und zum erdhaus zurückgestiegen; dort alles gewand abgeworfen und sich im schlafsack dem gefühl der unangreifbarkeit und der unverletzbarkeit hemmungslos hingegeben, bis für eine lange zeit alle vergangenen geschehen und deren folgen vergessen sind, denn schon bald wird dem fleisch warm, und der schlaf kriecht für viele tage in den schlafsack, verlässt IHN und ES nicht mehr, wird zum betörenden partner, der stellvertretend alle bedürfnisse befriedigt und sogar die notdurft verrichtet, so dass die wärmende hülle nicht verlassen werden muss; nur, mit dem vergehen der tage und nächte wird es im kokon der geborgenheit immer wärmer, eine innere glut heizt das fleich auf, bis es nach langer zeit des schlafens, des genießens und hingebens neu gewonnener gefühle im schlafsack zu warm wird, dieser sogar verlassen werden muss; aber überall ist diese immer weniger zu ertragende, das fleisch mürbe machende wärme, die ES in hitze badet, obwohl ES seit tagen nackt ist; auch hat sich irgendwann einmal ein lähmender, das ganze fleisch fesselnder und niederhaltender muskelschmerz eingestellt, der bei jeder bewegung, sogar beim ruhigen liegen, von den schmerzen jenseits der barriere kund tut, und der in der ahnung nicht vergehen will; aber besonders schlimm, oder auch nicht, ist diese hitze im kokon der neuen art, und die setzt sich nach dem unfreiwilligen verlassen des schlafsackes auch noch in der kühlen luft des erdhauses fort, obwohl es sie dort aufgrund einer ständig gleichmäßig kühlen raumtemperatur gar nicht geben dürfte; deswegen flüchtet ES, so wie es ist, nackt und nur mit glühendheisser haut bekleidet in den wald, in die eiskalte waldluft hinaus; aber auch die kühlt nicht, und so stellt ES sich unbekleidet und seltsam ruhig wie ein baum auf eine lichtung, läßst wie ein solcher die sonne, den wind, den regen und den schnee auf die pergamentene haut wirken, bis die füße im boden verwurzeln, die haut härtet, und die sinne weit und tief werden, während die sonne rückwärts zu wanden beginnt, der mond dort aufgeht, wo er sonst untergeht, und die bäume rundherum jünger, immer jünger werden, bis alles still steht, und eine laute stimme ruft:

"YUHA - der König stirbt!"

"Warum König? Wir haben keinen König."

"Jerzy! Du wurdest uns als kleines Kind genommen und gehst jetzt deine eigenen Wege. Deswegen bist du ein Gatscho1 und kein Roma2 mehr.
Wie wir gehört haben, nennen sie dich in deiner Welt, Pater Josef, und dort sollst du ein Großer unter deinesgleichen sein. Du bist uns aber fremd geworden und gehörst nicht mehr zu uns, zu unser vitsa3. Deswegen musst du auch bei uns Frauen sitzen, während wir auf den Tod des Königs warten.

 


1 alle Nichtroma, -sinti, -...
2 der größte Stamm innerhalb des Volkes
3 die Sippe

Obwohl du unser Blut in dir hast, verstehst du und nicht mehr, bist ein Zerrissener und stehst zwischen den Gatsche und uns, sonst würdest du das Wort König, so wie YUHA einer ist, verstehen.
YUHA ist kein König, wie der Habsburger einer ist oder wie die deutschen Fürsten. Er hat nicht ihre Macht, und doch ist er mächtiger als sie, denn die seine beruht auf Weisheit und besondere Fähigkeiten. In ihm ist die Macht und zum Teil das Wissen einer endlosen Kette von Geschlechtern und die Erfahrung unseres alten Volkes.
Bei uns Roma gab es immer Könige und Fürsten, die sch aber meist selbst dazu ernannten. Diese waren ohne Ausnahme Scharlatane oder Verblendete. Unser YUHA beanspruchte nie einen Thron, noch wurde ihm jemals einer angeboten, und doch spürte ein jeder von uns, was er ist, spürte jeder seine Macht und anerkannte ihn ohne Vorbehalt an."

"Du hast recht, wenn du sagst, dass ich eure Art schwer verstehe, und wahrscheinlich gehen mir, wenn von ihm die Rede ist, deswegen immer so viele Fragen durch den Kopf.
Um ihn gibt es zuviele Legenden. Keiner weiß, wie alt er ist, und aus welchem Stamm er kommt. Besonders unklar ist mir, worin und woraus seine Macht bestehen soll."

"Siehst du, wie dich die Welt der Gatsche verändert hat. Immer wollt ihr alles genau wissen und mit eurem Verstand begreifen, und wenn ihr einmal nicht weiter wisst, sodass ihr ansteht, seit ihr hilflos. Oft beginnt von da an für euch der Aberglaube, die Intoleranz, die Verdrängung und nicht selten die Verachtung und Vernichtung des Andersdenkenden.

Uns Alten ist er keine Legende. Wir wissen um seine Macht, und die Meinung all der Anderen über ihn, ist und ohne Wert. Sicher ist, dass er mehrere Generationen alt ist und die Hundert schon lange überschritten hat. Weniger sicher ist, aus welchem Stamm er kommt. Manche behaupten, er stamme von den Kurbat, einen syrisch-persischen Stamm, ab. Andere nehmen an, dass er überhaupt keiner aus unserem Volk ist. Und doch wird er bei allen Stämmen, den Roma, den Sinti, Manusch, Cale´und Gitanos als großer Mahner, Schlichter, Heiler und Wissender hoch angesehen und geehrt.

Er war es, der unserem Volk den Weg in die Freiheit gezeigt hat, als in unserer früheren Heimat Moldau, in der wir viele Generationen in Sklaverei lebten, die türkische Vormachtstellung schwand, und uns Prinz Mihail Sulvza4 aus der Leibeigenschaft entließ. Es zogen dann allzuviele YAHA's Rat nicht gehorchend gegen Westen. Vielen der westwärts ziehenden, prophezeite er Diskriminierung, Verfolgung und einigen den Tod. Einige wenige vitsa hatten Glück und konnten übers Meer nach Amerika, nach Indien oder nach Australien fahren.

Wir befolgten seinen Rat und fuhren nach Südrussland. Einige der unseren zogen weiter nach Polen, andere überstiegen das Gebirge im Osten und fuhren bis ins weite, leere Land mit den langen Wintern. Von Südrussland aus machten wir uns später auf den Weg nach Syrien, Palästina und entlang der afrikanischen Küste bis nach Algerien. Auf diesem Weg hatten wir ein gutes Leben, und überall wurden wir respektiert, so dass unsere vitsa groß und stark wurde, und keiner hungern musste.

Auf diesem langen Weg vergaßen unsere Führer aber seine Mahnung und ließen unser Volk von Algerien aus nach Spanien übersetzen. Sobald alle europäischen Boden betreten hatten, überkam uns eine große Unrast, und wir zogen mit unseren Karren so schnell wie möglich nach Norden, als Ziel den Wallfahrtsort Saintes-Maries-de-le-Mer5.

Wahrscheinlich war die Wallfahrt für jeden von uns nur ein Vorwand, denn der Westen und die Mitte Europas stellte für unsere Vitsa eine nicht erklärbare, magische Anziehungskraft dar. Wir fühlten uns wie im gelobten Land, und damals ahnten wir nicht, dass es für unsere vitsa die Vernichtung sein wird."


4 Freiheit 1844 in dem früheren Bes Arabien, heutigen Moldawien
5 Heiligster Wallfahrtsort aller Stämme an der Atlantikküste in Südfrankreich gelegen


"YUHA - der König stirbt!"

"Warum rufen sie immer wieder: YUHA - der König stirbt?"

"Laß sie rufen, das erleichtert ihm die Übergabe der Macht!

Nach dem deutsch-französischen Krieg durchzogen wir die deutschen Lande. Dort erschlug man viele der Unseren. Dich und deine Geschwister nahm die Landwehrordnung deinen Eltern fort und versuchte den noch verbliebenen Rest bei Frankfurt zwangsweise anzusiedeln. Die dortigen Bürger feindeten uns aber ständig an, weil wir uns nicht anpassen konnten. Es wurde unerträglich, und wir mussten letztendlich bei Nacht unsere neuen Häuser verlassen. So zogen wir in unserer Not nach Ungarn. Es war eine schreckliche und grausame Zeit. Ich will jetzt nicht mehr darüber reden. Das tut alles immer noch sehr weh. Du und ich sind die einzigen unserer Vitsa, die damals überlebt haben.
Jerzy! Warum ist das Deutsche Volk so grausam und hart? Nirgendwo sonst haben wir so gelitten wie im Deutschen Land!"

"Ich weiß es selber nicht genau! Die Deutschen sind nicht grausamer als andere Völker, aber wahrscheinlich liegen die Ursachen weit in der Vorzeit, in der Zeit der Entstehung der deutschen Stämme. Dieses Volk scheint immer wieder am Anfang seiner Werdung zu stehen. Man soll sich nicht von der Fülle seiner Denker, Dichter und Musiker blenden lassen. In ihm ist weder die Reife der Abnützung eingekehrt, noch hat der Einzelne den ihm zustehenden Wert. Die längst überwunden geglaubte Mystik des Führers, die der Massen und des Gehorsams bestimmen noch immer sein Handeln. Einmal gewählten Führer werden zu Göttern erhoben, zumindest solange sie erfolgreich sind. Das ganze Volk folgt ihnen dann im guten wie im bösen, auch um den Preis des eigenen Lebens. Der Deutsche, den gibt es eigentlich nicht. Und doch, ob Arbeiter, Bauer, Bürger oder Adeliger ist er seiner selbst gar nicht so sicher, wie er sich allgemein gibt. Er glaubt sich immer von äusseren Feinden umgeben, und deswegen reagiert er eben so, wie wir ihn kennen. Das ist aber eine sehr einfache, eine zu vereinfachte Sicht.
Die sozialen und gesellschaftlichen Umwälzungen, welche in vielen Ursachen wurzeln, und die in den Unruhen von Berlin nur ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht haben, bedingten die Erfüllung von Forderungen der arbeitenden Massen, sowie die Einlösung liberalen Gedankengutes der Bürger und gebildeten Klassen gegenüber der herrschenden feudalen und klerikalen Obrigkeit. Diese Unruhen und die sich immer mehr aufschaukelnden Gewaltausbrüche hatten das Volk und jeden Einzelnen bis auf ins Innerste verunsichert und verängstigt.
Ängste und Isolationsgefühle konnte die Mehrzahl der Deutschen noch immer nicht überwinden, aber zu seinem Glück hat er den letzten Krieg gegen Frankreich gewonnen. Wehe seinem Volk und in Folge den anderen Völkern, allen Starken und Schwachen wenn er einmal verlieren sollte, denn dann wird seine Angst ihn und viele andere ins Unglück, ins Verderben stürzen. Deswegen bleibt dem Einzelnen im Moment nur die Möglichkeit der Verdrängung seiner Angst und die Flucht in eine vermeintliche Geborgenheit der Masse unter Aufgabe der eigenen Person. Auf Grund dessen sehnt sich der Deutsche nach dem trügerischen Schutz der Großen Einheit und nach dem für ihn denkenden und lenkenden, großen Führer. Diese Einheit funktioniert aber nur durch die Übersteigerung der Begriffe Vaterland, Heimat, Gehorsam, Arbeit und Treue bis in den Tod, ja, sogar nur wenn diese für heilig erklärt werden.
Vorerst sah die Einigung der deutschen Kleinreiche unter Graf Bismark, die Kaiserwahl Wilhelms und zuvor die siegreichen Schlachten gegen Österreich-Habsburg und gegen Frankreich wie ein Erfolg, wie ein Fortschritt aus. Dem aber war und ist nicht so, denn in Wirklichkeit war es ein Rückschritt in der Entwicklung zur Liebe und zur Freiheit. Leider sieht auch in unserer Kirche selten jemand, was da wirklich geschieht, und immer noch verherrlicht unsere Kirchenaristokratie die Einheit und die Macht ihrer Ordnung und natürlich auch die des Staates.
Als Grundlage für die erfolgreiche Einigung des Deutschen Reiches waren aber zuvor Wertverschiebungen notwendig. Diese Verschiebungen arteten in weit überzogene Werte aus, und lieferten das Deutsche Volk seinen Führern auf Gedei und Verderb aus. Diese entarteten Werte stellen immer noch die Basis für die Verherrlichung der Macht der Waffen und die des Traumes der Erweiterung des Reiches dar. Wie du siehst, ist das Deutsche Volk noch immer kein fertiges, ist es ein Gefangener seiner selbst und kann sich wahrscheinlich nur mehr mit Hilfe einer Katastrophe aus seinen selbstgewählten Fesseln befreien oder auch vernichten. Eine Katastrophe, die es wäscht, und die es von seiner Beklemmung reinigt. Aber um welchen Preis, und zu wessen Lasten?
Du kannst deshalb von solch einem Volk keine Toleranz und kein Verständnis für deine, von ihm so unterschiedliche Lebensweise erwarten. Es kann nicht einmal zu sich selbst tolerant und verständig sein, wenn seine Angst es so blendet und verführt, dass seine wichtigsten Werte dem Tod näher als dem Leben sind, es diese auf die höchste Stufe hebt.
So wie YUHA kann ich nur jeden Roma vor einen Kontakt mit dem Deutschen Volk warnen, zumindest für jetzt und für die nächste Zukunft. Sein Verständnis für Anderesartige und Andersdenkende wird immer weniger werden, bis dieses Volk sich selbst so bestrafen wird, dass es mit einem neue geordneten und besseren Verhältnis zu anderen Völkern wieder einmal von vorne beginnen kann und muss."

"Jerzy, ich verstehe deine Gedanken nicht! Viele unserer gedemütigten und toten Brüder und Schwestern würden sie auch nicht verstehen. Ich weiß nicht, wie wir Roma den in Europa allgegenwärtigen Hass und Vernichtungswillen der Gatsche entgehen können.
Wenn YUHY stirbt und seine Macht, die uns bisher Hoffnung und Kraft gab, auf diesen kleinen Jungen, der ja keine sechs Monate alt ist, übergehen soll, wo können wir dann da noch Halt und Hoffnung finden? Dieser Junge, den du neben dem sterbenden YUHA siehst, und dessen Hand er hält, ist keiner aus unserem Volk. Keiner kennt seine Eltern und keiner seine Abstammung. Er wurde erst vor kurzem von mir in einem Straßengraben gefunden. Zur aller Überraschung bestimmte er ihn als nächsten Träger der Macht."

"Wie kann YUHA diesem Kind seine, mir noch immer unbegreifliche Macht übertragen?"

"Diese, seine Macht ist auch nicht erklärbar, schon gar keinen Verlorenen wie dir. Ich will es aber doch versuchen, nur muss ich dafür etwas weiter ausholen.
Wie nur mehr wenige wissen, kommt unser Volk aus Indien, vom Lande unter den hohen Bergen. Viele Generationen nach dem Tod der heiligen Mutter verließen immer wieder kleine Gruppen des alten Volkes das Land unter den ewig schneebedeckten Bergen. Manchmal erreicht uns von dort noch eine Stimme unserer zurückgebliebenen Brüder.
Nun, unser Volk lebte vor vielen Geschlechtern in Indien, aber glaube nur nicht, dass unser Volk dort entstanden ist. Merke dir! Es hatte zuvor eine lange Wanderung hinter sich, die sich in der Zahl von Geschlechtern gar nicht messen lässt. Wie uns YUHA erzählte, begann diese Wanderung gemeinsam mit der des Großen Volkes von Norden aus, östlich der Berge, die ihr Ural nennt. Das schleichende Eis des Nordens und das Eis der Berge im Süden vertrieb uns aus der Heimat unserer Ahnen. Wir mussten die großen Berge umgehend gegen Süden und gegen Westen bis nach Indien ziehen. Die dortigen Dämonenanbeter besiegten wie mit der Kraft unserer leuchtenden Sonne. Für uns aber nahmen wir keine Herrschaft in Anspruch, nicht so, wie viele der mit uns wandernden und siegreichen Sonnenvölker. Und doch lebten wir nach unserer Ankunft lange mit allen in Frieden.
Aber zuvor, auf allen unseren weiten und langen Wanderungen, seit dem Verschwinden des großen Ur und der haarigen Rüßler, als unser Volk noch ein anderes Gesicht hatte, wurde es nicht nur von Kriegern, sondern auch von Weisen und von Männern der Macht, solchen wie YUHA, geführt.
In der Zeit vor unseren namenlosen Ahnen waren es immer mehrer Männer, auch Frauen, die Wissen besaßen, und die die Macht des Volkes getragen haben. Mit jeder Berührung eines anderen Volkes auf unseren Wanderungen wurde das gesammelte Wissen größer und unsere Gedichte immer länger. Solange bis sie sich keiner mehr merken konnte. Vieles ging immer wieder verloren und musste von neuem gefunden werden. So dass es letztendlich immer zwei existenzbedrohende Probleme für unser Volk gab.
Die Weisen und die Männer der Macht wurden mit den Geschlechtern immer weniger, und große Teile des Wissens und der Macht gingen allzuoft verloren. Es schien, dass auch auf unser Volk das gleiche Schicksal, wie das aller vergessenen Völker zukam.
Noch bevor unser Volk Indien erreichte, gelang aber einer der letzten großen Frauen unseres alten Volkes, der größten der Vorzeit, LEYA, aus den Geschlechtern der Weisen und Mächtigen, ihre Macht zu manifestieren und einem Nachfolger zu übergeben. Jeder oder jede Mächtige trug hinfort den Namen YUHA und LEYA. Das Wissen ging mit dem Tod eines jeden YUHA's oder den einer LEYA verloren, nicht aber ihre Macht. Die lässt die Träger nicht sterben, bevor sie nicht persönlich an einen Nachfolger übergeben wurde.
Seine Weisheit musste jeder Mächtige mehr oder weniger mühsam selbst erringen, aber die Macht bekommt er übertragen und trägt sie bis zu seinem Tode. Ja, er kann sie nicht einmal vorher ablegen. Bei jeder Übergabe geht Wissen verloren, aber dem entgegen wird die Macht immer größer und stärker. Viele YUHA's und LEYA`s zerbrachen daran, mussten sie sie doch bis zu ihrem Ende ertragen.
Höre genau zu, Jerzy! Höre den ewigen Sterbegesang!"

YUHA, der König stirbt,
Seine Macht dem Kinde gibt,
Schwert und Feuer der Peiner,
Begruben seiner Brüder Gebeine.

Der Ahnen Macht,
Ihm wurde zur Last,
Bis in Geist und Körper,
Der Wahnsinn ein Gast.

YUHA, der Träger der Macht,
Findet weder Schlaf, noch Wacht,
Bevor er im Kinde,
Der Ahnen Macht nicht binde.

"Die Art der Übergabe bestimmt SIE, die Macht, und niemand hat auf SIE einen EinFluss. Bekannt ist, dass SIE während des Sterbens nur vom YUHA selbst an seinem Nachfolger übergeben werden kann und muss. Sein Sterben dauert manchmal nur Tage oder auch mehrere Jahre, und am Ende dieser Zeit muss er SIE weitergeben, sonst kann er nicht sterben. Und er kann SIE auch immer nur einem Neugeborenen übergeben - zumindest bis jetzt."

"Ja, aber warum hat er ein seinem Volk fremdes Kind erwählt?"

"Wir wissen es nicht, und deswegen sind wir sehr beunruhigt. So nehmen wir an, dass die von einer Generation zur nächsten innerhalb unseres Volkes übergebene Macht uns bald verlässt. Mein Volk wird deshalb sicher nicht so bald vergehen, aber die Zukunft kann dadurch nur noch dunkler werden.
YUHA deutete an, SIE könnte auf ein neues Volk übergehen, und der neue YUHA wird hierfür den Samen legen. Er sagte, dieses Volk wird nicht nur neu sein, sondern es wird ein neuer Mensch entstehen, der letztendlich keiner mehr sein wird, sondern der Vertreter einer neuen Art. Eine Art, ähnlich der der großen alten Weisen unseres Volkes, bevor es in das Land unter den hohen Bergen kam.

Jerzy höre, höre das Lobgesang seiner Brüder!"

Weder Mensch noch Tier,
Noch Stein, noch Bein;
Auf der Suche nach Frieden,
Den Krieg gemieden;
Und doch nicht verloren,
In Macht wieder geboren.

Dem Körper enteilt,
Sein Geist sich befreit,
Um die Macht zu erkennen,
Das Letzte zu benennen,
dass die Zeit nichts ist als Sicht,
Wo alles Handeln ohne Gewicht.

Für Gewalt und Besitz,
Vom Streben und Nehmen,
Will er nicht leben;
Gefüllt und doch leer,
Wenn allen kann geben,
ER ohne zu nehmen.

Ruhe und Schweigen,
Schatten und Licht,
Alle schweren sein Gewicht,
Geben das letzte Gesicht,
Befreien von der Last seiner Macht,
Sie auf ewig nicht mehr sein Gast.

"Nach seinem Wunsch sollst du den neuen YUHA zu dir nehmen, und ihn auf seine Aufgabe vorbereiten. Später, wenn es an der Zeit ist, ihm den Namen YUHA geben, und die, die nach seiner Art sind sollen ELEY heissen!"

"Was soll seine Aufgabe sein?"

"Wer weiß das? Ich weiß es nicht!"

WARUM IMMER WIEDER DIESE TRÄUME, DIE VERWIRREN UND DIE DAS LEBEN HIER NUR NOCH SCHWERER MACHEN? HIER IN LOORIEN GEHT ES UMS ÜBERLEBEN, UND DAS SCHEINT EIN STETER KAMPF ALLER GEGEN JEDEN ZU SEIN. DA IST WENIG PLATZ FÜR SOLCH GEFÄHRLICHE TRÄUME. AUCH WEIL IM MOMENT EIN RUHIGER SCHLAF ZU WICHTIG IST, ALS DASS "ES" AUF LICHTUNGEN HERUMSTEHEND UND VOR SICH HINTRÄUMEND AUF DIESE ART UNNÖTIG ENERGIE VERSCHWENDET.

Es ist immer sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich, im boden verwachsene Wurzeln herauszuziehen, besonders wenn es die eigenen sind, aber sonderweise gelingt dies jetzt ganz leicht, und die borkige haut bildet sich allmählich ohne probleme zurück, wird mit der umkehrung der sonnenwege immer geschmeidiger und glatter, bis am ende der remetamorphose die feingliedrigen und vielfach verzweigten auswüchse an den extremitäten verdorren und abfallen; nur, mit der rückwandlung des geistes geht es wesentlich langsamer und schwerer, wenn überhaupt noch, denn der kann nur mehr ein kurzes stück des einmal begangenen weges zurückgehen, weil eine immer größer werdende kraft dies verhindert - eine solche, wie sie meist auf einmal eingeschlagenen wegen in richtung eines unbekannten zieles unwiderstehlich und unumkehrbar wirkt, oder ebenfalls eine solche, wie die die sucht nach dem unbekannten und die hilflosigkeit gegenüber der versuchung zu sehen und zu finden schamlos, ohne nach verantwortung und verlusten zu fragen, ausnützt, bis nur mehr ein gehen in leerer einsamkeit und unter zurücklassung aller freuden und alledem, was lieb war, statt findet, weil dem ELEYISCHEN auf dauer nichts entgegengesetzt werden kann; ER auf dem einmal begangenen weg, der wohl früher oder später immer zu einer einbahnstraße werden muss, aber hoffentlich nie in eine unumkehrbare sackgasse mündet, tut, was und wann er will; so auch jetzt, als ES sich wieder zu bewegen beginnt, ES nur mehr haut und knochen darstellt, in kilo nicht mehr zu messen, und ER ES jetzt endlich an die dringende notwendigkeit etwas warmes zu essen erinnert, auch wenn dazu der magen und vieles andere nicht mehr fähig zu sein scheinen.

 

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   An und für sich müsste sich jetzt die frage stellen: warum immer wieder solche träume - träume, die schmerzen, verwirren, und die das leben hier nur noch schwerer machen; vorerst nur scheinbar schwerer, weil alleine schon das hiersein ein steter kampf ums überleben ist, und hierbei solche träume, wie die in den vergangenen tagen und nächten, nur eine zusätzliche belastung darstellen, die die gefahren des alltags weit weg rücken, und die das unerklärbare trügerisch wie durch einen dichten, milchigen, sinnesbetäubenden und das gemüt einschläfernden nebel wahrnehmen lassen, bis es so weit ist, dass die lebensversüßenden gefahren im gefolge des geschauten und in dem des missbrauches der eigenen seele als nicht mehr loszuwerdende lasten früher oder später abgeworfen oder mit ihrem zerstörungswerk am lebensfortlauf unaufhaltsam fortfahren werden können - jetzt schon, einmal auf die lustige und fröhliche art und dann wieder mit viel bösartigkeit und anmaßend frecher neugierde; ganz so, als sei dies alles nur ein lustig makabres schauspiel altersmüder sattlinge, oder alles dies stellt sich 'nur', sofern das glück gewogen ist, als die präsenz der möglichkeit unkontrollierbarer, aus den gefahren von träumen geborener kräfte für ein anderes leben wie ein stetes zerstörungspotential dar, das wie eine zeitbombe tickt, mit jedem traum sich immer mehr auflädt, bis sich zwingend der wunsch einstellt, in der grauen und freudlosen welt der gleichgültigen sich einer allseitigen verwüstung hinzugeben, und der verlockung der möglichkeit entsetzen unter dem bösen zu verbreiten alleinig bestimmend zu sein scheint - aber, eben nur scheint, denn entgegen der zeit vor dem schlammloch gehen jetzt die aus den träumen kommenden gefahren widerstandslos wie kosmische neuronenstrahlen durch die eigene seele hindurch, obwohl die erbauer und behüter der träume verzweifelt versuchen ihren einFluss multikativ zu potenzieren, um umsomehr macht über des träumlings zur fülle wandelnden nichtigkeit zu erreichen - nur; eben diese macht, ihre macht der vorgetäuschten verzweiflung, der scheinheiligen trauer und des tatsächlichen leidens ist jetzt nur mehr eine gewesene, kann dem eigenen 'nichts' nichts mehr anhaben, sofern sich der doch noch manchmal aufkommende spieltrieb nicht mehr mit der geborgten macht der traumwächter auf fragwürdige vorhaben einlässt; wobei aber auch dann noch, und immer öfters, mit immer mehr übung das ego die angriffe und lockungen der verführer wie in einen vorgehaltenen spiegel gesehen umkehrt und zurückschickt, diese für sich selbst zu nutzen beginnt, um die so gewonnenen fähigkeiten und beginnende, im gebrauch noch noch zu erlernende macht der traumgedanken und -gefühle zum eigenen nutzen zu festigen und auszubauen, so dass diese fähigkeiten wie speerspitzen beliebig gerichtet an noch so entfernten orten wirkungsvoll eingesetzt dem sein des nichts über die reflexion der traumgeschehen in einer anderen welt wohlig und wiederbefruchtend, spielend und freudig das sulen im tiefen seelenmorast anderer existenzen zu ermöglichen; um dort beliebig, je nach laune und gusto, die so gewonnenen kräfte einmal mit elementarer gewalt und dann wieder mit sanftem befühlen die seelengefüge anderer wesen nach eigenen wünschen und vorstellungen neu zu gestalten oder zumindest zu formen, bis sich in steten, immer kürzeren rhythmen ein sanfter, tiefer und regenerierender, ein der zeit fremder schlaf über des träumlings schauen und wirken ausbreitet, der wie ein jungbrunnen die zellen rückbildend der vergangenheit entgegeneilt, um dann in ihrer rematamorphose wie im zeitraffer, schritt für schritt, das programm der seelenschau neu zu schreiben, so dass sich, im gesamten gesehen, die wandlung der art wie ein riesiger mutationssprung nach rückwärts über unzählige zeitalter und geschlechterfolgen hinweg darstellt, welcher eine andere basis für einen neubeginn einer anderen art zu schaffen erlaubt.

Der ELEY, eine neu zu werdende art, der gepaart mit dem selektionsdruch der geschauten träume und unter umgehung der prohibition der kosmischen ordnungen verschiedenster genesise in des träumlings welt den zellverfall anzuhalten versucht, kann dann sogar das unwahrscheinliche, das nicht mehr geglaubte, die biologische und nicht nur die kulturelle reform der evolution voranzutreiben; solange, bis die niemals gesättigte macht YUHA's offen und nicht im verborgenen bestimmt, was zu geschehen hat, und was nicht, sie den zu gehenden weg offenbart und gleichzeitig dem kommenden, dem anderen sein das notwendige rüstzeug zur festigung der ELEYISCHEN art mitgibt; aber vorher muss noch der zukünftigen ereignisse zum trotz geschlafen und immer wieder geträumt werden, um der zeit zeit zur schaffung endlos weiter räume zu geben, die beim erwachen des träumlings das fliegen des geistes zur normalität machen, und die die letzten alten, den geist wie ein kokon aus trockenem, spröden erdlingston umgebende schichten sprengen, sie zu staub vervielfachen, um sie am ende des letzten schlafes sanft vom neu dienenden, frischaufkommenden gezeitenwind aufgenommen und fortgetragen dem träumenden schläfer, als den niegewollte götterstaub, wie die erstickende decke eines gefäßigen molochs wegzuziehen, und um dem belebenden wind der zeit die von vielzulangen, seit archaischen zeiten gefestigten ordnungen immer wieder beschnittenen neugierigen zellen die auffrischung zu ermöglichen, damit diese den seit änon dauernden schlaf abschütteln und in die vergangenheit zur eigenkost der anmaßenden göttlichen verwalter zurückschicken können; nur um jetzt umsomehr nach taten hungernd den unwürdigen schlaf zu beenden, das gewonnene zu verdauen und vorsichtig anzuwenden, damit ES endlich mit ruhe und bedacht an die fertigstellung des erdhauses, das zumindest von aussen gesehen fertig scheint, gehen kann, denn rundherum fehlen nur noch diverse kleinigkeiten, wie eine noch nicht durchgehende freihe raumhöhe, weil wie gewöhnlich, das pech nicht lange auf sich warten ließ, und so beim ausschachten des bodens schon bald blanker fels zum vorschein kam, der jetzt mühsam mit hammer und meissel bearbeitet werden muss, es aber wenigstens dadurch genügend festes ausschachtungsmaterial gibt, mit dem sich eine kleine terrasse vor der einstiegslucke, welche ausreichend platz zum aufstellen einer sitzbank und für kleinere holzhackarbeiten bieten soll, aufschütten lässt, so dass aufgearbeitetes holz gleich auf der terrasse vor der einen meter aus dem erdreich ragenden vorderfront aufgeschichtet werden kann - einer front des erdhauses aus sauber ausgestochenen grasziegeln, die am ende der kurzen seitenwände im grashang, genauso wie das inzwischen zur laubwiese gewordene und teilweise schon mit spärlichem unkraut bewachsene, sich dem steilhang anschmiegende dach ausläuft, auf dem sich, nicht auf dem ersten blick erkennbar, ein gut getarnter, dem haus im umgebenden gelände regelmäßigkeit und natürliche, zerfließende grenzen gebender kaminhügel erhebt, der das zwei meter tiefe und vier meter lange haus als solches nicht erkennen lässt, des erdhauses konturen rundet, dessen ausmaße verbirgt, und man schon unmittelbar davorstehen muss, um es überhaupt erkennen zu können, denn zusätzlich wird es von drei bäumen mit ihren weit ausladenden ästen, wie mit einer grünen, bis zum boden herunter reichenden tannenzweigglocke überdacht, in deren mitte und von den stämmen abwärts, bei der bodenausschachtung ein teil ihrer wurzeln vorsichtig, um diese ja nicht zu verletzen, mit viel gefühl und gedult freigelegt wurde, denn wenn solch ein baum beleidigt ist, schweigt und duldet er nicht lange, sondern richtet einfach irgendeinen schaden an, kann sich sogar mit hilfe der winde, die ja sowieso allzugerne zeigen, wer die wahren herren im lande sind, auf das haus legen, was sicher in den folgen gar nicht abzuschätzen ist, denn ist zufällig zu diesem zeitpunkt das haus bewohnt, so könnte das handwerkliche prunkstück, das aus rohen baumstämmen und ästen zusammengenagelte, großzügig bemessene bett zum sarg des verlustiggegangenen erdlings werden, und all seine raffinessen, wie die mühsam gebaute schiefe ebene am kopfende, die auf der ganzen länge ausgelegten, federnden tannenzweige mit dem dazwischen gestreutem trockenem, ständig gut duftendem laub und diverser heilkräuter würden nicht mehr zum eigenen wohlbefinden, zur bereicherung und zur möglichmachung niegewagter träume beitragen - würde gewiss der sonst stark belebende, die träume stützende duft der kräuter langsam vergehend das schwimmende, von warmen, nährstoffreichen zeitströmen getragene seelenfloß im großen meer des vergessens ungekannt geglaubten, von etappe zu etappe sich erneuernden und ständig ändernden zielen nicht mehr entgegenleiten; sonder alleine nur mehr dorthin führen, wo immer schneller ringelnd und schraubend seelenfahnen, wie zum schocktocknen im gefrorenen winterwind aufgehängte, sich drehende fischreihen, den weg über den archontenkreis des unverstandenen hinaus als abschließenden dienst gegenüber den großen mit freude zurückgelassenen genius zu einem vorerst nur zu ahnenden möglichkeitspotential weisen - ein potential, das dann auch nicht mehr vorauseilend beim überschreiten der vielen grenzen der möglichen wirklichkeiten den letzten tropfen des aus dem erschlagenen, toten fleisch herausgesaugten lebenssaftes zu retten, was noch zu retten ist, versuchen wird, besonders weil dann auch nicht mehr der in intervallen immer schneller von statten gehenden austrocknung der gefühle einhalt gegeben, und nicht dem, hinter den grenzen beginnenden, über das göttliche hinausgehende empfinden auf der spur der ahnung nachgejagt werden kann; spätestens dann nicht mehr, wenn die mühsam aus feingliedrigen ästen gebauten, zum abstellen von töpfen und anderm kram von der decke des erdhauses hängenden regale gebrochen und zerschmettert am boden liegend dem noch nicht zur gänze ausgetrockneten kadaver als zersetzender, wurmangereicherter humus dienen werden; aber noch bevor das ehemals regsame fleisch zu erde geworden ist, wo dann bestimmt noch schnell dem genius die sich sonst zurückhaltende unsterblichkeit, die so gepriesene, und von ihm in aller überheblichkeit als vollkommenes ziel angestrebte, zum hohn aller erreichten macht und weisheit, über den für sterbliche unerreichbaren rand des topfes der relativen unsterblichkeit zum schauen zwingen würde, um dann im spiegel der ewigkeit dem erbärmlichen genius erkennen zu geben, wie der neugierig und geil begaffte tod durch einen simplen unfall endlich allem nicht besonderen, allem anderen nicht überlegen vorkommenden ein schlichtes, würdeloses und nicht spektakuläres ende eines anmaßenden emporkömmlings vor augen führt; vielleicht würde auch der aus massiven ästen zusammengeschmiedete schreibtisch mit der darauf liegenden, mühsam niedergeschriebenen geschichte LOORIEN's, die sowieso niemand versteht und niemand ließt, die rache der geschändeten bäume nicht überstehen, und das wäre dann wirklich der einzig schmerzhafte verlust, denn das schreiben dieser geschichte war wie das komponieren von musik, wie das suchen nach verlorenen mysterien - zum teil genau solch ein mysterium, wie es dem bau dieses erdhauses zugrunde lag; rhythmisch im Fluss, harmonisch gegensätzlich in höhe und tiefe, ansprechend und gestaltend im gefühl und in leidenschaft; ein permanenter akt einer zeugung von harmonie und gegensätzlichkeit durch geist und fleisch, denen am ende keine grenzen gesetzt sind, und die zur bestätigung des falles das werk in einem puren unverfälschten, intellektuellen ausFluss, in geistiger akrobatik enden lassen; vorläufig enden, weil geschriebenes, beziehungsweise dessen geist im Fluss der zeit nie derselbe bleibt, der geist des wortes selbst nie unveränderlich sein wird und will, er sich der evolution des schreibens, des lesens und verstehens gehorchend mit jedem neugeschriebenen wort, wie auch mit einer sich immer wiederholenden lesung des wortes der entstehung einer dynamisch wachsenden eigenintelligenz des geschriebenen über und durch das lesende auge weiterentwickelt; daher muss alleine schon deswegen, zwanghaft, in scheinbar fertiggeschriebens, immer neues hineingelesen werden, damit der schöpferische schreiberling mit dem stets sich wandelnden inhalt seiner eigenen geschichte auf selbiger höhe befindet, er sich nicht vom geist des eigenen werkes überholen lässt um nicht permanent hinterher zu hinken, weil dies sowieso dem schreiberling wie auch dem leser oft genug passiert; sofern die geschichte nicht nur in einer zeit handelt, sondern so mit leben gefüllt ist, dass sie sich selbstständig und zwanglos irgendwohin, nach vor- oder nach rückwärts entwickelt, bis die dynamik ihrer intelligenz des schreiberlings werk ständig so in einem labilen zustand hält, dass das geschriebene vom schöpfer, wie auch vom leser, heute so und morgen anders, nicht nur gelesen, sondern auch verstanden werden kann, dem leser nichts anderes um der fruchtbarkeit des geschaffenen gerecht zu sein über bleibt, als das geschriebene immer anders zu lesen und zu verstehen, bis dies die normalität darstellt, weil erst dann das wort im niedergeschriebenen mit odem gefüllt ist, genauso wie das wort hier in LOORIEN mit purem leben gefüllt und das leben hier so wie das gefüllte wort ist, bis das wort allmählich zu einer elementaren kraft anwächst, die der sprache des erdlingsgeistes, noch vor dem ende, uneinholbar vorauseilend im geschriebenen sich über das göttliche hebt und zwangsweise die frage in den raum stellt: wo steht eigentlich irgendetwas von den göttern selbst geschriebenes - den hilflosen, die hierfür immer ihre minderen, verachteten ebenbilder brauchen, so dass die winzlinge, sofern diese den schatten ihrer erbsünde überspringen können oder einfacher gesagt, hierfür nicht zu faul oder zu dumm sind, sich die kardinalfrage stellen müssen: 'warum! - das können wir alle auch - vielleicht sogar besser', auf jeden fall lesbarer, weil direkt sichtbar - ebenso sichtbar wie der mit grasziegel und schweiß geschriebene geist dieses erdhauses und genauso wie der geist dieser geschichte, der nicht von den göttern, sondern von einem ihrer ebenbilder geschaffen wurde, und der erst im wort und durch das wort macht erlangte, welche sich nicht vor der der höhergestellten zu verstecken braucht; denn nicht vergessen ist, dass mit der weitergabe des wortes und mit der offenbarung durch die götter die machtverschiebung begann, diese ihren abgang von der kosmischen bühne einleitete, und das ende vom anfang der naivität dem erdling bewusst wurde; so bewusst, was ein einmal gedachtes, gesprochenes oder geschriebenes, ein für eine idee stehendes wort kann, nämlich was tausende waffen selten können, einen tyrannen stürzen, imperien zerstören, und vor allem götter aus ihrem olymp vertreiben, oder sie in einer morgentlichen götterdämmerung wieder auferstehen lassen, je nach laune und bedürfnis des schreiberlings, und was wären all die götter ohne die worte der winzlinge, würden diese dann überhaupt existieren, stellt nicht so das wort die größte, die absolute macht dar, existieren vielleicht die götter alleine nur durch das wort ihrer ebenbilder, denn wie könnten die erdlinge vergessen, dass am anfang das wort anstelle der macht stand, und sie jetzt erkennen, dass am ende ihre macht auch ohne dem wort stehen kann, diese macht teilen und differenzieren wird in eine linke und in eine rechte hälfte, in eine wo grauen und leid jedes wort erlischt, und in eine andere der freude und des lichtes, in der keiner mehr ein wort braucht, vielleicht auch nicht die wörter der götter, oder gar diese selbst nicht mehr, weil in beiden hälften die winzlinge dann selbst zu göttern geworden sind, wo doch jetzt schon abzusehen ist, dass die erdlinge über die grenzen der großen und kleinen kosmen hinaus in andere welten vorzustoßen beginnen, und sie dort dann selbst neue welten nach ihren vorstellungen schaffen werden; wo ist dann noch platz für die alten götter.

Vielleicht werden die gewesenen ebenbilder für die irgendwann einmal exotisch gewordenen unnahbaren reservate des glaubens unter dem dach der religionen schaffen, sofern die erdlinge nicht, wie ihrer art entsprechend, andersartiges einfach ausrotten; aber gott sei dank gibt es zumindest hier in diesem land nichts, was ausrottbar wäre, schon gar nicht den geschaffenen geist dieser geschichte, der schlimmstenfalls nur seiner papiereneren unterlage oder der des fleisches durch einen banalen unfall in einem zertrümmerten erdhaus verlustig gehen kann; und er so oder so in jedem falle am ort des geschehens eine stete wohnstatt haben würde, um in besonderen stunden all das liebgewonnene, geschaute und gefundene mit luftiger leichtigkeit durch alle mauern hindurch und über alle hindernisse hinweg zu besuchen und mit fremden seelen endlich die schon lange in den träumen gehörten gespräche führen zu können, auch wenn dann wahrscheinlich vorerst noch von alledem keine erinnerung mehr zurück bliebe, weil die zeit, genauso wie das verfaulende holz der bäume, alle erinnerungen verrotten würde -was ja schon im ausreichenden maße auf drastische art geschieht-, und es würde die zeit sogar in dem im erdhaus in den felsen geschlagenen und nach der katastrophe zu einer kristallinen, stehenden säule vereisten kamin die gefühle und die empfindungen einsperren, würde die zur trockenlegung des raumes knöcheltief über einen großteil des bodens ausgestreute, ihrer funktion als puffer gegen den verlust der wärme nach unten und als ausgleich zur luftfeuchteregulierung dienende verlustig gewordenen laubschicht den zurückgelassenen träumen des erschlagenen erdlings kein wärmendes fussbett mehr sein; aber noch ist es nicht so weit, weil eben die vorsichtige, teilweise freilegung der wurzeln der drei bäume diese vorausschau einer ahnung eine persönliche katastrophe verhindern soll, besonders in anbetracht dessen, dass es wiedereinmal interessant ist zu beobachten, wie eine sichere behausung, und sei diese noch so ein dunkles loch, die selbstsicherheit und damit die stimmung hebt, so dass das warten auf den kommenden winter nun mit gelassenheit geschehen kann; deswegen wird jetzt mit neugieriger unternehmungslust die meiste zeit außer haus verbracht, denn alleine schon die möglichkeit der nutzung einer festen unterkunft stellt in dieser außergewöhnlichen situation einen gehobenen luxus dar, der jetzt, da er vorhanden ist, alle alten ängste abbaut und gar nicht mehr so verführerisch zum wohnen auffordert, mit ausnahme wenn die kälte so erbarmungslos das fleisch schindet, dass sie rundherum dürres und bizarres geäst unter dumpfen krachen von den schlafenden leibern grauer baumsäulen sprengt, und die abgetrennten luftigen, spinnengespinste gleichend, an den kristallen der gefrorenen luft reibend träge abwärts um sich selbst drehend zu boden schweben, wo sie dann am ende ihrer gewundenen bahnen die lückenlose schneedecke wie mit einem feinen netzwerk schwarzer adern zu durchziehen beginnen, oder wenn drückende und schiebende winde auf den spuren ihres kindlichen gewaltspieles in den breiten mit gefällten bäumen gefüllte schneisen, jeden rest eines aufrecht stehende leben brechen oder beugen - so besteht dann alleine schon wegen der möglichkeit des verlustes solcher erinnerungen und einer wahrscheinlichen vernichtung des fleisches die notwendigkeit des niederschreibens dieser geschichte, wurde hierfür ja schließlich der schreibtisch als ihr geburtstisch gezimmert, auf dem worte gleich geschehen in einer syntax wie befruchtete zellen aneinandergereiht zu einem lebenden organismus wachsen sollen, der unter erheblichen mühen das düstere licht der erdhöhle zum erstenmal erblickend sofort die formung seines, der geschichte geistes anging, auch wenn während des niederschreibens öfters ein suchthaftes verlangen nach schlaf von einer zügig durchzuführeden schreibarbeit anhält, und diese arbeit regelmäßig durch ein dösen im kräuterbett unterbrochen oder meist im träumen unter freiem nachthimmel endet, obwohl dann bald darauf der im schlaf embrional vorgeformte geist der geschichte durch den zwanghaften trieb das geschaute zu jeder tages- und nachtzeit sofort niederzuschreiben wieder zum aufstehen zwingt, bevor geschautes und erlebtes wie eine flüchtige ahnung unentrinnbar in ferne reservate des vergessens entschwinden; was leider noch allzuoft passiert, denn wenn nicht gerade das sternenlicht oder das licht der auf dem schreibtisch stehenden ölfunsel zum niederschreiben ausreichend ist, muss mit dem festhalten von empfindungen und erfahrungen bis zum morgen gewartet werden, wo dann die erinnerung vergangener, besonderer momente leider nur mehr ein schatten des geschauten ist; aber auch dann fühlt ER und ES sich nach dem niederschreiben entschlackt und neugeboren, wie neu geschaffen; vielleicht nicht nur wegen des schreibens, sondern auch, weil im erdhaus eine konstant tiefe lufttemperatur zwischen drei und sieben graden herrscht, bei der, wie jeder benützer eines kühlschrankes weiß, einfach alles organische frisch bleiben muss, und da wäre eine störung des gewöhnten gleichgewichtes durch eine feuerquelle eine ausgesprochene dummheit, nachdem sich das eigenen wohlbefinden auf diese temperaturebene enpendelte, besonders weil einerseits der aufwand zum aufwärmen eingesammelter nahrung immer lästiger und andererseits jede feuerquelle mittlerweile als äusserst unangenehm empfunden wird, ihre strahlung die haut übermäßig reizt, dem kopf schwindlig macht, und so das ganze fleisch rundherum aus dem gleichgewicht bringt, so dass es nun sicher besser ist, sich ohne feuer warmzuhalten, was ja leicht mit einigen mehrlagig übereinander angezogenen kleidungsstücken möglich, aber selten notwendig ist, da bewegungen äusserst sparsam und rationell durchgeführt und in regelmäßigen abständen in momenten der ruhe über das innere echo der unsterblichkeit die zellen in ihren tatendrang einbremst, verdichtet und verlustlos gewärmt werden, bis sich jede dickere kleidung erübrigt, so dass, wie schon seit einiger zeit praktiziert, bei noch so tiefen minusgraden ein hemd und eine hose als kälteschutz vollauf genügen; vielleicht braucht aber das sehr dünn gewordene fleisch auch keinen besonderen schutz mehr vor der kälte, denn es ist sehr mager, sehr, sehr leicht geworden - leicht wie eine feder; wie solch eine ist es prädestiniert mit hilfe des mondwindes auf sternenlichtüberflutete pfade jedes hindernis, jeden stein, jeden felsen und hang dieses waldes mit leichtigkeit zu überwinden, ohne dabei dem herzen und der lunge eine größere belastung anzumerken oder besonders viel energie abzuverlangen, oder ES gar müde zu machen; deswegen stellt sich auch eine regelmäßige und üppige energiezufuhr als nicht mehr notwendig dar, bestätigen alleine schon form und gewicht des fleisches, als die besten gradmesser für das wohlbefinden von ES, die richtigkeit der erfahrung, obwohl das, was das fleisch sein soll, nur mehr haut und knochen ist, scheinbar, was gewicht und volumen betrifft, nicht mehr verminderungsfähig, und hierbei das fleisch nur mehr dem verlangen ausgeliefert zu sein scheint, sich auf dieses fragwürdige niveau einzupendeln, ohne aber jemals mehr der fähigkeit immer öfters notwendig werdender unglaublicher leistungen beraubt zu werden, und in folge dem eigenen sein das recht anders zu sein von den außergewöhnlichen umständen bestätigt zu bekommen; allerdings immer unter der auflage eines rationellen bewegungsaublaufes, beziehungsweise eines sparsamen energieverbrauches, wobei während allgemeiner und besonderer handlungen nicht nur verschiedenste energieformen umgesetzt, sonder auch immer mehr kleidungsstücke verschlissen werden, die dann mehr als oft in fetzen vom fleisch herabhängen, so dass sich die permanente notwendigkeit einer deckung des kleiderbedarfes über die unwahrscheinlichsten fundgruben, wie zum beispiel der lange strand des weit aussen im land liegenden sees ergibt, denn unwahrscheinlich ist, was camper, fischer und wanderer an kleidungsstücke und ausrüstungsgegenstände, nur so zum aufklauben und einsammeln, zum leichten decken des eigenen bedarfes dort draussen liegen lassen und in folge dessen nicht selten das sonst eher rar gewordene, das lachen, hierbei auf seine rechnung kommt, weil viele kleidungsstücke sowohl in farbe, als auch in größe nicht passen, und dann mehr als oft das fleisch wie eine bunte, mit zu großen kleidungsstücken behangene, dürre vogelscheuche im wald gerumgeistert; besonders lustig dann, wenn solch eine lumpengestalt mit einem grasbüschelgeschmückten, filziggrünen spitzhut auf dem kopf und mit einer viel zu großen flechtengrauen jacke angezogen sich auf einen wurzelstock neben einen tief im wald verlaufenden, aber doch vielbegangenen touristenpfad in einer von dunklen und hohen baumreihen umschlossenen waldlichtung nach immer häufigeren nächten der schattenschau zusammenkauernd sitzt, und sich mit frisch fallenden schnee anschneien oder vereisen lässt - dort; an diesen besonderen lichtungen, wo der nebel sich zur morgenstunde wie eine milchiggerührte masse in einem trog langsam sammelt und verdichtet, und wo unter dem mantel des alles und jeden verführenden nebels ein kollektiv von vögeln und sonstigem getier des waldes in neugieriger gemeinsamkeit auf das harrt, was dem pfad entlangkommen soll, schon wissend, dass wie üblich die begrüßung des kommenden mit einem gewaltigen inneren lacher, wie bei einer ouvertüre, einzuleiten ist, bis je die seele des waldes in langgezogenen, tiefen schwingungen versetzt von der existenz ihres seins zeugt, bevor wieder allseitige ruhe unt erwartungsvolle spannung einkehrt, denn im regelfall dauert es nicht lange, und den pfad herauf stampft eine schnur von wanderern, die beim anblick einer mit schnee angezuckerten, scheinbar in einen wurzelstock übergehende und wie zu fahlem eis erstarrte, undefinierbare gestalt mit entsetzen in den augen und mit stummer, hilfloser gestik um diese gestalt herum aufstellung nehmen, bis meist ein mitleidvoller oder hysterischer schrei, oft der einer frau: "ein gnom - ein troll - ein waldgeist", oder sonst eine benennung, den bann bricht, so dass die ausklingenden schwingungen der waldes seele und die seiner bewohner in einem einzigen, gewaltigen chor von lachern übergehen, unter dem die wurzelgestalt nur mühsam ruhe und ernst bewahren und ihren totenstarren blick weiter auf die entsetzten richten kann; auch weil nun die hilflos staunenden mit respektablen abstand um die weiß angeschneite gestalt, der die eiszotten vom bart bis zu den knien hängen, vorsichtig beäugend herum gehen, um einen ansatzpunkt zu einer hilfeleistung zu finden; der vereiste aber nun zu ihrem entsetzen mit einer gespentisch sparsamen und langsamen bewegung seine mageren, blauweißgefrorenen hände aus seinen taschen nimmt und eine maultrommel langsam an den mund führend den ersten langgezogenen ton einer frühlingsmelodie für die träge vor sich hin schlafenden bäume anstimmt, begleitet vom allseitig lautlos zum boden rieselnden schnee und dem verstohlenen knistern der brüchig gefrorenen kleidung, bis der am wurzelstumpf scheinbar angewachsene mit seiner melodie immer lauter werdend ton um ton verkettet, diese melodie in schwingenden, welliglanggezogenen, dem gelände sich anpassenden klängen über sanfte hänge hinweg, unebenheiten ausfüllend den staunenden, zurückgebliebenen lauschern von ferne den erfolg der vereinigung ihrer eigenen seelen mit der des waldes unter dem takt der erdenzeit und dem echo des unsichtbaren, lautlosen gesichter lachens kund tut, wie die einzige, den winter vergessenmachende freudenmelodie kraft und gewalt über die so aufbereiteten gemüter bekommt und die verarmten nun weit offenen herzen der fremden lauscher mit wehmut und sehnsucht nach den sagengestalten ihrer kindheit füllt, so dass der spaß der rundherum gaffenden, gefiederten lauscher und überhaupt der, der die ärmlichkeit der missbrauchten erdlinge belächelnden waldbewohner, in tiefe besinnung übergeht, bis keine spur mehr von überheblichkeit gegenüber den minderbemittelten vorhanden ist, weil die wehmütige melodie, wie in längst vergessenen zeiten, über den nun vereinten geist aller leiber die besucher wie auch die hier wohnenden einander besser, ohne sprechen oder mit gesten deuten zu müssen, verstehen lassen, während gleichzeitig die sich verselbständigende lebensmelodie des spielers die vereinten urseelen der lauscher unter zuhilfenahme uralten verlangens nach tiefem empfinden und nach vorzeitenen harmonien zu einer kollektiven einheit des archetypus verschmilzen, wo dann alleine die gefühle miteinander kommunizieren, es nur mehr die tränen der freude über das wiederfinden gemeinsamer ahnungen sind, die im allseitigen verharren für bewegung mittels urzeitener rhythmen der freude und der geborgenheit sorgen, und so für die dauer der melodie eine jede lebensart der anderen aufs näheste verwandt macht, bis zum schluss im ausklingen der letzten gefühle klänge der bann der betroffenheit über den selbstgewollten, süchtigmachenden genuss einer verbindenden harmonie des sprachlosen verstehens unter den arten zu brechen beginnt, den lauschern wieder ihre freiheit gibt, um zu urteilen, zu bewerten oder um einfach irgendetwas zu tun - ein rettendes brechen eines die seele auf dauer verführenden bannes, um den gefrorenen selbst im gefolge der verführerischen klänge nicht zulange den tiefen gefühlen der rundumgaffer und -lauscher auszusetzen, die nicht nur freude sondern auch schmerzen bereiten, denn all dies schauspiel sollte ja der erheiterung der waldbewohner und nicht der besinnung nach längst verlorenem oder gar einem verweilen in zu lange zurückliegenden zeiten dienen; deswegen springt jetzt, um den bann des momentes zu brechen, der wurzelige mit einem markdurchdringenden, tierischen schrei auf, so dass die gaffer zurückschrecken, und hetzt mit weiten sprüngen dem zwischen den bäumen des waldes versiegenden schrei hinterher; und in folge, wie zur erlösung, lässt der fliehende die nicht verstehen wollenden augen weit hinten an, beginnt den weg zum strand des weit aussen liegenden sees entlang zu hetzen, um dort draussen abstand zu nehmen und als ablenkung vor allzumakabren späßen nach weiteren fundstücken zu suchen, besonders nach, wie opium zu konsumierenden, gar nicht oft genug zu lesenden büchern und zeitschriften, die alle einzusammelt sind, ganz im gegensatz zu den weggeworfenen gebrauchsgegenständen der strandbesucher, die nur wenn wirklich benötigt mitgenommen werden, weil nach vielen schönen und nützlich scheinenden dingen kein verlangen mehr besteht, denn hier soll kein konsummuseum entstehen, sondern nur das notwendigste zum leben vorhanden sein; allerdings bei büchern und zeitschriften ist die schmerzgrenze der enthaltsamkeit sehr rasch erreicht, deswegen türmt sich ein immer höher werdender stapel gedrucktes auf dem schreibtisch im erdhaus, und alleine schon die gewissheit des vorhandenseins gedruckter zeugnisse einer inzwischen anders- und fremdgewordenen welt, einer exotisch anmutenden, die jetzt ferner denn je scheint, beruhigt das diesseits, besonders wegen der möglichkeit einigermaßen über den bequemen umweg des lesens und nicht immer nur der traumreisen an informationen über ferne politische und gesellschaftliche geschehen heran zu kommen oder nach bedarf schnell darauf zurückgreifen zu können, ohne hierbei der eigenen art wieder allzusehr verlustig zu werden; deswegen ist es auch kein wunder, wenn alleine das vorhandensein von lesbaren informationen zur stillung einer vermeintlichen entzugserscheinung beiträgt, wenn dadurch das hier sehr kontrastreiche leben ausgewogener wird, es nach momenten der inneren, wie auch der äusseren unruhe wieder ins lot kommt, und so dann die gegensätzlichkeiten nicht mehr so sehr für spannungen und unwohlsein sorgen, obwohl diese hier in LOORIEN in keinem falle geringer, sondern eher immer größer werden - die tiefen dunkler und die höhen blendend heller und noch weiter entfernt als jemals zuvor sind, diese gegensätze aber wegen der luftigen leichtigkeit von ER und ES kein ernstes hindernis mehr darstellen; ja, sie sogar zum spielen einladen, zum überspringen und überfliegen auffordern, aber nur wenn es leicht geht, und leicht geht es jetzt immer, weil dem eigenen sein nur entnommen wird, was es gerne von selber gibt, was es bereit ist ohne zu betteln und zu fordern herzugeben - dann aber nur soviel zu geben, was zum eigenen wohlbefinden beiträgt, um in verantwortung gegenüber diesem wald hier die eigene wirklichkeit immer heller und wärmer, rundherum weicher, durchsichtiger, bunter, lebendiger und lebenswerter, einfach 'freudiger' zu machen, bis das früher so saublöde suchen nach der eigenen leistungsgrenze -wobei eine sau nie so blöd sein kann wie ein erdling, wenn überhaupt- sich selbst ad absurdum führt, denn zu oft wurde die grenze der sterblichkeit überschritten, als dass sich jetzt ein standort gegenüber einer leistungsgrenze, oder das erkennen der jeweiligen seite einer solchen grenze und das wie oder wann einer agitation mit nur annähernder sicherheit bestimmen ließe; nur, eines ist jetzt sicher, und das absolut: sei es drüben, herüben oder im moment des überschreitens, 'alles geschieht jetzt mühelos', geschieht ohne einen besonderen aufwand an kraft und zeit und geschieht ohne vorgabe eines zieles - vollzieht sich nur durch das beschreiten und entlangeilen auf eine der fährten, auf der jagt nach der formel der ahnung, um das unwahrscheinliche mit viel freude und noch mehr ehrfurcht geschehen zu lassen und um umsomehr genießen zu können.

Das erdhaus ist fertig, gott sei dank - das ungewohnt groß gewordene volumen an freizeit soll, solange es noch einige warme tage dieses sonderbaren sommer gibt, der eigentlich ein winter sein soll, zur erkundung des landes dienen; gleichzeitig kann das erdhaus als ruhender pol, als rückversicherung für IHN und ES während langer streifzüge, wenn erlebnisse und eindrücke zu satt aufs gemüt drücken, als geborgener hort und als ihrer beiden art sehr verwandt aufgesucht werden, um in ihm, eingerollt im schützenden und regenerierenden schlaf, das gemüt mit hilfe der träume zu ordnen und platz für neue erlebnisse und erfahrungen zu schaffen; was aber im moment nicht allzuoft geschieht, denn die neugierde nach dem, was hinter dem nächsten baum oder was jenseits des nächsten bergrücken sein könnte, ist zu groß und treibt immer wieder in den wald hinaus, zwingt immer mehr vom brot des banalen zu kosten und verlangt nach greifbarem, nach unkompliziertem leben; ganz im gegenteil zu dem weiten und machtvollen leben in den träumen und den daraus folgenden, immer größer werdenden möglichkeiten und wider allen naturgesetzen anzuwendenden fähigkeiten, aber zwischendurch genügt vollauf all das einfache leben rundherum mit seinen überschaubaren und greifbaren beschwehrlichkeiten, welche diese welt klein, verstehbar, heimelig und warm machen; deswegen ist auch die distanz zur nächsten ortschaft, einer kleinen mit wenigen häusern, wie ein etwas längerer schritt, einen von mindertstens fünf oder zehn kilometern in richtung nordosten, irgendwie genauso weit wie der zwei kilometer entfernte, norwestlich liegende see mit seinem langen, unverbauten und bewaldeten, nur von einem bauernhof und einer waldschenke unterbrochenen ufer, und nur auf der weit draussen zu sehenden, gegenüberliegenden uferseite, cirka einen halben tagesmarsch entfernt, liegen zwei fremdenverkehrsorte, in denen es, aus der ferne beobachtet, saisonal bedingt sehr lebhaft zuzugehen scheint - ganz im gegensatz zur umgebung dieses erdhauses, welche gleich rückwärts, vom dach aus ansteigend und mit einem wunderschönen laubwald beginnend, einem anschließend noch steileren mischwald, der sich weit oben über langgezogene bergrücken hinweg in ein jenseits aller berge liegen zu scheinendes almtal, wie eine nach allen seiten fließende, lebende decke fortsetzt, die den unmittelbar um das erdhaus und besonders den knapp oberhalb liegenden laubwald zum eigentlichen kerngebiet diese landes, zum klimatischen und emotionalen mittelpunkt dessen seele, einfach zum wald LOORIEN macht, der in seiner art und in seinem atem an ein märchen, so gar nicht an irgendwelche werke und spuren der erdlinge erinnert, und in dem, wenn es ebenso sein soll, nirgendwo ein sinn, zweck oder nutzen, keine großartigen errungenschaften und schmückenden kunstwerke der göttlichen ebenbilder zu finden sind; deswegen ist dieser wald noch unberührt und frei von ihrer genialität und lässt auf grund dessen bis dato unbekannte, sich immer wieder verjüngende freiräume potentieller möglichkeiten zur schaffung von fremdartiger herrlichkeit und berührender schönheit in den alltäglichen kleinen wundern der gelebten phantasie einer jeden art von lebensform offen, macht das bis vor kurzem unbekannte dieses besonderen landes zur beider heimat, zu der des dünngewordenen fleisches und der des immer irgendwo in der nähe lauernden geistes, zur heimat LOORIEN, die von hier aus weit in den süden bis zur staatsgrenze reicht, ohne das sehr mobil gewordene und verwöhnte auge durch irgendwelche bewohnte häuser mit ausnahme einer im sommer nur kurz bewirtschafteten almhütte zu beleidigen, wobei aber doch noch hie und da irgendwo aus weiter ferne der einsame axtschlag oder das häßliche kreischen einer motorsäge eines holzfällers hierher klingt, und manchmal, aber doch selten, wird die ruhe des waldes von einigen das land auf schmalen pfaden und steigen durchquerenden touristengruppen mit ihrem geschwätz und gejole für den moment das lauschens aus dem gleichgewicht gebracht; nicht für lange, denn bald findet sich wieder die alte ruhe ein, so dass weit in den süden reichend, bis zu dem noch vor der staatsgrenze liegenden und LOORIEN zu den hohen bergen begrenzenden, langgezogenen speichersee mit seinem schottrigen, breiten und langen bachbettzulauf heilige stille einkehrt, obwohl auch dort an den glasklaren tümpeln des steinwüstenartigen bachbettes und an den immer wieder von baumgruppen und steilen fels- und grashängen unterbrochenen ufern des tiefblauen stausees im sommer, besonders während der gar nicht so wenigen unnatürlich heissen tage in diesem karstigen und engen bergtal oft sonnenhungrige aus den weit entfernten metropolen der zivilisierten welt, den seltenen typus der natur- und sonnenanbeter angehörend, am liebsten mit möglichst großem abstand zum nächsten nachbarn nackt und lufthungrig in der unberührt und wild aussehenden see- und bachuferlandschaft für wenige stunden ihre seelen entschlacken wollen, und es ist offen zu gestehen, dass das betrachten schöner, nackter und öligglänzender, ebenholzfarbener frauenleiber einen besonderen und schwer erklärbaren eindruck, eine gefühlsentladung hinterlässt - eine solche, wie sie oft nach langer zeit der enthaltsamkeit oder wie sie in den hochtälerwiesen beim 'kanpp über dem boden fliegen', stattfindet, wenn im gleiten die grasspitzen wie die flaumigen schamhaare einer frau über das gesicht und den bauch streichen; besonders dor oben auf den almen, in dem paralell zum stausee verlaufenden langen und relativ breiten hochtal mit seinen sanftwelligen, weichen, runden, von feuchtsatten sumpflöchern und warmäugigen froschlacken gepunkteten almwiesen, die von allseits sich herantastenden und behutsam umarmenden, von kristallklaren, kalten und gewundenen bächen gesäumten und ducheilten waldzungen umworben werden, und wo einmal, dort hinten, mit unschuldigem verlangen und neugierigem drängen tiefe schatten von feuchtgrünen geländefalten dem betrachter die fragwürdiggeit seiner existenz kund tun, und dann wieder, dort vorne, wo offene und frei liegende sonnenbeschienene wiesen von keiner scham der seele dieses fleckchens erde zeugen, und wo dann das fliegen in solchen hochlandwiesen wie ein müheloses gleiten in einem überdimensional großen gräserdschungel ist, der dort einmal eine barriere aus haushohen, geschmeidig gertenschlanken grashalmen aufbaut, und da wieder, wie zur auflockerung, einige mehr als bunte, vielfarbige blumenbecher und blättersterne mit ihren krabbelnden, summenden und turnenden bewohnern in das grüne gewirr, in das unüberschaubare schlanke, rundstielig oder breitblättrig grünfarbenwechselnde leben setzt, das ausgebreitet unter einem megablauen tuchent dem wind der sonne gehorchend platz für das eilig dahingleitende, nimmersattschauende auge macht, um diesem für einen moment das verlassen der gräserwelt zu ermöglichen, und es in stehender luft am ufer eines träge fließenden von weichen grasmatten gesäumten kristallbandes schwebend, das sonst verborgene gesicht eines altvorderen in des kristalles tiefe suchen zu lassen, in der hoffnung, im sternenjuwel, am grunde der seele klarheit, im äonenbett des archonten endlich einen schlafenden elp zu finden, der nur beim durchschauen des fließenden kristalls den lebensweckenden blick fühlen kann und so aus seiner kalten tiefe heraufkommend den funkelnden zeitstrom für die dauer einer begegnung verlassen darf, um als schweigender begleiter nach erreichen des jenseitigen ufers dem blinden auge in den supflöchern die welt der fleischigen gewächse zu öffnen, dem noch unverdorbenen seher all das sonderbare leben vorzustellen, alles beim namen zu nennen, in längst verloren geglaubten, lautlosen sprachen zu kommunizieren, so einer jeden art ihrer ahnen geschlecht kund getan ist - nur, sind des ahnen augen vergessen und geleugnet; diese hoffen voller scham und betroffenheit auf die wiedergeburt der elpenzeit, wo dann der eine dem anderen die blindheit nimmt, und so das suchende auge an seekraft gewinnt, um den seher im supfe feuchtwarmer wässer mit nicht endender sicht auf die eigene ahnenkette rückwärts schauen zu lassen, ihm die fragwürdigkeit ihrer glieder bewusst zu machen und schnell noch über ihre dürftigkeit zu lachen, bevor der elp zwischen sumpfpflanzen hindurch auf eine seichte lacke zeigt, deren schwarzschlammiger grund von spiegelbild der sonnenzeit kund tuend dem elp unter dem tiefdunkelblauen sternenhimmel einen der brunnen der zeit öffnet, in dem er untertauchend die letzten boten der sonnenchorona noch grüßend das staunende auge zum mitkommen auffordert, sie beide gemeinsam schraubend abwärtsschwebend, immer fort um die eigenen seele drehend und die positonen zueinander in begleitung harmonischer klänge um die epochenachse kreisend wechseln, und dabei das auge immer mehr mit kraft und macht aufgeladen von einem glühenden glimmer zu einem leuchtenden, drehenden rad anwächst, dem im abwärtsschweben die geschichte der elpengeschlechter wie auf einem uralten, lebenden fries kund getan wird - ein abwärtsschweben wie in einem endlos hoch oder tief scheinenden dom, dessen wände das spiralige abwärtsgleiten des paares mit leuchtendfahlgelben, schlanken und schmucklosen sandsteinsäulen, luftigen arkaden, emphoren, getürm und spitzfenster begleiten, durch die der elpen ahnenwurzeln allmählich sichtbar werden, und wo zu sehen ist, wie wesen ihrer art den steinen, den bäumen und vielen andern das wort und die sprache bringen, sie das erste lied der freude, der schönheit und der liebe singen, es in den kosmos hinaus tragen und in aller leben seelen hinein schreiben, so diese untereinander sprechen, sich lieben und freuen lernen, lange bevor in einem akt der anmaßung der erdlinge paradies oder gar das ihrer götter geschaffen wurde, und der elpen ahnen mit der genisis und der pflege des noch nicht wunderbaren, des gewesenen aufhörten, so dass hier herunten, noch fern des fusses der epochenachse des zeitbrunnens nur mehr ihr gesang, ihrer lieder klang vor der zeit, als diese noch im sternensamen ruhte, herüber weht, und mit dem lied der elpen, ihre genesis dem glühenden, immer größer und mächtiger sich aufladenden augenrad die welt vor der zeit kund getan wird.

Als noch nichts geboren,
weder gewogen, noch verloren,
war Weite, Leere, Dunkelheit,
störte kein Licht der Ruhe Einsamkeit.

Die Rufer kommender Zeiten,
ruhten unhörbar in kurzen Weiten,
Stille dehnte den ungeborenen Traum,
Blindes füllte Tiefe mit leerem Raum.

Wo ewig schwarze Leere,
schlief im Bette stiller Meere,
keine Wärme, kein sich regen,
war zuviel Platz für fernes Leben.

Noch herrschte früher Schatten Licht,
überall wohnte luftiges Gewicht,
nährte Kälte, Schwärze und Ewigkeit,
niegekannter Massen Blindheit.

Als der Raum noch ohne Zeiten,
fesselte kein Maß die dunklen Weiten,
trieb uraltes, vorzeitenes Wissen,
wie Vögel in sternenlosen Tiefen.

Wissen sammelte Macht zur Sicht,
der Blinden Heerschau ein erstes Licht;
Ahnend über Gräben weltenloser Ränder,
wie Lichterquellen AusFluss flatternder Bänder.

Dort, wo niegekannt der Gewalten Sinn,
war fremd der Kriege Träume zum Gewinn;
Hoffte ein Wort vom Anfang zu finden,
uraltes Wissen in gestreuten Sporen zu binden.

Bis der Stille Boden fruchtbar bereitet,
des Lebens Spur in ferne Welten geleitet;
So befruchteter Samen leere Tiefen füllte,
namenloses Hoffen aller Seelen stillte.

Als kein Werden, kein Vergehen,
bestimmte der Welten Leben,
die Mütter der Unsterblichkeit -
die Weite, die Leere, die Dunkelheit.

Erst zwischen Abend und Morgen,
bevor geboren der Unruhe Sorgen,
schuf Unbekanntes der Welten Freiheit,
des Endes Zwang zur alleinigen Einheit.

So überall träumend einherzog,
der Sporen Hunger unersättliche Sog;
Um zu suchen, zu finden und zu fassen,
die kalten Massen in den sternenlosen Gassen.

Dort wo verlassen und einsam,
des Lebens Same niemanden gemeinsam,
hofften alle auf der Wärme Strahlen,
lange vor den vergessenen Sagen.

Als die Leere gefüllt mit Wissen,
gebar die Fülle der Sterne Gewissen;
Erwachte uralte, unverbrauchte Macht,
sie zwang der Welten Nichtigkeit zur Acht.

Überall begannen Massen sich zu regen,
streute die Macht Sonnen wie Regenbögen,
lenkte der Sterne spiralige Scharen,
auf den Bahnen junger Seelen Gefahren.

Betagtes Schweigen fragte,
der Sterne ferner Ruf klagte;
Verlieren sollte Stille und Ruh,
dem Wort allein stand Macht zu.

Um zu beseelen, den Frevel zu sehen;
Einer gegen den Anderen musste aufstehen,
bis Weite gefüllt mit stummer Hast,
so aller Last überall ein erster Gast.

Als die Sterne noch nicht geboren,
ruhten hinter schwarzen Toren,
in Weite, Leere, Dunkelheit,
der ewige Fluch der Eisamkeit.

Unsterbliche Seelen irrten umher,
waren verdammt zu leben im leeren Meer,
kannten kein Weinen und kein Lachen,
wussten nichts von Liebe und Hassen.

Ihre Träume waren noch nicht erwacht,
die Unendlichkeit ihnen ein tiefer Schacht;
Träge suchten sie Anfang und Ende,
der Unsterblichkeit endliche Wende.

Wie zeitlose Greise geisternd,
ewig sehnend um die Leere kreisend,
wahnten sie in lautloser Stille,
dem Nährboden fruchtloser Wille.

Als der Sonnen Strahlen noch blind waren,
der Sternen Beine auf ihren Bahnen lahmten,
lebte schon lange uraltes, zeitloses Sein,
gefangen in der weiten Tiefe Schein.

Ruhte hilflos an Orten dunkler Schwärze,
wie schweres Gas das Sein zur Gänze;
Wohnte der Gestirne luftige Schwere,
am Anfang vom Ende der Meere Leere.

Nicht wissend, dass gelebt und vergessen,
in der Einsamkeit Gefängnis nie gemessen;
Das Sein das Licht der Pforte will zünden
jenseits ihr den Einsamen hofft zu finden.

Um dort im Meer der Gestirne Massen,
der Seelen Sein kund tun vom Hassen,
den Einsamen an tote Leiber zu binden,
ihn mit ewigen Leben schinden.

Als die Macht begann sich zu regen,
fragte Wissen nach alten Traumwegen;
Wo zu suchen der Dunkelheit Gefilde?
Wo glüht der Seelen Dürftigkeit Schmiede?

Beginnendes Gezetter schwarzer Massen,
baute aus toten Gestirnen erste Sonnestraßen,
hallte wider im Schweigen der Sternenkrieger,
Alle warteten auf die Macht, auf den Sieger.

Unerträgliche Lauer legte sich nieder,
durchdrang der Universen kalte Glieder;
Bis gezündet des Sternenknall Beginn,
den Sporenschwärmen Ströme zum Gewinn.

Das All gefüllt mit Licht und Wärme,
gestreuter Samen gedeiht in Kosmos Gedärme;
Auf dass der Gestirne Seelen sich regen,
der Weite, Leere, Dunkelheit gegeben das Leben.

Die lieder der elpen können heute noch hie und da als schwaches echo wie ein verwehtes gefühl von sehenden erdlingen geahnt werden, sofern legitimierte testamentsverwalter der mächtigen altvorderen den schleier der bewertung vom rotglühenden, rotierenden augenrad nehmen, um diesem im rückflug, in der steigfahrt im schacht des zeitbrunnens das wundersame wirken und vergehen der elpengeschlechter und vieler anderer mächtiger und beauftragter mit umsomehr empfinden sehen und miterleben zu lassen, bis ganz oben, am ausgangspunkt der fahrt, im spiegel der brunnenlacke das gesehene und erlebte unauslöschlich in der erinnerung des ELEY verankert ist, so dass der noch immer begleitende elp von nun an beim durchwandern der sanft wellig ansteigenden, sich bis zum erdhaus hinziehenden waldkuppen, die die eigentliche, die ihrer beider heimat sind, seinem noch immer staunenden begleiter nichts mehr erklären muss, sondern ihm nur mehr den schlüssel für die gefühle, die sprache und für das verstehen all seiner vergangenen und noch bestehenden werke und schützlinge zu geben braucht, um im lauschen des chors der unerklär- und unberührbaren die von nun ab von allen zu hörende und verstehende stimme des ELEY über das lebende und das tote zu erheben, und so, je nach lust und laune, ordnend oder chaos verbreitend einzugreifen, ganz so wie es der kindlich gewordenen art des ELEY, der des verspielten elp nicht unähnlich, entspricht; alleine schon um den immer wieder austrocknenden seelenschlamm mit den ergüssen geschauter möglichkeiten zu nässen, den ausFluss auf das produkt der freude und der schönheit vorzubereiten; und es ist schon ein wunder, wie doch auf einer distanz von wenigen kilometern, ja sogar wenigen metern, die welten und die zeiten wechseln, diese mit leichtigkeit ihre gesichter tauschen, und je näher sie dem erdhaus, um so wunderbarer, aber auch sonderbarer sie werden, bis zum schluss nur mehr wie in einem stehenden karussell, an dem die welt draussen vorbeirast und mit einem elp als begleiter auf einem pferdähnlichen wesen reitend, der gierigen lust zur möglichmachung geheimster wünsche keine grenzen gesetzt werden, sowohl innerhalb, als auch außerhalb des jetzt fertigen erdhauses, dem bollwerk gegen den kommenden, sich noch immer wie ein fahnigfetziges überbleibsel eines schlaftrunkenen altsommerwindes gebenden winter, der nun endlich sein wirkliches gesicht zeigen soll, weil allmählich seine sparsamen andeutungen nicht mehr zeitgemäß sind, denn er wird früher oder später genauso kommen, wie die elpengeschlechter in nicht allzufernen zeiten nach dem erschlaffen und vergehen der erdlinge; ungeachtet dessen bleibt jetzt doch noch etwas zeit zur weiteren erkundung dieses landes, vielleicht auch genügend zeit um die jetzt schon kleiner werdende sorge vor der unbewältigbarkeit einer eigenversorgung und einer immer weiter hinten im bewusstsein sich verkriechenden und ruhenden angst vor den gewaltigen ausritten des geistes in den langen fleischfressenden und -fesselnden winternächten zu überwinden oder zumindest auf ein vernachlässigbares maß zu reduzieren; was aber bedingt, dass der ungeduld und der neugierde zum kennenlernen und verstehen all des lebendigen und dessen geister rundherum bedingungslos nachgegeben werden muss; auch werden bald während des zwangsweisen aufenthaltes im erdigen wintergeviert besondere unternehmungen erforderlich sein, wie zum beispiel eine weiträumige erkundung der seelenlandschaft dieses waldes und seiner bewohner, oder ein liebevolles, behutsames ausloten und versenken in die seelen seiner ältesten geister, wo dann beide, ER und ES, im spiel mit den sonst verborgenen, unerreichbaren, inzwischen aber wahrscheinlich zur normalität gewordenen fähigkeiten einer neugierigen freude und einer fremdartigen macht wenigstens für momente der zeit die sattheit der gefühle und die trägheit des geistes genossen werden können, um so als ausgleich den jetzt schon in den tag hineinbegleitenden träumen immer mehr platz für ein ganz gewöhnliches, animalischtriebhaftes und liebe produzierendes leben abzutrotzen, zumindest für wenige augenblicke, die, wenn es dann dieser fragwürdige LUG zulässt, die frage nach der von der alten zigeunerin und der in der GENESIS erwähnten sonderbaren macht immer wieder stellen lässt, währenddessen scheinbar von irgendwoher dieser oft sehr lästige LUG wie eine kontrollinstanz zuschaut, um hierbei gleichzeitig mit späßigen ratschlägen nicht zu geizen - und alles das bei hellem tage; gerade so, als sei dieses traumhafte sehen und erleben etwas ganz normales, als könnten rundherum die verrücktesten vorkommnisse ohne in frage gestellt zu werden passieren, so lange wiederholt gesehen und empfunden, bis diese bilder einer anderen welt nicht mehr abzuschütteln oder zu verdrängen sind; und wo und in welchen zeiten die verletzlichkeit der eigenen seele vor dem geschauten in sicherheit gebracht werden muss, kann hier niemand sagen, gibt es doch hier keine sinnesbetäubende ablenkung, keine flucht in andere welten, als in die der einzig lebbaren: der traumwelt mit ihren unendlichen varianten; und nur manchmal auch in die der tierhaften animalitäten, oder sind es inzwischen schon deren mehrere welten, die alle mittlerweile sehr nahe beieinander liegen, und sogar öfter als erwartet ineinander über gehen, sich überlappen; wobei dagegen ja nicht einzuwenden ist, denn die erlebnisse in diesen welten sind die baumeister der ELEYISCHEN art, sind hier unbezahlbar weil einmalig grausamschön und auf drastische art lehrreich und heilsam; nur, ihnen sich ganz hinzugeben ist gefährlich, macht nicht frei vor einer für nicht mehr möglich gehaltenen angst vor dem verlieren der eigenen freiheit, einer anderen freiheit, unähnlich der in der alten welt, denn es fehlen hier die harmlosen, die geistmaputierenden puffer der erdlinge bedürfnisse mit ihren befriedigungsmechanismen, beziehungsweise um beim wortstamm zu bleiben: es fehlt hier des puff der homo hurentransversiale, auf der mit kollektiver geistiger potenz die kraft der produktivität zum preis des verlustes der artspezifischen kreativität und einer zukurzbemessenen lebensexistenz geopfert und tröpfchenweise in die katalytischen sammler, wie die fernseher, die sporthysterie im besonderen und der konsum-, freß- und geschlechterrausch im allgemeinen, um nur einige wenige zu nennen, in deren leere gegossen wird; so ganz umsonst, nur um den preis des nichts, wo doch sonst normal dem gesetz der hurerei gehorchend den ergüssen die regelung des einsatzes voraus geht, und als beider beteiligten produkt, der entartung der gefühle die beschneidung der spitzen der auswüchse zwangsweise folgt - aber hier herrscht nur, oder gott sei dank, die einfache form der präsenz des bewussten seins vor, die der existenz des wissens von den seelen des lebens und denen des todes, wohl beide in ihrem spezifikum oft nicht differenzierbar oder auf dem ersten blick erkennbar, aber doch rasch fühlbar und erahnbar, und so der ELEY auf ihnen bauend befähigt ist, gewaltige gebäude und modelle des geistes zu errichten, um mit hilfe ihrer architektur über alle gesetze und ordnungen hinweg neues, noch nie dagewesenes und doch uraltes machtgefüge zu schaffen oder wiederzubeleben, damit von den modellen aus gehend die gelenkte lust über die reflexionen des zu erwartenden hierarchischen machtgeschiebes auf den echobahnen der seelenfäden in der welt der banalität sogenannte wunder der illumativen möglichkeiten getätigt werden können; ganz so als würde einem göttlichen spaß gehorchend ein baum oder ein stein zu reden beginnen, oder rittlings reitend auf dem wind der zeit den erdlingen das absurde in normativer schrift in ihr augenbild eingraviert, so diese wiedereinmal in ihrer sehnsucht bettfalten sich paarend mit dem trugbild der hoffnung nach den sinn ihres seins suchen können; wie immer ohne ergebnis, ganz im gegensatz zu der vereinigung der welten hier in LOORIEN, die letztendlich alle im gemeinsamen ausFluss einigkeit demonstrieren, ohne es wirklich zu sein, nur nuancen vortäuschend -einerseits in ihrer kompaktheit, in ihrer kraft und potenziellen möglichkeit zur gestaltenden gewalt und andererseits in ihrer oft unbegreiflichen belanglosigkeit der zerstörenden elemente ihres geistes-, so dass beschreibungen jeder art diesen welten nie gerecht werden können; wie sollten sie dort auch, an plätzen wo traum und wirklichkeit sich zu einem widerstandslos durcheilbaren, einem volumslosen raum in einem einzigen und alleinigseienden weltengefüge wandeln, besonders wenn in schwierigen situation an den kreuzungspunkten der sich überschneidenden grenzen verschiedenster wirklichkeiten nur mehr eine flucht in das sehen vor dem absturz in das dem wahnsinn folgenden mit ewiger leere gefüllten nichts hilft; nur sind dann sprünge von einer wirklichkeit zur anderen unter den welten immer weniger möglich, weil ja diese welten und in ihnen die wirklichkeiten immer mehr zur einheit werden, währenddessen die gegensätze als hilfe zur orientierung immer öfters verloren gehen, bis die gefahr der verirrung und verwirrung permanent ist, auch weil auf dauer der wahnsinn das leben hier zu sehr versüßt, niemand mehr fragt, wo der alte begriff realität anfängt und wo ein eventuell neuer aufhört, in welcher welt die geträumte macht der elpischen lieder wirklichkeit ist, oder von wo aus LUG herüber schaut, oder ob der elp schon wieder im äonenbett des archonten schläft oder noch immer in einem der brunnen der zeit reist - niemand weiß es, ER weiß es nicht, ES weiß es nicht, und wenn auch am anfang noch der glaube an eine kontrolle der welt der träume und ihrer erlebnisse stand, so ist jetzt mit sicherheit das gegenteil der fall, da mittlerweile wohl die träume, aber ihr nährboden schon lange nicht mehr kontrollierbar sind, denn brodelnd, wabbernd und bildblasen formend, ganz so wie es ihm zu belieben scheint, gibt der wahnsinn sich als der architekt, der die bilder der träume zur wirklichkeit gestaltet, und hierbei wie zum hohn, nur damit es nicht langweilig wird, noch soviel der altgewohnten welt stehen lässt, damit ja der ständige konflikt zwischen den realitäten nicht zu schnell und zu leicht verloren geht; was aber, so sonderbar es ist, überhaupt nicht mehr wichtig scheint, weil in diesem fall die heilung durch die zeit die geburt des unerklärbaren 'etwas' auch ohne hilfe der schmerzen geschehen lässt - so wie das ja eigentlich in einer welt des wahnsinns normal wäre, wenn da nicht ein gefangensein in all der rundherum nicht mehr loslassenden schönheit und vorwärtstreibenden monstrumität wäre; solch eine, die ohne rücksicht auf persönliche bedürfnisse zum entlangpendeln an den grenzen zwischen den wirklichkeiten zwingen, wobei ER dann oft nicht mehr weiß, wo eigentlich diese grenzen verlaufen, wo die eine welt anfängt und die andere aufhört, ER nicht mehr weiß, wann diese oder jene, beide oder mehrere ihm zur heimat geworden sind, wann er wie sie geworden ist, und er sich der grenzgänge nicht mehr bewusst sein kann, da IHM hierbei schon lange die orientierung abhanden kam, und er nicht mehr erkennt, ob er schon wieder hier oder noch immer drüben wandert, und ob er überhaupt noch in bewegung ist, so IHM dann in solchen momenten nur die extreme belastung des fleisches über solch quählende unsicherheiten und ungewissheiten hinweg hilft - eine belastung, die im regelfall in der vollkommenen ausschöpfung der sucht des sehens während den naturgesetzen widersprechenden extremen mondläufen, im weiten springen und widernatürlichem klettern mündet, über berge hinweg, täler entlang, in schluchten kletternd und in eiskalten seen zur mitternächtlichen stunde schwimmend, und sollte trotzdem das balsam der zeit sowie die schon angedeutete und erhoffte, allesbeherrschende kraft dieser fragwürdigen macht nicht helfen, so bleibt nur mehr der versuch übrig, einen der eigenen art gerechtwerdenden weg in den tod zu finden, den aber diese unerklärbare macht, vielleicht die YUHA's, bei früheren versuchen nie gestattet hat, oder wenn gar nichts mehr hilft, nur mehr der bittere weg zurück in die alte welt bleibt - und so muss diese sucht nach den träumen niemand wundern, auch weil es gegen träume hier einfach zu wenig widerstand gibt, sind sie doch trotz aller schrecklichen erfahrungen zu süß, vermitteln sie unbeschreiblich tiefe gefühle, stärke und kraft, und nach all den gemachten erfahrungen und erlebnissen kann ihnen nur recht gegeben werden, auch wenn immer wieder von irgendwo her, weit hinten, mahnungen und ängste warnen, die von einem beschreiten der traumwege abraten, aber wie soll das alles beurteilt werden können, wenn doch hier scheinbar seit ewigen zeiten felsenfest stehende erdlingsordnungen auf den kopf gestellt sind, die faszination vor einem erhaschten zipfel einer mystischen kraft, und ist dieser im moment noch so klein, die gefühle potenziert, und das daraus wachsende verstehen süchtig nach macht, nach der unsterblichkeit, nach dem manipulieren von leben und tod und nach dem varieren der zeiten macht; nur endet das greifen nach dem unaussprechlichen vorerst noch im unkontrollierbaren taumel zwischen den wirklichkeiten, welche immerhin doch ungeahnte elementare geschehnisse schauen, erleben und passieren lassen, die gemeinsam mit fernen ängste, der logik zum trotz, rundherum um die fährdete seele eine irrational lethargische gleichgültigkeit wie ein schutzwall aufbaut, der für immer längere zeiten eine beliebige eigenkontrolle des geistes ermöglicht, und zugleich dem sonst ungeschützen inneren die möglichkeit zur überproportionalen schärfung und punktuellen richtung der sinne gibt, so dass diese den schützenden wall mühelos öffnen, und wie mit scharfen lanzen alles außerhalb liegende durchdringen können - wer könnte da solchen verlockungen einer unbegreiflichen macht widerstehen, wenn jeder schmerz, jeder hunger und alle mühen durch sie ihren einFluss verlieren, wenn die befreiung von ihnen den eigenen freiraum ins unermeßliche ausdehnt, und je größer dieser wird, umso mehr die fähigkeiten zu fühlen, zu sehen und vor allem zu ahnen wächst; wobei es eben so eine besondere sache mit dieser ahnung ist - eine die sehen, die riechen und fühlen lässt, und von der kein loskommen mehr ist, die wider dem willen zum jäger macht, obwohl am wenigsten der status eines jägers, eines gesetzlich legitimierten psychopaten, angestrebt wird - so kann aber dem werden eines jägers des unbegreiflichen nichts entgegengesetzt werden, ist doch die aufnahme jeder fährte zwingend, besonders weil ein fortkommen nur auf einer der fährten der ahnung möglich ist, und wo dann die neugierde und die sehnsucht nach dem was und dem wie an einen ihrer möglichen enden unerbittlich auf ihr entlang treibt, selbst wenn sich hierbei allzuoft der eingeschlagene weg dann als irrtum herausstellt, und unzähligemale zum ausgangspunkt zurückgekehrt werden muss; so ist doch die unsicherheit über die möglichkeit einer selbstzerstörenden leidenschaft des suchens weiterzukommen -auch dort wo noch keine fährte erkennbar ist-, kein hindernis, keine bremse, werden die sich daraus ergebenden gefahren immer klarer erkennbar, besonders weil jede fährte ein weg der gefahren und der krisen darstellt, welche immer in ganzen durchlebt werden soll, und von der nicht nur alleine der anfang oder das ende konsumiert werden darf, ansonst wird das eine vorausgesetzt ohne das andere verstanden zu haben, und somit den irrungen tür und tor geöffnet, denn schon im normalfall ist hier das leben kompliziert genug, weil es sich einmal ohne ende und dann wieder ohne anfang zeigt, und oft genug fehlt sogar beides, so dass dann die richtung zum einem einmal anvisierten ziel unbekannt ist; da ist es dann schon ein glück, wenn das pirschen nur in einer sackgasse endet, und so wurde vorausahnend vielleicht deswegen schon in der alten welt bewusst und schweren herzens die werke großer meister erst sehr spät studiert, um nicht das ende eines weges vorwegzunehmen, und sich dadurch nicht der möglichkeit einer reifung und findung eigener erkenntnisse selbst zu berauben, obwohl diese enthaltung oft genug für unsicherheiten in vielen situationen sorgte, und so war in der alten welt aus gesammelten wissen geborene kritik und gestalten wohl gefragt, sollte aber niemanden weh tun; deswegen wurde der wissbegierige meist mit endprodukten übersättigt, so dass im zum verstehen deren entstehung und werdegang im regelfalle zuwenig zeit blieb, und die die glaubten zur kritik berufen zu sein, die gebildeten, die verbildeten, waren oft nur ein sack voll enddaten und formeln und sahen selten über die kante ihres schreibtisches oder der peripherie ihres fachwissens hinaus, denn im normalfall wurde ausbildung anstatt menschenbildung angestrebt, und das einzig richtige wäre gewesen: die komputer mit solchen säcken voll wissen zu füttern, denn die sind die besseren futterspeicher, und die erdlinge hätten sich auf ihr ursprüngliches wesen, auf die suche nach dem unbekannten, dem ungewohnten und dem verbotenen und noch nicht vorgekauten, von wem immer dies auch kommen mag, besinnen sollen, deswegen war es nicht verwunderlich, wenn manch sogenannter sonderling, so paradox dies sich auch jetzt anhört, sich dem interessanten lesestoff großer geister bewusst enthielt, beziehungsweise erst nach dem erringen eigener erkenntnisse deren werke zu lesen begann, um nicht auf seinem weg und in seiner art frei zu denken zu sehr einseitig beeinFlusst zu werden und seinen geistigen freiraum der kritikfähigkeit nicht zu verlieren, denn alleine schon dessen möglicher verlust schürte die stete, manisch höllische angst das außergewöhnliche verlustig zu werden; wobei ein solcher verlust, wie damals geglaubt, die kindliche fähigkeit zu ahnen schwinden lassen und als folge die naive kritikfähigkeit durch eine allzu große beinFlussung durch die allgemein anerkannten vor- und nachdenker verlustig gehen würde; und wenn auch diese art des gehens auf der fährte der ahnung von anfang an mühsam und mehr als umständlich, manchmal sogar schmerzhaft war, so ist es jetzt doch immer wieder ein herrliches gefühl, wenn auf eigenen wegen ähnliche und manchmal tiefer gehende schlüsse wie die großer denker erarbeitet werden, oder wenn es gar gelingt alleine weit in neuland vorzustoßen - so ist aber auch gewiss, dass es, so widersinnig jetzt sich folgendes auch anhört, mit einer breiten, sogenannten schulischen bildung als basis oft schneller an je eines der enden einer fährte zu erreichen gewesen wäre; aber was solls, solange die qualität in der priorität vor der quantität steht, kann ein hinausgehen über die erdlingsgrenzen mit phantasie, mit mut, beobachtungsgabe und letztendlich mit hilfe der träume, moderner gesagt mit gelebten visionen, sowie mit den immer tiefer greifenden gefühlen auf der fährte der ahnung erfolgen, auf der ohne die perverse würze der bereitschaft sich selbst zu quälen gar nichts weiter geht, wobei vorerst noch allein der wille zum gebrauch der aus den träumen entstehenden qualen und die anwendung hierfür bedingter kräfte zum erreichen einer im erlernen des unmöglichen notwendige disziplin noch zu wenig ist, um gegen die macht der angst vor dem kampf für ein notwendiges gleichgewicht zum überleben auf der fährte der ahnung zu bestehen - ein gleichgewicht, das der furcht zum trotz, oft, und jetzt immer öfters, kontrolliert, 'hoffentlich?' stabilisiert werden kann, um die grenzen der realitäten immer mehr zusammenzuziehen, und damit die welt des wahnsinns näher heranzuholen, oder einfach nur um in eine andere wirklichkeit hinüberzuwechseln, immer mit der gewissheit der möglichkeit des verlustes in die eigene geschichte zurückschauen zu können, von einer nicht mehr möglichen rückkehr aus dem neuland gar nicht zu denken, sowie den endgültigen verlust allen mühsam errungenen alten wissens aus der zurückgelassenen welt, wobei dessen großteil schon vergessen und verloren ist, denn nur so ergeben sich hier in LOORIEN neue fährten der ahnung, lässt sichs in neue dimensionen, die viele nicht beschreiten können, einfädeln, weil diesen die fähigkeit zu ahnen verloren gegangen ist; und dank dieser wiedergewonnenen fähigkeit weiß ER, dass er ein ELEY ist, weiß, dass der ELEY die revolution der ahnung gegen das wissen darstellt und ist deswegen bereit hierfür einen gefährlichen weg zu gehen; einen weg, der, auch wenn ER sich unsterblich glaubt, durch das noch nicht abschätzbare wagnis einer irrationalen jagt auf der fährte der ahnung, zumindest zu einem relativ wirklichen weg werden kann; einem, der in ein unbekanntes etwas führt, wo es kein ende und keinen anfang gibt, und wo nur mehr um den preis des alleine seins, weite, ruhe und oft beängstigende leere herrscht.

 

 

   Kreuzungen sind immer orte der gefahr und der entscheidung, und aus denselben wortstamm kommt auch das wort krise, das ja nicht immer etwas schlechtes bedeuten muss; nur, wenn sich kreuzungen von grenzen verschiedener wirklichkeiten ergeben, ist für garantierte aufregung gesorgt, denn es können sich daraus gefährliche situationen auf der fährte der ahnung einstellen, die sich meist durch ein besonderes gefühl, ein ahnen in der ahnung, ankünden, wie eben jetzt auf SAMBUCK, den schwarzen stein, der exponiert wie ein mahnender, schlanker finger in der felsenlandschaft weit hinter dem wasserfall stehend die talwärts hereinziehenden winde, wie mit einem messer teilend zu leisem, klarem gesang zwingt, das unter den wenigen ganz oben auf seiner abgeplatteten spitze wachsenden verkrüppelten kiefern in ein feines säuseln, ähnlich dem von schlafenden sirenen, übergeht, und den weit ins land hinausschauenden, bequem am boden sitzenden mit den wiegenden rhythmen der sirenen gesumme in die beginnende abenddämmerung hinüber begleitet, so dass gefühle hintenangelassen die aufforderung zum verlassen des steines den bereits verführten nicht mehr erreichen können, obwohl der seher hier oben schon oft auf der fährte der ahnung ging, und immer den warnenden gefühlen gehorchend vor einer gefährlichen kreuzung umkehrte, denn gewiss ist, dass alleine mit ruhigem sitzen und in die beginnende nachtlandschaft hineinschauen nicht viel getan ist, weil früher oder später die jagdleidenschaft immer zu einem faszinierenden, aber auch gefährlichen sehen führt, das alleine schon verstärkt und getragen durch den wunderschönen abendhimmel in diesem falle wohl nicht gut enden kann, und weil SAMBUCK gleichzeitig zu sehr wie ein großer reflektor vergangener geschehen auf das gemüt wirken, denn in solchen momenten kommen ungeahnte erinnerungen wieder zum vorschein - erinnerungen, in denen elbische gedichte den nächtlichen sternenhimmel als mantel des archonten preisen, der am scheitel des firmaments um das dunkle loch der zeit herum von einem tiefviolettblauen kragen aus abfallenden, mit den schattenfalten der gestirne wie das leichte gerippe einer domkuppel durch die rotblau erloschenen sonnenfelder dem noch hellleuchtenden horizont entgegeneilt, um sich den firmanentbegrenzenden schattenlosen bergrücken anzubiedern und unsichtbar im warmen mutterbett der erde fortzusetzen, nur um auf der andern seite aus dem feuchtwarmen mutterleib kriechend die sterne als einladende boten dem staunenden blinden beobachter zum scheitelpunkt zu begleiten, und ihm das wunder des empfindens nahe zu bringen, bis der sterne lotse des erdalten farbenspiel überdrüssig den archontenmantel mit einem einheitlichen, samtenen, kosmischtiefen blau auskleidet, das dem suchenden auge zeitwärts rückschauend keine grenzen mehr setzt, den späher erkennen lässt, dass solche nachthimmel nur die logische folge besonderer tage sein können, an denen die bäume in ihrem geschwätz innehaltend die kommende nachtschau ankünden, und des landes seele schwer und ruhig dem betrachter den blick bannt.

Hellaufgehend überzieht der mond das land mit einem silbergrauen film. Die nachtschatten schwärzen die kleinen, schlanken täler zu tiefe, dunkle rinnen und die berge zu stille, flachgesichtige, den weit aussenliegenden see umrahmende profile. Einen see wie ein schwarz glänzender, tief in einen brunnen liegender spiegel, der dem betrachter eines der vielen gesichter der zeit reflektiert.

Weit hinten, wo die welten zusammenstossen, noch vor den horizonten, leuchten punktweise weitverstreute lichter, die daran erinnern, dass es noch erdlinge gibt, aber auch daran erinnern, dass nicht alles licht von ihnen kommt.

Der mond spieglt sein helles gesicht in der ruhe des waldes wider und wird es erst zurückbekommen, wenn er am ende seiner bahn seiner stille verlustig wird. Aber jetzt bedingt des waldes ruhe der wachen sinne gewinn, lässt der tiere gezänk und balz verstummen, und nur der wind schmeichelt allem aufrecht stehenden und neugierig hervorlugenden.

Immer wieder wird anzusprechendes gesucht. Einmal ein in der ferne innehaltendes wild, und ein anderesmal ein leise ächzender baum, oder den ihn sanft pressende wind.

Am verstehen mangelt es nicht, aber sie alle sind etwas zu hastig, zu flüchtig. Einfach zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Da ist SAMBUCK schon irgendwie anders. der bewegt sich überhaupt nicht, gibt keinen laut von sich, und das fordert geradezu zu einen gespräch heraus. Vielleicht zieht er deswegen so magisch an. Auch weil in ihm etwas zu sein scheint, das eventuell auf vieles eine antwort geben könnte.

Immer wieder tasten nervige finger über SAMBUCK's rissige oberfläche, und oft genug fühlt die sich wie eine lebendige, faltige haut an. Manchmal warm und dann wieder so kühl, als käme aus seinem inneren eine zeitlose kälte, die sich wie ein klarsichtiges tuch auf alles rundherum niederlegt.

Oft schon sass der bertrachter auf diesen stein und versuchte lauernd mit all seinen sinnen in ihn hineinzuhörchen und ihn auszuloten. Einigemale war es so, als sei ein echo aus seinem inneren heraus zuhören, schien der stein zu antworten. Wobei dem lauscher schon klar ist, dass er seine an SAMBUCK gestellten fragen selbst beantwortet. In etwa so, wie wenn ein gegen sich selbst spielender schachspieler auf jeden spielzug mit einen eigenen gegenzug antwortet.

Mit der zeit aber wurde dieses frage- und antwortspiel ein ganz normaler vorgang, der jetzt so gut funktioniert, als redeten zwei unterschiedliche individuen miteinander. Es scheint sogar so zu sein, als gäbe es in solchen disputen ein nicht immer gegenseitiges verstehen. Dabei erfolgt die kommunikation nicht auf der ebene der sprache, sondern auf der der gedanken. Oft ist plötzlich eine idee da, und sofort erfolgt die gegenargumentation. Bis sich daraus eine kette von pro und kontra bildet, die lebende bilder entstehen lässt.

Der lauscher kommt sich hierbei wiedereinmal mehr als dumm vor, aber zum wiederholtenmale schaut er auf SAMBUCK hinunter und fragt ihn:

"Wie geht es dir?" Selbstverständlich keine Antwort.

"Die Bäume und manch anderes sprechen mit mir. Warum du nicht?"

Oft schon versuchte ER auf diese Art einen Gedankenaustausch zu beginnen, und manchmal glaubte er, es wäre ein Echo zu hören.

"Mein Name ist Barabbas Yuha Eley, und du kennst mich. Ich bin einer dieses Landes, meines Landes LOORIEN."

Vielleicht lässt er sich provozieren?

"Was heisst hier provozieren! Paß auf! Mich kann man nicht provozieren."

Aha! Da passiert ja mehr als erwartet.

"Aha! Oha! Aha! Meine Ruhe will ich haben! Also sei still! Hier in Ruhe ruhen ist immer noch zu wenig ruhen, als dass ich mich von dir beim ins Landhineinschauen stören ließe. Und überhaupt, ...haupt, bist du mir viel zu hastig, gastig - zu dringlich."

"Hastig bin ich nicht. Vielleicht etwas aufdringlich. Aber ich kann ja langsamer sprechen. Wenn du es willst?"

"Langsamer! Gangsamer! Als wenn das die Länge länger längen würde. Wenn du schweigend schwiegst, so schwiegst du immer noch zu wenig schweigsam.

Machen! Machen! Den ganzen Tag machen, lachen. Dauernd etwas machen. Irgendwo mitmachen, dort vormachen, da nachmachen - hier zuviel machen. Einfach lästig machen.

Ein ELEY! Zum lachen. Immer noch menschisches Mensch. Forzig menschig - menschig dumm. Armes, menschisches Mensch!"

"Ich bin kein Mensch mehr - verstanden!"

"Ha - Ha! Verstanden. Sehr forzig. Wenn nur Lachen nicht so blähen würde. Forziges Blähen, viel, zuviel Mühe - nein danke! Menschlein Mensch. Bist immer noch ein forziges Menschenloch. Ein singendes, armes Loch.

Menschisches Mensch meint: wenn von Stadt nach LOORIEN geht, wird daraus etwas Besonderes. Warum besonderes? Vielleicht dann besonderes, wenn von hier wieder in die Stadt zurück geht?

Aber forziges Menschenloch - dummsches Menschenloch!"

"Keine Beleidigungen, bitte!"

"Richtig Menschisches! Menschenlöcher schon lange fort. Ja früher!

Da bessere Menschenlöcher - überall hier herum. Waren nicht hastig, sehr gastig - nicht wie du."

"Hier konnten doch keine Menschen leben?"

"Forziges, menschisches Dummsches. Was forziges Menschenloch nicht spürt, nicht sieht, nicht versteht - nicht darf geben. Allzuviele forzig dummsche Menschenlöcher mit viel zuviel Macht, dort wo sie nicht darf geben - wo Wissen nichts ist."

"Die Menschen sind nicht dumm. Sie sind nur anders. So wie die eine Art anders als die abdere ist. Sie können ...."

"Babala-bab! Heb dir das für forzige Menschenlöcher auf! Die Forze eilen sich selbst meist zu weit voraus und sind daher ständig aus dem Gleichgewicht. Sie schaffen das Zukünftige bevor sie das Vergangene verdauen und verlieren so schon in der Gegenwart. Aber auch nur vielleicht. weiß das nicht so besonders genau.

Paß auf! Hör gut zu!

Der Sinn des Forzes liegt in seinem Traum. In ein Leben in ihm. In ihm ist er Herr über Leben und Tod. Ist Herr über alle Götter , ohne wie sie sein zu müssen, sofern er das überhaupt will. Nur, er lebt schon zu lange ohne seinen Traum. Verstehe! Ohne den am Tage. Und sein Fehlen beschert ihm eben sein Dilemma.

In seinem Traum, bevor er ihn verlor, aß der Forz vom Baum der Erkenntnis und erlangte so seine unstete Art. Könnte er seinen Traum früher oder später wieder finden, eher später, so würde er wieder und immer wieder vom verbotenen und eifersüchtig bewachten Baum des Lebens essen. Denn die Träume haben vor langer Zeit dem Forz Wirklichkeiten zur Wahl geschaffen. Und jetzt schafft er eben selber Wirklichkeiten. Nur um sie dann selbst wieder zu zerstören. Somit auch zwangsläufig für lange Zeit seine Träume. Es bleibt ihm ja gar nichts mehr anderes über.

Das ist aber im Moment weder wichtig nicht sonst etwas aufregendes. Irgendwann einmal wird der Forz wieder träumen und wenn nicht, dann an seiner statt jemand anderer. Vielleicht ein ELEY, vielleicht du?

Aber Worte sind hier nicht genug. Bin jetzt auch schon etwas hastig. Forziges Menschisches braucht immer Worte, die zum lachen zwingen. Lachen bläht, lachen menschischt - will nicht menschisch sein. Alle sind Gefangene des Lachens bis auf die Wenigen, die Anderen, die forziges Menschenloch nicht kennt - noch nicht!

Aber jetzt forze nicht! Horch - nimm auf! Entlasse den Forz aus deinem Loch!"

Das Augenrad wandert sehend und sezierend über des Landes Höhen und Tiefen, während das Fleisch steif und immer härter am Stein lehnend zu einen solchen wird. Wie SAMBUCK - eins mit ihm ist.

Nur die Augen leben, sehen. Sehen Bilder kommen, die zuerst einzeln und ruhig stehen und dann in immer kürzeren Abständen umzufallen beginnen, während sich schon das jeweils folgende aufrichtet. Bis zum Schluss alle nacheinander umfallen und wieder aufrecht stehend ein lebendes Bild ergeben.

Das Augenrad sieht alles. Sieht durch alles hindurch und dringt in alles lebende und tote. Und doch ist es blind, denn es weiß nicht was das Geschaute bedeutet.

"Forz! Schau, trau dem Auge. Es ist dein Fenster. Öffne es, und löse dich, wie so oft, als du die Stimme LOORIENS gehört hast. Laß den Forz aus deinem Loch heraus! Was siehst du?"

"Du, ich bin weder ein Forz, noch ein Furz! Aber ich sehe vor allem dich."

"Mich? Als was siehst du mich, Forz?

"Nun gut. Dich sehe ich als Felsen."

"Zuwenig, forziges Menschisches! Viel zu wenig! Schau nicht nur mit deinem Auge! Sieh mit deinem Forz! Und sieh mit deinen Gefühlen!"

"Ich sehe deine Ruhe, deine Festigkeit, den Alter."

"Ruhe ist gut, Forz. Jetzt wirst du erst richtig forzig. Du beginnst warm zu werden. Festigkeit ist weniger gut, aber das Alter ist wichtig, besonders wichtig."

"Bei deinem Alter sehe ich keinen Anfang und kein Ende. Du bist nicht immer hier gestanden. Du bist auch nicht immer so hart gewesen.

Viel Leben ist an dir vorbeigegangen. Auch warst du einmal größer und dann wieder kleiner. Und vor unvorstellbar langer Zeit warst du rot und glühend und davor wieder so weich wie ein Kuchenteig.

Ich sehe dich so alt wie die Erde selbst, und doch sehe ich immer noch keinen Anfang. Ich sehe, wie du als Staub den Raum füllst, wie du die Zeit kennen lernst, Form annimmst, und wie dich riesige Lasten drücken. Doch sehe ich noch immer keinen Anfang.

Sehe nur, wie du immer wieder Staub und Form wirst, hart und weich, heiss und kalt, und noch immer keinen Anfang.

Wenn ich einmal glaube einen Anfang zu sehen, so scheint es nur das Ende eines Anfangs zu sein, oder umgekehrt.

Viele deiner Geburten sehe ich, und finde dich doch immer wieder so wie du jetzt bist."

Werden und Vergehen wechseln in immer rascherer Folge. Die Zeit bleibt stehen, der Raum ist unveränderlich. Gibt es beide überhaupt nichts - wo sind sie"

"Forziges steig höher! Noch höher! Was siehst du jetzt?"

"Dich sehe ich jetzt nur mehr ganz klein und um unser kleines Land nichts als Menschen und ihre Werke. Menschen die sich ständig bewegen. Die Häuser, Straßen und Maschinen bauen. Sie Bauen gewaltige Monumente, komplizierte Konstruktionen und zerstören diese dann wieder.

Sie Bauen einen neuen Menschen und töten den alten. Bauen und zerstören - immer wieder!"

"Forzig gut! Weiterforzen! Und ihr Alter?"

"Ihr Alter? - Ich sehe kein Alter. Sie flitzen hin und her. Stehen immer wieder auf und fallen ebenso oft wieder um. Sie verändern sich rasch, immer schneller. Werden zu kurzpulsierende helle und kleine Lichtpunkte, gespeisst von einer flammenden Korona einer immer riesiger werdenen Sonnenscheibe."

"Forz forze! Auf das Alter kommt es an. Auf ihr Alter musst du aufpassen!"

"Das Alter. Immer wieder das Alter!

Ich sehe kein Alter. Ich sehe die Menschen nicht mehr. Weder am Anfang noch am Ende. Alles ist in Bewegung und verändert sich. Genauso wie du dich ständig veränderst."

Immer wieder ein wabberndes, endloses Dehnen und Schrumpfen. Es gibt weder Groß noch Klein, noch ein Vor oder Zurück, schon gar kein Gut oder Böse oder Häßlich oder Schön.

"Jetzt, armer, dummer Forz, komm herunter! Es ist genug! Du hast genug gesehen. Versuche jetzt nicht zu verstehen, denn die Zeit, wie du sie kennst, wird ein Verstehehn bringen.

Vergiss nicht menschisches Forz: wann immer du glaubst dieses Erlebnis verstanden zu haben, lebe dann das Verstandene so oft und so lange du kannst!"

"Warum war all dieses Theater notwendig, SAMBUCK? Für solch Phantasien brauche ich keinen solchen Aufwand. Ich lege mich einfach ins Gras und träume so etwas vor mich hin."

"Forziger Forz! Überheblich wie immer! Ja, denken tun die Menschenlöcher, aber sie leben Gedachtes nicht. Dafür lebt der ELEY Gesehenes und Geträumtes. Und das ist der Unterschied - du Nichts, du Wurm! Los, komm jetzt zurück!"

"Ich will nich nicht! Ich will weiter, ich will mehr!"

"Komm zurück, Forz! Es wird gefährlich!"

Da noch nichts geboren,
weder gewogen, noch verloren,
herrscht Weite, Leere, Dunkelheit,
stört kein Licht der Ruhe Einsamkeit.

Die: "Wer bist du?"

Der: "Wer? ... Ich?"

Die: "Ja, du! ....Wer' sonst."

Der: "Ich weiß es nicht."

Die: "Du wirst wohl wissen, wer du bist?"

Der: "Nein ich weiß es nicht! Ich weiß nichts .... Ich sehe nichts, und ich höre nichts."

Die: "Das gibt es nicht. Du hörst ja mich!"

Der: "Nein! Ich höre dich nicht. Ich fühle dich nicht einmal."

Die: "Wie soll ich dich denn dann rufen oder nennen?"

Der: "Ich weiß nicht. musst du mich was nennen?"

Die: "Nicht unbedingt. Mich ruft und benennt ja auch niemand; zumindest noch nicht.

Eigentlich gibt es mich ja noch gar nicht - im Gegensatz zu dir."

Der: "Gibt es mich?"

Die: "Sonst könnten wir uns ja nicht unterhalten! - Auf welchen Weg auch immer?"

Der: "Auf welchen Weg auch immer ....? Was ist das: ein Weg?"

Die: "Ein Weg ist etwas, was es noch nicht gibt. Dieses etwas gibt es dort, von wo ich herkomme.

Dort wo ich wirklich bin. Erst sein werde - oder verflucht, wo ich schon war! Das ist auch nicht richtig. Also, dort wo ich bin!"

Der: "Na ...., bist du jetzt wirklich, oder nicht?""

Die: "Eigentlich bin ich nicht wirklich hier. Ich bin erst viel , viel später. Aber weil es mich später gibt, kann ich jetzt schon hier sein, obwohl es mich noch gar nicht gibt - im Gegensatz zu dir."

Der: ".... im Gegensatz zu mir? Du sagst es gibt mich? Aber warum weiß ich nichts davon? Wo gibt es mich? Ich sehe mich nicht! Höre mich nicht, und fühle mich nicht! Von mir sehe ich keinen Anfang und kein Ende und dazwischen auch nichts.

Weil ich dich aber jetzt höre, und ich scheinbar davon weiß, so, muss es mich ja wohl geben?

Aber wenn es dich doch nicht wirklich gibt, wie du sagst - so bin ich vielleicht unwirklich?"

Die: "Du bist nicht unwirklich! Sondern du bist noch nichts - nicht zu verwechseln mit nichts.

Im Moment bist du leer, weit und überall. Aber du bist - im Gegenatz zu mir, .... leider!

Deinen Zustand können, müssen wir beide ändern, sonst gibt es mich nicht, genauer gesagt: wird es mich nie geben. Aber ändern nur gemeinsam. Ohne mich geht nichts!"

Der: "Warum soll ich meinen Zustand ändern? Bevor du da oder auch nicht da warst, war ich mir nicht einmal mir selbst bewusst. Der Vorteil scheint mir auf deiner Seite zu liegen. Und wie willst du etwas ändern, wenn du nicht wirklich bist?"

Die: "Erstens: ich brauche ja im moment nicht wirklich sein, damit du von mir weißt. Und zweitens: sobald du von mit weißt, bin ich für dich schon wirklich. Ob ich nun hier bin oder nicht! Und doch, schon ab jetzt willst du und kannst du nicht mehr ohne mich sein!"

Der: "Ja, von mir aus. Aber ich tu einfach wie bisher nichts, und du bleibst, wie du bist und wo du warst."

Die: "Das geht nicht mehr so einfach! Jetzt bin ich schon einmal da. Zwar erst viel später. Aber immerhin, ich bin. Und weil ich später, irgendwanneinmal, wirklich bin, musst du jetzt was tun, damit ich bin, und vor allem damit ich sein werde. Ob du jetzt willst oder nicht!

Du kannst ja nicht mehr anders. Du unterliegst schon dem Gesetz!"

Der: "Ich werde gar nichts tun!

Bisher habe ich nichts getan und werde auch jetzt nichts tun. Ich bin, das ich bin und schon immer war.

Bin ohne Anfang, ohne Ende. Bin ohne Sicht und hoffentlich bald wieder ohne dich! Nach mehr ist mir nicht!"

Die: "Na, hoffentlich schon!

Schau! Es gibt dich. Es gibt mich. Du bist leer und das macht mich schwer.

Weist du, was es alles geben kann, außerhalb des Nichts?

Jetzt schon mehr als das Nichts, denn wo du von mir weißt, bist du schon mehr als das Nichts. Und da du durch mich weißt, dass du überall bist, wenn auch leer, gibt es außer dir nichts - das Nichts, somit jetzt nicht mehr. So einfach ist das!

Und damit du du bist, du du sein kannst, musst du was tun. musst du zumindest deine Leere füllen, ansonsten wirst du vielleicht wieder zum Nichts. Das ist aber dann bei deinen Wissen für dich die Hölle.

Du musst aufpassen, damit du du wirst. Vor allem damit du nicht du bleibst!"

Der: "Ich kenne mich nicht mehr aus. Was soll ich tun? Ich war doch schon immer und werde immer sein!"

Die: "Vielleicht doch nicht? Du brauchst doch einfach nur etwas tun. Was ist gleich. Fülle einfach deine Leere!"

Der: "Ja, auch wenn ich nichts tu, tu ich doch schon etwas. Deswegen tu ich jetzt nichts, damit ich nicht einfach nur irgendetwas tu.

Und jetzt möchte ich wieder meine Ruhe haben! Ansonsten tu ich weder ertwas, noch tu ich nichts. Dann ist es fraglich, ob es dich jemals wirklich geben wird, und ob du mir dann im Moment auch lästig fallen kannst?"

Die: "Sei nicht undankbar! Ich habe dich dir selbsz gegeben. Durch mich weißst du von dir."

Der: "Ja, jetzt weiß ich, dass es mich gibt. Ich bin unsterblich, unendlich, leer, hohl, kalt und vor allem alleine. Du hast mir die Sehnsucht, die Hoffnung gebracht. Du bist mein Fluch und aller derer, die noch kommen werden."

Die: "Warum ein Fluch?"

Der: "Jetzt weiß ich was Einsamkeit, was Alleinesein ist. Du hast mir alleine durch dein Anwesendsein und gleichzeitig durch dein noch nicht sein, dein erst viel später sein, eine Ahnung von der Sterblichkeit gegeben.

Ich sehe von mir immer noch keinen Anfang und kein Ende, noch sehe ich irgendetwas. Und doch ahne ich jetzt, dass es mehr als Jetzt gibt.

Du bist mein Fluch. Du hast mir den Zweifel und das Grauen des Alleineseins genbracht."

Die: "Sei froh! Jetzt kannst du fühlen, hören und sehen - oder zumindest kannst du es später einmal."

Der: "Sei still! Jetzt kann ich noch gar nichts. Ich weiß nur von alledem, was mir jetzt weh tut. Und dieses Wissen und Ahnen tut mir mehr als weh. So weh, dass der Schmerz, das Verlangen und die Begierde, die Sehnsüchte und niegekannte Träume meine lichtose Leere, meine schwarzen Tiefen und die endlose Dunkelheit und wohlige Kälte auszufüllen beginnt.

Ich will, dass du später, erst viel viel später einmal sein wirst. Und dann wirst du nicht von mir, sondern von den Geringsten, die jemals herrschen werden geschaffen. Du wirst im Gegensatz zu mir deinen Anfang und dein Ende vorausehen, denn mit den Geringsten unter den Herren wirst du auf die Bühne treten und wirst mit ihnen wieder abtreten. Ganz so wie ich es dir jetzt sage, aber wie es mir leider verwehrt ist. Dich wird es dann schon lange nicht mehr geben, während ich auf ewig das Absolute darstellen werde.

Mein ist die Unsterblichkeit, dein ist die Serblichkeit. Und niemand mehr, außer mir, wird sich nach deinen Abgang an dich und deinen kläglichen und anmaßenden Schöpfer erinnern. Das wird dein Fluch sein!"

Die: "Wir werden sehen. Bis dort hin ist es noch mehr als lange."

Der: "Sei wie es ist. Wie geht es jetzt aber weiter?"

Die: "weißt du eigentlich, dass wir beide nicht alleine sind?"

Der: "Nein! Nicht schon wieder!"

Die Rufer kommender Zeiten
ruhten unhörbar in kurzen Weiten,
Stille dehnte den ungeborenen Traum,
Blindes füllte Tiefe mit leerem Raum.

"Forz, komm zurück, komm zurück!"

"Hilf mir SAMBUCK! Ich kann nicht mehr. Was habe ich gesehen und was gehört?"

"Forz! Du sahest, wie die Zeit auf den Raum traf, und wie sie ihn letztendlich hereinlegte. Ohne sie gäbe es uns alle nicht.

Lange vor der Sterne Geburt, bevor irgendein Archont, ein Gott oder eine Macht das erste Licht setzte, traf die Zeit auf die Unendlichkeit, die Unsterblichkeit und die ewige Leere. Lange bevor irgendetwas geschaffen wurde. Du sahst das Absolute, das Nichts, spürtest seine Allgegenwart und hörtest seine leere Stille, das Lied der Elpen, hörtest die COSMOLOGICA.

Pass auf! Des Nichts Leiden wird ich verbrennen, wird dich in den Wahnsinn treiben, wenn du nicht umkehrst.

Forz; dummer Forz! Komm zurück! Komm zurück, bevor es wirklich zu spät ist!"

"Hilf mir, ich kann nicht mehr! Es tut so weh. Ich werde wahnsinnig. Hilf mit SAMBUCK; hilf!"

"Sei nicht so wehleidig! Wahnsinnig bist du schon lange. Das ist für dich nichts neues. Warum bist du so gierig, so neugierig und hastig? Die Schmerzen sich der Preis. Sie sind es immer, denn 'Wissen tut weh'. Immer und überall. Und manchmal sogar mehr als das. Komm einfach nur zurück!"

"Es geht nicht. Es tut so weh. Ich verglühe. Was haben ich nur gesehen und gehört? Ich verbrenne - hilf mir!"

"Menschisches, dumscher Forz! Das ist der Preis des Wissens. Aber warte erst bist du verstehst! Dann weißt du wirklich nicht mehr, was dir weht tut.

Du beginnst jetzt zu bezahlen, und wirst dein ganzes Leben dafür bezahlen. Wer sich soweit vorwagt, der muss wissen war er tut.

Jammere nicht; heule nicht so erbärmlich - kehre einfach um!"

Das fleisch, ES, ist nicht mehr ES. ES wurde immer mehr zu MAN, ist fast schon MAN geworden und will wieder zurück. Denn nun wird der rest von ES MAN zu unheimlich. ES will wieder fleisch sein, will leben und will wieder ES sein.

ES ist zu stein geworden, ist MAN geworden, und MAN will nicht wieder ES sein - ES will nicht MAN bleiben, denn MAN ist zu stein geworden, und ein stein kann nicht aufstehen.

Es leben nur die augen, und die wollen, dass MAN zu ES wird, damit ein aufstehen möglich ist Solange aber das fleisch die härte SAMBUCK'S in sich hat, geht überhaupt nichts weiter.

ES sieht die beine und die arme MANS, aber ES spürt die schon lange nicht mehr.

Die sonne geht auf, geht unter und wieder auf. Die augen sind wieder trocken, sind unfähig sich zu schließen und erblinden. Aber die bilder gehen nicht verloren, und so behrrscht MAN nur den kadaver, während ES in den bildern weiterlebt und somit nicht mehr alleine ist.

Schärver werden die sinne, dringen weit ins land hinaus und von irgendwoher klingen fröhliche und laute stimmen. Tote augen fühlen, fixieren der stimmen quelle und sehen weit hinten lärmende wanderer vorüberziehen.

ES spürt sie leben, und MAN fühlt ihre pulsierende Eile. ES will auch leben, will sich bewegen.

MAN fällt um, fällt seitwärts. Stein wird zu kadaver, kadaver wird zu fleisch. MAN wird wider willen zu ES.

Die Glieder sind wie angespannte federn. Immer wieder ziehen sie sich in die alte lage zurück, klammert das fleisch sich wie mauerklammern an alten glockengetürm an SAMBUCK fest, so dass jede bewegung wie ein schmerzhaftes waten in gegossenem stein ist.

Auf allen vieren kriecht ES von SAMBUCK herunter, und es dauert tage bis ein einigermaßen gerades und aufrechtes gehen möglich ist; auch die augen erholen sich lange nicht, nur die geschauten bilder wollen nicht mehr, nie mehr vergehen.

 

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   Wer einmal in die tiefe eines waldes eindringt, die gewohnte welt der bequemlichkeit und des konsums hintenanlassend und so das oft mühsam erworbene wissen vergessend der ahnung vielleicht wieder eine spur von dem, was in kindesjahren bewegte, zugesteht, wenigstens einen teil davon, und hierbei, je nach dem, mit wehmut oder mit schaudern, aber immerhin gerne, sich an die aufregenden momente vor dem einschlafen erinnert, wo waldgeister, feen oder sonstige gestalten eine phantastische welt kindlicher vorstellungen schufen - vorstellungen, die besonders im wald, beim vorsichtigen von baum zu baum vorwärtstasten die wohl weit zurückliegende und von den realitäten des alltags zugeschütteten phantasien wieder zu leben erwecken, um vielleicht da oder dort einen schatten dieser verlorenen geister zu erspähen, während das des sehens ungewohnte auge einmal von einem bemoosten baumstumpf zu einer gruppe hüfthoher farne wandert, dort kurz verharrt, nur um den drang 'des suchendes nach neuen alten' nach zeitlosen wissen nachzugeben, und um ein anderesmal wieder tiefer in die schatten des waldes einzudringen; es hierbei aber nicht so ist, als wäre ein kunstwelterdling nicht sensibel genug, um in einer für ihn fremd gewordenen welt, im wald, das besondere, das für ihn mystische zu spüren; auch in den trostlosen monowäldern, wo ein baum das gleiche gesicht wie jeder andere hat, und diese scheinbar nur herumstehen um möglichst schnell zu wachsen und noch schneller umgehauen zu werden; deswegen ist in solchen wäldern für den suchenden oft ein hilfloses sein, weil er wohl irgendetwas spürt, aber das, was er fühlt, nicht erkennt, nicht erkennt was rundherum geschieht; da ist dann jeder schritt in den wald hinein, wie ein vorsichtiges erkunden einer nur mehr in einer längst verlorengeglaubten ahnung vorhandenen seele des waldes, die zugleich auch ein besonderes kennenlernen der eigenen seele ermöglicht, und dem staunenden das vorwärtstasten in sein inneres gefühlslabyrinth gestattet; besonders wenn für ihn überraschend das lichtaussperrende baumkronenfirmament da und dort eine lücke aufmacht, damit scharf abgrenzende, das baumdach wie die tausend säulen des akrutempel zu ninive getragenen sonnenstrahlen gleissendhelle lichtpunkte am nadelboden zwischen farne und sauerklee zu zeichnen beginnen, um, wie unter einem mikroskop beobachtet, den sonst scheinbar lebensarmen waldboden genau an solchen brennpunkten mit allerlei von überallher aus allen ritzen und löchern kriechendes und gleitendes getier zu füllen, so dass der suchende gezwungenermaßen zum innehaltenden betrachter wird, und er vor solch einem lichtfleck sich hinkauernd die kleine welt des lebens genauer in augenschein nehmen muss; der so spähende aber sofort wieder einem gefühl der unrast gehorchend aufsteht, um einen noch unbestimmten, doch besonderen platz in der düsteren feuchte der baumwelt zu finden, hoffend von dort aus zwischen den immer weniger werdenden säulen des lichtes und immer enger zusammenrückenden stämme hindurch in die tiefe stille des waldes hineinlauschen zu können, ohne sich besonders mit dem eigenen staunen und wundern zu sehr beschäftigen zu müssen - nur sind solche plätze des kennenlernens nie auf anhieb zu finden, besonders wenn nicht sicher ist, nach was eigentlich gesucht werden soll, denn nur den gefühlen gehorchend lässt den ungeübten seelenjäger in seiner ahnung hängen, deswegen ist für solch einen der erste, scheinbar richtige platz selten einer dieser besonderen, und so ist der einer ahnung gehorchende stets auf der suche nach einem neuen, vielleicht einen zwischen hohen hirschfarnen oder einen unter überhängenden, vom tau beschwerte brombeerstauden - plätze, die den ahnenden trotzdem noch immer nicht das gewünschte zur gänze fühlen lassen, deswegen beginnt früher oder später einem seltenen gesetz gehorchend allmählich ein besonderer sog, ein immer stärker werdender, in die tiefe des waldes hineinziehender zu wirken; führt ein solcher, wenn er stark genug ist, an reihen schlanker bäume vorbei, bis sich vielleicht irgendwann einmal eine kleine lichtung auftut, die den eintretenden mit einer gleissendhellen lichtflut überschüttet, so dass er nach ein paar schritten im grünen lichterfeld der ungewohnten fülle in den eigenen fussstapfen rückwärtsschreitend und jeweils die zuvor hintenangelassenen fussabdrücke im sumpfigen wiesenboden benützend in die schützende, feuchtwarme dunkelheit der baumwelt zurücksteigt, genau wissend, dass es für die welt des lichtes noch zu früh ist, wo doch der bäume atem die korona der herzens schon gestreift hat; deswegen muss der weg in eine andere richtung gehen, wieder in die schwüle stille des waldes hinein, vorbei an knolligen gesichtern, wurzeligen gesellen und vorläufig endend vor einem mit dicken moospolstern bewachsenen und von dem spärlichem dämmerlicht freigelegtem monument uralten lebens, das wie ein versteinerter rücken eines aus den boden wachsenden waldtrolls zum innehalten, mit nie gekannter wucht und gewalt zur ehrfurcht und zum halt zwingt, und sofort zwingend zum staunenden rundumgang auffordert, ohne hierfür eine erklärung abzugeben - eine erklärung des besondern, warum dieses feuchtschwarzglänzende, moosgekrönte ding des staunenden seele so berührt, und den umgang des gebannten spiralförmig immer enger an das in seiner umgebung zerfließende und doch nicht hierher passende objekt bedingungslos heranführt; so dass in der letzten umrundung die, die oberfläche des monuments abtastenden und fühlenden hände von ihm nicht mehr loskommen, und der mittlerweile der verlockung erlegene mit ausgestreckten armen seine heisse stirn an die einzig moosfreie stelle drückt, bis die innere kälte des megalithen in dem sich nach aufnahme sehnenden körper abwärts wandernd und an den zehen herrausrinnend irgendwo im boden versickert, nur um den ahnenden wie eine mauerklammer noch mehr ans monument zu heften; zumindest so lange, bis der hilflose weiter tastend und mit einer der übersensible fühlenden wangen sanft am hautschmeichelnden mooskleid entlangstreichend wieder an eigener lebenswärme gewinnt, und so bestärkt seinen weg in die feuchte der tiefe der bäume welt wieder findet, dort fortsetzt, wo aller monokultur zum trotz, hie und da, wenn auch äusserst selten, ein uralter und nicht hierher zu passen scheinender baum den weg des umherirrenden zu geleiten beginnt - augenfesselnde bäume, deren rinde nicht so glatt ist, wie die der gesichtslosen, und in deren falten sich behutsam vortastend einzelne finger legen lassen, die dem neugierigen das lebensgefühl solcher wesen vermitteln, und die den der realität leergesaugten wie eine batterie mit kraft und mut zum angehen lange anstehender entscheidungen aufladen, oder ihn von sünden und verantwortung befreien; wer weiß schon genau, was in den welten solcher wesen passiert; nur, dass etwas passiert ist sicher, dass entladene spannung in der luft liegt, die druck von der an und für sich zu bemitleidenden kreatur nimmt und ihr kraft für eine umkehr, für den weg in die zurückgelassene heimat, sowie mut für das übernehmen von verantwortung und ein sich einfügen in die so oft verachtete erdlingsordnung gibt; denn das wissen nicht mehr alleine zu sein, etwas vom geist dieses waldes für immer mitgenommen zu haben fordert zur entscheidung auf, entweder in die eine oder in die andere richtung; und da ist es gleich welche entscheidung fällt, denn der teil des geistes dieses waldes, der jetzt in der eigenen seele für immer wohnt, kann jederzeit angesprochen und wie ein schutzwall gegen alles und jeden in der erdlingswelt aufgebaut werden, auch kann das freiwillige zurücklassen eines teiles der eigenen seele in der welt der sonderbaren bäume den zurückkehrenden von den täuschungen und missbräuchen der alten ordnung frei halten, weil der so veränderte weiß, dass auch er etwas zurückließ, auf das er sich immer und überall berufen und mit dem er kommunizieren kann, sollte ihn die erdlingsordnung irgendwann einmal erdrücken - und später einmal, wenn all das im wald gesehene und kennengelernte verdaut ist, wird vielleicht daraus eine wirkliche kraft wachsen, die in letzter konsequenz ein zwangloses und freiwilliges ablegen aller verpflichtungen ohne den verlust von verantwortungen zum ziele hat, und den ehemals suchenden zwangsweise wieder in einen wald führen wird, nicht mehr in diesen wald, denn der wäre wirklich nicht mehr derselbe, sondern in einen anderen, in einen wirklich alten, wo erdalte wesen den zurückgelassenen teil der seele pflegend auf die rückkehr des berührten warten, um ihn in seiner letzten verbleibenden spanne die freuden und leiden uralten, längst vergangenen lebens schauen lassen, diese ihm vielleicht sogar die möglichkeit geben das ahnen kommenden lebens vorwegzunehmen, wer weiß das; wer weiß wirklich was passiert, wenn solch einer zurückkehrt, nachdem ihm die tiefe des waldes irgendwann einmal angehaucht hat, und er früher oder später aus der gewohnten erdlingsordnung eben wieder in diese welt der sonderbaren wesen zurückkehrt, diesesmal für immer, all der konsequenzen voll bewusst und deshalb bereit jeden einsatz zu zahlen, auch den für eine relative unsterblichkeit, die unweigerlich am ende 'des aus der tiefe des waldes über die grenzen der welten hinaussehehns' steht - eine unsterblichkeit, die den seher nur noch unfreier macht, denn wo ist in ihr dann die gesuchte freiheit, wenn dort die zeit keine dimension mehr darstellt, wenn es egal ist, ob in der alten welt die erdlinge sich gegenseitig die schädel einhauen, oder dort korruption und heuchelei das leben vergiften, und zugleich hier in der welt des waldes werte und ziele einer sogenannten zivilisierten gesellschaft nicht einmal andeutungsweise vorhanden sind, besonders weil es der unsterblichkeit zum dank, oder je nach dem, ihr zum fluch, keinen bezug zu irgendeinem räumlichen und zeitlichen verhältnis gibt, sich die frage nach der distanz, nach weite und nähe, nach raum und dimension überhaupt nicht mehr stellt, wo doch in der welt des waldes das ferne nah und das nahe fern ist, und der unsterbliche alleine und einsam mit seiner fülle an freiheit nichts anfangen, keinen raum und keine zeit mit nur irgendetwas ausfüllen kann, während gleichzeitig der nur den namen nach existierende vor und hinter dem bezugsobjekt steht -oder?-, auf jeden fall immer darüber, und hierbei selbst nie wissend, wie weit von diesem oder jenem eigentlich entfernt, vielleicht ist das subjekt sogar selbst in dem zu beobachtenden objekt oder umgekehrt, oder es beobachtet sich trotz mehr oder weniger entfernter distanz zwischen den standpunkten aus sich selbst heraus - wie gesagt, wer weiß das so genau; nur, trotz seines dilemmas weiß der in die welt der bäume zurückgekehrte, dass er in erwartung eines nur minimalen bezugpunktes in dieser für ihn lange fremd seienden welt als ersatz einer zurückgelassenen erdlingsordnung das verlorengegangene der altvorderen immer wieder zu finden versuchen wird, um die qualität einer nichtvorhandenen zeit bloß zu legen, er versuchen wird sie in der vergangenheit aufzubereiten, damit die gegenwart und die zukunft nach eigenen bedürfnissen gestaltet werden können; schon wissend, in seiner nichtigkeit gegenüber dieser welt des unvorstellbaren nichts vorwärtsbewegen zu können, absolut nichts zu bewirken, nicht einmal an sich selbst, schon gar nicht an der endlichkeit, geschweige denn an dem stand der unendlichkeit, und so bleibt dem, vom atem einer anderen wirklichkeit berührten nur die freiheit der agitation, ohne dass deren folgen irgend eine änderung des seins bewirken können; ja, er in der welt des waldes nicht einmal sich selbst vorwärts oder rückwärts bewegen kann, ohne dass er überall und gleichzeitig oder jenach lust und laune hier oder dort sinnloses bewegt, deswegen wird er früher oder später, irgendwann einmal, der eigenen person, seine individualität mangels dimensionen in einer grenzenlosen freiheit sich selbst verlustig sein.

 

 

   Hier im wald gibt es eine keine wege, mit ausnahme einer breiten forststraße, die weit hinten durch das land führt, und einige wenige alte verwaschene steige aus der zeit der monarchie, die sich aber selten von den vielen sich kreuzenden wildpfaden unterscheiden, und die den spärlich hierher verirrenden touristen wenig gelegenheit geben das mehr als reichlich vorhandene großwild, wie die gemsen, die rehe und hirschen zu stören, welche auch deswegen nicht besonders scheu sind, sofern nicht ein plumpes annähern unter ihnen für unruhe sorgt; aber meist ist hier für die bewohner dieses waldes ein ruhiges und sicheres sein, weil von der in diesem unwegsamen gelände ungern herumsteigenden jägerschaft wenig bedrohung ausgeht, ja, die ständigen lauscher sogar jede nicht hierher gehörende bewegung besonders neugierig macht, sofern das ortsfremde nicht zu aufdringlich ist, und es so in folge sehr rasch zu einer relativen gegenseitigen gewöhnung kommen kann, die zwangsweise aus dem immer größer werdenden bedürfnis sich kennenzulernen ein vorsichtiges näherkommen bedingt, denn wie ist sonst erklärbar, warum besonders bei den sehr scheuen gemsen schon nach kurzer zeit ein annähern bis auf wenige meter möglich ist; vielleicht weil gemsen, wenn sie es sich in trockenen grasmulden bequem gemacht und den darunterliegenden boden erwärmt haben, sich äusserst ungern zum aufstehen bequemen, so dass in solchen momenten ein stundenlanges gegenseitiges beobachten und kennenlernen ohne aufdringlichkeit und list möglich ist, besonders wenn die gemsen sich den geruch des beobachters über den wind wie einen gruss, wie eine bekanntmachung zutragen lassen, und hierbei sich der betrachter immer mehr über die sanftheit der großäugigen wundert, die ihn als stillen teilhaber in augenblicken tiefer ruhe und in zeiten runder bäuche in ihren familienverband aufnehmen, sofern jede hast weit zurückliegt, und ihnen gegenübersitzend nicht ständig die frage gestellt wird, warum er nicht einer von ihnen ist, und er so wie sie nicht für den moment leben kann - vielleicht doch etwas länger; zumindest solange wie das in den gras- und geröllhängen mit ausgelassener freude herumturnen und gegenseitiges auflauern, locken und täuschen der verspielten halbwüchsigen den doch etwas steifen teilnehmer nicht müde macht, sein kindliches gemüt bis ins extreme erschöpft, oder das ausgelassene treiben den von weither beobachtenden und stets misstrauischen alten zu bunt wird, ihre eifersucht auf den jugendlichen übermut sie zu schrillen signalpfiffen veranlaßt, so dass die halbwüchsigen leichtfüßig mit ferdernden sprüngen, wie kleine wirbelwinde, eilig in felsenkaminen emporsteigen, oder wie auf eine luftbrücke tanzend über scharfrändige schluchten und spalten darüberlaufen, bis sie an einem waldrand kurz innehaltend, einen letzten signalpfiff, wie zum grusse, dem außer atem gekommenden herübersenden, bevor sie im hochwald endgültig untertauchend die erinnerung an sie, als die lustigen gesellen dieses landes, wie zum trotz, nicht mitnehmen wollen, und gerade deswegen ihrer eitelkeit entsprechend noch daran erinnern, dass ihre verwandten, die rehe und hirschen, weniger freunde sein können, weil diese ihre vorbehalte vor fremden gesellen nie ablegen können, und keine annäherung tolerieren, auch wenn mittlerweile die für diese land typische bewegungstechnik hier niemanden mehr so besonders nervoes macht - eine besondere technik, die sich aus ungewohnt rhythmische bewegungsabläufe ergibt, denn abgesehen von zeiten in denen emotionen die dynamik bestimmen, unterliegt hier jede bewegung einer zeitlupenhaften geschmeidigkeit, die handgriffe und schritte mit einer mechanischen lässigkeit so vorprogrammiert, als wären diese schon vor ihrem einsatz auf zweckmäßigkeit und rationalität analysiert, um dann in folge während des bewegungsablaufes mit voyeuristischer beobachtungslust die eigene analyse bestätigt zu sehen, wobei gleichzeitig das automatisierte beobachten der unmittelbaren umgebung nie nachlässt, immer mit höchster wachsamkeit erfolgt, stehts in den wind gelauscht und gehorcht wird, und so unglaublich es klingt, dieses lauschen und riechen in den wind weniger mit den ohren und der nase erfolgt, sondern wesentlich intensiver mit der haut - einer haut, die eine hohe sensibilität bedingt, die wie eine rundantenne sich nach allen seiten gleichzeitig richtet, und die die nicht mehr besonders bewusst seienden, aber überscharfen sinne ohne irgendeinen gebrauch von vernuft und rationalität nach den animalischen bedürfnissen ausrichtet, so dass diese so sonderbar gewordenen haut mit der zeit das sensibelste organ zum in den wind wittern geworden ist, in dem sie dort noch sieht und hört, wo die augen und die ohren ihre arbeit schon lange nicht mehr verrichten können, deswegen wäre die haut ohne den wind nicht mehr sie selbst, könnte sie ihn, seine berührung, nicht lieben, wäre seine botschaft kein allseitiges, geschwätziges liebesgeflüster mehr, das als verschlüsselte nachricht geräusche, gerüche, vergangenes und zukünftiges zu bilder und worte baut, sowie eine vielzahl an gefühlen und ahnungen dem witternden kund tut, die alle unter der priorität der haut körper und welten im geist bauen lassen; deswegen ist die haut innen wie aussen ein mehr als ein verletzliches kleid, das immer von beiden seiten, von innen und von aussen, auf warnende signale zur vermeidung von beschädigungen abgehört und abgetastet werden muss; und so ist es auch verständlich, wenn dies alles, das stete beobachten, fühlen, ahnen, tasten und analysieren in und über die haut sparsamste bewegungen bedingt, welche noch zusätzlich durch ein längeres, verhaltenes lauern, besonders unter bäumen, oft unterbrochen werden müssen - dort unter bäumen, wo kurzabstehehnde, gefährliche astspitzen bei hastigem gehen die augen verletzen können, oder im gebüsch, unter stauden, wo zecken unters gewand kriechen könnten, die dann, wenn nicht ständig und besonders aufmerksam in die haut hineingehorcht wird, sich tief ins fleisch eingrabend für lästige geschwüre sorgen, so dass es lebenswichtig ist, ständig nach den signalen der eigenen haut zu lauschen und darauf entsprechend schnell zu reagieren; und alleine schon unter berücksichtigung eines extrem sparsamen energieverbrauches erübrigt sich hier jede überflüssige bewegung, denn das nahrungsangebot ist wohl vielseitig und nahrhaft, aber selten energiereich, und sofern der tag nicht irgendwo bequem in einer grasmulde liegend und die sonne auf den bauch scheinend mit träumen verbracht wird, sondern für das stete über den großteil eines tages dauernde sammeln von eßbarem, so kann im laufe eines tages mehr als benötigt an beeren, pilzen, wildgemüse, schnecken, frösche, schlangen, echsen, käfer und fette würmer in einem stets mitgetragenen sack gesammelt und am abend alles gut vermischt in einem topf zu einem schmackhaften ragout verarbeitet werden, sofern hierfür überhaupt noch zeit und vorallem lust vorhanden, ansonsten wird eben alles halbroh und nur mit wildgewürze aufbereitet sofort am fundort verzehrt; wobei dies immer öfters geschieht, denn die geschmacks- und geruchssensibilität hat sich mit den übrigen sinnen derart verschärft, dass die eigenwürze der sammelstücke zum verzehr vollauf genügt, ja, sogar ein zusätzliches würzen als sehr störend und den urgeschmackstoff verfälschend empfunden wird, deswegen wird der noch immer große vorrat an konservendosen, bestehend aus gullasch, würstchen, ravioli und gefüllte paprika schon seit einiger zeit nicht mehr angerührt, weil diese stark gewürzte kost der magen nicht mehr verträgt, und sie oft genug für sofortigen durchfall sorgte, obwohl sich manchmal von früher her noch im gedächtnis hängengebliebene festessen in gourmet-restaurant's wie ein rundgemälde um die jetzigen plätze des verzehrs aufbauen, das die fragwürdigkeit eines genusses solch einer animalischen kost unter solch primitiven verhältnissen stark in zweifel zieht, besonders nachdem das energiepotential dieser nahrung das gewicht des fleisches weit heruntersetzte, auch wenn dem diametral entgegengesetzt gleichzeitig diese minimalversorgung und in folge die nivellierung des gewichtes nach unten das niveau des geistes überproportional hinaufschraubt, und es an ein wunder grenzt, dass überhaupt noch genügend kraft für die notwendigen bewegungen des fleisches und des geistes vorhanden ist, trotzdem sich ES immer müder und kraftloser fühlt; aber mit dieser müdigkeit lässt sichs mehr oder weniger gut leben, denn nach einiger zeit tritt ein gewöhnungseffekt ein, der solch einen begleitumstand, oder deren mehrere, einfach ignoriert und zum schluss nicht einmal mehr wahrnimmt, so dass sich allmählich ein einpendeln auf ein bestimmtes gewicht von selbst ergibt, sich eine wohlempfundene konstanz eines scheinbaren gewichtlosen zustandes aufbaut, mit dem sich jede bewegung und jede aktion mit einer immer größeren leichtigkeit und mit einer nicht für möglich zu haltenden geschmeidigen elastizität durchführen und die unwahrscheinlichsten situationen meistern lassen; so ganz ohne kraftakte, welche auch auf grund des permanenten energiemangels gar nicht ratsam wären, mit ausnahme in bestimmten situationen, in denen es mit gesteuerten und manchmal auch mit ungewollten und unkontrollierbaren emotionen in traumähnlichen zuständen unglaubliche vorhaben zu bewältigen gilt, die im normalfall auch mit größdem kraftaufwand nicht durchfürbar wären; allerdings hierbei die große gefahr besteht, dass in den nicht mehr so selten vorkommenden außergewöhnlichen situationen ohne der unterstützung der träume während extremer handlungen und aktionen die manchmal unkontrollierbaren emotionen ein mehr als großes gefahrenpotential darstellen, und dieses potential zu schweren verletzungen am eigenen und an fremdem fleische führen können, wenn auch nicht zum eigenen tod, da die unsterblichkeit nie in frage gestellt ist; und doch ist der energieverlust und die gefahr von verletzungen bei aktionen in traumähnlichen zuständen gleich null, denn ein besonders anschauliches beispiel sind hierfür die mondläufe, die von zeit zu zeit zur stabilisierung der seele und als gegengewicht zu den rationalen bewegungen notwendig sind - eine notwendigkeit in nächten, wenn der himmel besonders klar ist, der volle mond die pfade ausleuchtet, und der schlaf nicht kommen will, oder wenn mit hilfe der träume in die welt des irrationalen zu weit eingedrungen wird, denn dann scheint die erlösung vor der angst einer unumkehrbarkeit aus der welt des wahnsinns nur in ein hetzen durch den wald, ein springen über unüberwindlich scheinende hindernisse oder in ein rasend schnelles erklimmen von extrem steilen höhen zu finden zu sein, ja, sogar zu solchen handlungen zu zwingen, bis das herz lacht, das fleisch für die dauer des geschehens zum allseits panikverbreitenden ungeheuer mutiert, und währenddessen die zeit so lange anhält, bis alles außer kontrolle gerät, das chaos eskaliert, und die berauschung an der bewältigung des unmöglichen im rasenden wechsel bizarrer bilder mündet, sich die gefühlsexplosion ins uferlose steigert, wo zum schluss nur mehr mondlichtüberflutete lichtungen, dunkle brunnenlöcher, baumreihen und fahlsilbrige silhoutten links und rechts wie schattenalleen vorüberflitzen, aber paradoxerweise zugleich der tritt immer sicherer wird, dieser blind und doch gezielt auf einzelne steine in bächen aufsetzt, nie den pfad verfehlt und immer das gegenüberliegende ohne hinzusehen und anzuvisieren findet, bis am ende solcher wege irgendwo und irgendwann der schlaf alles beruhigt, alles zudeckt, eine dunkle tiefe wärmend bettet, und die träume ohne irgendwie weh zu tun oder zu belasten des ELE's geist zurückführen, ihn weit, weit in vergangene leben zurück ahnen lassen.

 

YUHA - der König stirbt!

Warum sind mir all die Jahre diese Worte nicht mehr aus dem Kopf gegangen? Immer wenn ich diesen Knaben vor mir sehe, sehe ich diese Worte wie ein loderndes Fanal über ihn stehen. Zumindest heute will ich es weder sehen, noch mich an den alten Ruf erinnern. Dadurch könnte sich vielleicht meine Laune etwas bessern, denn heute ist mein Tag.
Wer zum dritten male, wie ich, zum Prior unseres Klosters gewählt und zugleich gegen den erheblichen Widerstand eines großen Teils der Kongregation an die höchste Stelle des Kollegiums berufen wurde, der hat allen Grund zum feiern.
Aber wer ist da dann schon frei von Etelkeiten? Besonders wenn mir wie jetzt das satte Gefühl der Macht zur Möglichmachung des scheinbar Unmöglichen wie ein süßes Versprechen in eine erreichbare Nähe rückt. Wen kann es da wundern, wenn mein Hunger nach Erfolg, zumindest für kurze Zeit, sich in selbstgefällige Trägheit wandelt. Da scheint es auf einmal genügend Zeit für das Ausleben der eigenen Eitelkeit zu geben. Denn es schmeichelt mir schon, wenn nach großem Einsatz und aufwendigen taktischen Manövern die Position errungen wurde, die jahrelang die Träume bestimmte - mein Herr möge mir verzeihen.
Heute abend gibt es anläßlich meiner Ernennung zum Provinzialus mit den Vertretern der Stände der naheliegenden Stadt und einigen Honoratioren des Landes im Mariensaal meines Klosters eine Feier. Das wird sicher eine fade Sache, aber auch so etwas muss sein, denn dieser Abend ist ja nur der Probegalopp für die große Feier in der Kreisstadt. Vorerst gilt es aber noch scheinbar dringende Probleme und Streitigkeiten im benachbarten Waisenhaus der Tertiarschwestern zu lösen beziehungsweise zu schlichten.
Es ist ja nicht so, dass ich nicht gerne zu Schwester Maria, zu meiner Maria, hinüber gehe, aber dieser Bengel Andreas, mit seinen fünf Jahren, ist eine wahre Plage.
Was mag er nur wieder angestellt haben? Wie immer werde ich das noch früh genug erfahren, früher als mir im Moment angenehm ist.
Und zusätzlich noch eine zu erwartende Konfrontation mit Maria. Eine mehr als schöne Frau. Zu schön für eine Betschwester. Besonders wenn sie in mitten ihrer Kinder steht. Aber auch sonst - und besonders das sonst möge der Herr mir und uns verzeihen.
Warum lässt er überhaupt solche Gefühle und Gedanken zu? Gar nicht zu sprechen von dem, was manchmal in ihrem Gefolge passiert.
Warum lässt er mich in solchen Momenten wenigstens nicht wie ein kleiner Teil von ihm sein?
Das ist nicht gerecht, Herr! Nimm mir die Last der Verantwortung für unser Tun, für unser süßes Tun ab. Denn wer kann schon alleine der Versuchung der Präsenz einer schönen Frau wiederstehen? Wer ist da frei von verantwortungslähmenden Begehren?

"Josef, hörst du mir eigentlich zu?"

"Natürlich, fahre fort!"

Es muss doch für einen Jeden auf den ersten Blick ersichtlich sein, dass beide sich lieben. Kein Wunder, hat doch der Kleine einen Charme wie ein Liebhaber und flirtet auch wie solch einer, so dass es mich wirklich nicht wundert, wenn ich manchmal seinetwegen sehr ins Temperament komme.
Und doch wird auch mir oft weh ums Herz, wenn er seine kleinen und doch schon starken Arme um meinen Hals legt. Da frage ich dann den da oben schon, warum er mir so manches vorenthält.

"Mit dir ist heute nichts anzufangen. Wo sind deine Gedanken?
Wenn du etwas denkst, ich gratuliere dir zu deiner Ernennung, so kannst du lange darauf warten. Bevor dich der Größenwahn überkommt, solltest du hier im Heim die kleinen Probleme lösen, den die sind für uns immer noch die großen."

Wie schön sie in ihrem Zorn ist. Da erinnert sie mich an andere Zeiten, an Situationen, die alles vergessen und die uns in unserem Verlangen oft trunken machten.

"Ich höre ja schon lange zu. Erzähle endlich!"

Wenn sie mich so wütend und misstrauisch von oben herab anschaut, dann ist sie ganz Oberin, ganz die Herrin dieses Hauses. Da gefällt sie mir besonders gut. In solchen Augenblicken ist kaum vorstellbar, dass sie auch ganz anders sein kann.
Es muss schon allerlei passiert sein, wenn sie gegen diesen verzogenen Bengel Hilfe braucht.
So wie er dasteht, ruhig, mit pechschwarzem Haar und mit wachsamen Blick in den großen dunklen und schon jetzt tiefliegenden Augen, ist es schwer vorstellbar, zu welchen Streichen er fähig ist, aber auch wieviel Liebe er geben kann.
Uns beiden gibt er sie im Übermaß. Aber wie lange noch bei seinem extremen Egoismus? Oft hat es den Anschein, als sei für ihn das Geben von Liebe jetzt schon ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Aber trotzdem ist er wie das Glied einer Kette, das Maria und mich verbindet. Viel zuviel verbindet, und oft nur als Vorwand, als Alibi für unsere Zuneigung herhalten muss. Das dem da oben aber mit Sicherheit nicht recht ist.
Was kann aber dagegen getan werden, wenn der Ehrgeiz zum Erreichen von Ordenspositionen soviel fordert, dass für einen Widerstand gegen das Verbotene und nur schwer Aussprechbare keine Kraft mehr bleibt?

"Wenn du jetzt nicht mit ihm sprichst, so rede ich kein Wort mehr mit dir!"

Jetzt ist sie nicht einmal mehr beleidigt, sondern schon fuchsteufelwild. Da hilft nur mehr eines, eine möglichst ernste Miene aufsetzen.

"Wie geht es in der Schule?"

"Gut - Gut! Keine Probleme."

"Betest du jeden jeden Abend?"

"Jetzt habe ich aber genug! Was redest du da für einen Unsinn? Du weißt genau, was er angestellt hat! Du weißt, er hebt meinen Schwestern bei jeder Gelegenheit, besonders wenn Fremde anwesend sind, ihren Rock in die Höhe. Wenn du nicht sofort ernst wirst, schmeisse ich dich vor den Augen meiner Schwestern aus dem Haus."

Was soll ich nur dazu sagen? Sie weiß noch nicht, dass Andreas nicht nur den Frauen die Röcke aufhebt. Mit seinem Ministrantenfreund hat er mir am Ende der letzten Messe, beim Abgang, zum Gaudium der anwesenden Gemeinde, mehrmals nicht nur die Schleppe, sondern zusätzlich auch den Rock hochgehalten hat. Am Wirtshaustisch wurde lange genug über meine Unterwäsche diskutiert. Auf sein Verhalten wurde ich erst aufmerksam, als er seine private Vorführung zu weit trieb, weil es mir dann doch am verlängerten Rücken so verdächtig kühl vorkam.
Wenn sie nur ahnen könnte, welche Erinnerungen in mir aufsteigen, sobald ich den Jungen sehe und dann seine immer deutlicher erkennbare Veränderung bemerke. Ich muss nach meiner Tante suchen lassen. Sie muss sich unbedingt diesen Jungen genauer ansehen!
Scheinbar hat er alles, was so ein Kind haben soll. Nur, das was er hat, besitzt er mehr als im Übermaß, das Gute wie auch das Schlechte. Und das nährt meine seit langem bestehende Ahnung.
Wer kann ihm schon widerstehen, wenn er einem so mit seinen Augen ansieht? Nicht einmal Maria. Und die kann hart wie nur sonst was sein. Vielleicht kann sie nicht anders und muss zu ihm nett sein, weil uns trotz unser Zuneigung keine eigenen Kinder gestattet sind.

"Jetzt habe ich genug!
Raus aus meinem Haus, und sauf dir heute Abend einen Rausch an, denn mit meinem Kommen brauchst du nicht rechnen. Und falls du anschließend besoffen vor meiner Pforte wieder einmal herumgrölst oder wie ein liebesgeiler Kater herumstreichst, lasse ich den Stadtgendarmen heraufholen. Du weißt, was das für dich bedeuten würde?
Und du da! Ab mit dir ins Bett! Essen gibt es heute keines mehr. Morgen reden wir weiter, aber in einer anderen Sprache."

Besser ich gehe. Hier wird die Luft immer dicker.
Warum soll meine Laune noch schlechter werden? Ganz im Gegenteil. In Anbetracht des kommenden Abend kann sie nur mehr steigen, und nach dem Fest schaue ich vielleicht doch nochmals vorbei.

 

Der schlaf danach ist tief und doch voll leben - so voll leben, dass gesehenes zu erlebten wird, leben und gesehenes zeitlos fließen; so sichs dann immer leichter an solche bilder gewöhnen lässt; diese einfach als gegeben gesehen werden, weil es gegen sie sowieso kein erwehren gibt, und die alte angst, anders zu sein als die normalität, fast nicht mehr vorhanden ist, obwohl das bewusstsein, dass etwas passiert, das andere für pathologisch halten könnten, noch nicht zur gänze überwunden ist; nur, was kann der machtlose zu seinem schutz tun: er umgibt sich mit dem mantel des fatalismus, der paradoxerweise erst den abbau jeder barriere vor dem erreichen der geschauten bilder ermöglicht, auch weil es gewiss ist, dass die von anderen errichteten barrieren alleine schon der neugierde und des protestes wegen, und wegen des verlangens anders zu sein als andere immer weniger halten, sie auf lange sicht kein ernsthaftes hindernis mehr darstellen, weil die geschauten bilder wohl eine undefinierbare angst hinterlassen, aber keinesfalls mehr erschrecken, vielleicht nur täuschen, wer weiß es - wer kann das erklären, wenn nur die, für das kommende, stark machende veränderung sichtbar ist, und nicht das was an ihrem ende stehen kann oder soll - eine sicht ohne ein vorläufiges ende, die neugierig auf dieses vage nachher macht, für das der neue name steht, der scheinbar eine macht, eine intelligenz, eine unabhängige dynamik representiert, welche vielleicht gott ist oder eine art kosmische superintelligenz oder einfach nur ein im erdling verschüttetes programm, das unter bestimmten bedingen aktiv wird, so dass dieses programm eine eigendynamik entwickeln kann, die in ihrem fortwirken gezwungenermaßen intelligent und selbstständig, vor allem unabhängig agieren muss und hierbei wie selbstverständlich die bezugsebenen und die beobachtungsstandorte laufend wechselt, ansonsten diese intelligenz ja nicht immer wieder neue bilder des unaussprechlichen für den ELEY schaffen kann; aber wer durchschaut schon solch einen vorgang: ER nicht, noch nicht; und so lässt er einfach alles auf sich zukommen, bietet sich als ein lebendes experimentierfeld an, das keine grenzen kennt, und als das er bereit ist alles zu ertragen.

Der morgen bringt das ende des rausches, und mit ihm den kater, nicht den des fleisches, sondern den des geistes, denn das fleisch scheint an sich keine verluste oder schmerzen zu bemerken, aber in IHM verankert sich die erinnerung an eine ahnung, welche nach dem mondlauf bilder einer anderen welt errichtete; und zusätzlich noch ander bilder zum vorschein brachte, solche die hinter der erinnerung, die hinter allem vorstellbarem stehen und ein hetzen verschiedensten unschuldigen lebens bis zum tode zeigen, so dass am morgen dann die scham die vermeintliche größe erbarmungslos zu fall bringt.

 

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   Hier in Loorien scheint alles in ordnung zu sein - ES ist rundherum gesund, einmal vom untergewicht abgesehen, und kein kopfweh, kein zahnweh ist bemerkbar, sogar verletzungen heilen schneller, als sie weh tun, und doch ist eine nicht erklärbare, eine schwer ertragbare unruhe vorhanden, wird diese immer größer, immer dominanter.

In diesem wald scheinen die schmerzen, wie auch das wohlbefinden, keinen besonderen stellenwert zu besitzen, wobei es die schmerzen sicher noch im ausreichenden maße gibt; nur, die wirken meist so kurz wie in gedanke, wohl ebenso stark, aber ebenso rasch schwindend, und nach ihrem erscheinen hinterlassen ihre ursachen auf der haut des fleisches, obwohl das in seinen bewegungen immer vorsichtiger agiert, eine landkarte an kratzern, abschürfungen, narben, blutunterlaufenen stellen, und die knochen sind da oder dort öfters geprellt oder gestaucht, mancher sogar gebrochen, aber nichts davon tut wirklich weh, behindert nicht im geringsten und wird ebenso schnell vergessen, wie der schmerz plötzlich gekommen ist, weil ein immer länger dauerndes wohlbefinden stark heilend wirkt, und die zeit zum ertragen von schmerzen allmählich verloren ging; deswegen ist es nicht verwunderlich, wenn es herrlich und heilend ist, wie eine gemse in einer sonnenerwärmten grasmulde zu liegen, besser gesagt zu faulenzen, und ein solches befinden so lange nachwirken zu lassen, bis das kommende sich im hellen licht der freude erhebt; wobei es dann auch nicht das üblich bekannte wohlbefinden ist, nur so im wind herumzustehen, und ihn über die nackte haut streichen zu lassen, denn seine berührung ist wie das aufladen einer batterie, geschieht oft stundenlang mit geschlossenen augen stehend an windexponierten stellen auf felsenspitzen, oder während eines sanften, vibrierenden dahindämmern lassen mit gespreizt ausgestreckten armen und beinen, gespannt wie die schwingende membrane eines musikinstrumentes zwischen zwei gerade noch erreichbaren, nebeneinander stehenden großen bäumen - bäume, die dann meist die enden großer aufeinander zustrebenden waldzungen bilden, so dass das allseitige reiben und darüberstreichen des windes das waschen und stärken der seele bewirkt, denn solch eine behandlung ist nicht weniger wichtig als die sonnenbäder in den grasmulden, so dass beides miteinander und noch manch anderes die gefühle und die sinne in bezug auf sensibilität und noch weitere, nicht abschätzbare fähigkeiten nicht addiv, sondern multiplikativ wachsen lassen, wobei gleichzeitig -schwer beschreibbar- die landschaft der werte sich verflacht, ihr profil sich einebnet, die wichte schwinden, und gut und böse als gegensätze sich immer mehr aufheben, bis jede art von hoffnung unwiederbringlich verloren geht, am ende einfach kein bedürfnis mehr nach ihr oder irgendwelche maßstäbe vorhanden ist, denn dann sind ziele nicht festgesetzte stationen auf dem weg des erfolges, sondern einfach nur irgendwie begehbare furten in dem immer wieder zu übeschreitenden horizont mit seinem dahinterliegenden, unbekannten land, so dass auf dem letzten weg gehend, nach dem verlust der gegensätze, vielleicht nach deren endgültigen vergessen, nur mehr die neugierde, die unleug- und unbeseitigbare über bleibt; welche die dynamik des geschehens nie auslaufen lässt, sie sich nie selbst erschöpft, wohl aber sich selbst entwerten kann, und sie nach abwurf allen ballastes und entkleidung allen gewohnten die einzige legitimation der existenz des besonderen darstellt; so eben die neugierde auf grund dessen alles sehen, alles erkennen und auch jeden stein umgedreht haben will, nur um zu sehen was darunter oder was dahinter sein könnte, damit in jeden baum, in ein jedes leben ohne rücksichtnahme eingedrungen werden kann, um dort zu fühlen und zu ahnen, und ihrer aller unbegannten seelen kennenzulernen; deswegen ist es die neugierde, die das fleisch in bewegung und den geist am leben hält, die ihnen träume und gedanken zuführt, sie erdulden lässt, und letztendlich stellt sie sich als ihrer beider sein und ihrer beider fluch in der unsterblichkeit dar.

Rundherum ist ruhe und stille, zeitlos das fließen, der tod überall, und das sterben nur ein einfaches hinlegen; genauso wie jetzt das der gemse mit ihrem gebrochenen bein - dort unten, zwischen den felsen, auf einem kleinen plateau liegend, dem wetter und dem penetrant neugierig beobachtenden ausesetzt, der im zweifel ist, ob er ihr gebrochens bein schienen oder sie zumindest füttern soll, aber sie liegt ganz ruhig und scheinbar entspannt auf dem grasboden trotz des wenige meter weit entfernt am boden kauerenden beobachter, und sie schaut eigentlich gar nicht krank oder verletzt aus, denn ihr atem geht regelmäßig und ihre augen sind voll und klar; glänzendschwarz spiegeln sie die unhöfliche neugierde des anmaßend geilen betrachters wider, sind ohne angst und fixieren ihn ebenso mit wachsamkeit und frechheit ohne nach hilfe zu bitten, aber die neugierde des betrachters lässt sowieso keine hilfe zu, denn die will sehen wie der tod im moment seines erscheinens aussieht, wobei sie früher, noch bevor die erinnerung verloren ging, oft tote und verletzte bei verkehrsunfällen sah, aber dort immer wegschaute, weil ihr vor dem gesicht des verdrängten todes graute, auch weil eine anerzogene pietät das betrachten des letzten lebenskampfes, kurz vor dem entseelen, dies nicht zuließ, aber hier im wald ist der gewesene, der kommende oder der sehr lang dauernde tod überall zu sehen, selten aber der unmittelbare, noch seltener das kurze gesicht des sterbens; deswegen führt im moment diese sterbende gemse eine andere art des todes vor, einen solchen, wie in einem zeitraffer, der der neugierde niegesehenes in kompremierter form vorführt, und wenn auch das leben der gemse zuerst noch langsam am vergehen war, so entweicht es doch nun von minute zu minute immer schneller, obwohl die verletzung eigentlich nicht unmittelbar so schnell zum tod führen müßte, keinesfalls wenn hilfe geboten würde; nur jetzt auf einmal stellt die gemse ohne ein zeichen von widerstand ihre atemtätigkeit ein, ihr körper wird noch entspannter und schlaffer, fällt in sich zusammen, und nur die augen leben noch und fixieren das alltägliche und das bekannte, lassen keine traurigkeit, keine betroffenheit und kein verlangen nach hilfe aufkommen, während sie immer mehr bilder eines vergangenen lebens senden - bilder eines lebens, denen die neugierde sich wie ein dürstender dem langersehnten wasser hingibt; sie die augen vergangenes geschehen in bildern, vom anfang bis zum ende, mitleben und erleben lässt, bis dann am ende der bilderfolge der tod schnell da ist, noch bevor die schwarz glänzenden das letztemal ihre botschaft senden, und schon reisst die bilderfolge, werden die zuvor noch weich glänzenden augen zu graue, matte knöpfe, die langsam ihren spiegel verlieren, der soviel umgedrehtes und nach innengekehrtes widerspiegelte, und in seinem echo auch jetzt noch weit in eine andere zeit zurückführt, wo trotz viel gesehenem und verstandenem keine berfriedigung aufkommt, sich ein gefühl der leere und des verlustes über den unwiederbringlich verlorenen teil der unschuld breit macht.

 

"Jetzt scheint er es wieder einmal geschafft zu haben. Schau - wie sie sich alle um ihn herum drängen - typisch! Das ist sein Tag!
Aber kein Wunder, wenn der wüsste, wer da aller geschoben und gezogen hat, damit er dort stehen kann, wo er jetzt steht."

"Na, na! Nicht so überheblich!
Bist du vielleicht eifersüchtig? Er hat doch unbestritten seine Qualitäten. Ich bin da gar nicht so sicher, ob wir ihn nicht mehr brauchen, als er uns?"

"Ja, du könntest schon Recht haben. Für mich ist seine Karriere aber doch ein Rätsel. Da müssen ihm noch einige geholfen haben, von denen wir nichts wissen, und das beunruhigt mich. Vielleicht benützt jemand uns über ihn, ohne dass wir es wissen?
Bedenke! Er ist nicht von unserer Herkunft. Es heisst, er stamme von irgend einem fahrenden Volk ab. Unverständlich!
Wenn wir gescheit wären, so würden wir solch einen wie ihn nicht in unsere Reihen lassen. Solche wie er bringen immer nur Unruhe. Ich sage dir: Die sind gefährlicher als das renitente Volk. Nie wieder einen Hildebrand, einen Häresiarch oder auch nur einen Reformer. Ich will meine Ruhe haben. Mir geht es gut, dir geht es gut, und unseren Freunden geht es auch gut."

"Dir geht es immer gut, wenn du fressen, saufen und huren kannst. Ich finde nebenbei auch sehr viel Spaß daran mich an der Macht zu beteiligen. Für die Theologie kann ich mich nicht besonders erwärmen, aber innerhalb unseres Orden etwas auf meine Art zu bewegen, das inspiriert mich. Da fühl ich mich Josef sehr verwandt. Nur, im Gegensatz zu mir handelt er in tiefem Glauben, wenn er auf seine Ziele zusteuert. Ziele übrigens, die auch die meinen sind, aber eben zu einem andern Nutzen.
Du hörst wieder einmal das Gras wachsen, Sieh dich an, und sieh ihn an! Dann weist du, warum du ihn nicht magst. Er ist das absolute Gegenteil von dir. Er ist groß und breit, Hat ein scharfes, vielleicht sogar ein fanatisches Gesicht und tiefliegende schwarze Augen. Und vergiss nicht. Er hat Charisma, und das wird noch wachsen, je höher wir ihn die Karriereleiter hinaufheben.
Gefährlich wird uns der nie. Denn solche wie er gehorchen letztendlich immer der Autorität des Ordens, wer immer diese auch vertritt, und unser Blut ist immer noch dicker als sein Geist.
Solche wie er fallen früher oder später selber über die eigenen Füße, sobald sie aus der Ordnung ausscheren. Und wann das sein soll, bestimmen dann schon wir."

"Ich hoffe du wirst recht behalten. Mir ist er einfach zu sauber, zu tüchtig und sein Intellekt zu scharf.
Er gibt sich als Fundamentalist. Aber was denkt er wirklich?
Hast du sein Traktat für die Anti-Modernistenkommission gelesen? Und vergiss nicht seine Vorarbeit für Leo's Dekret. Ohne diese Vorarbeit hätte der Papst nie die Bewilligung zur Erstellung der neuen 'Einheitlichen Generalkonstitution' gegeben.
Er korrespontiert viel mit Rom, und manchmal ruf Leo ihn zu sich. Und obwohl seine Abneigung gegenüber dem Zentralismus Roms bekannt ist, könnte er schon lange dort sitzen, wenn er wollte, und wir würden ihn nur mehr schwer kontrolleren können. Beachte, dass Andere schon lange auf seine Linie eingeschwenkt sind.
Glaub mir, er kann Minister Generalus werden, wenn er nur will. Den Minister Provinzialus hat dieser Fuchs bisher mit allen möglichen Ausreden abgewandt. Nur um das Kapitel einzuschläfern und zu überzeugen, dass er kein höheres Amt anstrebe.
Wenn er auf seinen stillen Weg zu weit nach oben kommt, dann haben wir ihn nicht mehr unter Kontrolle. Du weißt, es geht um viel Geld und um noch mehr Macht. Hierbei könnte solch einer wie er, zu einem Unsicherheitsfaktor werden."

"Keine Angst. Wenn notwendig, werden wir ihn so oder so in der Hand haben. Du vergisst die Gerüchte, die über ihn im Umlauf sind. Bei Bedarf konstruieren wir zusätzliche. Gegenüber Männer, wie ihn, ist die Kommune besonders kritisch. An solche, wie ihn, werden immer andere Maßstäbe angelegt.
Du weißt, sein Kloster hatte schon immer eine der größten Sammlungen an gnostischen und apokryphen Schriften. Was glaubst du, was das für einen Sprengstoff darstellt. Auf solchen Gebieten sind unsere Brüder sehr empfindlich.
Männer, wie er, die zusätzlich in solch einem fragwürdigen Umfeld leben, sind unseren Gralshütern des Glaubens sowieso suspekt. Wenn die ihm die Unterstützung entziehen, dann fält er schneller von der Leiter, als er herunterschauen kann.
Du weißt ja, neben seinem Kloster ist ein Nonnenkloster. Das wohl eigenständig ist, aber es soll da einige verwaltungstechnische Verbindungen geben. Wenn jemand da nachgraben würde, kämen sicher auch andere Verbindungen zu Tage. Mit Sicherheit prisante. Also nur ruhig, wir haben alles im Griff."

"Pass auf! Man hört uns zu. Die Streicher haben aufgehört, und die Lautatio wird bald beginnen."

"Wie ich dieses Theater hasse, aber dir scheint es zu gefallen. Reiss dich zusammen! Wir sind nicht unter uns. Zieh deinen Wanst ein, und halte dich beim Wein zurück! Im Nebenzimmer sitzen einige interessante Herren, vor allem Damen. Ich mache sie dir bekannt."

Die letzten Stunden der sterbenden gemse vereinen für den betrachter leben und tod in einer bequemen und praktikablen art - und so wie alles leben hier sich zuerst extrem polarisiert, strebt es dann doch mit riesenschritten dem tod entgegen, um sich zuvor aber noch zu vereinen, um dann eingeebnet und flach auszulaufen; immer begleitet von der neugierde, die hungrige und ungeduldige, die alles nur noch schwerer verstehbar macht, gerade so, als würde nach dem aufbrechen einer tür dahinter immer eine neue stehen, wird durch sie die erkenntnisfindung zu einem schmerzhaft langen verdauungsprozeß, dem aber durch die immer perfekter gelingende, ihn begleitende hirnorale ausscheidung von wissen jeglicher art die fähigkeit zur anteilnahme an leiden und freuden anderer und an sich selbst verloren geht, bis nichts anderes an gefühlen mehr da ist, als die von der neugierde genährte unruhe, die ständig wächst, weil die neue sicht vermeintlich immer klarer wird, sie oft so schmerzhaft scharf ist, dass das auge erblindet und trotzdem immer mehr vom unbekannten zu erkennen und zu verstehen glaubt, so dann zwangsweise die unruhe sich von der neugierde verselbstständigen muss, ja diese sogar das fleisch und den geist zu beherrschen versucht, beide ES und ER, rastlos vor sich her treibt, nur um ihrer selbst herr zu werden; und um nur irgend etwas zu tun sucht die neugierde den weg hinunter zum wasserfall, aber ein bad im eiskalten schneewasser schafft genausowenig abhilfe, wie das auf dem kopfschlagen der herunterfallen wassermassen des wasserfalls - so wird hastig der weg entlang des baches durch die in dieses land führende schlucht geeilt, und nun ist der neugierde klar, dass der weg in richtung eine intuitiv gesuchte ruhe weist, -wenigstens für kurze zeit-, zurück in die der erdlingswelt weist - weisen muss, wenn die neugierde ihrer unruhe selbst herr werden soll, damit sie wider ihrem drang wenigstens das tempo, wenn schon nicht den weg, vorgeben kann; aber eines ist sicher, sie wird nicht alleine gehen können und nicht alleine bestimmen, was dort draussen zu tun ist, vor allem was dort aussen getan werden kann, denn auch hier in LOORIEN war sie noch nie alleiniger herr ihrer selbst, und schon gar nicht in solchen momenten, wie eben den jetzigen; und wenn die neugierde der unruhe jetzt zumindest eine richtung vorgeben kann, wenn auch zwangsweise, so wird immer dieser manchmal sehr lästige LUG bei ihr sein, weil er vielleicht zum schutz des ELEY oder nur aus einer laune heraus überall dort ist, wo die neugierde ihrer art freien lauf lässt; trotzdem will die neugierde mit oder ohne LUG gehen, muss sie möglichst rasch spüren und fühlen, wie die erdlinge jetzt leben, will sie mit dem reichen volumen ihres neuen wissens unter den erdlingen erfahren und ahnen mit ihren neuen fähigkeiten, will sehen wie die speerspitze ihrer seelenschau im moment des eindringens, ja wenn es geht während des durchdringens; und vielleicht hilft der neugierde dann die zu erwartenden, besonderen erlebnisse, wenn auch nur für kurze zeit bei der beherrschung ihrer unruhe, zumindest so lange bis der verlust der gefühlsmäßigen anteilnahme an anderen bewältigt ist; und LUG scheint auch nichts gegen ein solches vorhaben zu haben, denn er hält sich irgendwo beobachtend im hintergrund.

Das wiedertreffen des steines MOORO, von dem aus alles in diesem land begann, und zu dessen rückkehr nie ein wirklicher glaube vorhanden war, bewegt die gefühle und weckt die erinnerung an den ersten hilflosen schritt; nur, jetzt wird rückblickend das damalige handeln mit anderen augen gesehen, ja, es wirkt sogar die wand zwischen vergangenen und gegenwärtigen auf besondere art transparent und glasklar durchschaubar, weil all die gesichter der alten welt aufgelöst sind, nicht mehr bedrückend und wutentfachend, wenn auch noch immer aufmerksamkeit weckend und nicht weniger interessant, denn die zuvor furchterregenden, hier neu kennengelernten fratzen scheinen auf eine frische art, auf eine andere art zu leben, scheinbar dem ego immer bekannter, wenn nicht gar ähnlich vorzukommen, und doch scheinen beide, die alten und die neuen, unendlich weit voneinander entfernt zu sein, oder umgekehrt: ES ihnen, -wie auch immer- in jedem falle sind sie jetzt wie gute bekannte und vermitteln der neugierde, dass sie hier bei MOORO, an der grenze zur erdlingswelt, warten beziehungsweise sie begleiten werden, bis sie zurück kommt - so bleibt MOORO weit hinten zurück, während die neugierde draussen beim see an der uferstraße auf ein vorbeikommendes auto wartet, das sie zur nächsten stadt bringen soll, aber um diese jahreszeit fahren hier sehr wenige autos, und die, die vorbeikommen, bleiben nicht stehen, denn wahrscheinlich sieht die kleidung des autostoppers so wie seine ganze erscheinung nicht sehr vertrauenserweckend aus, veranlaßt der fahlgrüne spitzhut, die hohen stiefel und die umhangtasche niemanden zum anhalten, und es bleibt vorerst nichts anderes über, als die lange, kurvenreiche seeuferstraße entlang zu gehen, bis die landstraße erreicht ist; und so ist jeder schritt den erdlingen entgegen wie das heraustreten aus einer anderen welt und ein hineingleiten in eine andere - eine welt, die überwunden- und verschüttetgeglaubte gefühle wieder zum vorschein bringt, so dass es vorkommt, als sei die zeit hier draussen an der landstraße nicht dieselbe wie die in LOORIEN, und obwohl sich hier alles zu bewegt darstellt, passiert doch nichts, denn autos tauchen am einen ende der straße auf, nur um möglichst rasch am anderen ende wieder zu verschwinden, und das hotel gegenüber könnte genausogut ein kleiner, spitzer berg mit vielen regelmäßigen dunklen löchern sein, aus denen manchmal erdlinge kommen und wieder verschwinden, und alles das scheinbar ohne sinn und ordnung, vielleicht nur um den drang einer undurchschaubaren dynamik gerecht zu sein, denn es bewegt sich vieles und noch mehr lautes, und doch scheint alles langsam und schweigend zu fließen, obwohl ringsherum die luft mit lärm und gestank gesättigt ist, so dass es schwer ankommt, diese gefüllte luft zu ertragen, aber zum glück bleibt bald ein auto stehen, woraus eine frau im mittleren alter zum einsteigen anladet, aber das einsteigen in ein auto ist ein ungewohnt gewordener vorgang, besonders wenn es sehr klein ist, und deswegen verrenkungen erfordert, die schon lange nicht mehr getan wurden, auch erfolgt das niedersitzen in dem weichen beifahrersitz vorsichtig und tastend, während die augen der lenkerin neugierig diesen wohl für sie sonderbar zu beobachtenden vorgang verfolgen, sich dann aber wieder schweigend auf den verkehr konzentrieren, so dass um die neugierde zu befriedigen die fahrt in richtung irgendeiner stadt weitergehen kann, aber noch ist es lange nicht so weit; auch wird es im auto allmählich viel zu warm, obwohl die fahrt sehr angenehm verläuft, denn das tucken des motors und vibrieren des sitzes sowie das rhythmische neigen des autos in den kurven macht schläfrig, lässt die vorbeiziehenden wälder, berge, bäche und häuser wie aus weiter ferne betrachtet fremd und unwirklich erscheinen; aber zum schlafen in einem lauten und stinkenden auto wurde schließlich der wald nicht verlassen, deswegen sind beide, die neugierde und die lenkerin, froh, als das doch etwas beklemmende schweigen von der fahrerin mit der zu erwartenden frage nach dem wohin und dem woher und warum ein autostoppen in solch einem sonderbaren aufzug unterbrochen wird, und die neugierde erlösend antworten lässt: von irgendwo da hinten aus den bergen, und wen es geht in irgendeine stadt; und nachdem wieder längeres schweigen die gegenseitige bemusterung unterstützt, wird der neugierde eigentlich bewusst, was ihr zuhause in LOORIEN abgeht, denn die lenkerin wirkt irgendwie sehr attraktiv, wenn auch nicht besonders schön, und da kann einer mit einem kahlrasiertem kopf, einem wuchernden bart und einer abenteuerlichen kleidung keinen besonderen, zumindest keinen guten eindruck machen, denn von solch einem fragwürdigen aussehen fühlen sich sicher wenige frauen, wenn überhaupt welche, angetan; aber ihre augen vermitteln offenheit und ehrlichkeit, die stimme hört sich sehr angenehm an, und die proportionen der ausformungen ihrer figur lassen nichts zu wünschen übrig, so dass die vorstellung, wie sie sich etwa im bett ausmachen würde, nur der logische, nächste gedanke ist, besonders weil allmählich bewusst wird, dass in diesem speziellen gefühlsbereich seit dem eintritt in LOORIEN eine krasse unterversorgung gegeben ist, besser gesagt: gar keine vorhanden war; wobei es schon sonderbar ist, dass an allem die neugierde beteiligt sein will, auch an den gefühlen der besonderen art, sie immer versucht alles zu ergründen und überall dabei zu sein, und für sie jetzt auf einmal etwas da ist, das eigentlich eines der wichtigsten bedürfnisse des lebens darstellt, besonders nachem sie in LOORIEN nie nach solch einem verlangte, nicht einmal daran dachte, zumindest bis zu diesem augenblick, -ist das vielleicht einer der preise, den der ELEY zahlen muss?-, auf jedem fall ist unerwartet und mit verlangender heftigkeit dieses verloren geglaubte gefühl wieder da, dessen zurückhaltung weh tut, aber zum glück steht LUG zwischen ihm und dem objekt der begierde, rettet der die situation bevor peinliches passiert, so dass die musterung jedes details dieses objekts ohne irgendwelche komplikationen, oder ohne dass hierbei die augen herausfallen oder sonst unerwartetes passiert, weiter gehen kann, der blick an den weichen rundungen ihres pullovers für kurze zeit hängen bleibt, an den falten ihres rockes abwärts wandert, so dass die versuchung diese bilder zu transparieren, um genauer zu sehen, was darunter sein könnte, das stumme verlangen nur noch steigert, aber die erlösung muss warten, wird wahrscheinlich nie erfolgen, denn vorerst brennt die frage auf der zunge, warum sie überhaupt einen mann mit solch einem heruntergekommenen aussehen mitnimmt, denn schon jetzt ist deutlich, dass ihre welt eine ganz andere sein muss, besonders anders was die kleidung, das aussehen, die sprache und überhaupt die ganze art betrifft, aber auf die frage nach dem mitnehmen antwortet sie: er sei so armselig und mitleiderregend am straßenrand gestanden, dass sie einfach nicht vorbeifahren konnte; nun, das war jetzt sicher kein kompliment, denn ein gefühl der armseligkeit ist trotz der gegebenen umstände nicht vorhanden, aber um der sache nicht allzusehr zu schaden, ist es besser zu schweigen und diese aussage einfach hinzunehmen, denn sofort erfolgt die wiederholung die frage nach dem wohin, und was dort zu tun sei, obwohl ihr schon gesagt wurde: die richtung soll nur in irgendeine stadt führen, um für kurze zeit unter erdlingen zu sein, bevor der winter richtig kommt, und die berge nicht mehr verlassen werden können; wobei diese aussage ihre mit immer größerer verwunderung durchgeführte musterung unterbricht, und sie sich hierbei ein schmunzeln nicht verkneifen kann, so der eindruck entsteht, dass sie ihren gast nicht besonders ernst nimmt, aber das scheint der neugierde ziemlich egal zu sein, denn ihr ziel ist nur so schnell wie möglich weiter zu kommen, besonders weil es in diesem auto immer wärmer wird, und mit der steigenden lufttemperatur scheinbar auch die eigenen, im auto eingesperrten gerüche immer intensiver werden, und deswegen in ES eine scham aufkommt, die das fleisch nur noch weiter aufheizt, denn immer mehr wird bewusst, dass im nebensitz eine frau fährt, die eine nase zum riechen haben muss, und die auch gleich diesen zustand höflich umschreibend mit der frage anspricht: wie es sich so in einem wald leben lässt, wie das ist, wenn man ganz ohne gesellschaft irgend eines menschen lebt, und besonders wie es dort im wald mit der hygiene steht; ihr ist aber schnell klar gemacht, dass es dort bäche zum waschen gibt, dass dort weder die quantität noch die qualität des lebens in irgendeiner form zur debatte stehen, weil die dort einfach keine begriffe darstellen, und eigentlich im wald immer irgendetwas geschieht, denn dort dauert jeder tag wie ein langes leben; was die lenkerin aber nur mit ungläubigen staunen zur kenntnis nimmt, und sie trotzdem bei ihr zuhause die gemeinsame einnahme eines essens und die benützung ihres bades anbietet, wobei sie ihre einladung so betont, dass eine ablehnung ihres angebotes erst gar nicht in frage kommt und zusätzlich die vorteilhaftigkeit einer körperfplege zur behebung des momentanen doch fragwürdigen hygienischen zustandes herausstreicht, so dass eine ablehnung nun wirklich nicht mehr in frage kommt; nur, jetzt wird es im auto unerträglich heiss, der geruch und der schmutz ist nun greifbar, fühlen sich wie ein zu dickes kleid an, das das eigene momentane unwohlsein noch mehr herunterschraubt, die unsicherheit ins extreme steigert, so dass nur die hoffnung bleibt, dass sich das angebot doch nur als ein scherz herausstellt, wobei sich das bedürfnis nach einer generalreinigung immer weniger unterdrücken lässt; aber gott sei dank geht auch dieses verlangen vorüber, denn sie redet unablässig wie ein wasserfall; erzählt, sie sei eine lehrerin und wohne irgendwo in der nächsten stadt, wo sie in einem gymmnasium philosophie und psychologie unterrichte, und sie sagt ganz offen: sie habe gar nicht vor aus solch einem verwahrlosten und irgendwie exotischen exemplar ein sauberes und zivilisiertes individuum zu machen, denn für sie sei er ein unikum, ein interessantes studienobjekt, und da solle er annähernd so bleiben, wie er eben jetzt ist, bemerkt sie kühl hinzu, so dass bei soviel offenheit der neugierde wundern kein ende nehmen will, während gleichzeitig der lenkerin generöses samariterspiel immer mehr in einem beidseitigen wettstreit um den jeweils eigenen standpunkt auszuarten beginnt - ein austausch pseudointellektueller worte, der aber noch lange nicht entschieden scheint, deswegen beruhigen sich die weltanschaulichen fronten wieder, stellt sich ein jeder auf seine art auf eine länger anhaltende konfrontation der höflichen aber hintergründigen anspielungen ein, wobei zumindest am lenkersitz die vorfreude darauf nicht zu übersehen ist, und nur die vorstellung, wie sie sich bei ihrem vorhaben die zähne auspeissen wird, entschädigt den jetzt doch verunsicherten für die vorangegangenen und sicher noch zu erwartenden demütigungen; daher sollte alleine schon deswegen ihre einladung zum mitkommen angenommen werden, um eine chance zu einer revanche zu haben, aber sie redet noch immer unablässig von irgendwelchen dingen, was einerseits dem hilflosen zuhörer zuviel an ungewohnter konzentration abverlangt, andererseits aber doch nach schier endlos scheinender zeit des schweigens in LOORIEN wie balsam auf die wunden der langen freiheit stille wirkt; auch kann, solange sie so vor sich hinredet, den eigenen gedanken nachgegeangen und die beobachtung der landschaft und der erlingswerke ungestört fortgesetzt werden, nur ist jetzt der geruch der erde des waldes, der des kalten rauches von lagerfeuern und der von modrigen baumschatten im auto unerträglich, so dass ohne viel zu fragen das seitenfenster heruntergekurbelt wird, was von ihr einen dankbaren blick einbringt, während sie gleichzeitig auf eine schnellstraße auffährt und sagt: nun sind wir bald zuhause -warum wir? ihr zuhause, und nicht unseres-, sie kann sagen, was sie will und wie sie will, im moment zählt nur der zu erwartende volle bauch, wenn es auch noch nicht so weit ist, denn noch geht die fahrt auf einer beidseitig bewohnten straße entlang, bis zu einer modern gestalteten wohnanlage mit einer tiefgaragenabfahrt, dessen tor sie über eine fernbedienung öffnet, und beim einfahren dann ihr auto wie in einer tiefen rinne eintaucht, wo dann anschließend beim offnen der wagentür sofort dieser sonderbar typische, ewiglange nicht mehr wahrgenommene tiefgaragengeruch nach benzin, nacktem beton und nach autos die aufmerksamkeit der neugierde voll in anspruch nimmt, während hier herunten gleichzeitig ein gelbliches dämmerlicht an der decke diese sonderbar unwirklich düstere welt niederdrückt und ihre dunklen horizonte in weite ferne rückt, so dass gesprochenes unnatürlich leise im raum widerhallend versickert, aber ungeachtet dessen geht die gastgeberin zielstrebig und raschen schrittes in richtung einer aufzugtüre, während die bestaunung der parkenden autos noch immer im gang ist, denn es sind seht teure und elegante autos, und es ist anzunehmen, dass deren besitzer bestens situierte eigentümer der darüberliegenden apartements sein müssen, aber die gastgeberin drängt zum weitergehen, zum schneller gehen, und lässt wenig zeit zum schauen und entlangtasten an den weichrundigen karrosserien, und es wird immer gewisser, dass diese sonderbare welt der erdlinge beklemmend fremd und unverständlich geworden ist, daher ist ein durcheilen dieser düsteren welt wohl angebracht, besonders nachdem die aus der offenen aufzugstüre herausfallende, warme lichtflut und die innenverkleidung des aufzugs aus reinem mahagoni zum eintreten einlädt, aber gleichzeitig die an den aufzugswänden angebrachten kostbaren spiegel die eigene gestalt wie ein gnom oder wie ein aus einer konturlosen welt heraustretender alptraum darstellen; und schon rückt der aufzug sanft, leise und doch schnell abhebend zur steigfahrt an, so dass es für den moment ein herrliches gefühl ist, so scheinbar ohne kraftaufwand an höhe zu gewinnen, ohne diese selbst zusehen, während schon bald ein sanfter ruck den beginn der fahrt einleitend am boden nieder hält, bis nach einer leider zukurzbemessenen zeit ebenso wieder alles anhebend das ende der fahrt ankündet, so dann sich die öffnende aufzugstüre mit einem saugenden geräusche, den dem schwerelosen gefühl nachsinnierenden den blick in einen matterleuchtenden, überbreiten und mit allen möglichen modernen skulpturen bestückten gang frei gibt, dessen ende ein offenes stiegenhaus wie ein runder sich verselbstständigender glasturm abschließt, der der architektur einen klinisch sterilen charakter aufzwingt, alles täuschend hygienisch sauber und chromblitzend seelenkalt darstellt, obwohl es hier herinnen sehr heiss ist, und überall aufdringliche gerüche von putzmittel, erdlingen und mauerwerk dem ordentlich lüge straft, aber dessen ungeachtet geht die gastgeberen zielstrebig und selbstsicher auf eine tür zu, sperrt sie auf und fragt den zurückbleibenden: was im gang aussen so besonderes zu sehen sei - natürlich nichts, nur ist alles hier so steril, lichtlos glänzend und wirkt doch trotz der freudigen erwartung sehr belastend, so dass jeder schritt in das leben dieses hauses hinein vorsichtig und mit bedacht erfolgt, um diese fremdgewordene welt auf die neugierde wirken zu lassen, die diese immer wieder mit der welt LOORIEN's vergleicht, wo im gegensatz zu hier in schwierigsten gelände jeder schritt sicher ist, es hier aber wie ein waten in einem raumfüllenden, marmornen sumpf ist, über dem ihre dringliche aufforderung zum eintreten sonderbar fern herüberklingt, bis ein hastiges über die schwelle eilen sie endlich zufrieden zustellen scheint, wobei in der hast das namensschild an der wohnungstüre nicht gelesen werden konnte, was sie sofort bemerkte und gleich mit der bekanntgabe ihres vornamens nachholt, nicht ohne zugleich den des besuchers zu verlangen - ein name, der sofort wieder ihre neugierde weckt, so dass ihr mundwerk nicht mehr zu halten ist, und sie fragt: was denn YUHA eigentlich heisse, und von wo dieser name herkomme; nur, diese frage ist dem gast im moment nicht wichtig, wenn dieser name jemals überhaupt irgend jemanden wichtig sein wird, und für eine bekanntmachung bleibt noch genügend zeit, aber vorerst steht die erkundung dieser wohnung am programm - eine wohnung, die mit jedem schritt hinein sich immer weitläufiger öffnet, sie sehr groß zu sein scheint, zu groß für eine alleinstehende frau, die die erkundung mit wachen augen verfolgt, als gäbe es da ein gewisses risiko abzuschätzen, und die den fragenden blick nach ihrem alleinesein sofort versteht und lächelnd sagt: sie sei ihr alleiniger herr beziehungsweise herrin, und könne sich diese wohnung leicht leisten, weil sie neben ihrem lehrberuf noch in einem institut in münchen als psychologin im interdisziplinären bereich arbeite, wo sie besonders gut verdiene; aber diese aussage verschärft nur die momentan heikle situation des gastes, macht diese noch schwerer ertragbar, weil ihm immer klarer wird, dass das kommende essen ein harter gang wird, und es so aussieht, als würden sich früher oder später zwei mühlsteine lautlos und ohne korn aneinander reiben, dafür aber mit umsomehr druck; nur, ein aussteigen nützt jetzt nicht mehr, die situation ist gegeben, und deswegen wird die erkundung der wohnung fortgesetzt ohne auf weitere fragen einzugehen, denn alleine schon die überall herumliegenden sündteuren, vorsichtig wie fallgruben umgangenen teppiche fesseln die aufmerksamkeit, welche von ihr mit einem stolzen lächeln in den augen wahrgenommen und zuguterletzt mit einer beiläufigen handbewegung quittiert wird, nur um dann mit umsomehr wohlgefallen die offensichtliche beachtung der an den weißen wänden hängenden bunten und modernen bilder, sowie die vielen herumstehenden afrikanischen kultgegenstände in sich aufzunehmen, wobei zusätzlich noch die an einigen wänden bis zur decke reichenden, vollen bücherregale und über das ganze wohnzimmer verteilten, schwarzledernen sitzmöbeln und sonstige dunkel glänzende, locker verstreut herumstehende möbelstücke das bild von intellektueller gediegenheit und aufgeklärtem modernismus abrundet - eine abrundung einer wohnlandschaft, bei deren betrachtung sich beider blicke öfters kreuzen, und so der stolz der gastgeberin auf ihre wohnung immer mehr zum vorschein kommt, ihr die selbstgefälligkeit wahrscheinlich zum erstenmal seit dem einsteigen ins auto den mund verschließt, sie zumindest vorläufig keine fragen mehr stellt und mit wohlgefallen das erkunden ihrer wohnung offen vor sich gehen lässt - das erkunden eines fluidums einer ungewöhnlichen wohnlandschaft, das die ursache von erinnerungen darstellt, unter denen alle schranken, alle hemmungen fallen, und die den gast doch zu widernatürlich langsamen bewegungen zwingen, ihn erfurchtsvoll über die rücken kostbarer bücher in den regalen entlangfingern lassen, und ihn wie einen süchtigen zum herausnehmen einiger auserwählter prachtstüche zum allseitigen befühlen und einsehen nötigen, so er wider willen immer tiefer in eine schon lange entwöhnte und niemals mehr vermisst geglaubte welt zurückgeholt und eingetaucht wird, wo dann jede berührung einer sakralen handlung ähnelt, und schweigend und mit wehmut sich die neu auftuenden alten gefühle wieder beleben, bis die zeit ihr recht verlangt, und die gastgeberen, die inzwischen in die küche gegangen ist, von dort herausruft: er solle nun schon sein stinkendes gewand auf der terrasse über einen kleiderbügel zum lüften aufhängen, dann ins bad gehen und seine wäsche in die waschmaschinentrommel geben, auch sei im bad alles vorhanden, was er für eine große reinigung brauche, er solle sich nur etwas beeilen und nicht so langsam herumschleichen - nun kommt er sich, auf diese art aus seinen träumen und erinnerungen gerissen, bei solch einem kommando wirklich wie ein kleines kind vor, und wenn er auch nichts gegen eine wohlwollende bemutterung hat, so sollte doch nach seinen vorstellungen auch eine solche eine grenze haben; nur, irgendwie hat sie schon recht, denn ihrer welt war er zu lange fern und findet sich in ihrer hastigkeit und dynamik nicht mehr zu recht und fühlt sich in ihr auch nicht wohl, wobei ihm schon das aufhängen des übergewandes auf der terrasse nicht leicht fällt, weil vielleicht von irgendwo her jemand zusehen könnte, und anschließend unter dem unverfrorenen blick der gastgeberin der weg ins bad mit der alten, löchrigen und flattrigen unterwäsche an wie ein spießrutenlauf ist, und er sich hierbei sehnlichst wünscht, dass sie doch etwas gefühl aufbringen und wegsehen könnte, aber sie lächelt nur hämisch mitleidig, und das giftet mehr als alle verbale kritik, auch seine magere und ausgemergelte gestalt scheint sie mit absicht nicht zu übersehen, bemustert sie sogar im detail, so dass er sich fragt, ob sie vielleicht pervers ist oder nur die schadenfreude und die situation auskosten will, und mit wehmut erinnert er sich an die zeit, bevor er nach LOORIEN kam und sich seiner figur nicht zu schämen brauchte; aber was solls, das bad ist ein wahres luxuszimmer, und er stellt sich zum wiederholtenmale die frage: was eigentlich eine lehrerin nun wirklich so verdiene - jetzt aber sofort raus aus der wäsche, diese hinein in die waschmaschine und das badewasser einlassen, dessen plötzlich dröhnendes einlassgeräusch einen schock bewirkt, und er sich auf einmal fragt: warum es hier im haus überall so laut ist, warum die wassermischung nicht gelingen will, ihm viel zu heiß, alles zu warm und die luft viel zu feucht ist, zu dampfgeschwängert - ihm, der sich immer unwohler fühlt, der seine hilflosigkeit, seine minderwertigkeit, überhaupt alle umstände auf das heftigste verflucht und zuguterletzt sogar sein hiersein in frage stellt - dem entgegen scheint nur mehr kaltes wasser in der badewanne zu helfen, und auch das ist immer noch schockartig warm, besonders wenn die eiskalten bäder in den mit glasklaren bachwasser gefüllten felsenschalen in LOORIEN in erinnerung sind, auch der verwegene versuch einen schuss bodylotion dem wasser beizugeben ist ein schuss daneben und bedingt ein neuerliches füllen der wanne und ein abreiben der öligen haut, denn dieses mittel riecht ekelhaft, viel zu stark, schmerzt sogar wie ätzende dämpfe in den nasengängen und ölt die haut so ein, als müsse diese darunter ersticken.

Das kalte Badewasser ist immer noch viel wärmer als das zuhause in LOORIEN und schwappt öfters mit einem lautem Platsch über den Wannenrand auf den Fließenboden. Bald ist der kleine Bodenvorleger durchnäßt, und eine Wasserpfütze breitet sich aus.

Hier ist alles so eng. Jede Bewegung hat Folgen, endet rasch an irgendeinem umstürzenden Gegenstand, an einer Wand oder einfach nur an der ungewohnt kurzen Distanz.

Trotzdem lässt das Ambiente, die leisen Stimmen aus den anderen Apartements, die von irgendwoher verhalten klingende Musik und die mit warmer Feuchte gesättigte Luft des Badezimmers, wie auch das nun doch angenehm zu kühlen beginnende Wasser Wohlbefinden und Schläfrigkeit aufkommen.

Irgendwann ruft die Gastgeberin durch die geschlossene Badezimmertür: sie müsse herein, um die Waschmaschine zu programmieren. Eine Antwort wartet sie erst gar nicht ab und tritt einfach ein. Fragt ihn so nebenbei, ob er etwas brauche und programmiert die Maschine. Mitgebracht hat sie zwei gefüllte Weingläser, die sie wortlos auf den verfliesten Wannenrand stellt. Er sagt ihr aber, dass er keinen Alkohol vertrage, ihn nicht gewöhnt sei und daher nur ein Glas Wasser möchte.

Das laut startende und immer lauter werdende schlurfende Geräusch der laufenden Waschmaschine wirkt auf ihn wie nicht aufhören wollende Paukenschläge und verschafft ihm in der vollen Badewanne Platzangst, die er nur mühsam unterdrücken kann. Und während schon die Wände auf ihn einzudringen beginnen, schrumpfen und dehnen sich die Dimensionen des Zimmers einmal in die Länge und dann wieder zurück. Und nur um der Gastgeberin keinen weiteren Grund zur Schadenfreude zu bieten, lässt er sich nichts anmerken.

Das Weinglas rührt er nicht an, und sie bringt ihm auf seinen Wunsch ein Glas Saft, nachdem es ihm doch gelang ihr zu erklären, dass er beim Genuss von Alkohol die Kontrolle über sich verliere. "Das wäre für mich kein Problem", sagt sie, und weiter: "Ich bin Frau genug, um mich von solch einem Ausgemergelten, wie dich, erwehren zu können".

Ihre ätzendes Art der Erteilung eines Kompliments, wenn es auch vielleicht von ihrer Seite lustig klingen sollte, ärgert ihn nun nicht mehr. Dafür ist er jetzt viel zu müde, und will sich nur mehr dem wohligen Befinden des Faulseins in einer ungewohnten Umgebung hingeben. Auch fragt er sich, was für ein Sternzeichen sie wohl sei, und ob das ihrige sich mit einem Skorpion verträgt? Aber für Fragen ist er jetzt viel zu faul. Er will im Moment überhaupt nichts reden, sondern nur genießen und sich mit geschlossenen Augen im schmutzigen Badewasser sulen.

Nach einem vorsichtigen Schluck aus dem hingestellten Glas Saft, rührt er auch diesen nicht an, denn der Saft schmeckt ihm viel zu süß und zu intensiv. Daraufhin sagt sie nichts, aber ihr Augen mustern ihn wie ein exotisches Tier. Wie könnte er ihr auch klar machen, dass der Geschmack dieses Saftes fast weh tut, obwohl er ein beginnendes Verlangen nach Süßigkeiten in sich spürt.

Sein Körper ist sehr mager, überall stehen die Knochen hervor, die Rippen bilden ein steifes und sichtbares Korsett, und nur die straffe Haut und die überallhervortretenden Sehnen scheinen diesen Körper zusammenzuhalten.

Richtig wohl fühlt er sich erst, als sein magerer Körper von einen Morgenmantel eingehüllt ist. Dieser Mantel mit seinen ungewohnt weichen Stoff ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Mantel, der die jetzt saubere, aber auch sehr verletzbar scheinende Haur vor allzuneugierigen Blicken schützt.

Die Waschmaschine rumpelt, und die Gewissheit bald saubere Wäsche zu haben, sowie die nicht hierher gehörenden eigenen Gerüche losgeworden zu sein, hebt sein Selbstwertgefühl, und lässt ihn dem Kommenden mit mehr Sicherheit entgegen schauen.

An der Wohnungstüre klingelt es, und ein leises Gespräch ist zu hören. Bald darauf läd die Gastgeberin ihn durch die halboffene Badezimmertür zum Essen ein.

Mit wachsenden Wohlbefinden wandelt sich auch die Atmosphäre der Wohnung. Sie wirkt nun nicht mehr so fremd und groß. Auf dem Tisch steht ein warmes Essen. Sein Blick fragt sie, wer das an der Tür war? Es ist ihr anzusehen, dass sie darauf nicht gerne antwortet. Sie sagt aber mit einen gewissen Trotz: "Es war der Servicemann, und der hat das Essen gebracht."

Die im Raum schwebende, unausgesprochene Frage, warum sie nicht selber koche, scheint sie zu spüren. Deswegen sagt sie herausfordernt: "Ich kann nicht kochen. Und überhaupt bin ich für solche Arbeiten zu faul. Wenn du es genau wissen willst, zweimal in der Woche kommt eine Reinigungsfrau, die mir die Wohnung in Ordnung hält. Nur, was geht das eigentlich dich an - oder?"

Seine scheinheilige Feststellung, dass das furchtbar teuer sein müsse, lässt sie nicht aus der Reserve locken. Sie sagt nur lächelnd: "In meinen Kreisen ist das so üblich. Ich arbeite oft Tag und Nacht, und da habe ich für solche Späße weder Lust noch Zeit. Reicht das endlich? Jetzt habe ich aber einige Tage frei, und die will ich mit dir verbringen. Besser gesagt, mit deiner so sonderbaren Art." Auf seine Frage: "Warum gerade ich?" Antwortet sie: "Ein solches Exemplar, wie du es darstellst, ist mir noch nie untergekommen."

Auf ihre fordernde Frage, doch etwas über sich zu erzählen, will er nicht antworten. Daher tut er so, als höre er die Frage nicht. Besonders weil er sich von ihr immer noch verschaukelt und für nicht voll genommen fühlt.

Während das Essen schweigend eingenommen wird, beginnt sie wieder vorsichtig tastend und mit komplizierten Umschreibungen nach seiner Herkunft zu fragen und lässt hierbei keinen Blick von ihm. Um auf ihre fordernden Fragen einzugehen schmeckt ihm das Essen viel zu ungewohnt, viel zu würzig und zu warm, gerade noch an der Grenze des Ertragbaren. Er fragt sich, ob er es überhaupt bei sich behalten kann und stählt schon verstohlen zur Klotüre. Zusätzlich breitet sich in ihm eine tiefe Müdigkeit aus, und ihre Bestrebungen, mehr von ihm zu erfahren, nimmt er schon gar nicht mehr war.

ES bleibt ihr nichts anderes über, als den Ort zur Befriedigung ihrer Neugierde ins Schlafzimmer zu verlegen. Seine Müdigkeit ist aber schon so groß, dass er nur mehr das Notwendigste wahrnimmt, und sie ihm den Weg ins Schlafzimmer weisen muss. Aber so hat sie sich ein informatives Gespräch nicht vorgestellt und gibt ihm das auch mit beißend ironischen Unterton zu verstehen, indem sie sagt: "Ich war immer der Meinung, die Männer vom Land, und besonders solche wie du, sind aus anderem Holz geschnitzt." Nachdem sie hierauf bei ihm keiner Weise irgendeine Reaktion sieht, legt sie gehörig zu und sagt weiter: "Du bist ja noch schlapper, als all die anderen Waschlappen, die ich kennengelernt habe. Stark seit ihr alle mit dem Mundwerk, und das auch nur wenn ihr nicht alleine einer Frau gegenüber steht. Verfluchter Schlappschwanz! Zu was füttere ich dich hier eigentlich durch?" Hängt sie mit samtweicher Stimme an.

Solche Anschuldigungen hört er schon gar nicht mehr. Ihm ist es gleich, was sie ihm in ihrer so hämischen Art an den Kopf wirft. Im Moment zählt nur das ersehnte Bett im Schlafzimmer. Und schon fällt er wie ein Stein ins breite Geviert.

Nochmals, zum wievieltenmale in dieser verfluchten Wohnung, wird er geschockt. Schon im Fallen ist er wieder putzmunter, denn dieser Fall scheint kein Ende zu nehmen. Das Bett empfängt ihn viel zu weich und hängt durch wie eine Hängematte. Für ihn, der für seinen Schlaf nur harte und ebene Böden kennt, ist solch ein Bett wie eine einzige, riesige Falle, die im Moment des Hineinfallens allseits zuschnappt. Der nicht enden wollende Fall endet erst, als die Matratze seinen Körper zurückfedert, und ihn der Schrecken mit einem Satz aus dem Bett wirft, so dass er irritiert am Bettrand zu stehen kommt.

Ihrerseits kommt sie aus dem Wundern nicht mehr heraus und fragt sich, was sie sich da für einen verrückten Typen eingeladen hat? Sagt aber nichts und beobachtet mit Staunen, wie er einen Polster nimmt, sich neben dem Bett auf den Boden hinlegt und mit dem Bademantel zudeckt. Nun versteht sie immer weniger und fragt sich nochmals, ob sie es mit einem Verrückten zu tun hat? So etwas ist ihr noch nie untergekommen, denkt sie sich.

Inzwischen ist zu hören, dass er eingeschlafen ist. daraufhin lässt sie ihn in Ruhe. Nimmt sich aber vor, ihn dafür am Morgen umso mehr in die Mangel zu nehmen.

Sein Schlaf wird immer wieder durch Geräusche aus den Nachbarwohnungen unterbrochen. In der Nebenwohnung, unmittelbar hinter der Schlafzimmerwand, will das Gestöhne und Gejammer eines Geschlechtsverkehrs kein Ende nehmen. Die zu vermutenden akrobatischen Leistungen mit dem begleitenden konzertanten Bettgequitsche gehen nun schon mehrere Stunden und setzt nach kürzeren und längeren Pausen immer wieder von neuem ein.

Er fragt sich, was sind das nur für Erdlinge in diesem Haus, und warum bemerkt seine Gastgeberin nichts von all dem Geschehen? Normal müssten solche Geräusche mit Hilfe der Phantasie zu Taten stimulieren. Besonders nachdem deutlich zu hören ist, dass auch die Gastgeberin keinen Schalf findet, und sie still liegt, als warte sie auf irgendetwas. Aber im Zimmer ist es viel zu heiß. Der Fußboden wird durch die darunterliegende Bodenheizung unerträglich warm aufgeheizt. Die Luft scheint zu verdicken. Seine Haut beginnt zu glühen, während sich in seinem Kopf ein immer beklemmender Druck aufbaut, so dass er zum Aufstehen gezwungen ist.

Die Ruhe ist vorbei. Ein Schlaf ist nun nicht mehr möglich. Von überallher kommen ungewohnte und aufdringliche Geräusche, die dieses Haus mit seinem erdrückenden Klima und seiner krankmachenden Spannung zu einem Ort des Leidens machen. Diese Haus besteht nur aus totem Leben.

Er steht auf und geht ans Fenster, weil ihn die von einer tief unten liegenden Straße herauf scheinende Straßenbeleuchtung schon lange stört. So schiebt er den dünnen Vorhang zur Seite um nach der Lichtquelle zu spähen und sieht in ein Zimmer mit einer bis an die Decke reichenden Holztäfelung.

Im Zimmer ist es angenehm warm. Vielleicht eine Spur zu warm, aber diese Wärme passt zu den schweren, nussbraunen Möbelstücken. Das Ambiente des Zimmers vermittelt Geborgenheit, Sicherheit und die Kontinuität des Glauben in diesem Haus.
Auch Marias etwas zu gediegen scheinende Beständigkeit ist an ihren überall im Zimmer herumstehenden persönlichen Sachen zu erkennen und zu spüren, obwohl ihr im Moment die Beständigkeit bei der Erledigung von Routinearbeiten sehr schwer fällt. muss sie doch den immer wieder anfallenden Verwaltungskram erledigen, weil der Stichtag für die Ablieferung des Monatssaldo der Betriebsabsrechnung des Klosters schon überschritten ist.

Der Knabe Andreas schläft mit entspannten Gesichtszügen auf Marias Schoß, während sie mit ihrer Hand die Zahlenkolonnen addiert und abhakt. Sein Atem geht leise und regelmäßig, und mit seinen kleinen, aber schon kräftigen Armen klammert er sich fest an ihre Hüfte und liegt schwer auf ihren Schoß. Unter solchen Umständen ist die Schreibarbeit nicht leicht zu bewekstelligen, aber sie muss doch getan werden. Den Knaben deswegen aufwecken will sie nicht, denn solche Momente, wie diese, wo er ihr so nahe ist, sind die schönsten in ihrem Leben.

Wohl hat sie freiwillig vor Gott vielem entsagt und hat sich mit ganzen Herzen für ihn entschieden, doch die kurze Zeit, die der Knabe immer wieder bei ihr verbringt und ihr dann auch so nah ist, will sie in keinem Fall missen. Sie glaubt, Gott habe für ihre Bedürfnisse Verständnis. Wie könnte er auch die Liebe zu einem kleinen Kind verurteilen? Auch wenn sie diesen Knaben mehr liebt als alles andere, vielleicht sogar mehr als ihn. Das spürt sie besonders, wenn er so wie jetzt, wie eine Klette an ihr hängt.

Sie weiß, der Knabe liebt auch Josef, aber für ihn ist sie seine Mutter, und sie will sie auch so lange wie möglich, mit allem was ihr hierfür zur Verfügung steht, sein.

In letzter Zeit ist das Kind etwas irritiert, ist besonders gereizt. Er ist eifersüchtig auf Maria, wenn Josef ihr auf seine nicht immer diskrete aber doch charmant unbeholfene Art den Hof macht. Dann hat der Kleine eine Härte in den Augen, die ihr sehr weh tut. Fühlt er sich aber dabei ertappt und spürt ihren um Verzeihung bittenden Blick, so nimmt er sofort die Schärfe aus seinen Augen, kommt schnell zu ihr und drückt sich fest an ihren Fuß. In solchen Momenten ist Josef auch ein Anderer. Da bemerkt dann Maria deutlich, dass er plötzlich sehr schweigsam sein kann und sich in sein Innerstes zurückzieht.

Der Schlaf lockert dem Kleinen seine Umklammerung so weit, dass Maria ihn mit einer Hand stützen muss. Nun ist an Arbeit nicht mehr zu denken. Deswegen lehnt sie sich in ihrem Stuhl weit zurück, damit er angenehm auf ihrem Bauch zu liegen kommt. Angenehm auch für sie, denn in solchen Augenblicken denkt sie an nichts und an niemanden und gibt sich nur dem Gefühl der Berührung und der Einheit mit dem Knaben in der Stille ihrer Kanzlei hin.

Mit der Zeit muss sie immer mehr gegen das Einschlafen kämpfen, und wie wäre es dann um ihre Autorität bestellt, wenn sie so von einer ihrer Schwestern überrascht würde. Daher ist sie einerseits dankbar und andererseits doch ungehalten, als es an der Türe klopft. Ein Herein wird erst gar nicht abgewartet, denn schon öffnet sich die Türe.

Maria ist sehr ungehalten, weil Josef betont leise auftretend auf Zehenspitzen hereinkommt und ebenso leise die Türe hinter sich schließt. Mit lauter und zorniger Stimme sagt sie: "Du weißt, du sollst so nicht hierhereinkommen. Schon gar nicht schleichend wie ein Dieb. Was sollen meine Schwestern davon denken. Wo es doch schon genug Neider unter ihnen gibt. Was willst du? Setz dich erst gar nicht, und fasse dich kurz!"

"He! Nicht so zornig!. Habe ich dich vielleicht gestört?" Für diesen Empfang muss ich ihr eines auswischen, denkt sich Josef und sagt: "Diese Bild, mit dem Knaben auf dem Schoße, lässt mich einiges vermuten."

Der Knabe ist inzwischen munter geworden, reibt sich die Augen und sieht beide nur schweigend an, rührt sich aber nicht vom Fleck. Maria spürt, wie Andreas sich auf ihrem Schoß schwer macht, zugleich sich versteift und gleichzeitig zu zittern beginnt.

Gereizt sagt sie: "Was willst du da etwa vermuten? Da kann ich mir bei deinem Hereinschleichen wohl etwas ganz anderes denken."

Der Knabe macht sich immer schwerer, und Maria sagt zu sich, was ich nun tu, ist sicher nicht richtig, aber der Kleine wird sowieso zu sehr von mir verwöhnt. Sie sagt zu Josef: "Warte einen Moment, er ist beim Einschlafen, und däfür ist der Tag noch zu jung."

Maria klingelt nach Schwester Anna, und lässt den Knaben aus dem Zimmer führen. Andreas sträubt sich nicht, aber sein Blick ist ein einzig großer Vorwurf, und sie nimmt sich vor, ihn am Abend dafür zu entschädigen. Der Knabe weiß auch genau, dass er nach solchen Momenten von ihr früher oder später mit umsomehr Liebe bedacht wird.

So leicht will Andreas es ihnen aber nicht machen, schon gar nicht Josef. Bewusst zeigt er ihnen ein besonders verbittertes Gesicht und sieht hierbei nur Josef an, obwohl er Josef nicht weniger liebt als Maria, nur auf eine andere Art. In solchen Augenglicken haßt er ihn und denkt gar nicht daran diesen Haß zu verbergen.

Nachdem Andreas mit Schwester Anna das Zimmer verlassen hat, sagt Joser nicht ohne Bitterkeit: "Andreas scheint mit mir beleidigt zu sein. Manchmal glaube ich, er haßt mich, und ein anderesmal ist er wieder besonders leib und anhänglich. Es sieht fast so aus, als gäbe er sich oft gerade so, wie er es für den Moment richtig hält. Ich weiß nicht ob das Berechnung oder doch nur das Zeigen von Gefühlen ist. Da sage ich mir dann immer, er ist noch ein Kind, und solch ein berechnendes Verhalten müßte ihm eigentlich fremd sein."

"Von Kindern verstehst du nichts!" Sagt Maria ihm so mit einem Unterton, als würde er sie auch nicht verstehen, und fährt betont verbittert fort: "Autoritär kannst du mit deinen Patres sein, aber Kinder brauchen das Entgegenbringen von Gefühlen und Liebe, und die muss man ihnen auch deutlich zeigen und geben. Aber ihr Männer müßt ja immer Männer sein. Für euch ist Liebe, wenn es nicht gerade um die Eroberung einer Frau geht, ein Zeichen von Schwäche."

Unruhig rutscht Josef auf seinem Stuhl hin und her, denn dieses Thema erfüllt ihn mit Unsicherheit, aber auch mit Eifersucht, daher sagt er etwas grob: "Du gibst ihm zuviel Liebe. Einen Teil davon kannst du ruhig wieder mir geben."

Maria lehnt sich nun provoziernd langsam in ihrem wuchtigen Stuhl zurück und sieht ihn an, als stünde eine junge Novizin vor ihr, denn nun weiß sie, dass sein Ego wieder einmal einen Knaks bekommen hat, der ihn, Gott sei Dank, für einige Zeit bescheidener sein lassen wird.

Aber so billig will Maria die augenblickliche Situation nicht herschenken und hängt noch mit Genugtuung, mit leisem, klarem und wohl moduliertem Tembre in ihrer Stimme an: "Rede keinen Unsinn! Dieser Kleine braucht mehr Liebe als jeder andere, und du kommst ohne Liebe sehr gut zurecht. Deine Liebe gehört deinen Erfolgen und dem Ausbau deiner Macht. Du willst von mir sowieso nur das eine, das, was ihr Männer immer von den Frauen wollt. Und das heißt dann bei euch auch noch Liebe. Das war einmal, und wird es nie mehr wieder geben!"

Josefs Erfolge innerhalb seines Ordens machen auch Maria stolz, nur will sie das niemanden zeigen, schon gar nicht Josef. Ihr selbst gegenüber will sie diesen Stolz keinesfalls leugnen, denn an Josefs Aufstieg ist sie mit einem beträchtlichen Anteil beteilig, denn Taktik und Strategie für das Erreichen seiner Ziele erstellt im wesentlichen Maria. Sie besitzt hierfür nicht nur einen scharfen, analytischen Verstand, sondern auch im ausreichenden Maße, das den Frauen meist gegebene intuitive Denken. Ihrer gemeinsamen Liebe gegenüber hat sie aber ein zwiespältiges Verhältnis, das sie Josef nicht ohne Grund immer mehr spüren lässt. So sagt sie abschließend um weiterarbeiten zu können: "Sag endlich warum du gekommen bist, und was du willst!" Natürlich weiß Maria, was Josef will, wenn er mit einem Pack Zettel in der Hand wie ein betretener Bittsteller vor ihrem Schreibtisch steht.

Wenn Josef Maria jetzt nicht so notwendig bräuchte, würde er einfach kommentarlos die Kanzlei verlassen, denn jeder Streit mit ihr bringt ihn immer für einige Zeit aus dem Gleichgewicht. Deswegen bittet er Maria nun ruhig und leise, ohne seinen sonst energischen Ton: "Ich muss mein überarbeitetes Traktat über 'die Neue einheitliche Generalkonstitution' nach Rom schicken. Lies es bitte in Ruhe durch, und sag mir dann deine Meinung. Ich benötige es aber wieder spätestens in drei Tagen - wenn es geht, bitte."

Maria beginnt auffallend selbstgefällig und mit dem Bewusstsein, dass der angeblich so gescheite Josef die Hilfe einer Frau benötigt, das Traktat durchzublättern, während er mit wehmütiger Miene jede ihrer Bewegungen aufmerksam verfolgt, und sich zum wiederholten Male denkt, wie schön diese Frau und wie stark ihre Persönlichkeit ist. Sie sollte nicht hier in diesem Stuhl sitzen, sondern dort, wo sie ganz Frau sein kann. Wenn es geht im Bett. Mein Gott möge mir das verzeihen.

Maria kommt mit dem Durchblättern des Traktates nicht weit, denn in diesem Moment klopft es leise aber doch energisch an die Kanzleitür. Ihr gewohntes 'herein' ist kaum ausgesprochen, schon wird die Tür so aufgestoßen, dass sie mit lautem Knall an die Wand schlägt. Eine Schwester eilt aufgeregt mit hochrotem Gesicht über die Schwelle und stammelt atemlos irgendwelche Worte den Überraschten entgegen.

Nach einigen Versuchen die Botschaft zu überbringen und die beruhigende Aufforderung Marias doch leiser und langsam zu sprechen, gelingt es der Schwester die ersten zusammenhängenden Worte an Josef zu richten: "Die Juden! Die Juden! Die werden unten in der Stadt, am Fluss zusammengetrieben. In der ganzen Stadt werden sie eingesammelt und zum Fluss gejagt. Sie alle - alle!

Einige sollen schon erschlagen worden sein. Dort unten passiert Fürchterliches! Laufen sie hinunter Guardian! Helfen sie - halten sie sie auf! Verhindern sie das Schreckliche! Bitte! Meine Verwandten sind unter den Gefangenen."

Die Schwester bricht weinend zusammen und versperrt dem aufspringenden Josef den Weg durch die Tür, und sein Stuhl, den er beim Aufspringen umgestoßen hat, hindert Maria ihrer Schwester sofort zu Hilfe zu kommen. Bis Maria neben der schluchzend an Boden knienden Schwester ist, springt Josef schon über die Weinende und läuft anschließend den langen Gang entlang, der zur Pforte führt.

Von überallher öffnen sich Türen, oder stehen schon Schwestern mit nichtverstehenden, großen Augen im Gang umher. In diesem Haus, wo sonst die Ruhe nur durch die Gebetsglocke unterbrochen wird, ist jetzt ein lautes Fragen und Rufen, so dass die Schwestern, die Josef den Gang entlang laufen sehen, sich verstört an die Wände drücken.

Josef ist schon an der Pforte, reißt diese auf und springt, seine Kutte mit beiden Händen hochhaltend, über die Schwelle auf den Weg, der in die Stadt hinunter führt. Immer wieder sagt er sich: "Nun geschieht es, passiert es auch hier. Und das in meiner Provinz, in meiner Stadt.

Der Bürgermeister muss seine Drohung wahr gemacht haben. Wahrscheinlich sind seine Schulden, und die vieler anderer einFlussreicher und angesehener Bürger bei den Juden zu groß geworden. Aber warum immer wieder diese Gewalt? Warum ausgerechnet in meiner Stadt? Nimmt das in unserem Land nie ein Ende?

Unterwegs, auf dem Weg zum Fluss, trifft Josef auf einen von der Stadt heraufeilenden Bruder und ruft ihm zu: "Laufe ins Kloster. Sammle alle Brüder und kommt so schnell ihr könnt zu Fluss hinunter, um das Schlimmste zu verhindern!"

Schon läuft er weiter und wartet erst gar nicht eine Bestätigung, einen Bricht ab, denn er weiß sowieso, was dort unten im Moment geschieht. Es ist immer dasselbe, hat immer die gleichen Ursachen und leider auch die gleich schrecklichen Folgen. Solch grauenvolle Geschehen erlebte er schon an anderen Orten. Aber in seiner Provinz, sogar in seiner Stadt hielt er so etwas nicht für möglich. Josef weiß, wenn tatsächlich was schreckliches geschieht, und er das Schlimmste nicht verhindern kann, dann hat er versagt, und man wird ihn innerhalb des Ordens zur Rechenschaft ziehen.

Sein Lauf wird von hellem, klarem Kindergesang unterbrochen.

Maikäfa fliag,
Der Vota isch im Kriag,
Die Muata isch im Owalond,
Owalond isch ogebront,
Maikäfa fliag.

Eine Gruppe von Kindern sitzt auf einen aufeinander geschichteten Baumstappel in einer sonnenüberfluteten Waldlichtung neben einer Holztrift. Sie halten die Hände mit den spitzen Zeigefingern in die Höhe und lassen Maikäfer zur Fingerspitze hinauf kriechen. Er ist fassungslos. Wissen denn die Kinder nicht was in der Stadt los ist?

Immer wenn ein Käfer von einer Fingerspitze wegstartet, klatschen die Kinder, deren Käfer schon fort geflogen sind, begeistert mit ihren kleinen, zarten Händen. Will ein Käfer nicht von der Fingerspitze wegfliegen, so singen sie im Chor mit ihren glockenklaren Stimmen:

Maikäfa fliag,
Der Vota isch im Kriag,
Die Muata isch im Owalond,
Owalond isch ogebront,
Maikäfa fliag.

Sie wissen nicht, von was sie singen, denkt sich Josef, und sinniert weiter: dies ist ein scheinbar harmloses Kinderlied aus dem Dreißigjährigen Krieg. Und Gott sei Dank ahnen die Kinder scheinbar nicht, was im Augenblick unten in der Stadt passiert. Sie wissen nicht was sie tun, und umso mehr ahnt er das Kommende. Er beginnt nun noch schneller zu laufen.

Schwer atmend erreicht Josef den Rand eines steil abfallenden Rains, von dem aus er einen freien Blick auf den unmittelbar unter ihm liegenden Fluss hat.

Zuerst fallen ihm die vielen Menschen auf der Brücke auf, die jaulend am Brückengeländer auf und ab springend Gegenstände auf das stadtseitige Flussufer werfen. Dort stehen auf der gesamten Länge des Ufers verteilt dichte Reihen von Menschen, die schweigend eine Szene umgeben, die Josef erst jetzt richtig bewusst wird.

Direkt unter ihm, am Ufer, liegen fein säuberlich aufgereiht eine lange Reihe von Männern und Frauen mit eingeschlagenen Köpfen. Alle sind sie nackt. Ihre Kleider liegen daneben zu einem hohen Haufen geworfen und werden eben angezündet.

Das Grauen gräbt sich tief in Josefs Gesicht ein. Er will hinunter laufen, aber seine von Entsetzten gekrümmte Gestalt fällt auf die Knie, und er ruft, sein Gesicht in das Gras drückend: "Warum Herr! Warum!" Immer wieder ruft er seine klagende Frage in die schweigende Erde hinein. Aber niemand hört ihn, und so rafft er sich mühsam auf, wischt sich Erbrochens aus dem Gesicht und geht mit schleppenden Schritten zu den Gaffern hinunter.

Diese beginnen für Josef eine Gasse zu bilden, während die Blicke aus ihren großen und stummen Augen weit entrückt scheinen. Immer wieder ruft er sie , nicht direkt ansehend, an: "Warum habt ihr das getan?"

Bei den Toten angekommen sieht Josef die nackten, zerschlagenen und zerschnittenen Körper der Juden. Manchem Mann fehlt sein Glied oder seine Nase, und den Frauen wurde die Scham abgeschnitten, die die umstehenden Frauen schweigend und unter gebannten Blicken ihrer Männer an Stöcken in die Höhe halten. Gerade so, als wären sie buschige Vögel, die jeden Augenblick der Sonne entgegen fliegen könnten.

In einer Bodensenke sammeln sich Rinnsale aus Blut mit obenauf schwimmendes, ausgetretenes, weißgelbliches Hirn zu einer chremigweichen, spiraliggerührten Lacke, in die Ringe, ausgebrochene Goldzähne, Uhren und Urkunden der Getöteten geworfen werden.

Das Grauen verschließt Josef den Mund. Seine Seele ist tot. Im Augenblick genauso tot wie sein Vertrauen zu Gott.

Sie alle, die Toten wie die Lebenden, kennt er. Kennt sie schon lange. Und es sind alte Familien, seit Generationen im Ort ansässig. Aber all die herumstehenden Richter und Henker schauen die entstellten Leiber nur schweigend an. Keiner bewegt sich. Nichts ist zu hören. Auch die Menschen auf der Brücke sind still geworden und werfen keine Gegenstände mehr in die allmählich zur Ruhe kommende Blutlacke.

In keinem der Gesichter bemerkt Josef etwas von seinem Grauen. Sie alle schweigen und schauen ohne richtig hinzusehen.

Da hört er hinter den Schweigenden ein Feuer aufprasseln, und gleich sind züngelnde Flammen über die Köpfe der Gaffer hinweg sichtbar. Es ist ein helles und rauchloses Feuer. Unruhe kommt in die alles füllenden Masse, und die Männer und Frauen drehen sich nur widerwillig um. Widerstrebend machen sie Josef eine Gasse zur Feuerstelle frei, durch die er einen brennenden, etwas erhöht liegenden Strohhaufen in hohen hellroten Flamen auflodern sieht.

Josefs Augen sind mit Tränen der Scham und Wut gefüllt. Er fragt sich: wer steht da vor dem lodernden Haufen mit einer brennenden Fackel in der Hand, obwohl er die Antwort vor der Fragestellung schon weiß?

Alle sehen hin - alle schauen die kleine, schmächtige Figur stumm an und rühren sich wie gebannt nicht von der Stelle. Alte Frauen bekreuzigen sich. Die Stille ist absolut. Keiner betrachtet mehr die ausblutenden Toten und das Bild des Grauens rund herum. Keiner sieht mehr das weit den Flusslauf hinunter rot gefärbte Wasser.

Josef kann nicht fassen, was er da nun immer klarer sieht, und er weiß nicht ob er dem Feuer für seine ablenkende Wirkung noch dankbar sein soll, denn es lenkt ihn und die Menschen hier herunten am Flussufer für den Moment nicht nur von der schrecklichen Tat ab, hindert die Entfesselten nicht nur am weiteren Töten. Wobei er sich fragt: Wen wollen die überhaupt noch töten? Alle Juden, und nicht nur die, sind tot.

Josef versteht nicht, was er sieht. Dort oben, vor dem brennenden Strohhaufen, steht ein Knabe im grauen Klostergewand mit einer brennenden Fackel in der Hand.

Es ist sein Andreas!

"Nimmt den der Wahnsinn kein Ende! Was machst du da oben?" Ruft Josef über die Köpfe der erstarrten Masse hinweg, aber niemand will ihn hören. In diesem Moment ist er sich wieder des alten, zu vergessen versuchenden Rufes bewusst.

"YUHA - der König stirbt!"

Er weiß, die Erinnerung an diesen Ruf weckt alte Ahnungen, nie vergessene Ängste und das Wissen um Kommendes.

Der Knabe beginnt mit seinen kurzen und dünnen Armen die für ihn übergroße Fackel zu schwenken. Beginnt sie immer höher und schneller im Kreis über seinen Kopf zu drehen. Die Situation ist grotesk und unwirklicher als die Phantasie es je hervorbringen könnte.

Sie alle sehen nur mehr die kreisende Fackel und das kindliche Gesicht. Dieses Gesicht ist flach und weiß wie eine Wand, aber die Augen leben. Sie sind wie schwarz glänzende Scheiben, die tief in ihren Höhlen liegen. Jeden hier scheinen sie anzusehen, und jeder muss sie ansehen.

Das Kreisen der Fackel wird langsamer, bis der Knabe sie nur noch ruhig und steil in die Höhe hält. Mit einem Ruck dreht er sich bestimmend in eine Richtung und zeigt mit der Fackel auf einem nicht weit entfernt stehenden Baum.

Der Masse stumpfen Blicke folgen der Richtung der Fackel, und sie siegt auf einen laublosen, weit ausladenden, einsam am Ufer stehenden Weidenbaum. Alle schauen den Baum an. Keiner weiß genau warum. Jetzt ist zu sehen, dass sich etwas im nackten Geäst bewegt.

"Ein kleines Mädchen! Ein Judenmädchen!" Ruft jemand aus der Menge, und schon beginnen die Ersten in Richtung des Baumes zu laufen.

Josef wird gestoßen und getreten. Von irgendwo her saust gezielt geworfen ein Stein, der ihn so hart am Fuß trifft, dass er zu Boden geht und nicht mehr laufen kann. Links und rechts von ihm rennen Männer, Frauen, Kinder und Hunde vorüber. Manche treten ihm auf den schmerzenden Fuß, schlagen mit den Fäusten, und andere stolpern über ihn hinweg. So schleppt er sich kriechend zu einem in der Nähe umgestürzt liegenden Wagen, zieht sich mühsam auf diesem hinauf, um besser sehen zu können.

Schon lange kann Josef niemanden mehr etwas entgegen- oder nachrufen. Das Unvorstellbare lähmt seine Zunge. Der Fuß bereitet ihm große Schmerzen, und das, was jetzt zu sehen ist, lässt ihn nach nichts mehr fragen. Nicht einmal nach Gott. lässt ihn sich selbst vergessen.

Ein kleines Mädchen klammer sich in der Baumkrone an einem weit ausladenden Ast. Auch von Josefs Wagen aus ist das Kind zu sehen. Ein zartes, etwa achtjähriges Mädchen, dem die panische Angst im Gesicht deutlich anzusehen ist, während der in Bewegung geratene, geifernde Mob unter dem Baum herumzutanzen beginnt. Einige legen bereits Strohbündel an den Stamm und zünden sie an. Die hellen Flammen mit ihren dunklen Zungen reichen nur bis zu den untersten Ästen, aber der Rauch hüllt das ganze laublose Geäst so ein, als müsse, um einer schamvollen Diskretion gerecht zu werden, ein Schleier der Unschuld um die Angst des Mädchens und die Gewalt der Masse gelegt werden.

Josef kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Kein Grauen, nichts ist mehr in ihm. Das verletzte Bein fesselt ihn an den Wagen, denn es hat sich in einem der Räder zwischen den Speichen verklemmt. Ob er will oder nicht, von diesem Wagen muss er wie von einem Logenplatz aus dem grauenvollen Geschehen zusehen.

Während drüben am Baum der Rauch diesen immer mehr einhüllt, sieht Josef wieder zu Andreas hinüber. Der Knabe steht immer noch regungslos mit gesenkter Fackel vor dem niederbrennenden Strohhaufen.

Ein einsetzender, leichter Wind vereinigt die Rauchfahnen der beiden Feuer und trägt so ihre Gemeinsamkeit, begleitet von Josefs Blick, den Rain hinauf. Dort oben, wo sich der Rauch vor der Sonnenscheibe zu verdünnen beginnt, sieht er seine Brüder wie in einem Bild aus einer entrückten, reinen und klaren Welt stehen. Sie rühren sich nicht und sehen aufrecht stehend wie die Mahnmale einer unbeugsamen Ordnung zum rauchverhüllten Baum herunter.

Josef kann sie nicht rufen. Sie sind zu weit entfernt, viel zu weit entrückt. In ihm ist nur mehr ein leises, bittendes Wimmern: "Helft dem Kind, Brüder! Helft dem Mädchen, bitte!"

Er bittet immer wieder und wieder. Aber wer soll ihn hören? Wer will ihn noch hören inmitten des Grauens? Hier, wo er alleine ist, alleine ohne seinen Gott. Dieser Gott ist doch ihrer aller Gott?

Ein Aufschrei der Masse lässt Josefs Blick wieder auf den Baum richten. Er fragt sich, warum dieser um diese Jahreszeit keine Blätter trägt? Hat Gott ihn für den heutigen Tag entlaubt? Vielleicht gar präpariert?

Das Geschrei des tanzenden Mobs wird immer lauter. Plötzlich fällt das Mädchen aus dem Geäst und landet mitten im Feuer. Ein Mann reißt es heraus, während schon andere, Frauen und Männer, dem Kind die Kleider vom zuckenden Körper fetzen, und es hierbei laut aufschreiend die angstgeweiteten Augen überall hin richtet. Der Mob tobt um den Baum und um das Kind in langsam sich drehenden Kreisen, damit ja ein jeder einmal genau hinsehen kann.

Und noch immer steht der Knabe mit seiner Fackel bewegungslos vor seinem langsam abbrennenden Strohhaufen und sieht mit leerem Blick zum Mädchen hinüber.

Josef weiß, dass der Junge das Mädchen kennt. Er hat beide schon oft miteinander spielen gesehen, ja, sie sogar einmal beim Schmusen ertappt. Manchmal war sie bei Andreas im Kloster auf Besuch, und hat ihm immer wieder kleine Geschenke von ihrer Mutter mitgebracht. Der Mutter, die jetzt erschlagen und geschändet am Flussufer liegt. Sie sind aus einer wohlhabenden Familie - aus 'keiner' jüdischen.

All ihre Verwandten hat Josef unter den Erschlagenen gesehen. Ihrem Vater wurde nicht nur wie den anderen Männern das Glied abgeschnitten, sondern seine Hoden sind unnatürlich blau auf mehr als das doppelte angeschwollen. Das geschieht nur, wenn sie zwischen zwei Steinen zerschlagen werden. Seinen entstellten Zügen nach, wie auch an denen der anderen Toten, ist zu sehen, dass ihnen das alles bei vollem Bewusstsein angetan wurde.

Josef wimmert immer wieder: "Herrgott, was lässt du uns, was lässt du dir antun?"

Das Schreien der Meute hat je aufgehört. Um den Baum und um das Mädchen herum, das von zwei Männern und zwei Frauen an Armen und Beinen gehalten wird, hat sich eine leere Fläche gebildet.

Die Gaffer umschließen die Arena schweigend in einem breiten und weiten Ring. Die Stille ist absolut. Nur das Wimmern des Mädchens ist widernatürlich laut zu hören. Es wird auf den Bauch gedreht, und jeder der Vier zerrt so an einem Bein oder einen Arm, bis die Gelenke knacken und das Mädchen in der Waagrechte und in Hüfthöher der Peiniger wie eine gespannte Geigensaite zur Ruhe kommt.

Die Menge beginnt zu rufen: "Reißen! Reißen!" Ruft immer lauter, ekstatisch im Chor: "Reißen! Reißen! Reißen!"

Die Vier beginnen unter dem Kommando der Masse wie nach einem geheimen Rhythmus an den Gliedern des Mädchens so zu reißen, dass es auf und abfedert.

Das Jammern des Mädchens geht im Gejole der Masse unter. Ihr Kopf mit den langen schwarzen Haaren schlägt im Takt auf und ab. Die Gelenke sind blutunterlaufen und schwellen immer mehr an, während die dünnen Glieder ruckartig länger werden.

Die Vier halten in ihrer Tätigkeit plötzlich inne, weil unerwartet wieder Totenstille eintritt. Josef will dieses Stakkato der Stille nicht mehr hören, denn es zwingt ihn sein Versagen noch bewusster zu erleben, und ihn in eine Runde des Grauens und der entmenschten Freude an Gewalt und Leid an einem wehrlosen Kind zu schauen.

Josef muss in die Runde schauen, wo er Andreas regungslos vor dem lodernden Strohhaufen stehen und seine Brüder oben am Rain kniend beten sieht. Er will ihnen zurufen: Warum betet ihr? Warum helft ihr nicht! Beten könnt ihr zuhause, in der Kirche, aber nicht jetzt. Seine Brüder hören ihn nicht, denn seine Stimme ist lautlos, ist nicht einmal ein feines Wispern, obwohl das Erkennen der eigenen Hilflosigkeit und Verantwortung ihm die Lunge zerreißen will und sein Schuldgefühl ins Endlose steigert.

Verzweifelt gesteht sich Josef, dass er diese Katastrophe schon im Ansatz hätte erkennen müssen, denn er glaubt immer zu wissen, was passieren wird, vor allem was passieren kann. Hätte er nur nicht zu sehr an seine Karriere und an seinen Gott gedacht, würde das hier nicht geschehen, würde ihn nicht jetzt schon vor der Verantwortung gegenüber seiner Kirche und sich selbst grauen. Ich, der immer vorgibt alles und jeden zu kontrollieren, alles zu wissen, weiß nun umso genauer: Wenn ich mich rechtzeitig um die deutlich warnenden Vorzeichen gekümmert hätte, könnte diese grauenhafte Tat jetzt nicht geschehen.

Deswegen kann die außer Kontrolle geratene Masse jetzt im peitschenden Rhythmus immer wieder skandieren: "Schlag zu! Schlag zu!" Denn während die Vier den Rumpf des Mädchens mit dem Gesicht nach unten an dessen wie Gummibänder gedehnte Glieder im Zentrum des Mobringes jetzt ruhig halten, steht vor dem Kopf des Mädchens eine Frau, die mit einer in beiden Händen in die Höhe gehaltenen Holzkeule alle Blicke auf sich zieht.

Alle scheinen nur auf etwas zu warten. Zu warten auf den letzten Akt, auf die langersehnte Erfüllung, auf das Auslöschen des Seins. Nur, das kleine Mädchen spielt da nicht mit - noch nicht. Immer wieder hebt es ihren kleinen Kopf, bis dieser waagrecht mit dem gestreckten Körper ist. So als wolle es allen den ersehnten Schluss vorenthalten, die gesättigte Masse aus der Tat noch nicht entlassen. Sie zwingen, im Geschehen den Vorhof der Hölle durchleben zu müssen, um die Last der Ahnung der kommenden Strafe hier an dieser Stelle schon vorweg zu nehmen.

Und so ruft jedesmal, wenn der Kopf des Mädchens mit den bis zum Boden herunterhängenden Haaren hoch kommt, die immer unruhiger werdende Masse: "Schlag zu! Schlag zu!"

Das kleine, runde Etwas kommt immer langsamer hoch und legt immer längere Pausen ein. Der auf den endlichen Vollzug hoffende Mob ruft immer leiser werdend, aber fordernder: "Schlag zu" Schlag endlich zu!"

Des Mädchens Kopf kommt langsam hoch. Vielleicht zum letztenmale. Mit einemal reißt die Frau ihre Keule weit nach hinten und lässt sie auf den Hinterkopf des Mädchens heruntersausen. Wie eine Welle schwappt Hirn und Blut auf ihre Schürze hinüber, so dass sie erschrocken, vielleicht erst in diesem Moment sich den Funken einer Ahnung über die Folgen ihrer Handlung bewusst werdend, einen Satz rückwärts macht. Genauso rückwärts weicht, wie die stumm gewordenen Masse der fordernden, voyeuristischen Täter, die wohl alle in diesem Moment eine Spur einer Ahnung ihrer Verantwortung zu fühlen scheinen, wie an der Vielzahl ihrer stumpfen und leidenden Augen zu erkennen ist.

Der von allen begangene Kindsmord ist geschehen. Die Spezies wurde dienend im Angesicht der Liebe ihres Gottes ihrer Art gerecht. In diesem Augenblick schreit keiner mehr. Das Warten ist zu Ende. Am Flussufer breitet sich schwere Stille aus, und nur mehr die Litanei der betenden Mönche am Rainrand ist mit einemal gespenstisch deutlich zu hören. Die Vier lassen das Mädchen fallen und reihen sich rückwärtsgehend in die erstarrte Masse ein.

Einsam wie ein Koloss, wie die Personifizierung des Gebens und Nehmens, steht die Keulenträgerin mit weit gespreizten Beinen unweit vor dem am Boden liegenden Kadaver, dreht sich langsam um und geht steifen Schrittes auf die schweigenden Gaffer zu, durchbricht ihren Ring, so dass sich eine Gasse in Richtung des umgestürzten Wagen, zu Josef hin, auftut. Die Meute sammelt sich lautlos hinter der Keulenträgerin und folgt ihren stummen Willen gehorchend, wie Samen den Weg der Fruchtbarkeit.

Stumme Zungen gleich drängen all die stumpfen Blicke zu Josef hin, und schon umschließen massige Arme seinen Wagen. Er hat seine Sprache verloren. Seine äußere und innere Sprache. Sein Blick wird von einem Ring toter Augen zur Wehrlosigkeit gezwungen, sieht nur mehr ihre weißen, flachen Gesichter und ihre steifen von sparsamen Bewegungen geleiteten, puppenhaften Körper, die ihn wie eine himmelhohe Mauer zu umschließen beginnen.

Die Keulenträgerin steht in einer Gruppe von Männern, die Strohbündeln und Fackeln in den Armen halten. Auf ihren stummen Befehl hin werfen diese Männer ihre Bündel und die übrig gebliebenen Kleider der Erschlagenen unter Josefs Wagen. Die alles umschließende Menschenmauer verfolgt gebannt die lautlose Handlung. Nur die Augen beginnen langsam zu sprechen. Aus ihnen schreit Jahrtausende alter, abgrundtiefer Haß. Sie klagen an. Sie fordern Gestohlenes zurück. Sie wollen die Götter ihrer Väter zurückhaben und erinnern sich daran, dass ihnen alles genommen wurde. Ihre Freiheit, ihre Würde, ihre Kultur, ihr Wissen und ihre Ahnen, und vor allem wurde ihnen alle Kraft ausgesaugt. Sie fühlen sich kastriert, gewaltsam ihrer Art und ihrem Leben beraubt.

Der, der für sie gestorben sein soll, ein Jude, den haben sie erschlagen. Der ist nicht unter ihnen, ist niemals für sie gestorben und ist ihnen fremd, sagen ihre unerbittlichen, mehr als hass- und schmerzerfüllten Augen. Diese Augen zeugen von keinem Gott. Der ihre wurde ihnen gestohlen, und den neuen gaben sie nie verstanden, ihn nie angenommen. Deswegen mussten die Juden sterben, stellvertretend für die Unerreichbaren, die Mächtigen. Deswegen soll nun auch Josef sterben, klagt der Ring der Augen. Stellvertretend für alles, das sie entmündigt, gedemütigt hat, schreien ihm die gequälten Augen entgegen.

Die körperlich spürbare Flut ihrer missbrauchten und verletzten Seelen lässt Josef ahnen, es soll nicht nur ein Sterben, sondern es muss ein Auslöschen sein. Eines, das ihre seit Jahrtausend angereicherte Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit für einen Augenblick vergessen macht. Josef sieht in ihren uralten Gesichtern ihre nie verheilten Wunden. Er weiß jetzt einfach um sie. All das unauslöschliche, ewig scheinende Elend spürt er tief in seiner Seele, kann sich nicht vor dem Wissen um das Verbrechen seiner Art verschleißen, sich nicht einmal verantworten, weil er um die Größe der Schuld weiß. So lässt ihn der Ring der Augen jede Konsequenz des Kommenden gleichgültig erwarten. Er ist bereit zu zahlen. Zumindest mit allem, was er zu geben hat.

Die Keulenträgerin nimmt einem Mann die brennende Fackel aus der Hand und schreitet auf den Wagen zu, um sie ins darunter liegende Stroh zu werfen. Da ruft eine helle, nicht laute aber klare Stimme: "Der nicht! Der gehört Gott! Sein Gott wird richten!"

Im Menschenring tut sich eine Gasse auf, durch die Andreas, eine brennende Fackel vor sich her haltend, geht. Die Menschen weichen zurück. Der Knabe bleibt vor dem umgestürzten Wagen stehen, hält die Fackel in die Höhe und sieht zu ihm auf. Josef wartet auf das Senken der Fackel, während er in die Augen des Knaben Augen sieht. Dort ist aber nichts zu sehen. Keine Antwort, kein Verlangen. Nichts! Des Knaben Augen sehen ihn wie aus tiefen Höhlen an, aber sie sagen nichts. Sie leben weit drinnen, weit hinten, jenseits des Erkennens. Er versteht sie nicht.

Josef fragt Andreas mit leiser, flüsternder Stimme: "Warum hast du das getan? Warum nur, warum?"

Des Knabens Augen schweigen. Statt dessen wirft Andreas seine Fackel weit ausholend in die Höhe, wo sie am Himmel einen hohen Bogen beschreibend sich mit der untergehenden Sonne trifft, um anschließend direkt in die Masse der erstarrten Gaffer zu fallen. Unruhe kommt auf, Erlösung dirigiert die Masse - der Ring der Macht ist gesprengt.

Die brennende Fackel fällt ohne jemanden zu berühren in die mit Judenblut gefüllte Grassenke. Gräßlich hört sich das Schmoren und Zischen der langsam erstickenden Fackel in der auf allen lastende Stille an. Die Menge betrachtet gebannt diesen Vorgang. Und in diese von Bewegung gefüllte Stille ruft die glockenklare Stimme des Knaben: "Geht nach Hause! Es ist genug! Es ist vorbei!"

Vom Rain kommen die Mönche herunter und befreien Josefs Bein aus den Speichen des Wagenrades. Links und rechts gestützt geht er mühsam, ohne sich umzudrehen den Hang hinauf und lässt sich auf dem Weg zum Kloster weiterführen. Umdrehen und zurückschauen will er nicht mehr, denn er weiß nur zu gut, wie es dort unten am Fluss aussieht, und er weiß auch, dass dies alles nur geschah, weil er es nicht rechtzeitig verhindert hatte.

Andreas ist nicht mehr zu sehen, aber mit ihm will er noch heute reden. Will auch ihn zur Rechenschaft ziehen.

Die Mönche, die nicht zur Bergung der Erschlagenen abgestellt sind, ziehen in Reihen neben ihm einhergehend und betend den staubigen Weg zum Kloster hinauf. Er merkt nicht, dass der Wind abgenommen hat, und wie zum Hohne die letzten Strahlen der Sonne den Weg und den angrenzenden Wald mit seinen Lichtungen mit goldenem Lichte und sanfter Wärme flutet.

Dort auf der Lichtung, wo die Holzfäller ihre abgeschabten Baumstämme in hohen Reihen aufeinander gestappelt lagern, spielen noch immer die Kinder, denen Josef begegnete, als er zum Fluss vom Nonnenkloster herunter eilte. Genau solch spielende, nichts ahnende und harmlose Kinder, wie sicher auch das erschlagene Mädchen eines war.

Nach all dem erlebten Grauen kann er nicht an ihnen vorüber gehen, ohne sich ihrer schuldlosen Welt schweigend zuzuwenden und dem Hoffnung gebenden Gesang ihrer sanften, klaren und freudigen Stimmen zu lauschen.

Schon der erste Klang ihrer hellen Stimmen lässt in ihm, irgendwo weit hinten in seinem Inneren, in einem noch nicht gekannten Winkel seiner Seele so etwas wie von einer Hoffnung und Befreiung ahnen. Der Kinder Stimmen heben an im Chor und füllen die Sonnenhelle mit klarem Gesang:

Maikäfer fliag,
Der Jud, der bringt den Kriag,
Er frisst die kloan Kinda auf,
Unsren Herrgott noglt er drauf,
Maikäfer fliag.

Josef fällt auf seine Knie und krümmt sich wie ein Wurm. Laut möchte er sein Leid aus sich herausschreien. Aber er ruft nur in seine Seele hinein, von wo noch nie ein Echo zu hören war, nur Leere, Weite, Totenstille - nirgendwo ein Gott oder irgend etwas, das dafür stehen könnte.

Die Einsamkeit ist allseitig, gebiert die Kälte. Sein verzweifelter Ruf nach Gott, nach seinen ihm gewohnten Gott, kann jetzt nicht einmal er selbst hören. Rundherum sinken seine Brüder gehorsam wie Marionetten zum Gebet nieder. Sie hören seine verzweifelten Rufe nicht, und sein Gesicht bleibt ihnen verschlossen, stellt für sie keine Orientierung dar, gibt keine Anweisungen mehr. Sie fühlen sich in dem furchtbaren Geschehen alleine gelassen, in ihrer beschaulichen Welt gestört und fürchten sich omso mehr vor der Rechenschaft ihres Gottes.. Zitternd und verzagt ahnen sie, dass danach nichts mehr so sein wird, wie es früher war.

Auf der Lichtung ist es Abend geworden. Die Kinder sind längst gegangen, und immer noch ruft Josef seinen Gott an, will ihn mit seinen Fragen konfrontieren: "Warum hast du das zugelassen? Warum all das Schreckliche, das Unbegreifliche? Sind wir nicht deine Kinder, sind wir nicht nach deinen Angesicht?"

Josefs Klage verhallt in der Leere seines Panthon, lässt bisher nie Gewagtes, nie Gedachtes geschehen. Die Verzweiflung gebiert den Zweifel, mündet in den Frevel und räumt alle Furcht beiseite.

"Bist du so wie wir, so grausam, so wie das Geschehen unten am Fluss?

Wer bist du - was bist du?

Wo ist deine Barmherzigkeit, deine Liebe für die unschuldig Leidenden?

Was können die dafür? Soll das deine Erlösung, dein Licht sein?

Werden die Leiden der Unschuldigen, wie so vieles, nicht schnell, zu schnell vergessen, um noch irgend jemanden zu erbarmen, zu mahnen oder zu nützen?"

Josef hat sich weit vorgewagt. Für ihn gibt es kein Zurück mehr. Er rüttelt an den Fundamenten seines Leben, seines Glaubens und stellt die ultimative Frage diesesmal laut rufend in den Wald hinein:

"Warum all die nicht mehr zählbaren Hektotonnen von unverschuldeten Leiden der seit Aenon vergangenen Menschengeschlechter?

Hat das alles für dich einen Nutzen, für irgend jemanden, für irgend was - wenn nicht für deine Macht, für deine Eitelkeit, für dein Gottsein?

Wärst du vielleicht sonst nicht Gott?

Bist du nur ein kleinlicher, sich am Leiden deiner Ebenbilder begeilender Geist? Wann kommt endlich jemand, der dir deine Macht Unschuldige Leiden zu lassen nimmt, der dich zurückschickt in deine eigene Verdammnis?

Mein Gott; hilf mir Verstehen! Sonst ist mein Sein ein einziger Zweifel, eine einzige Anklage, ist mein Leben ein Fluch gegen dich. Herr Gott hilf mir zu verstehen, lass mich wenigstens ahnen, damit ich dich und mich wieder lieben kann. Herr, sonst nimm mir mein Leben, aber nimm es nicht zu dir, denn bei dir muss es dann grauenvoller sein als all die Sinnlosigkeit, die hinter dem Geschehen unten am Fluss steht. Mein Gott; verlasse mich nicht!"

Mit steifen und verkrampften Gliedern richtet Josef sich auf und sieht, dass die Dämmerung hereingebrochen ist. In ihm sind nicht einmal mehr Fragen. Warum auch? Wer soll sie beantworten? Die Schwärze des Waldes gibt keine Antwort, und die Tiefe des dunklen Abendhimmels engt seine Welt nur auf das Erahnbare ein. Die Leere tut gut, macht müde und irgendwie satt. Es tut gut nicht mehr fragen zu müssen, nichts zu tun, nicht einmal zu leben, sondern einfach nur zu sein.

Nur, wer ist wirklich frei vor dem Nichts? Wer kann sich selbst der Leere, der Weite und der tiefen Ruhe bedingungslos hingeben? Josef nicht. So spürt er, wie neben ihm verharrend nur mehr zwei seiner Brüder ihn links und rechts stützend in die Höhe zerren wollen. Die Kinder sind schon lange fort, deswegen bittet er sie ihn zu Schwester Maria zu bringen. Er will nur noch einmal in Andreas Augen schauen. Keine Fragen stellen, nicht sprechen, sondern nur schauen und versuchen zu verstehen oder zumindest in ihnen zu lesen.

Seinen Brüdern ist Josef nicht mehr geheuer, und sie widerstreben seinem Wunsch zum Nonnenkloster hinaufzugehen, aber er setzt sich mit dem ihm noch verbliebenen Rest seiner Autorität durch. Und so schleifen sie ihn bis zur Pforte, wo einer von ihnen zaghaft die Klingel betätigt. Am Tor muss Josef sich abstützen, denn seine beiden Helfer haben sich in die Dunkelheit außerhalb des Lichtkegels der Pfortenlampe zurückgezogen.

Die Torklappe geht auf, und eine Stimme fragt: "Was wollt ihr um diese Zeit; Guardian?"

"Ich will hinein! Ich will Andreas sehen!" Antwortet Josef. "Um diese Zeit darf ich niemand ins Kloster lassen, auch sie nicht! Gehen sie nach Hause! Bitte!" Ruft die Pfortenschwester im ungeduldigen Ton.

Die Klappe fällt herunter, und Josefs Brüder treten zu ihm, um ihn fortzuführen. Er erwehrt sich aber ihrer drängenden Hilfe und befiehlt ihnen ohne ihn, alleine nach Hause zu gehen.

"Ich werde die Nacht hier vor der Pforte verbringen!" Spricht Josef mit leiser aber bestimmter Stimme zu ihnen, irgendwie so, um ihnen Mut zuzusprechen. Widerstrebend, aber doch froh endlich dem allen entfliehen zu können, lassen die Brüder ihn alleine. Und so rutscht Josef ohne ihre Stütze, mit den Rücken am Tor gelehnt an den Bohlen herunter, bis er am Boden zu sitzen kommt. Von hier aus hat er einen klaren Blick in die tief unten vor ihm liegende, weite Ebene und bis zu die am gar nicht so fernen Horizont in den Himmel ragenden Bergketten, die jetzt nach dem Untergehen der Sonne wie schwarze, konturlose Wellen auf ihn einzustürzen beginnen.

Oben in der Schreibstube sitzt Schwester Maria an ihrem Schreibtisch und lässt sich von den spärlichen Gerüchten vom Geschehen unten am Fluss berichten. Es klopft an die Tür, und die Pfortenschwester kommt ins Schreibzimmer und berichtet, dass Pater Josef herein wollte um Andreas zu sehen. Maria denkt an den abgelaufenen Tag und fragt sich: Warum will Josef um diese Zeit noch Andreas sehen? Natürlich darf am Abend niemand ins Kloster, schon gar kein Mann. Sie fragt die Pfortenschwester: "Ist er jetzt weg?" - "Ja!"

Was war das nur für ein Tag, fragt sich Maria? Unten in der Stadt muss Fürchterliches passiert sein. Die Nachrichten hier herauf brauchen immer etwas länger und sind deswegen noch spärlich. Aber am Morgen werden wir alle ja mehr erfahren. Für heute soll es genug sein, auch mit der Arbeit, denn jetzt bin ich müde. Vielleicht kann ich trotz der Aufregung noch etwas Schlaf bis zur Nona finden, sinniert Maria vor sich hin und beginnt ihr Schreibpult aufzuräumen und den Lampendocht auszulöschen.

Ein heißer Ziegelstein wärmt das Bett angenehm, aber Maria kann nicht einschlafen. Sie wartet wie in jeder Nacht auf etwas, auf das sie sich den ganzen Tag über besonders freut.

Das Warten fällt Maria immer schwerer und wird begleitet von einem mühsam unterdrückten Gefühl der Sehnsucht nach Gemeinsamkeit, nach Fühlen und Berührtwerden. Aber schon klopft es zaghaft an ihrer Schlafzimmertüre, und sie weiß genau, wer da anklopft, und braucht daher gar nicht zu fragen. Schon geht die Tür auf, ein flinker, kleiner Schatten huscht unter ihre Decke ins warme Bett und drückt sich fest an sie.

Wie hart wartet Maria immer darauf, dass er in ihr Bett kommt. Wenn er einmal eine Nacht nicht bei ihr schläft, dann fühlt sie sich am Morgen unausgeruht, gereizt und misslaunig. Jetzt lässt sie das kleine, neben ihr liegende Gesicht mit den entspannten Zügen und dem ruhigen Atem nicht einschlafen. Maria muss im spärlichen Mondlicht immer wieder die feinen Züge mit den langen schwarzen Wimpern, den tiefen, dunklen Augenhöhlen, den sich bereits scharf abzeichnenden Nasenrücken und den geschwungenen und vollen Kindermund betrachten. In solchen Momenten vergisst sie, dass im Kloster wegen ihrer regelmäßigen, gemeinsam verbrachten Nächte oft ein Tuscheln unter den Schwestern ist, und manche Intrige deswegen gegen sie gesponnen wurde. Aber ihre Familie ist eine der mächtigsten in diesem Lande und konnte bisher mit Leichtigkeit alle Angriffe gegen ihre Person abwehren. Auch würde sie sich die nächtlichen Stunden mit ihrem Kind in ihrem Bett von niemanden nehmen lassen, schon gar nicht wegen boshafter Gerüchte.

Marias Herz schlägt aufgeregt, und sie fragt sich zum Wiederholtenmale: Wer soll schon etwas gegen einen fünfjährigen Knaben im Bett seiner Mutter haben, wo ich mich doch als seine Mutter fühle, wie bei keinem anderen der vielen Kinder, die unter meiner Obhut aufgezogen wurden? Wer seine Eltern sind, weiß ich nicht. Ich kann mich nur erinnern, wie ihn Josef vor fünf Jahren zu mir brachte und mich bat, ihn bis zum Schulalter in Obhut zu nehmen und aufzuziehen. Josef sagte schon damals, dass das Kind sehr schwierig und frühreif sein wird, und wahrscheinlich früher als andere Kinder zur Schule in sein Kloster hinüber gehen wird müssen, erinnert sich Maria. Jetzt geht der Knabe tagsüber in die Klosterschule, und am späten Abend kommt er wieder in ihr Haus zurück.

Die Nächte , die der regelmäßige Besucher bei Maria verbringt, ersetzt ihr einen Teil einer im Geheimen doch immer ersehnten und schmerzlich vermissten Familie. Ich will ihn bei mir behalten, solange es irgendwie geht, solange er noch klein ist, denn er wächst schnell, und dann wird ein gemeinsames Schlafen in meinen Kloster immer schwerer vertretbar sein - leider, gesteht sich Maria. Nach ihm will sie kein anderes Kind mehr so nahe an sich heran lassen, weil sie jetzt schon ahnt, wie er ihr Leben für immer bestimmen und weil sie weiß, dass er ihr nicht nur Freude bereiten wird. Denn schon im Durchsetzen seiner Interessen war er von Anfang an sehr energisch, und deswegen gibt es zwischen ihm, Josef und ihr öfters große Differenzen und Spannungen.

Bevor Andreas ins Kloster kam, herrschte zwischen Josef und Maria ein harmonisch harmloses Verhältnis. Es ist nie mehr passiert, als ihr Gewissen verkraften könnte, auch wenn Josef ihr Verhältnis auf eine rührenden und aufmerksame Art sehr ernst nahm. Seit Andreas aber hier ist, hat Josef seine Werbung allmählich vermindert und letztendlich eingestellt. Er ist sehr zurückhaltend und unruhig geworden, scheint sogar immer verbitterter und verschlossener zu werden. Wobei ihm anzusehen ist, dass ihm ihre offene und tiefe Liebe zu Andreas nicht nur weh tut, sondern dass in ihm eine ebenso tiefe Trauer eingezogen ist. Und dann spürt sie noch besonders deutlich, dass da noch etwas sein muss, von dem sie nichts weiß. Sie sieht während Andreas Anwesenheit in Josefs immer unruhiger werdenden Augen öfters einen Schatten der Unsicherheit, sogar der Angst. Ausgerechnet bei Josef, der wie kein anderer in seinem Orden die Karriereleiter hinauf steigt. Mit ihren weiblichen Instinkten ahnt Maria, das Josefs verändertes Verhalten irgendwie mit Andreas Zukunft zu tun haben muss. Einer Zukunft des Jungen, die sie sonderbarerweise außerstande ist, nur annähernd abzuschätzen. Wo sie doch sonst nie in der Vorausschau des Werdeganges eines ihrer Zöglinge danebenlag.

Wenn sie alle drei beieinander sind, kommt immer öfters ein aggressiver Ton in Josefs Reden, und das verletzt dann Maria sehr. Für diesen Schmerz fühlt sie sich in den Nächten mit Andreas mehr als entschädigt. Wer kann, wenn ein Kind in den Armen einer Frau liegt, die hierbei auftretenden Gefühle nicht besser verstehen als eine Mutter, und Gott; wie sie hofft?

Der Knabe legt einen Arm um Matias Mitte und drückt sich fest an ihre Seite, legt seinen Kopf auf ihre Brust und ein angezogenes Bein auf ihre Hüfte. Maria traut sich nicht zu bewegen, denn damit könnte sie ihn wecken. Er streicht mit seiner kleinen Hand wie automatisch an ihrer Seite auf und ab, während sein zäher, magerer Körper sie wärmt, so dass ihr Herz ruhig wird, obwohl es spürbar lauter zu schlagen beginnt. Sie weiß nicht, ob er ihr dabei absichtlich oder nur zufällig immer wieder über die Brust und die Seite fährt.

Das sanfte Streichen und Anpressen an ihren Körper nimmt Maria die Aufregungen des Tages, und lässt angenehme Erinnerungen zurückkehren. Wie solche, wenn er irgendwann untertags überraschend in ihre Schreibstube kommt und ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange drückt. Oder er setzt sich einfach kurz auf ihren Schoß, drückt sich fest an sie und zwickt ihr dabei in die Wange. Meist springt er sofort wieder von ihr herunter und läuft schnell wie ein Schatten zur Tür hinaus. Das kann mitten in einem Gespräch mit Gästen sein, welche dann meist überrascht und erfreut Beifall klatschen, während Maria einen roten Kopf bekommt.

Irgend jemand hat einmal den Versuch gewagt Andreas den Sinn des Geburtstages zu erklären. Was jetzt zur Folge hat, dass er seit einiger Zeit fast jeden Tag einmal oder mehrere Male zu irgendeiner Schwester geht und ihr gratuliert, nicht ohne ihr einen Kuss abzuringen, auch wenn diese noch so faltig und runzelig im Gesicht ist. Zur Zeit hat er das Betätigungsfeld seiner Gratulationen Gott sei Dank in das Franziskanerkloster verlegt.

Josef sagt zur innigen Bindung von Andreas und Maria und ihre Schwestern immer wieder: "Ihr solltet ihn nicht so verwöhnen, denn dadurch macht er nicht einmal den Versuch einen Anschluss an die Gleichaltrigen zu finden. Er hält sich viel zu viel unter euch Erwachsenen auf und ist vielleicht deshalb so schwierig und schwer zu lenken!" Da hat Josef sicher nicht unrecht, gesteht sich Maria ein. Aber wer kann diesem quirligen etwas, auch wen es oft einem schwer auf die Nerven fällt, widerstehen? Er braucht nur jemanden in die Augen sehen, schon kann ihm keiner widersprechen oder ihn gar maßregeln. Maria weiß selbst, dass Andreas mit seinen Kameraden nicht umgehen, sich in der Gemeinschaft der Gleichaltrigen nicht einordnen kann. Und das beunruhigt sie sehr, obwohl sie versucht die daraus entstehende Unsicherheit vor Josef zu verbergen.

Allzuoft beginnt Andreas ohne erkennbaren Grund mit dem Nächstbesten zu raufen und entwickelt dabei eine Aggressivität, die alle sehr erschreckt und abstößt. Da sind dann seine Augen wie unergründbar tiefe Höhlen, und ein jeder fragt sich mit Entsetzen, von wo er seine, für ein Kind mehr als grobe und unbeherrschte Art, her hat.

Im Moment aber, jetzt an ihrer Seite, ist er nur ihr kleines Kind, das sich an sie drückt und ihre Seite wärmt. Seine Hand fühlt sich durch das Nachthemd klein und zart an, und immer langsamer fährt diese auf und ab, bis sie zum Schluss mit sanftem Druck auf ihrer Mitte zu liegen kommt, während Andreas Knie schon schwer auf Marias Scham ruht. Sein Kopf rutscht langsam, durch den weichen Stoff des Nachthemdes an Marias Haut reibend auf ihre Brust, so dass sie für den Moment eines Herzschlages sein Haar riechen und seinen unruhiger werdenden Atem hören kann, bevor seine Wange den weit herabreichenden, offenen Kragen des Hemdes beiseite schiebt, und ein weicher, warmer Mund ruhig und fordernd an ihrer Brust zu saugen beginnt.

 

 

   Tief unten kreuzen sich mehrere vom Regen nass glänzende Straßen, in denen Laternenreihen spiegelnd und in allen möglichen Farben matt schimmernde Lichterreklamen der Hausfassaden still dem staunenden Betrachter die Spur einer verloren geglaubten Ahnung vom pulsierenden Leben des Tages zurück geben. Der gedämpfte, jenseits des Empfindens abspielende Lärm des spätnächtlichen Verkehrs macht die schwüle Ruhe des Appartements bewusst und schwängert in trauter Gemeinsamkeit mit dem von überallher kommenden schweren, süßen Gestank der alles bestimmenden Zivilisationsmaschinen die warme, bergend umschließende Düsterheit des Raumes, so dass der Schlaf in weite Ferne gerückt scheint. Es wächst das Verlangen sich zu bewegen und irgend etwas zu tun, den vorenthaltenen Schlaf durch Aktivität zu ersetzen. So scheint der aus dem Wohnzimmer herüber tönende Fernseher hierfür gerade richtig zu sein. Sein hartes und unwirklich blaues Licht ist die einzige Quelle von Leben in dieser Welt der dunklen Ruhe.

Irgendwann verließ sie das Schlafzimmer und liegt nun mit ausgestreckte gekreuzten Beinen in der überdimensionierten, der Dunkelheit endlose Weite gebenden Lederlandschaft. Den Blick nicht vom Fernseher lassend, rückt sie wie zufällig zur Seite, um dem Betrachter mit schweigender Passivität Platz zu machen.

Das glatte Leder wärmt unangenehm schnell nicht nur die Berührungsflächen der Haut, sondern auch die Atmosphäre füllenden Gefühle. Ein ruhiges Liegen fällt hierbei nicht leicht, besonders nach dem ungewohnt warmen Bad und der doch fremd gewordenen Art zu Essen. So wecken die Selbstsicherheit und die wohlige Sattheit eines gefüllten Bauches manch vergessen geglaubte Energien zum Leben. Energien, die besonders in der Nähe einer Frau für Spannung sorgen, einer nicht nur körperlich spürbaren, sonder auch deutlich sichtbaren. So sichtbar, wie bei einem zum letzten Absprung bereiten Raubtier, oder wie wenn eine rettungslos eindimensionalgerichtete Spannung des Verlangens auf eine alles verschlingende, wie ein Vakuum saugende, kompromisslose Bereitschaft einer bedingungslosen Aufnahme und eines willenvergessenden Einschließens trifft.

Was geschieht aber, wenn eine auf ein bestimmtes Objekt gerichtete Spannung sich nicht in die ersehnte Richtung entlädt? Die Ursache dieser Spannung nichts bewegen kann, weil von irgendwo her irgend etwas dagegen wirkt, so dass letztendlich das operative Werkzeug in dem Strudel irritierter Gefühle in sich zusammenfällt? Wie ist den aufnahmebereiten, sich weit öffnenden und lockendverlangenden Gefühlen der Femina die Nichterfüllung des Erwarteten zu erklären? Und vor allem wie ist einem sich weit öffnenden Objekt der Begierde, ohne es verletzten zu wollen, nahezubringen, dass die verlangende Hingabe einer intellektuell emanzipierten Verlockung nicht stark genug ist, um die Vereinigung einzuleiten. Auf keinen Fall in dieser Atmosphäre. Zumindest beiden Seiten fehlt es nicht am Willen, aber das hierfür notwendige Instrumentarium will nicht, wird noch hautiger, faltiger und entwickelt sich in die falsche Richtung - irgendwie doch blamabel.

Hierzu ist im Moment keine Erklärung zu finden, denn im Wald gibt es diesbezüglich mit den Rehen bei den Mondläufen keine Probleme. Auch das Stattfinden von Erektionen und Ergüssen während außergewöhnlichen Leistungen im Angesicht des Todes ist gar kein so unnatürlicher Vorgang. So doch ein hie und da auftretendes und vor allem lästiges Nebenprodukt beim Überschreiten von Grenzen in neue Dimensionen.

Im Moment ist es aber wie verhext. Gegenüber sitzt doch das personifizierte Objekt allen Begehrens, ein nackter, vom Fernseherlicht glasierter Körper einer Frau. Dort existiert das einzig Greifbare in dieser alles umschließenden Düsterheit. Nur, es passiert einfach nicht. Höchstwahrscheinlich weil der Reiz der Extreme fehlt. Zum Beispiel der des Risiko eines Todes, oder der einer abstoßend abartigen Perversion. Vielleicht fehlt genau das Gegenteil davon? weiß der Teufel, was da im Moment nicht paßt? Das besondere Empfinden ist wahrscheinlich durch und durch schon zu sehr ausgereizt. Oder vielleicht ist LUG daran schuld? Und wie soll da wohl die Bloßlegung und vor allem die Vollziehung des Verlangens funktionieren, wenn die Zweisamkeit keine ist, wenn LUG wie ein Voyeur hierbei zuschaut?

Immer scheinen von irgendwo her LUG's hämische Kommentare tröpfchenweise in die offene Wunde der Hilflosigkeit zu rinnen, und auf diesem Wege seine Nähe mehr als körperlich zu verdeutlichen. Wenn wenigstens LUG die im Moment wie haushohe Meereswellen einbrechenden, hirnauflösenden Gefühle in irgendeiner Weise hier oder sonst wo nur annähernd ersetzen könnte - aber nicht einmal eine Spur davon. Vielleicht hält er gerade deswegen das Begehren nach dem Objekt der Begierde dem Hungernden wie ein Stück Futter vor, das beim Näherkommen ebenso weit zurückweicht. Lug gibt mehr als deutlich zu verstehen, dass hier und jetzt nichts passieren soll, aus welchen Gründen auch immer.

Sie versteht die distanzierte Passivität nicht, kann die Erfolglosigkeit ihrer Hingabe einfach nicht fassen und ist der Meinung, dass der Präsentation ihres Begehrens in solch einem Ambiente niemand widerstehen kann. Für sie wäre es irgendwie verständlich, wenn alleine nur das hierzu notwendige Instrument nicht funktionieren würde, aber dass kein Verlangen, nicht einmal ein Ansatz zu einem Versuch zu bemerken ist, oder wenigstens die Vortäuschung eines solchen, beleidigt ihre bedingungslose Bereitschaft.

In Anbetracht der Enttäuschung, oder ist es doch nur verletzte Eitelkeit, wäre der Versuch einer Erklärung oder einer Entschuldigung sicher angebracht. Nur, alleine der Wille hierzu fehlt, weil es wie Balsam auf die Wunde der laufenden Demütigungen ist, irgendwie so wie eine kleine Revanche, wenn ihre hilflos in der Luft hängen gelassenen Gefühle einer leidenschaftlichen Hingabe sich selbst überlassen werden. So ist es im Moment auch sicher besser, nichts zu erklären und somit auch nichts preiszugeben, denn vielleicht kann auf diesem Wege, wenn die Enttäuschung überwunden ist, die weibliche Neugierde bis zur Schmerzgrenze gesteigert werden - oder auch das Gegenteil davon. Wer weiß? Doch hoffentlich wird ihr dann der von ihr zu oft herabgesetzte und geringschätzig benannte 'Ausgemergelte' in einem andern Licht erscheinen. Bestimmt in keinem besseren, aber immerhin in einem anderen, was nur zu mehr Verunsicherung beitragen kann. Diesesmal aber, so Gott oder LUG will, einer Verunsicherung auf ihrer Seite.

Es war höchste Zeit ihrer gestylten Emanzipation einen Dämpfer zu erteilen. Nicht ohne überraschende Folgen, denn abrupt kommt zuerst verhaltenes und anschließend gleich erlösendes Gelächter auf. Nicht weil auf einmal der Gordische Knoten im spezifisch männlichen Instrumentarium gelöst schien, sonder, weil jetzt die Irritation perfekt zu sein scheint. Besonders in Anbetracht ihres wahrscheinlich sonst gewohnten Verhaltens, das jedem potentiellen Opfer sofort möglichst deutlich signalisieren soll, wie das eben so bei ihr funktioniert, wenn immer alles gelingt, oder wenn alles was begehrt einfach in Besitz genommen oder zumindest benützt werden kann. Deshalb schadet es jetzt nicht, wenn die sonst zur Schau gestellte, gewohnt zielstrebige Selbstsicherheit auf diese Art einmal einen Dämpfer bekommt, vor allem von einem Typen, von dem eigentlich anzunehmen wäre, dass er solch eine Chance nie ungenützt verstreichen lassen würde. Aber vielleicht verändert die Erfahrung daraus ihrer beider Verhältnis so, dass nicht ausschließlich eine Seite bestimmt, was zu geschehen hat und was nicht.

Entgegen dem scheinbaren Versagen steigert die Irritation der Femina paradoxerweise das Selbstwertgefühl des Impotenten, und wie nicht anders erwartet, leitet ihr verletztes Ego, vielleicht um die Enttäuschung zu kompensieren, das Gespräch wie beiläufig auf das arttypische Verhalten eines Homo über. Nur, das ist in der jetzigen Situation eine stumpfe Waffe und zeugt von noch mehr Unsicherheit. Und wie zur Bestätigung ist nun deutlich erkennbar, wie sie die Signale ihrer Gefühle zurückholt, sichtbar in sich selbst zurück zieht, ihren Mantel schließt und die Beine wie ein kleines trotziges Kind anwinkelt.

Überraschenderweise schafft die momentane Situation für beide eine nicht mehr zu übersehende und immer deutlicher spürbare Komik. Was mit einem gequälten Lächeln auf ihrem zuerst so enttäuschten Gesicht begann, endet nun mit beidseitigem, gelösten Gelächter. Die Situation scheint vorerst gerettet und entspannt sich, obwohl beiden anzumerken ist, dass jeder vom anderen noch immer nicht genau weiß, was er von der Haltung des gegenüber Sitzenden zu halten hat. Für ihn scheint diese Situation befriedigend zu sein, denn aus seiner Sicht gesehen, befinden sich nun beide auf derselben Ebene, und vielleicht ist er jetzt für sie nicht mehr nur der Ausgemergelte oder das exotische Versuchsobjekt. Obwohl, ganz so sicher fühlt er sich da noch nicht, aber das ist ihm im Augenblick nicht so wichtig.

Der Hunger meldet sich wieder, und rasch ist der übrig gebliebene Rest des Essens aufgetischt. Das kalte Essen schmeckt besser als zuvor das warme, und es herrscht eine lockere Stimmung. Sie versucht sein Verhalten noch immer zu verstehen und stellt deswegen offener und fordernder ihre Fragen. Bis jetzt gelang es ihm ihrer drängenden Neugierde zum Eigenschutz auszuweichen, und so hat er ihre Fragen einfach schweigend übergangen. Nun soll es aber mit der Hinhaltetaktik genug sein, denkt er sich, denn ihre Geduld muss nicht um jeden Preis über Gebühr in Anspruch genommen werden. Immerhin ist er zur Zeit ihr Gast.

Sie ist aber sehr hartnäckig. Wie beiläufig fragt sie: "weißt du, dass du bis jetzt, seit wir hier sind, keinen ganzen Satz gesprochen hast."

     "Ja!"

     "Gesprächig bist du sicher nicht, aber erzähle mir doch, woher du kommst!"

Er ist froh, dass sie auf die vergangene Situation nicht mehr zu sprechen kommt, deswegen antwortet er irgendwie erleichtert: "Ich komme aus LOORIEN,"

     "LOORIEN; nie davon gehört?"

Ihm bleibt nichts anderes übrig, als ins Detail zu gehen, obwohl es gerade jetzt, mit vollem Bauch, so angenehm wäre nicht sprechen zu müssen. "Das ist ein Wald, und der beginnt ungefähr dort, wo ich in dein Auto gestiegen bin."

     "Du lebst im Wald? Siehst nicht so aus, als würdest du dort arbeiten. Wer kann schon im Wald leben, zumindest für längere Zeit, wenn er nicht ein Jäger oder ein Holzfäller ist? Du scheinst aber keines von beiden zu sein. Also, was tust du wirklich dort, und vor allem, wo warst du vorher?"

     "dass sie eigentlich die letzte Frage beantwortet haben will, ist ihm sofort klar. Darauf geht er aber nicht ein, und so sagte er im ruhigen Tonfall, so als würde er nur zu sich selbst sprechen: "Im Wald lässt sich's schon leben. Sogar gut leben, wenn man das Erdlingssein aufgibt."

Er weiß natürlich, dass er letztendlich nicht um die Beantwortung ihrer eigentlichen Frage herumkommt. Trotzdem will er zu diesem Thema eine vorläufige Grenze ziehen und stellt fest: "Ein Vorher, eine Zeit vor LOORIEN gibt es dort nicht. Ein Vorher, wie du es vermutest, geht dort einfach verloren, wurde vergessen und verschüttet." Er ahnt schon von ihre nächste Frage und nimmt sie vorweg, indem er einfach anhängt: "LOORIEN ist mein Leben. Ich bin ein Teil LOORIEN`s, und dort nennt man mich YUHA. Dort bin ich mit jeden und allem verwandt."

     "Wer ist man, wenn du dort alleine lebst, wie ich aus deinen bisherigen Aussagen schließen kann? Wer nennt dich dort YUHA? Und wer bist du eigentlich?" Sprudelt es hastig aus ihrem Mund heraus.

     "Es ist schon wieder so einfach, dass du es wiederum nicht glauben wirst!" Beginnt er mit seiner Erläuterung, nicht ohne ein hintergründiges Lächeln in den Augen. Jetzt gilt es sie zu verwirren. "YUHA ist der Name, den ich von Gott, oder von dem was du für Gott hältst, bekam. YUHA ist aber nur ein Teil meines Namens, und früher war er ein Traum, der aber Wirklichkeit wurde."

     "Halt! Nicht so schnell!" Wirft sie ein. "Du hast deinen Namen von Gott?"

     Seine lapidare Antwort: "Ja."

     "Wie hat er dir deinen Namen gegeben? Sprichst du mit ihm?"

     Nun scheint ihm die Konversation Spaß zu machen. "Wir reden miteinander so, wie wir es jetzt auch tun. Ja, nicht ganz so. Aber immerhin verstehen wir uns gegenseitig.

Wer ich bin? Ich weiß das selbst nicht. Ich bin noch Erdling und doch schon nicht mehr. Auf jedem Fall bin ich kein solcher, wie du einer bist."

Das lange Schweigen in LOORIEN machte ihn der Rede ungeübt, und so beginnt er zunächst verhalten, ruhig und leise, aber immer klarer zu erklären, schon wissend, dass sie ihm kein Wort glauben wird. Wie könnte sie auch? Das hindert ihn aber nicht, zuerst einmal dick aufzutragen und es ihr knüppeldick zu geben. Er ist gespannt, wie viel sie verträgt, und wie lange sie hierbei mittun wird? "Ich bin von der ELEYISCHEN Art! LOORIEN lässt die Vernunft, die Logik, das Ratio, die Pragmatik und all diese heißgeliebten Wesensarten des Erdlings vergessen.

Das war und ist für mich noch immer ein schmerzhafter Prozess, und von Nutzen ist dieser schon gar nicht. Aber das ist eben LOORIEN, ist die Identifikation mit dem Unvernünftigen, dem Unwahrscheinlichen und dem Unvorstellbaren, um einige deiner Terminen zu gebrauchen. LOORIEN ist Leben außerhalb der Nützlichkeitsbringung."

Ihr konzentriertes Zuhören macht ihn nun doch verlegen, denn dass sie seine Aussagen so fesseln, ist ihm doch etwas peinlich. Nach einer kurzen Pause fährt er aber fort: "Er, sie oder es, LOORIEN ist geschlechtslos, nicht spezifizierbar. Ich weiß nicht, wie ich dieses Wort ehrlich und gewissenhaft, einfach richtig gebrauchen soll? Das Wort LOORIEN verwende ich, wenn es um meinen Wald im Allgemeinen geht. Wenn es um dessen Seele geht, ist eine Benennung schon schwieriger. Da gebrauche ich einfach die Abkürzung LOO. Wobei es für das eine oder das andere keine Abgrenzung gibt, und beide oft eins sind und dann wieder etwas ganz Verschiedenes. Nennen wir es hier der Einfachheit halber LOO. Mit Sicherheit weiß ich, dass LOO alles das aussperrt, was das Erdlingssein ausmacht. Zumindest so wie bei mir - allmählich aussperrt. Wer sich nicht damit abfinden kann, den spuckt LOO wieder aus. Tot, oder wenn er Glück hat, noch halbwegs lebendig. Mit Sicherheit aber mit einem anderen Geist. Und wenn es halbwegs gut geht, dann vielleicht nur mit einem gestörten."

Die leichte, übermütige und hänselnde Rede ist ihm gründlich vergangen, denn während ES aus ihm heraus so einfach daher plauderte, liefen die Bilder seines Lebens in LOORIEN, in ER, verflixt in IHM, irgendwo da oben, wie ein Film ab, und lassen den Plauderer die Absurdität seiner Situation bewusst werden. So hemmt ihn die Erinnerung weiterzureden und ihr mehr von sich zu erzählen.

     Die ungewollte Pause nutzt sie sofort zu einem Vorstoß, um ihm ihren Unglauben zu verdeutlichen. "Die ELEYISCHE Art? Was ist nun das schon wieder?"

dass seine bisherigen Aussagen für sie wie die eines Minderbemittelten anhören müssen, ist ja nicht ganz ungewollt. Aber die unterschwellige Lustigmachung wendet sich jetzt gegen ihn. Denn er weiß ab nun genau, dass ihn die Welt LOORIEN's auch hier nicht frei gibt. Weder körperlich noch geistig, weil er sich in ihre Welt nur mehr schwer hineindenken kann - wenn überhaupt. Ihr wird es umgekehrt wohl auch so gehen. So will er sich im geheimen über ihre wahrscheinlich nur kurzzeitige Unsicherheit nicht mehr lustig machen, denn er ist sich seiner Aussagen nun selbst nicht mehr sicher. Nicht weil diese vielleicht zur Erheiterung dienen sollen, sonder sie mittlerweile das Gegenteilige erreichen. Deswegen antwortet er auf ihre provokante Frage ausweichend und zurückhaltend: "Das zu erklären würde zu lange dauern. Ich weiß nicht, ob ich es kann. Und wenn, dann würdest du es sowieso nicht verstehen. Da könnte dir nur eigenes Erleben, die persönliche ELEYISCHE Erfahrung helfen."

     "Versuche es doch!"

     "Sinnlos."

     "Bitte"

Ihre Hartnäckigkeit hat er mittlerweile zur Genüge kennen gelernt. Ihrem Gesicht kann er ablesen, dass das Bitte eigentlich ein Befehl ist und nicht eine höfliche Aufforderung.

     Für ihn steht die Entscheidung an, weiter zu sprechen oder zu gehen. Seiner momentan bequemen Lage entsprechend entschließt er sich auf ihre Frage zu antworten, wenn auch äußerst unwillig: "Nun gut. Ich muss hierbei etwas ausholen, um dich darauf vorzubereiten. Höre mir gut zu, und halte endlich einmal deinen Mund, auch wenn das nun ein etwas längerer Monolog werden sollte!"

Er weiß selbst nicht mehr, auf was er sich nun einlässt, weiß nicht ob nun folgendes lustig oder ernst wird. Irgendwie muss er aber wohl beginnen.

     "Gib auf; dir über alles, was mich betrifft, und besonders über LOO Gedanken zu machen! Denke nicht! Fühle nicht - noch nicht! Versuche einfach nur zuzuhören und dann in dich hineinzutasten. Wenn es dir dann vielleicht gelingen wird in dich hineinzuschauen, so wirst du gleichzeitig auch in mein Innerstes sehen - wie gesagt: nur vielleicht."

     Um der Rede ihre Schwülstigkeit zu nehmen, hängt er provozierend an: "Schau mich nicht an! Mach die Augen zu und schließe vor allem deine Beine, denn das ist nicht fair, und mit meiner Konzentration ist es da gleich vorbei, wie du dir vorstellen kannst." "Kann ich mir nach dieser Nacht nur schwer vorstellen." Kontert sie mit einem sifisanten Grinsen im Gesicht. "Aber fahre nun fort!" Fordert sie ihn auf.

Im Banne ihrer erwartungsvollen Augen fällt es ihm schwer einen Anfang für eine Beschreibung der ELEYISCHEN Art zu finden. Wie soll er ihr von etwas erzählen, von dem sie absolut keine Ahnung hat, geschweige denn jemals davon etwas gehört, fragt er sich zum wiederholtenmale? Ihr Blick lässt ihn aber nicht los, und so versucht er es vorerst mit drei banalen Fragen. Einfach so in den Raum hineingestellt, ohne vorweg allzuviel über die Antworten zu spekulieren.

     "Woher kommt was, ohne dass du es dir erklären kannst?

Warum geschieht etwas, ohne dass du es verstehen kannst?

Weshalb tust du etwas, ohne dass du es begreifen kannst?"

Irgendwie kommt er sich bei solch einem Frage- und Antwortspiel sehr dumm vor, aber sie scheint unerbittlich in ihren Drang nach außergewöhnlichen Erfahrungen zu sein, ebenso drängend wie vor Stunden nach inniger Zweisamkeit, nach dem physikus genitalis. dass für ihn dieses Thema zu ernst geworden ist, um darüber Späße zu machen, ist ihm aus schmerzlicher Erfahrung bewusst. Aber warum soll er nicht doch in dieser Tonart weiterfahren; einfach nur so, um zu sehen, was hierbei heraus kommt, fragt er sich.

     "Schon wenn du dir diese drei Fragen stellst, erübrigt sich das Verstehen, Weil dann so oder auch anders das ELEYISCHE in dir wirken könnte. Denn ELEYISCH bedeutet nicht Verstehen, nicht Erklären sondern zuallererst 'Ahnen'; ein naives Ahnen und viel, viel später erst ein 'Erkennen' aus Verstehen. In letzter Konsequenz bedeutet das ELEYISCHE vielleicht 'unmittelbare Einsicht aus Sehen und Erkennen' - oder auch das Gegenteil davon! Das alles ist ab einem bestimmten Stadium für den ELEY nicht mehr wichtig, ist ihm gewesene Makulatur.

Zum besseren Verständnis gilt für dich: Die ELEYISCHE Art ist zuerst und zuletzt die Ansicht über die Einsicht in den Anderen oder in das Andere, ein Hineingehen, so schwer das auch fallen mag, und von dort aus dann zurückblickend ein Zurück- und Hineinschauen in das eigene und das fremde Sein.

Die ELEYISCHE Art ist aber nicht das 'Erkenne dich selbst', sondern das 'Erkennen des Anderen, des Unbekannten vor dem eigenen Sein', bevor du selbst in dich hineinhörst und schaust. Das eigene Sein ist dem ELEY in keiner Weise wichtig, denn wichtig ist ihm gar nichts - überhaupt nichts und niemand!

Das ELEYISCHE ist weder ein Kult, noch eine Religion, noch eine Philosophie, sondern ein Leben der andern Art in anderen Welten. In diesen Welten gibt es weder ein Vergelten oder Vernichten, weder Hass noch Liebe, Freiheit, Verantwortung oder Hoffnung. All die treibenden Kräfte des Erdlings kennt der ELEY wohl, aber sie stellen für ihn keinen Wert dar. So bleibt für ihn nur das naive Staunen, unvorstellbares und unbegrenztes Ahnen und letztendlich das Gehen, meist ein Jagen, auf nie gedachte und noch nie begangene Dimensionen in Welten, die jenseits der Vorstellungen der Erdlinge liegen. Als ELEY bist du ein ständiger Grenzgänger zwischen den Welten und ihren Realitäten und bist ein Eilender auf ihren Dimensionen. Mit der großen Gefahr sich zwischen, oder in fremden Welten und Dimensionen zu verirren oder gar zu verlieren.

Das Grenzgehen und Dimensionen Entlangeilen und -wechseln geht wohl nie ohne Schmerzen oder ohne das Erleben von sogenannten Höllen vor sich. Wie zum Ausgleich, aber nur als überlebensnotwendiges Gegengewicht, wirst du dafür auf andere Art mit Wissen, Sehen, mit besondere Fähigkeiten und vieles mehr ausgestattet. Und es gibt sowieso kein ELEYISCHES Leben ohne Schmerzen, ohne die verschiedenen Ausformungen des Wahnsinns, wie zum Beispiel Schizophrenie, oder ohne den vielen für dich noch unbekannten seelischen Belastungen. Was wäre das ELEYISCHE Leben neben seinen Absonderlichkeiten, ohne all diese von den Erdlingen unerwünschten Begleiterscheinungen? Es wäre nie existent und für niemanden erreichbar!

In der ELEYISCHEN Art zu leben gibt es weder einen Gott, noch irgend etwas Ähnliches. Wenn der nach dieser Art Suchende die keinesfalls verbotenen und früher oder später vielleicht überwundenen Grenzen seiner alten Welt hinter sich gelassen hat, dann erlebt er Jenseitiges, lebt er im Nichtirdenen. Ab dann braucht er nicht nach Höherem, Verklärendem und Allmächtigem oder Mystischem streben oder suchen, denn das alles ist er, und wird er es auf die eine oder andere Weise selbst sein - eben im ELEYISCHEN Traum. So ist der ELEY vor allem in dem, von dem er träumt. Seine Träume werden und macht er zur Realität. Er ist dann alles das, und 'Alles' ist wie er.

Letztendlich findet der ELEY niemals zu sich selbst, denn zu verwirrend sind für ihn seine neuen Welten, die äußeren, wie auch die inneren, auch ist das ELEYISCHE keine Bewusstseinsphilosophie. Die ELEYISCHE Art ist so unerklärbar, wie sie selbst unwirklich in deiner Welt ist. Hier in diesem Moment ist sie das unwirkliche Sein, ohne dass aber dieses Sein den ELEY aus deiner Welt ausschließt. Die dem ELEY oder die aus ihm heraus gewonnen Sicht ist ein Produkt seiner Ahnung, und ihre Art von Wissen ist weder eine Gnade noch ein Geschenk, denn dafür muss er allzuviel bezahlen. Die Art des ELEYISCHEN ist die nie enden wollende Qual des Suchens nach dem chancenlosen Finden des Seins. Ist aber irgendwann einmal doch eingesehener und erlebter Friede. Diese Art Geist und Leben ist trotz der extremen Gegensätze von Leid und Freude eine reine, weil sie ohne Wert ist. Wo sie geworden ist, bleibt sie ganz sie selbst, wird sie nie mehr anders als sie selbst sein.

Ein geschenktes Sein kann irgend ein Talent oder eine Begabung sein, aber so nicht die ELEYISCHE Art. Sie ist unter Schmerzen errungenes Sein auf dem Weg zu einem mehr als fragwürdigen Selbst. Von wo dieses unerklärbare Sein herkommt, was dieses für den Erdling nicht zu verstehende Sein ist, und wo es hinführt, erlebt der ELEY bewusst und real, ohne es aber selbst jemals nur annähernd verstehen zu können. Diese Art von Leben zielt nicht auf angestrebtes Wissen, sonder auf das Erfahren vom naiven Ahnen vom Wissen jenseits der Erlingswelt, ohne dies jemals diesseits wirklich erfassen und vor allem ohne die Möglichkeit, es einem Erdling verständlich erklären zu können.

Von einem Eingeweihten in ein Mysterium oder von irgendeinem Überbringer einer göttlichen Botschaft oder sonst welchen Zauberlehrlingen und Heilsbringer ist der ELEY weiter als jeder andere entfernt. Er sieht nur was ist, und was sein wird. Das Spezifische im ELEY eilt der Wirklichkeit der Welt der Erdlinge voraus. Dieses 'Etwas' sieht sich als der jeweilige Teil verschiedenster Wirklichkeiten, lebt zugleich im Zurückgelassenem und im Vorauseilendem und macht beide so zur Einheit. Der banale Rest ist schwierigster Weg, sowohl davor als auch danach.

Was er lebt, ist der ELEY, weil er bereits jenseits und fern der Realität des Erdlings agiert, eigentlich zu ofters vegetiert. So vereint dieses 'Etwas' im ELEY gleichzeitig Geschehenes, Gewusstes, Werdendes und Kommendes, ohne den Zwang des 'Müssens' von Wissen und Tun, und ohne der vom Erdling pervertierten Zeit irgendwie nur annähernd untergeordnet oder ausgeliefert zu sein. Was der ELEY ist, war er seit jeher, im Regelfalle ohne es selbst zu bemerken. Seine vor-ELEYISCHE Ausweglosigkeit beruht vorwiegend auf seinen Seinsdefizit und aus dem Zwang, sich einer Wahrheit unterordnen zu müssen.

In seiner Welt stellt der Tod für den ELEY keinen Beriff dar, weder berührt er ihn noch gilt er dort etwas, weil die Art und somit er selbst unsterblich ist. Der ELEY ist die unsterbliche Einsicht in die Natur des Seins, das heißt, er ist die Ewigkeit ad personum, ist relativ unsterblich und erlebt die Unsterblichkeit als Ewigkeit in den verschiedensten Dimensionen. Gleichzeitig steht er über deren Kreuzungen und lässt ihre Wege unter sich vorüberziehen."

Seit Jahren glaubt er noch nie so viel gesprochen zu haben, und seine Mundhöhle fühlt sich trocken und verkrampft an. Er sieht, wie sie ihren Blick gebannt auf ihn richtet, aber zugleich einen weit entfernten Punkt in seiner Seele zu fixieren scheint. Obwohl sich in seinen Kiefergelenken eine immer stärker werdende Lähmung bemerkbar macht, hört er jetzt nicht auf zu reden, denn er weiß, er hat von seiner Art ihr zuviel kund getan, und muss sie auf Grund dessen baldigst verlassen. Und trotzdem will er sich all das Angesammelte, dieses 'Etwas', von der Seele reden und fährt, LUG verfluchend, wie unter Zwang in seinem Monolog fort.

     "Andere mögen vom ELEY zur Kenntnis nehmen, dass er, der die relative Unsterblichkeit personifiziert, über nichts spricht, niemanden aufzeigt, keinen mahnt, berät oder belehrt und schon gar nicht richtet, sich auch niemals jemanden anderen gegenüber äußert, um dessen Schicksal nicht ad absurdum zu führen oder im schlimmsten Falle ein Zeitparadoxon auszulösen. Denn er ist nicht da, um anderen Qualen oder Freuden zu bereiten, weil er mit solchen Attributen selbst mehr als genug belastet ist.

Alleine die wissen vom ELEYISCHEN, die von dieser Art sind. Ob jemand so oder anders zum ELEY wird; in keinem Fall ist er darum zu beneiden, denn das ELEYISCHE ist gelebtes, naives Ahnen und hieraus gewachsenes Erfahren von Wissen, und Wissen tut weh, tut es mehr als das. Sind doch die Glücklichen die, die nicht wissen. So ist die ELEYISCHE Art die Revolution der Ahnung gegen das Wissen - im doppelt mehrfachen Sinne."

     Ihre Augen öffnen sich mit einem ungläubigen Ausdruck, und während ihre Nasenflügel noch beben, stellt sie mit einem aggressiven Unterton in ihrer Stimme fest: "Das alles ist doch reichlich verworren! Speziell ich sollte das Wort nicht gebrauchen, aber -verrückt- hört sich das schon an.

Alles was du da angeführt hast scheint ein Sammelsurium von frühchristlich-gnostischen Dogmen zu sein. Entweder bist du unbegrenzt anmaßend oder schlichtweg, ich möchte es vorsichtig so nennen, geistig weggetreten. Wobei ich doch betonen will, dass ich deine Aussagen schon zu verstehen versuche und nicht einfach so wegtun will, vor allem weil sie für mich sehr interessant sind. Nicht desto trotz scheinst du ein pathologischer Fall zu sein. Auch möchte ich dich nicht beleidigen, aber interessant ist für mich weniger deine Philosophie, als das, was dich zu ihr geführt hat.

Vorweggesagt scheint deine Art eine extreme Form des Nihilismus und des Narzissmus zu sein. Ich glaube in deinem Fall kommt sowohl ein religiöser, wie auch ein ausgeprägt praktischer beziehungsweise ein ethisch faschistoider Nihilismus zum Vorschein. Vorerst scheinbar ein Widerspruch, aber warte! Denn du verneinst letztendlich Gott, Werte, Normen, und wie es sich anhört auch den Sinn des Seins, und gleichzeitig scheinst du in deiner extremen Selbstfixierung jenseits jeglicher Sinngebung zu stehen. In deinen Aussagen höre ich schon den kommenden Übermenschen, den Homo superior, heraus, wenn auch der Wille zur Anwendung von Macht, seiner Macht, in dir noch nicht besonders ausgeprägt scheint. Aber nur weil du diese Ausprägung verdrängst, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht vorhanden ist. Und so kann der Weg des ELEYISCHEN, wie du ihn nennst, aus einer subjektiven Sicht gesehen zwangsweise zum höher stehenden und scheinbar höherwertigen Menschen, wenn du so willst, zum ELEY, zum Übermenschen führen. Schnell könnten wir wieder dort sein, wo wir alle schon einmal waren. Diesesmal beim gattungsartigen und nicht beim rassisch besseren Menschen, so wie vor nicht langer Zeit beim Edelarier und beim Faschismus oder Nationalsozialismuns. Auch wenn das im Moment nur für deine Einpersonen-Welt gilt - das Prinzip ist existent und ist ein Faktum. Also was hat dich zu all dem geführt?"

     Scheinbar nicht beleidigt antwortet er darauf mit ruhiger Stimme: "Ich habe nichts anderes erwartet, und du wurdest ja vorher gewarnt, dass du an sich nichts verstehen wirst. Aber es ist nicht so wichtig, ob du verstehst oder nicht. Ich hätte dir sowieso nichts erzählen sollen, und dafür werde ich noch bezahlen müssen. Sicher habe ich mich für dich schwer verständlich ausgedrückt, aber einfacher geht es hier nicht, weil ich schon lange nicht mehr das Wort gebrauchen musste und so der langen Rede ungewohnt bin. Und wie bereits gesagt, ein ELEY kann sich selbst einen Erdling nicht erklären.

Anhängen will ich nur noch kurz, dass du mit dem Nihilismus, den Narzissmus, den Faschismus, ect. sicher recht hättest, würde ich in deiner Welt und Wirklichkeit leben. In meinen Welten ist aber eine bestimmte Art, zum Beispiel die des Nihilismus, überlebenswichtig. Bin ich aber, wie im Moment, für kurze Zeit in deiner Welt, so muss ich mich, so gut es eben geht, nach ihrer Ordnung orientieren, wobei ich zur gleichen Zeit die Nachwirkungen meiner Welt nicht so einfach wegschieben kann. In meiner Welt, in der von LOO, gibt es die dir bekannte Formen von -ismus nicht, auch nichts ähnliches. Dort ist die Ordnung anders, ist das Chaos ihr Gegengewicht. Und in LOO ist der ELEY der Chaotarch. Ist er der, der anarchisch Ordnung und Chaos ausbalanciert. Das Chaos an sich ist die Welt des ELEY. In ihr ist er der Betreuer des Chaos und damit der Meister des Lebens, indem er das tut, was du dir wohl nicht vorstellen kannst. Nämlich das Chaos ständig in Bewegung zu halten, es zu nähren, zu pflegen und zu lenken. Und das alles mit den Fähigkeiten des ELEY. Unter vielem anderen durch Nichtstun, Nichtbewerten, Nichtverantworten etc. etc.. Keiner kann so wie der ELEY Leben geben oder nehmen. Ja einer schon, der steht darüber, der RAUH, der Namenlose und nicht Fassbare. Das aber gehört nun wirklich nicht hierher, das ist schon ein Element der Zukunft."

Es ist offensichtlich, dass sie auf seine Aussagen nicht näher eingehen will, obwohl sie diese mehr, als sie zeigen will, zu beschäftigen scheinen. Abrupt wechselt sie das Thema und fragt schon wieder: "Zurück zum Wald. Wie lebt es sich dort alleine, und was ist wenn du einmal krank bist?"

     Der plötzliche Absturz der Rede auf die Banalität des Lebend irritiert ihn für einen Augenblick, aber dieses Thema ist ihm weniger kompliziert, und es fällt ihm nicht besonders schwer darauf zu antworten. Vielleicht wollte sie das gerade so: "Es lebt sich dort nicht schlecht. Man muss sich nur einleben, genauso wie ihr Erdlinge hier in euer Welt. Da gibt es prinzipiell keine Unterschiede, nur ist in LOO das Relief des Lebens um ein vielfaches profilierter. Dort hat Vieles eine andere Dimension, beziehungsweise oft mehrere davon.

Dort bin ich auch nicht alleine. Immer und zu jeder Zeit ist Leben um mich. Ich gehe auf Leben, ich schlafe auf Leben, ich atme Leben und ich lasse Leben von mir. Alles lebt. Ob Bäume, Steine, ob das Wasser oder der Wind. Sie alle leben mit mir, und sie erzählen mir ständig irgend etwas. Nur, im Leiden ist jeder für sich alleine, aber im Tod sind sie alle wieder vereint.

Auf deine Frage nach dem Kranksein in LOORIEN zurückkommend, so kann ich dir versichern, dass ich dort nie krank bin, und wenn ich mich einmal verletzte, so gibt es zur Heilung genügend Kräuter, beziehungsweise heilen Wunden und Brüche meist von selbst. Und ansonsten, bin ich sowieso unsterblich."

     "Unsterblich; ein großes Wort?" Ein Wort von ihr für sie, das in ihren Augen und in ihrem Tonfall nicht als Frage, sondern als herablassendes, gönnerhaftes Zugeständnis zu stehen scheint.

     Aber ihre Art kann ihn nicht mehr herausfordern, und so sieht er seine Antwort nur mehr als eine Zugabe. Besonders freut ihn ihr nun von etwas zu erzählen, das sie so nicht akzeptieren kann. "Ja, unsterblich! Genau so und nicht anders.

Meinen Tod, genauer meine Tode, habe ich schon hinter mir. Und alleine bin ich dort in LOO auch nicht, denn überall hin begleitet mich LUG. In diesem Augenblick ist er auch hier - irgendwo. Er kann sicher sehr lästig sein, aber meist ist er nützlich und gibt mir eine bestimmte Art von Sicherheit, weil ich in seiner Begleitung nicht so einsam bin. Eben jetzt fordert er mich auf, mich von dir zu verabschieden. Wenn es nach ihn geht, habe ich hier schon viel zuviel geredet - viel zuviel ober LOO erzählt."

     Hastig wirft sie ein: "Wer ist LUG?"

     Diese Frage musste ja kommen, denkt er sich, und so versucht er ihr in kleinen Dosen zu erklären, was es mit diesen LUG auf sich hat: "Wer LUG ist, kann ich nicht erklären, soll ich wahrscheinlich auch nicht. Er ist wie einer der Laren, der uralten Hausgeister, oder ein Flur- oder Waldgeist, vielleicht ein verirrter oder verbannter Geist eines Elpen oder was ähnliches. Ist ja auch nicht wichtig, denn LOO ist nicht nur Wald, sonder unter anderem auch Hain, Wiesen, Teiche, Seen und Auen, und die alle sind die Heimat oder vielleicht die letzten Reservate solcher Wesen, in der es eine Unmenge von ihnen zu geben scheint. Da LOO meine Heimat ist, ist LUG auch mein Geist, ehrlich gesagt, bin ich eher der seine. So genau weiß ich das nicht. Das wird sich aber schon noch herausstellen. Sicher ist nur, dass er oft sehr lästig sein kann und an keinem Ort gebunden zu sein scheint, denn überallhin verfolgt er mich. Sogar hierher, außerhalb LOO's.

In LOO ist er mir Lehrer, mahnt mich und hindert mich zu tun, was ich nicht tun soll, hetzt mich oder führt mich an der Nase herum, gerade so wie es ihm beliebt. Gesehen habe ich ihn noch nie, aber ich spüre ihn ständig um mich. Von meinen Gedanken scheint er genau Bescheid zu wissen und gibt mir manchmal sehr deutlich und drastisch zu verstehen, was er will, und was er für richtig hält. Auch jetzt gibt er mir deutlich zu verstehen, dass ich eigentlich schon lange gehen müsste.

Das alles hört sich vielleicht komisch oder gar lustig an, nur, mein Leben in LOO ist keinesfalls so einfach wie es sich anhören mag. Es ist sehr komplex und kompliziert. Mein Geist, oder besser gesagt mein Bewusstsein, ist geteilt. Aus reiner Neugierde habe ich früher manchmal versucht mein Bewusstsein zu teilen, und in LOO wurden dann diese Versuche zur Überlebensfrage. In Folge haben sich die Bewusstseinsteile verselbstständigt und wollen sich nun nicht mehr vereinen, so dass der eine Teil, der außerhalb des Fleisches, sich frei bewegen kann, aber ohne viel Lust in ihm zurückzukehren, während der andere Teil im Fleisch gebunden ist. Beide sind mir selten zum Vorteil. Sie treiben auf Kosten meiner Gefühle einen oft nicht vertretbaren Aufwand. Aber das näher zu erläutern geht hier zu weit."

     "Gar nicht!" Unterbricht sie ihn hastig und hängt an: "Erzähle bitte weiter, das interessiert mich sehr!"

     "Deine Augen sagen, dass du mir noch immer nicht glaubst, weil du eben nicht verstehst, gar nicht verstehen kannst. Wahrscheinlich sagt dir dein Fachwissen, dass es sich bei mir um einen bestimmten Zustand handelt. Womit du ja sicher nicht unrecht hast, aber...?" Mit dieser Feststellung versucht er sie zu einem Urteil über sich zu bewegen. Er ist schon neugierig, ob und wie sie seinen Zustand beurteilen wird.

     Da lässt sie nicht lange auf sich warten, denn diese Materie ist ihr ureigenstes Fach. Leicht dozierend hebt sie an: "Der Begriff Zustand ist hier mit Vorsicht anzuwenden, weil er sich immer vorbelastet anhört. Natürlich ist dein Verhalten und deine Art zu denken ein Zustand außerhalb der gängigen Norm. Aber jeder lebt fortwährend in fließende, sich stets ändernde Zustande. Aus deinen Aussagen höre ich etwas anders heraus. Die Psychiatrie ist schon lange darüber hinaus, bestimmte, der allgemeinen Ansicht fremde Zustände alleine als Krankheit zu bezeichnen. Wir wissen, dass die von der Gesellschaft normierten Spielregeln die alleinige Wahrheit nie sein können, aber sie sind nun mal notwendig, damit das komplexe soziologische System des Menschen einigermaßen funktionieren kann. Das tut es sowieso nur ungenügend.

Natürlich hat dein Standpunkt seine Berechtigung. Vor allem wenn die befruchtende Vielfalt des Lebens erhalten bleiben soll. Auch ist sicher, dass der Zwang zur Normalisierung einen Zustand wie den deinen zur Folge haben kann. Grenzzustände sind leider oder doch Gott sei Dank häufig, sind aber natürlich nicht die Normalität, sind gleichzeitig aber auch nicht so etwas Außergewöhnliches.

Deine Art zu Leben stellt einen Extremfall dar, und damit bewegst du dich zwangsweise an der Grenze dessen, was die Gesellschaft verstehen und akzeptieren kann. Du hast selbst gesagt, alles was ihr fremd ist, wird von ihr im Regelfalle abgelehnt, oder so ähnlich hast du es wohl gemeint. Ich sage dir, alles was ihr so fremd ist, wie deine Art zu leben, wird von ihr logischerweise als krank und behandlungsnotwendig bezeichnet. Und darin liegt bei aller scheinbaren Intoleranz doch ein Körnchen Wahrheit. Nur, die Abhandlung dieses Themas würde ebenfalls die ganze Nacht oder mehr in Anspruch nehmen.

Ich möchte nur noch anhängen: gefordert ist die Psychologie dann, wenn durch gesellschaftsgefährdende, seelische Zustände irgendein Schaden entstehen könnte, prophylaktisch gesehen, und wenn ich durch die Stabilisierung oder Rückführung einer Psyche Leiden lindern kann. Aber dies scheint mir bei dir nicht notwendig zu sein. In deinem Wald kannst du wahrscheinlich tun und lassen, was du willst. Du kannst dir dort höchstens selber weh tun, wobei aber auch schon in solche einem Fall, beziehungsweise wenn alleine schon die Möglichkeit eines solchen Falles besteht, meine Verantwortung dir gegenüber beginnen würde. Dies ist eine Grundsatzfrage."

     Nun ist er doch etwas erstaunt über ihre Sicht der Dinge und kann im Moment nur etwas sarkastisch antworten, schon wissend wie recht sie aus ihrer Sicht hat: "Danke für deine Großzügigkeit und für den Freischein verrückt sein zu dürfen. Nur, das zeigt mir wieder, dass du noch immer nicht verstanden hast. Wie solltest du auch. Du bist zu sehr verhaftet in deiner Art, und da ist deine Sicht nur legitim."

     "Jetzt sei nicht angerührt. Erzähle mir lieber von deinen Gefühlen in LOO, bitte!" Versucht sie zu beschwichtigen.

     Auf das Gebiet der Psyche will er sich unter diesen Verhältnissen nicht mehr begeben. So gibt er ihr zu verstehen: "Von meinen Gefühlen will ich nicht reden, denn die würdest du, wie all das andere von dem ich dir erzählt habe, ebenfalls nicht verstehen. Ich möchte nicht, dass du wiederum mein Leben missdeutest.

Aber zurück zu LOO. Wie kann ich dir etwas von LOO erzählen, wenn du als Teil einer Generation und in einer von ihr geschaffenen Welt schon lange die ursprünglich naturnahe Art deiner Vorfahren verloren hast? Das wundert mich auch nicht, denn wie könnt ihr Erdlinge in euren lärmenden und stinkenden Städten und Landstrichen noch etwas von den mondlichtüberfluteten Hainen, den feuchtwarmen, dunklen Wäldern, den geschwätzigen Winden und dem lockenden Nebel ahnen, geschweige denn von ihren Geistern oder ähnlichen Wesen. Euch ist doch die Fähigkeit abhanden gekommen, das alles wahrzunehmen, und ihr wisst auch nichts mehr von alledem.

Siehe das Beispiel euer Wälder. Die sind großteils hygienische rein und steril herausgeputze Wachstumskulturen. Von der Weite gibt sich solch eine Nutzkultur wohl wie ein Wald, aber von innen sieht ein Baum wie der andere aus. Alle sind sie gleich alt, gleich groß, und sie schreien schon lange nicht mehr nach Würde und Achtung. Sie sind stumm geworden, und Elend ist unter ihnen.

Deine Generation und die deiner Eltern leben zu einem überwiegenden Teil in einer anderen, vollkommen neuen Welt. Einer, aus euren Materialien und Produkten selbst geschaffenen. Ihr betreibt einen zweiten Schöpfungsakt und leitet so eine neue Genesis ein. Wohl werdet ihr genauso scheitern wie euer Gott, aber ob ihr es richtig macht, und ob ihr richtig handelt, will ich hier nicht bewerten. Ist mir auch wirklich egal. Sicher ist nur, ich will in euer Welt, in euer Wirklichkeit nicht leben. Dazu ist mir die meine von der euren schon viel zu verschieden, und ich könnte es auch gar nicht mehr, auch wenn ich wollte.

Meine Welt könnt ihr nicht wahrnehmen, noch etwas von ihr ahnen. Ihr würdet sie auch nicht mehr verstehen. Deswegen ist es gut, wenn ihr so wenig wie möglich von ihr wisst. Ich muss mich wiederholen, aber alles was ihr nicht versteht, müsst ihr aufklären, wollt es besitzen, sezieren, und wenn das euch nicht gelingt, zerstört ihr es einfach, tötet ihr. Nur, manchmal überkommt euch doch noch eine Sehnsucht nach der alten Welt, nach der meinen. Eine Sehnsucht, die ihr schon lange verschüttet glaubt, weil ihr sie selbst begraben habt.

Ob ihr in den Städten lebt oder im kleinen Dorf am Lande, euer selbstbestimmtes Schicksal ist euer Gefangensein in euer Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit umgibt euch überall und begleitet euch überall hin. Ihr könnt ihr nicht mehr davonlaufen, könnt nicht mehr aussteigen, sondern auch nur noch ihren ständigen Änderungen unterwerfen, und müsst euch gezwungenermaßen hinterher rennend ihr anpassen. Denn die von euch geschaffene Wirklichkeit hat eine Eigendynamik bekommen und eine Eigenintelligenz entwickelt. Sie hat sich von euch emanzipiert. Ihr wart für sie die Handlanger und seit jetzt die Getriebenen!"

     Dieses Thema versucht sie tunlichst zu vermeiden, denn sie ist der Überzeugung, dass das ein endloses und vor allem ein fruchtloses Hin- und Her-Gerede ergeben würde. Und so wendet sie nun das liebend gern verwendete klassische Argument der Hochschulgebildeten an, nicht zu Unrecht, 'hüte dich vor den Halbgebildeten', und versucht auf ein anderes Gebiet auszuweichen. Nicht ohne vorher nochmals kräftig auszuteilen. "Verschone mich bitte mit solchen Ergüssen, das ist nun doch eine reine Simplifizierung und nach meinen Geschmack viel zu plakativ. Sagen muss ich dir aber schon mit aller Deutlichkeit, dass deine Art zu leben eigentlich ein ganz banales Aussteigen, eine Flucht vor der Realität ist, aus welchen Gründen auch immer. Falls du dir wie ein Messias vorkommst, denn eitel bist du ja mehr als genug, wird dein Weg nichts ändern, nichts verbessern in den Beziehungen der Menschen untereinander. Nicht einmal im kleinsten Rahmen. Höchstwahrscheinlich ist es umgekehrt. Du bist ein Renner, ein ewiger Davonläufer. Ich nehme aber an, in dir ist zweierlei. Nämlich, eine gehörige Portion an Größenwahn und ein Übermaß an einer egozentrischen Sensibilität. Zusätzlich liegt die Ursache deines Verhaltens in von dir nicht bewältigte Probleme in Bezug auf die menschliche Gesellschaft. Wenn jeder einfach von den Problemen davonlaufen würde, dann sähe die Welt noch schrecklicher aus, als sie es onehin schon ist. Es muss immer wieder Menschen geben, wenn es leider auch viel zu wenige sind, die gegen all das Schreckliche, Abstoßende und Fürchterliche ankämpfen und nicht davonlaufen.

So etwas Besonderes bist du nicht. Es ist immer leichter davonzulaufen und irgendwo neu zu beginnen, als sich der Herausforderung zu stellen und sich mit den Unzulänglichkeiten des Menschen auseinander zu setzten. Eine Auseinandersetzung, nicht nur geistig und verbal, sondern aktiv und praktisch, wie ich besonders betonen will. Du scheinst mir unbestritten besondere Eigenschaften zu besitzen, zugleich aber ein Feigling und ein Drückeberger zu sein. Warum nutzt du deine Fähigkeiten nicht zur Problemlösung, der eigenen wie auch der der Menschen, zumindest zum Teil, anstatt dass du dich in deinem Wald und in deiner privaten Welt verkriechst?

Aber eigentlich möchte ich dich ja fragen, ob es bei dir in LOO so etwas wie Elfen, Elpen, Trolle oder ähnliches gibt? Ich weiß, du hast das schon besprochen , aber bitte, präzisiere mir das genauer."

Auf ihre zuvor angeführte Argumentation will er nun wirklich nicht näher eingehen, denn die hat ihn sehr berührt, und wohl fühlt er sich nun nicht mehr.

Vor allem nachdem sie schon Recht haben könnte Angesichts der vergessen geglaubten alten Bilder, die jetzt wieder aufsteigen. In denen die Mutter, eine einfache, doch sonderbare Frau mit manchmal einer sehr scharfen Sicht, mich schon in Kindesjahren als Feigling titulierte. Oder ein noch älteres Bild, so als ich ungefähr zwei oder drei Jahre alt war, und sie mir mit vorgehaltenen Küchenmesser drohte, ich solle doch einen grauen, alten und schmierigen Putzlappen schlucken. Ein im Rausch gezeugtes und sich nicht abtreiben wollendes Produkt einer an sonst verrückten, aber doch der allgemeinen Normalität entsprechenden Familie. Einer Familie, in der der Großvater, mütterlichseits, seine älteste Tochter bis zu ihren frühen Tot in sein Bett nahm und mit ihr einen Sohn zeugte, und der trotzdem seine vier Kinder als Alleinerzieher durch die Hungerjahre der Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit brachte. Oder ein weiteres Bild. Eines, in dem der Großvater, väterlichseits, einmal nur kurz anwesend die Großmutter, ein Zimmermädchen weit hinten, am einsamen Ende eines weit abgelegenen Bergtales, schwängerte. Die in Folge ihren alleine gelassen Sohn, gleich nach der Geburt, als zukünftiges Arbeitspotential für ländliche Ausbeuter außer Haus geben musste, bis der dann befreit und erlöst endlich in einem Hitler-Jugendheim zum erstenmal Geborgenheit fühlte. Lange nicht vergessend seine Kinderjahre in Klosterheimen, in denen Betten nässenden Kindern das nasse Bettlacken während dem Bussebeten um den Kopf gebunden wurden. Und dem noch nicht genug, diesem Sohn in seiner an ein Wunder grenzenden trotz alledem vorhandenen Gutmütigkeit dann später, als Draufgabe, unter seiner stillschweigenden Duldung noch ein Sohn unterjubelt wurde. Also, eine ganz normale, alltägliche Familie in der die jeweiligen Seiten der Leidenschaften und somit der Wertigkeit nur etwas tiefer ausgeprägt sind.

Wie soll er da jetzt der Fragestellerin Angesichts solcher Bilder Parole bieten, vor allem wenn sie aus ihrer Sicht, wie es aussieht, zumindest nicht Unrecht hat, und es ihm zusätzlich bisher nicht gelungen ist, seine Welt und seine Hilflosigkeit gegenüber den Kräften LOORIEN's ihr verständlich nahe genug zu bringen? Dialektisch und rethorisch ist es ihm nicht möglich wenigstens nur die Spur eines Verständnisses für seine Art in ihr zu wecken. Dem konnte nur, wie gesagt, eigenes Erleben, persönliche ELEYISCHE Erfahrung abhelfen.

     Da ist ihm ihre Frage nach den Märchenfiguren wie ein rettender Anker, und erleichtert, zugleich aber herausgefordert, kontert er: "Du fragst ja schon. Eine Antwort darauf ist schwierig. Unter diesen Begriff stellt ihr Erdlinge euch immer bestimmte Wesen vor, und damit seit ihr schon für ein Verstehen nicht offen genug. Über meine Erfahrungen mit solchen Wesen will ich hier aus den bereits angeführten Gründen nicht reden, sage dir aber, dass es in LOO Formen von Leben gibt, die mir immer wieder helfen, die totes mit Leben füllen, und die immer wieder auf die unwahrscheinlichste Art wirken und ihre selten lustigen, sondern makabren Späße treiben.

Der Wald LOO und überhaupt das ganze Land beinhaltet eine unwahrscheinliche Vielfalt und Fülle an Leben, nicht nur körperlicher Art. Eure Botaniker, Zoologen, Geologen und andere Wissenschaftlicher bestimmen und katalogisieren verschiedenste Formen von Leben, versuchen ihre Mechanismen und Zusammenhänge zu erforschen, und dabei sehen sie nur das Material und dessen Funktionen und Verhalten. Unfähig sind sie aber den darin wohnenden Geist auf die Spur zu kommen und übersehen so das Leben dieser Geister in ihren Exponaten. Schon gar nichts ahnen sie von den Geistern vergangenen Lebens.

In LOO lebt in allem ein Geist, und alles ist beseelt. In den Steinen, im Wasser, im Harten, im Weichen, und im Luftigen, weil dort einfach alles lebt. Das Sichtbare wie auch das Unsichtbare, das Bekannte und das Unbekannte, sowie das schon lange Tote und Vergessengeglaubte. Und vergeht irgendein Körper, so stirbt nicht sein Geist. Beim Sterben ist es aber mit der Seele etwas komplizierter, nur gehört das nicht hier her. Aber von den Geistern gibt es mehr als genug, und es gibt sie in den unwahrscheinlichsten Formen und Arten. Eigentlich stirbt in LOO nichts. Es ändert sich nur die Natur des Körpers, und dieser hält sich dort auch länger als sonst wo. Mancher überlang, und einige, so wie ich, sind unsterblich, sind einer relativen Unsterblichkeit ausgeliefert. Nein, nicht mein Fleisch ist unsterblich. Das ELEYISCHE in mir ist es. das bleibt immer sich selbst treu und ändert sich nicht."

     "Du wiederholst dich zwar, aber jetzt bist du in Fahrt gekommen. lass dir Zeit mit Reden! Erzähle mir nur mehr, ob du bestimmte Fähigkeiten besitzt. Ich denke da an Heilkräfte, an Parapsychologisches."

Er könnte sich selbst verfluchen, weil er sich von ihr in ein ihm ungewohntes Thema hineintreiben ließ. Lange hat es gedauert, aber er weiß nun nur zu genau, dass sie ihm in der direkten Konfrontation immer einen Schritt voraus ist, gerne so, als würde sie ihn auf ruhige und elegante Weise dorthin führen, wohin sie ihn haben will. Nicht desto trotz geht er auf ihre Vorgehen ein, obwohl es ihm unangenehm ist.

     "Mich wundert schon lange, warum du nicht schon früher danach gefragt hast?" Versucht er an ihre letzte Frage anzuknüpfen. "Natürlich habe ich Fähigleiten, die du als besonders, als übernatürlich erachten würdest. Sie sind aber keine von denen, die allgemein gerne beschrieben und gewünscht werden.

Ich bin nicht so sehr begeistert von meinem Potential des Außergewöhnlichen und Sonderbaren, und oft genug graut mir vor dessen Gebrauch. Denn das Werden und Anwenden dieses Potentials war bis jetzt vorwiegend nur von Schmerzen und Wahn begleitet, und ist mir im Regelfall nur eine große Last. Mit ihm ist es wie mit dem Wissen. Beides kann sehr weh tun. Nicht besonders weh, wenn es jemand nur sammelt und anhäuft, aber sehr wohl weh tuend, wenn es gebraucht wird. Dann vor allem, wenn Wissen tief im Inneren Türen zu Seelenreservate aufmacht, in denen noch Schmerz und Leid eine aktive Größe darstellen. Beide, das Außergewöhnliche und das Sonderbare, quälen, verwirren und fordern mehr als sie geben. Hier könnte dein Betätigungsfeld unendlich sein. Aber jetzt detailliert darauf einzugehen wäre fruchtlos, und würde uns beiden nichts bringen.

Mit meinem Potential, mit dem Wissen vom Anderen und vom Jenseitigen und einiges mehr bin ich unsterblich, stark und stelle eine Macht in LOORIEN dar. Aber dem entgegen bin in LOO weniger als nichts - vorläufig noch. Gleichzeitig bin ich von alledem das Gegenteil, und das, was dazwischen, liegt ist eine endlose Weite, die es in deiner Welt nicht gibt, und die mir bei ihrer Durcheilung sowohl Freude als auch Schmerz bereitet.

Jetzt sei mir bitte nicht böse, ich will nicht mehr. Ich bin der ungewohnt langen Rede müde. Sie tut mir weh. Und LUG tut mit ebenfalls weh, wenn ich damit nicht aufhöre. Versuchen wir zu schlafen. Morgen ist auch ein Tag."

Er ist zu müde um aus dem Lederfauteuil aufzustehen und schläft sofort ein.

Richtig dunkel ist es hier nicht. Das ist es in LOORIEN auch nie, aber hier scheint unnatürliches Licht duch den Fenstervorhang ins Zimmer, und das unterbricht immer öfters den Schlaf.

Die Nacht ist eine einzige Tortur. Überall lärmt es im Haus. Die Luft ist viel zu warm und zu trocken, und die Fußbodenheizung heizt den Boden unerträglich auf, so dass kein Schlaf mehr möglich ist. Abwechselnd lieg er auf dem Teppichboden oder auf einem der Ledermöbelstücke, dreht und wendet sich, weil einmal das Leder und dann wieder der Fußboden zu warm ist. Im bleibt nichts anders über, als dieses unbequeme, durchhängende und weiche Bett im Schlafzimmer nochmals auszuprobieren.

An Schlaf ist aber trotzdem nicht zu denken, denn alleine schon der Versuch ein Fenster aufzumachen, ist ein einmaliger. Weil den Fensterflügel nur zu kippen, um die abgestandene, warme Luft hinauszulassen, nicht in Frage kommt, denn sofort fängt im Nachbarbett demonstrativ das Geschnufel und Gerotze an. Und bei offenem Fenster kommt sowieso nur lauter Lärm und das Gestank der Stadt herein. So hilft hier nur ein ruhiges Liegen und ein möglichst flaches Atmen, damit die Situation und die Zeit einigermaßen erträglich bewältigt werden kann.

Eine zweite Nacht kann er sich hier mit Sicherheit nicht vorstellen, Da fällt der Verzicht auf eine kostenlose Verpflegung nicht schwer. Es ist sowieso höchste Zeit nach LOORIEN zurückzukehren, denn LOO beginnt immer dringlicher zu rufen und zu locken, und hier ist wirklich kein Wohlbefinden. Vor allem weil LOG auf das Gehen drängt.

Das doch sehr großzügige und von ihr mit viel Aufwand aufgetischte Frühstück schmeckt nicht besonders, aber das sich anmerken lassen, wäre wohl anmaßend und unhöflich. Immer wieder sollen ihrer Fragen beantwortet oder von irgend etwas erzählt werden. Er hat aber nicht die Absicht, sich wie in der vergangenen Nacht in eine Diskussion einzulassen und sich ihr gegenüber nochmals lächerlich zu machen. Das gibt er ihr auch offen zu verstehen.

     Daraufhin wirft sie ihm erregt vor: "Du hast hier gegessen und geschlafen, und das kostenlos. Wenn du schon nicht fähig bist zu mir etwas nett zu sein, du verstehst schon was ich meine, dann erzähle mir wenigsten mehr von dir. Das ist das Mindeste, was ich erwarten kann."

Zu allem Überfluss fragt sie ihn noch, ob er die Nacht gut verbracht habe? Die Wahrheit kann er ihr wohl nicht sagen. Diese Frage ist offensichtlich eine rhetorische und sollte wahrscheinlich ihren vorangegangenen Vorwurf die Schärfe nehmen. Wenn sie wüsste, wie gleichgültig ihm ihre Fragen geworden sind, und er für ihre so genannte Großzügigkeit keine Dankbarkeit, nicht einmal ein Verständnis spürt, dann würde sie sich nur noch mehr aufregen oder wäre vielleicht zutiefst verletzt. Aber ganz so Unrecht hat sie wieder einmal mit ihrem Vorwurf auch nicht, muss er sich eingestehen. Nur er will und kann nicht mehr anders.

Seine gewaschenen Wäsche ist trocken und fühlt sich auf der Haut ungewohnt fein und weich an. Mit ihr und der Überkleidung sind wieder das alte Empfinden und die alten Gefühle da. Beide wissen, dass die Zeit zu gehen gekommen ist. Und sie fühlt, dass ein Zurückhalten vergebens wäre.

Ihm fällt nach dieser Nacht das Fortgehen nicht schwer, fühlt sich sogar befreit und irgendwie beschwingt, aber er lässt sich das nicht anmerken, obwohl er zum Abschied sich für manches noch gerne revanchieren würde. Sie ist eine starke Frau, die wahrscheinlich schon manchen Abschied erlebt hat, deswegen macht er sich kein Gewissen.

Ihr Blick lädt ihn nochmals zum Hierbleiben ein, aber für eine wörtliche Aufforderung ist sie zu stolz - Gott sei Dank. Ein Zusammenleben würde nur wenige Tage funktionieren, denn LOO ruft immer stärker, und das wäre eine schlechte Basis für eine Gemeinsamkeit, und wäre diese auch noch so locker und ungebunden. Da es seine Art ist, sich selbst einer steten Gleichgültigkeit auszusetzen, kann er auch gegenüber anderen nicht anders. In diesem Fall früher oder später sicher auch gegen sie. Was einem Verhältnis rasch ein Ende bereiten würde.

Recht hilflos ist er, wenn es um das Empfinden oder gar das Zeigen von Gefühlen geht. Er tut sich überhaupt mit Mitleid oder mit Trauer gegenüber jenen, denen es sonst an sich nicht schlecht geht, sehr schwer, ja, beide sind im Regelfall nicht vorhanden. Oft genug weiß er mit solchen Gefühlen nichts anzufangen. Jetzt, in diesem Fall, auch mit denen eines Abschiedes.

    Bevor er durch die Wohnungstüre geht, bricht sie ihr Schweigen und fragt ihn, wie aus der Pistole geschossen: "Du hast mir nur einen Teil deines Namens genannt. Wie ist dein ganzer Name?"

     "Mein Name ist BARABBAS-YUHA-ELEY. Von wo YUHYA her kommt, habe ich dir schon erklärt, und ELEY ist der Name meiner Art. Vom ELEYISCHEN weißt du ebenfalls schon etwas. BARABBAS, der wird dich interessieren, wie ich mir vorstellen kann. Das ist der Name, den mir das Leben gab. Lies nach bei Matthäus 27.26, Markus 15.7, Lukas 23.19 und Johannes 18.40, dann weißt du, wie und was der Erdling in mir ist oder war. Aber vergiss mich! Es ist besser so für dich. Glaube es mir!"

     "Und dein richtiger Name?" Ruft sie ihm noch unter der Türe stehend nach. "Wie kann ich mit dir wieder Kontakt aufnehmen? Wo finde ich dich?"

Auf den ersten Teil der Frage will er nicht eingehen, aber ihr den Rest auch nicht vorenthalten, und so antwortet er: "Wenn du wirklich meinen Wald sehen willst, dann komme nach LOORIEN. Fahre zurück, bis dort hin, wo ich in dein Auto gestiegen bin. Fahre dann entlang dem Seeufer Richtung Osten bis zum Ende des Sees, wo der Kraftwerkseinlauf ist. Dort dann zu Fuß in Richtung Süden in die Berge, einen Bachlauf entlang bis zum Wasserfall. Dann bist du in LOORIEN. Wenn du dort bist, spüre ich das. Ich werde dein Kommen fühlen, aber hoffe nicht, dass du mich finden oder sehen wirst, wenn ich es nicht will.

     Es ist ihr anzusehen, dass sie sich zur letzten Frage nur schwer überwinden kann, aber sie stellt sie doch: "Warum bleibst du nicht hier? Wenigstens bis Mittag."

     Wie ist ihr nur beizubringen, warum er nicht hier bleiben kann? Fragt er sich zum Wiederholtenmale. Da fällt ihm das Lied von LOORIEN ein. Und das will er ihr als Erinnerung hier lassen. "Vielleicht verstehst du mich, oder kannst zumindest ahnen, warum ich gehen muss, wenn ich dir folgendes Gedicht aufschreibe. Bringe mir bitte einen Zettel und etwas zum Schreiben! Und er dreht sich zur Gänze um und geht ins Zimmer zurück.

Wann immer ich träume!
Träume ich von der Freiheit,
Von der Freiheit in meiner Heimat,
in meiner Heimat LOORIEN.

Wann immer ich träume!
Träume ich vom tiefen See,
Von schweigenden Steinen,
Erinnere mich,
Des Waldes tanzende Fee.

Wann immer ich träume!
Träume ich von rufenden Eulen,
Vom lauschenden Reh,
Sehne mich nach dem Nebel,
Und dem Meister YUHA-ELEY.

Wann immer ich träume!
Träume ich vom Blätterregen,
Sehe in ihm der Elben Wehen,
Erlebe der Ruhe Kost,
In der Einsamkeit Trost.

Wann immer ich träume!
Träume ich von Anschi,
Von Liebe und Schmerz,
Mir nicht verborgen ihr Sehnen,
Auf ein Wiedersehen in ihrem Herz.

Wann immer ich träume!
Träume ich vom ewigen Leben,
Vom vergessenen Tod,
In meiner Heimat LOORIEN,
In Freiheit ohne Not.

Ich sage dir, jede Stunde länger weg von LOO vergrößert mein Sehnen und bereitet mir körperliche Schmerzen. Du würdest das wahrscheinlich eine Entzugserscheinung nennen. Also lass mich gehen, und halte mich nicht, bitte. Du könntest es auch nicht!"

    Er freut sich, diese Stadt verlassen und in Richtung LOORIEN gehen zu können. Sein Schritt ist leicht und seine Stimmung fröhlich und befreit.

Das Autostoppen ist wohl eine Beschäftigung mit wenig Effizienz. Aber was spielt das jetzt schon für eine Rolle, wo es doch in die einzig richtige Richtung geht?

Selten bleibt trotz der vielen vorbeifahrenden Autos eines stehen. Und wieder ist es eine Frau. Auch für sie stellt sein Erscheinungsbild einen armseligen und erbärmlichen Eindruck dar.

Am frühen Nachmittag ist das Ufer des Sees erreicht, und die befreiten Gefühle des Rückkehrers füllen die Tiefe seiner Seele aus. Besonders weil ihn das momentan kalte und stürmische Wetter stark an LOORIEN erinnert. Bitter kalt ist es geworden. Über dem See hängen helle Wolken, aus denen trockener und körniger Schnee fällt, während gleichzeitig von irgendwo oben her helle Lichtbalken die gefüllten Luftmassen bis zum Seespiegel durchschneiden.

Silbrig und stahlfarben flirrt der alles füllende Schnee über die Wasserfläche. ES läßt am Seeufer stehend diesen Vorgang auf sich wirken. Hinter ihm, auf der Seestraße, fahren wenige Autos vorüber. Diesesmal bleibt sogar eines ohne Aufforderung stehen. Aber jetzt in einem Auto sitzen, dem Lärm und dem Gestank ausgesetzt zu sein, würde nur die Stimmung und die Vorfreude auf die Heimat LOORIEN stören. Da lieber noch einige Kilometer zu Fuß gehen.

Der Pfad ist mit Mondlicht ausreichend ausgeleuchtet, und MOOROS fahler Rücken grüßt rechter Hand vom Berghang herunter. Am Grund der langgezogenen Schlucht harren stumme Schatten, locken der Wasser Wirbel und treiben die flachen Winde. Der Dunkelheit Schattenbrüder hemmt des nächtlichen Wanderers Fuß, zwingen zum Halt, weil des Mondes kalte Lichter hier sind ohne Gewalt. Der Wanderer eilt weiter, auf hellen Wegen hinauf zu marmornen Höhen.

Herrlich ist es, wieder im eigenen, harten und kühlen Kräuterbett zu liegen, und all die erdigen, feuchten und seeleschwängernden Gerüche wahrzunehmen. Und so kommt mit dem Schlaf die Erlösung leicht und schnell, bringt sie die Träume LOORIEN's, ohne dass sie diesesmal Macht erlangen.

 

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   Was ist das nur, wenn das staunen über die von überallher strömende freude kein ende nehmen will, wenn diese wie gefühlsbeschwichtende musik aus allen blättern, gräsern, steinen und eilenden leben herüberströmt, nur um zuguterletzt in das vakuum der seelenleere einziehen, diese bis zu ihren letzten winkeln zufüllen, und vielleicht deren leere faltengehänge prall wie geschwängerte blasbälge zu spannen, um dort mit hilfe ihrer melodie schmeichelnd und wogenglättend all das rundherum unbeschreibliche von der gegenüberliegenden seite zu beäugen, auf dass sich im blassen licht des morgenmondes, am ende einer gerafften nachtspanne, die komposition der blätterfarben vom fahlem lichtgrün bis zu aschgrauem rot zu einer farbenbrücke wie bei luftigen nebelbögen in der morgendämmerung zu krümmen - beginnend weit unten wo die Steine noch des nachtes kälte zurückhalten, überschreitend spät nach dem zenit des matt gleissend hellen spenders, und endend am grund der seelentiefe, von wo aus die freude, ohne die hürden es ego überwinden zu müssen, in alle zeitnischen hineinspäht, diese mit harmonie und gesättigter kreativität füllt, so dass das sein hier in LOORIEN endlich als das, was es ist, als ihr produkt, als wahrgenommene, freudig gewordene illusion eines schwer erworbenen traumes gelebt werden kann, in dem dem lichtergeist die macht zur umkehr der realität in das vorzeitene aufgezwungen wird, um alleine die freude, rein und sanft, allen wertigkeiten weit vorauszuschicken, bis sie als unumschränkte herrin dem 'sein' patenschaft bürgt, dem geblendeten seher die augen schattet, und seine weißrippigen gefühle mit wohlbefinden behängt, so dass er endlich erkennt, wie das sein purer freude taumel ist, und der tod nichts von ihr in sich hat, wie beide in der alten welt der erdenlemminge nur durch ein schmales band der trauer und der wehmut voneinander getrennt waren, von dem aus mit selbstzerstörender sehnsucht und trügerischer hoffnung nach der einen oder der anderen Seite geschielt wurde, ohne jemals wirklich den Willen gehabt zu haben abseits dieses toten vegetationsstreifen leben zu wollen; ganz im gegensatz zu der welt des waldes, der sanften höhen und faltigen tiefen, in der ohne der freude macht nicht wirklich gesehen werden kann, vor allem deren seelen und geister ohne diese macht keinen odem hätten und das licht des lebens, 'die freude', dort nicht heller, weicher, runder und sanfter als in der alten erdlingswelt wäre, auch das freudenlicht der kälteschatten, der dämmerwinde, des abendnebels und der hungereinsamkeit; so dort nichts mehr an pein und leid der siechenden erdlingskörper erinnert, denn gestaltende freude ist in LOORIEN in allem, ist in alles, wurde befreiht von aller götter ordnung, geadelt zum geist des seins, ohne dem das leben hier nur programmierte, der gewalt der erdlinge hilflos ausgesetzte intelligenz wäre, und von der in LOORIEN nur der ELEY weiß, diese erdlingsgewalt sonst niemand kennt, noch jemand davon weiß, mit ausnahme von solchen wesen wie SAMBUCK oder ähnliche und von IHM, den freien geist des ELEY, wenn der in seinen träumen auf reisen in die alte und fremdgewordene welt geht, und hierbei nicht vergisst, dass nur in LOORIEN die freude das elexier des leben ist, und nur ihr vorhandensein die existenz des tuns berechtigt: sich leben zu nennen, sowie allem freudlosen dieses prädikat abzuerkennen, wie sonst ist es hier in LOORIEN möglich in die zwiegespräche der unbegrenzt vielen farben fließender bilder und nach allen seiten drängenden formen und in all die stummen und blinden existenzen heinein zu sehen und zu hören, ihre sprache, ihre art immer besser zu verstehen, sie sich anzueignen, und zur gleichen zeit die seelen für den frieden der freunde der freude bedingungslos zu öffnen, in deren letztes glied die macht der freude strömen zu lassen, bis all das gepredigte geschwafel von liebe, toleranz, treue, mut, verantwortung und mitleid ihrer leidigen erdlingsmaske beraubt ist, diese sich dann nur als selbstbelügende machtinstrumente einer pervertierten erdlingsordnung darstellen, wobei schon lange vergessen ist, dass die freude am sein diese begriffe und viele andere pharisär gebrauchte ausdrücke in LOORIEN in ihrer maximalsten, ursprünglichsten form in einer zeitfreien wertelosigkeit in sich beinhaltet, ohne sie je von irgend jemanden besonders preisen und betonen zu lassen, schon gar nicht mit der liebe und des glaubens auf den lippen die attribute des todes anbetend oder laut verherrlichend zur maxima zu erheben und zu praktizieren, ganz im gegensatz zur welt außerhalb des vegetationsstreifen der erdlingswelt, dort auf der seite des seins vom leben, wo die freude das nicht meßbare maß verschiedenster wohliger gefühle und empfindungen basiert, diese freuden in der wirklichkeit LOORIEN's dem sein göttliches geben, sie das banale den göttlichen geistern gleichstellen, wenn nicht gar die macht der freude sich abseits des vegitationsstreifend der erdenlemminge mit den göttlichen in einem permanenten existenzkampf befindet, oder sie dem sein zumindest das notwendige werkzeug in die hand drückt, um den erreichten stand den göttlichen geistern und ihren helfern gegenüber behaupten zu können, denn dem sein der freude sind in LOORIEN die attribute des todes, wenn nicht fremd, so doch weit genug entfernt, um ihrer unschuld keinen schaden zukommen zu lassen, um diese unschuld mit dem mantel der reinheit, wie ein nebel schützend zu umhüllen, an dem alle angriffe der scheinbar so göttlichen mächtigen ohne kämpfen oder gegen sie etwas tun zu müssen abprallen, es sogar so ist, als würde jede bevormundung ihrerseits ignoriert, als gäbe es solche gar nicht; deswegen, warum nicht auf distanz zu den untereinander konkurrierenden göttlichen geister der erdenlemminge gehen, was haben die den erdlingen außer leid gebracht - götter als vererdete geister, von denen es herrschende, gefallene, dienende und ans kreiz genagelte in der erdlingswelt gibt, ganz zu schweigen von dem sich alleinigen und oder zumindest mächtigsten nennenden gott, der seine genesis nicht nur einmal korrigieren musste, als hätte er bei der erschaffung der erdlinge nicht gewusst, was er eigentlich damit anrichtet; er, der rächt, eifert, liebt, straft, manchmal zu recht, aber um ein vielfaches mehr zu unrecht, und der vielleicht deswegen, und sei es auch nur als alibi, für das gute zu stehen scheint, vielleicht in einem akt der besinnung und der reue das bild der erlösung mit den splittern der zeit vom sterblichen an irdenes nageln ließ, damit der perversion eines entarteten gottes genüge getan ist, und um für einen augenblick der ewigkeit zu sterben, und so einfürallemal demonstrativ den gläubigen die distanz zwischen sterblichkeit und unsterblichkeit zu verdeutlichen - warum da nicht, auch um des preises der anmaßung und der götterlästerung, die freude und ihr produkt, das sein des lebens, nicht in konkurrenz zu ihrem orientierungslosen schöpfer antreten lassen, warum keine emanzipation vor seinen perversen machtdemonstrationen in den verschiedensten gesichtern, wenn doch die freude LOORIEN's eine andere gegenüber die der erdlingswelt ist, schon immer eine andere war, als die von den unverstandenen und die grausamkeit pflegenden göttern verkündete, und so die alte, neue freude der erkenntnis kinderschuhe vieler allzulange gestraften erdlingen allmählich entwächst, bis die zu unrecht mit leid überschütteten sich wandeln, diese, vielleicht als ELEY, ihrem göttlichen vorbild nicht mehr ähnlich sind, nicht mehr ähnlich sein wollen, alleine schon der freude und ihrer angehänge willen; beginnend mit der festen absicht in das verlassene paradies, in die durch einen eifernden gott von vertriebenen, schuldlosen erdlingsvolk geleehrte heimat zurückzukehren - ein zurückkehren des friedens der freude der freunde in ihre angestammte heimat, ohne dort jemals mehr von einem listigen angebot gefallener dämonen, die stellvertretend für den einen selbstherrlichen, eitlen und eifernden mächtigen geschickt die falle aufbauten, getäuscht oder mit irgend einem verbot eines gottes belegt zu werden - ein gar nicht so mächtiger, göttlicher geist, der aber alleine schon wegen des erwerbes der erkenntnis von gut und böse endlose ketten von geschlechtern bestraft, gerade so, als hätte er angst vor seinem werke, als könne er ahnen, dass sein ebenbild ihm und seinen spießgesellen irgendwann einmal konkurrenz machen würde, und er sie deswegen mit leid und pein niederhalten, beziehungsweise vorbäugend bestrafen müsse; wohl nur solange bis die einzig wahre macht gegen die willkür der göttlichen geister, das licht der freude, die seinsfreude aufsteht, sie die rückkehr in die heimat ermöglicht, nur um dort zu sein, um sich am licht und an der wärme zu erfreuen, keine verantwortung, nicht einmal gegen sich selbst, zu tragen, keine bewertung von gut und böse, von schön oder häßlich vorzunehmen, schon gar nicht für irgend etwas oder irgend jemanden, vor allem nicht für einen gott, partei nehmen zu müssen; alleine um zum schluss mit freude all das schauen zu können, was außerhalb des zwischen tod und leben liegenden vegetationssctreifen liegt, auch um vorerst einmal der ELEIYSCHEN art gerecht zu werden, und als erste stufe von der seite des seins aus die göttlichen geister und ihre handlanger wieder daran zu erinnern, dass sie mit ihrer macht und gemäß ihrem auftrag dem sinn des seins, 'der freude am leben', wieder mehr raum geben müssen, ansonsten vor allem von befreiten erdlingen die frage nach dem stellenwert ihrer göttlichkeit in der hierarchie der intelligenzen ohne respekt gestellt werden muss, auch um den preis einstürzender mythischer gebäude; ja, dann diese scheinbaren mächte selbst in frage zu stellen sind, vor allem wenn diese mit dem bekenntnis der liebe auf den lippen die erlösung mit und vom tod nur durch das leid ermöglichen, wohl nur damit sie mehr den je im namen des grauen herrschen können; auf grind dessen werden sie immer nur dort, wo das leid anfängt, mit dem leben beginnen, und sich hinter ihrer verantwortung, dem bequem einseitig reflekierenden spiegel namens 'die entscheidungsfreiheit des erdlings`, verstecken; nur um dann, wenn sie einseitig von ihrer seite aus durch diesen spiegel hundurch sehen, dass es nicht nach ihren sinn geht, die mit freiheit bedachten erdlinge umso härter und grausamer zu bestrafen, gar nicht von denen zu sprechen, die sich nichts anderes als ihre eigene existenz zu schulden kommen lassen, und die hierfür am meisten und umso härter bestraft werden - was sind das für mächte, die den blinden erdlingen zu verstehen geben, dass ihnen nur eine prüfung auferlegt, oder dass es ihnen irgendwo einmal besser gehen wird, wenn sie nur glauben -wie bequem für die mächtigen-, aber vielleicht ist das und vieles andere nur ein zeichen von schwäche und unvollkommenheit der göttlichen geister, vielleicht können die nur durch die zehrung vom leid ihrer ebenbilder existieren, denn anscheinend können die götter, vor allem der eine gott, nur mit und durch das leid agieren und regieren, ansonsten hätte sich nicht einer von ihnen ans kreuz nageln lassen, das sich getragen vom heilgen geist und verstreut wie ein luftiger, unheilbringender samen über den ganzen erdenkreis mehr als fruchtbar und furchtbar vermehrte; denn würden vielleicht gerade ohne dem leid der erdlinge die unersättlichen im randvollen maß der freude bei ihrer dienerschaft an gewicht verlieren, am ende sich gar zur gänze auflösen - alles schon einmal gehabt, denn welch einen sinn hätten die göttlichen noch, wenn ihre ordnung durch das stete wachsen der unordnung der seinsfreude ersetzt würde, durch den chaotarchen, den ELEY, mit seiner art als partner, wenn kein kurzzeitiger gottestot, keine abendliche oder morgendliche götterdämmerung, keine strafe und keine belohnung, weder ein gebot noch ein verbot das alleinige sein der freude des leben an ihrem sein hindern kann, wenn sich die alte götterordnung in frage stellt, und damit sogar die frage nach dem sein und dem sinn der alten mächte, und vor allem die den erdlingen aufgezwungene art zu leiden immer mehr an berechtigung verliert, geradezu so verliert, wie das maß der freude an zuwachs gewinnt - einer freude, die ohne des frevels bezichtigt zu werden, alles, außer sich selbst, in frage stellt, ja in berechtigter konsequenz sie selber das maß ihrer macht bestimmen darf und kann - wer steht da nicht auf und hält den göttlichen das licht der der freude entgegen, wer lässt sie nicht die wärme der freude des seins spüren, so dass diese alleine in ihrem leid leben müssen; wer wagt sich gegen die götter, trotz des wissens um ihre existenz und macht, aufzulehen, diese nicht nur auszuwechseln, sondern ihnen nicht mehr den geforderten respekt zu zollen; wer wagt auf eigenen füßen zu stehen, um im lauschen der freude echo der götter wirkliches wirken zu ahnen, den ihnen zustehenden stellenwert jeden kund zu tun, oder wenn notwendig, ihnen diesen zu nehmen, und sie ihrerseits in ein reservat, in ein götterreservat zu verbannen, oder wer jagt diese götter, den einen gott, zum teufel zu jagen, wie es so treffend im volksmund heisst, zumindest hier in LOORIEN, wo des ELEY's revolution der ahnung gegen das wissen und gegen die göttliche wahrheit stattfindet, um so der freude der ihr zustehenden macht und legalität raum zu schaffen.

Epilog

Die Geschichte Melchisedek wird hier abrupt ausgesetzt, obwohl sie noch lange nicht zu Ende ist. Wer unterzieht sich schon den Aufwand, sie in dieser Form zu lesen - für die Wenigen wahrscheinlich nur vergeudete Zeit und Mühe.

Ich habe mir den Luxus geleistet dieses Buch nur für gute Bekannte, Freunde und vor allem für solche, wie ich einer bin, zu schreiben. Die Wahl der Schrift und des Wortes soll zusätzlich unter den Lesewilligen eine natürliche Auslese vornehmen, denn das Erreichen eines breiten Publikums entspricht in diesem Fall nicht meinem Wunsch.

Wäre dem nicht so, dann bestünde die Wahrscheinlichkeit, dass die Masse der Leser über diese Geschichte einfach nur so darüber hinweglesen würde, wenn überhaupt. Mit dieser Aussicht fühle ich mich zu keiner Zeit besonders wohl, und so wird es mir vielleicht gelingen, den Wenigen, die dieses Buch lesen werden, auch Dir, mehr zu geben als nur das Erlebnis des Lesens. Ansonsten war eben jede Minite und jedes hierbei aufgebrachte Jota an Kraft vergeudet.

Wen es interessiert, mit einem spätern Einstieg in die Handlung geht der Melchisedek in die fünf Bücher

COSMOLOGICA,

GENESIS,

SEELENLANDSUCHE,

LOORIEN

und YUHA über, so wie vom Stamm eines Baumes aus das Werden sich in den Ästen und Blättern fortsetzt.

Es gibt Leser, die lesen zuallererst die letzte Seite eines Buches, und das ist nicht das Schlechteste. Denen sei hier an dieser Stelle, im nachhinein und doch vorweggenommen gewünscht: "Trotzdem viel Vergnügen!"

Barabbas-Yuha-Eley

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