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Info zur Vorprojektsstudie
Baumzellenarchiv ARCHÉ
Vorbemerkung
Der Frage nach
Sinn und Zweck eines Zellarchivs aus Baummaterialien steht voran die vorerst nicht beantwortbare Frage: warum werden Bäume so alt und Menschen
im Verhältnis dazu viel weniger. Dieser Fragestellung folgert indirekt der Zweck eines Zellarchivs aus Baummaterialien. Nämlich, wenn Bäume
sehr alt werden können, warum für den Mensch dann analog
dazu nicht auch ein höheres Alter, und wie ist unter Berücksichtigung dieser
Problemstellung der wissenschaftliche Konnex zwischen zwei so verschiedenen,
komplexen Lebewesen
wie Baum und Mensch zu knüpfen? Letztlich ist diese Fragestellung ein Thema
einer mehrere
Wissenschaftsdisziplinen übergreifende Grundlagenforschung, mit dem klaren
zweifachen Sinn, einerseits, wie können tausendjährigen und noch älteren
Bäumen zu einem weiteren Überleben geholfen werden und andererseits, lässt
sich mit Hilfe gewonnenen Wissens über diese Bäume die
Lebensspanne des Individuum Mensch verlängern, bei aller daraus entstehenden
gesellschaftlichen Problematik. Um aber überhaupt eine Chance für ein zukünftiges Wissen über solch alte
Lebewesen zu sichern, ist das Errichten und Betreiben eines
Zellarchivs aus Baummaterialien solch alter Bäume von Notwendigkeit. Da genügt
keinesfalls der derzeitige Stand der Gensequenzierung und in naher Zukunft
verschiedenste Methoden der Proteom-Analyse! In absehbarer Zeit kann ein Zellarchiv aus Materialien solch alter Bäume einen
unabschätzbaren und unbezahlbaren Wert darstellen.
Begriffsdefinition -
Begriffsfestlegung
Warum hier in der
Mikrobiologie der nicht übliche Begriff Zellarchiv? Es gilt zuvor drei
Begriffe zu klären: nämlich Genbank, in Publikationen fälschlich oft auch
Gendatenbank, und eben Zellarchiv.
Eine Genbank ist eigentlich 'die Genbank', korrekte Schreibweise "GenBank",
und enthält u.a. die Rohsequenzen des "Human-Genom-Projekts", kurz HGP
(vormals HUGO) mit ca. 35.000 Zugriffe pro Tag. Die GenBank ist eine jedem
Internet-Surfer kostenlos zugängliche Datenbank im Internet, in der aus molekularbiologischen
Sequentionen gewonnene digitalisierte
Informationen über das Genom des Menschen gespeichert sind. Das Ziel des HGP
ist die vollständige Aufklärung
des menschlichen Erbguts. Es hat sich die ausführliche Kartierung und
Identifizierung aller drei Milliarden Basenpaare des einfachen menschlichen
Chromosomensatzes zum Ziel gesetzt. Auch gibt es andere öffentlich
kostenlos zugängliche Genbanken, z.B. die SNPs (sprich "Snips"), von mehreren
internationalen Pharma-Unternehmen und akademischen
Forschungsinstituten.
Eine Gendatenbank ist eine z.B. nur einem Forschungsinstitut oder
einer Pharmafirma eigene Datenbank
über digitalisierter Genominformationen, deren Daten gegen Bezahlung
angefordert werden können. Z.B. die US-Firma Celera Genomics, die ihre Human-Genom-Texte
samt Erläuterung zu jedem Gen an Online-Kunden in aller Welt verkaufen will.
Also Antwort gegen Bezahlung. Oder z.B. die Firma Incyte, die einen
Genomik-Onlinehandel, gewissermaßen einen Versandhandel für Gene begonnen hat
zu betreiben.
Ein Zellarchiv ist dagegen etwas relativ primitives und einfaches, ist sozusagen nur die Archivierung von Zellmaterial unter
bestimmten Konservierungsbedingungen, z.B. in mit Stickstoff dauergekühlten
Behältnissen. Solche Zellarchive zählen für viele Genetiker und Molekularbiologen zur
Standartdausrüstung eines Labors.
Entwicklungstendenzen
Mittlerweile weiß
man von der überzogenen Erwartungshaltung, von dem großen Missverständnis,
dass mit der fertigen DNA-Sequenz auch vollständig geklärt sein würde, warum
wir krank werden und warum wir altern. Auch wenn wir das komplette Humangenom in
Händen haben, hat die Genom-Industrie noch etliche Jahrzehnte am Verstehen und
Manipulieren der Funktion
der Gene und deren Wirkungen zu arbeiten. Das vorrangige Ziel ist das Verstehen sämtlicher
biochemischer Abläufe einer Zelle. Aber schon jetzt kommen die Proteine
dran. Denn von der nackten Genom-Sequenz über die Erkennung einzelner Gene hin
zur Charakterisierung der Proteine einer Zelle ist es ein weiter Weg. So
beginnen in der Forschung Proteine den Genen den Rang abzulaufen. Der nächste Schritt ist das Erkennen und Verstehen der Eigenschaften der von
den Genen codierten Proteine (gefaltete Ketten von Aminosäuren), mit dem sich die "Proteomik", die
Forschung, die dieses Thema abdeckt, befasst. D.h., auf die Frage, was nach dem
Genom kommt, steht die Antwort: Vor allem Boten-RNA-Moleküle und
Proteinmoleküle. Das sind die Proteine, die die Stoffwechselreaktionen in den
Zellen ausführen. In dieser Forschung spricht man auch von
"Funktioneller Genomik". Ein wichtiger Zugang hierfür ist die
Proteom-Analyse, die es mit bestimmten Techniken ermöglicht, Moleküle direkt im
großen Maßstab zu erfassen und zu charakterisieren. Die Forscher richten sich vermehrt auf das menschliche
Transkriptom und Proteom, also auf die Gesamtheit der Boten-RNAs und Proteine,
die eine menschliche Zelle zu einem bestimmten Zeitpunkt produziert. Dafür bauen Chip-Firmen, wie z.B. die kalifornische Firma Affimetrix Chipsätze zur
Analyse menschlicher Zellen. Dafür werden in zunehmendem Maße
rechnergestützte Analysemethoden verwendet, um die ungeheure Datenflut zu
managen und komplexe Reaktionsnetzwerke nachzuzeichnen. Dieser neue
Forschungszweig heißt Bioinformatik, bei der die Forschung mehr am Computer (in-silico)
und nicht im Reagenzglas (in-vitro) betrieben wird. Warum das alles? Weil die Proteine der beste Ansatzpunkt für Pharmaka sind.
Auch hierfür interessiert sich die Firma Celera Genomics. Und wie beim
menschlichen Genom geht es hier um die Analyse des gesamten menschlichen
Proteoms. Das erste Ziel ist eine Landkarte der Wechselwirkungen zwischen den
Proteinen und Proteinen-Komplexen. Um dann zu verstehen, welche Funktion hat
unser Gen und ist es selbst oder sein Produkt ein Ansatzpunkt für Pharmaka?
Keine Frage, warum biotechnische und pharmazeutische Unternehmen so intensiv in
diese Richtung forschen und viel Geld investieren, abgesehen von der Problematik
der Patentierung. Aber die Identifizierung aller menschlichen Proteine ist wieder nur ein erster
Schritt für die Strukturbiologen, z.B. die New Yorker "Strukturgenomik-Initiative",
die den räumlichen Aufbau normaler und anormaler Proteine mit Hilfe einer
automatisierten Röntgenstrukturanalyse zu ermitteln versuchen. Denn erst nach
der Strukturaufklärung beginnt das "rationale Moleküldesign". Hier
können dann Moleküldesigner gewünschte Verbindungen entwickeln, die gezielt
mit bestimmten Stellen der Proteine wechselwirken und sie blockieren oder
aktivieren. Es gilt in Zukunft anhand der Muster von Genaktivität und
Protein-Bindungsverhalten in gezielt gewählten Zellen gewünschte Reaktionen
hervorzurufen. In Folge wird intensiv geforscht an der molekularen
Architektur der Zellen zur Signalübertragung bzw. um die Signalübertragung,
die Prinzipien der Kommunikation innerhalb und zwischen den Zellen besser
verstehen und beeinflussen zu können. Wieder geht es um die Proteine, denn
hierbei führen Brückenmoleküle Proteine zueinander. Daraus ergeben sich eine
Menge Fragestellungen das Signal-Netzwerk betreffend, an deren Anfang
Rezeptor-Tyrosinkinasen und SH2-Donänen stehen. Damit sind nun die Zellforscher
an der Reihe. Es geht weg von den der alleinigen Behandlung der Gene, hin zu
den Proteinen, deren genaue Aufgaben zu erforschen sind. Von vielen Molekülen
sind bereits die Aminosäuresequenzen und die Funktionen bekannt. Diese können
als Vorlage genutzt werden, um herauszufinden, ob ein neues identifiziertes Gene
für ein signalübertragendes Protein codiert und wenn ja, mit welcherart
Molekülen dieses Protein kommuniziert. Sind erst genügend solcher
Wechselwirkungen erfasst, lässt sich für jeden Zelltyp eine Art innerer
Schaltplan im Modell konstruieren. Mit noch ungeahnten Folgen für die
Krankheitsbekämpfung. Wachsende Erkenntnisse über solche Zusammenhänge lassen
für die Zukunft vermehrt Therapien, die defekte Signalsysteme reparieren oder
Fehlsteuerungen kompensieren, anwenden.
Analogie zwischen
Planzenchromosomen und Menschenchromosomen
Zahlreiche
Forschergruppen, einerseits Human- und andererseits Pflanzengenetiker, arbeiten
in verschiedensten Genom-Projekten. Also nicht nur im Human-Genom-Projekt HGP
arbeiten Humangenetiker, sondern z.B. auch im Rahmen des
Arabidopsis-Genom-Projekts (die Ackerschmalwand, Arabisopsis thaliana) arbeiten nordamerikanische, europäische und
japanische Pflanzengenetiker. Die Entschlüsselung eines kompletten
Pflanzengenoms steht unmittelbar bevor bzw. ist schon abgeschlossen. Zwar besitzen Pflanzen ein wesentlich kleineres Genom als
Menschen, aber auch sie verfügen über zum Teil dem Menschen bzw. Tieren
ähnliche Bauanleitungen für Proteine. Und im Vergleich zu niederen Tieren
haben bestimmte Pflanzen meist nicht weniger Bauanleitungen. Das ist
verwunderlich, wenn man z.B. den kleinen Fadenwurm Chaenorhabditd elegans oder
die berühmte
Taufliege Drosophila melanogaster betrachtet. Beide haben ein komplettes Nervensystem
und zeigen komplexe Verhaltensweisen. Drosophila kann fliegen und mit
Hilfe hochentwickelter Augen sehen. Also hier trügt höchstwahrscheinlich der Schein, nämlich
dass Tiere soviel mehr Bauanleitungen als Pflanzen haben. Pflanzen können
vieles, was Tiere nicht können. Sie tun einfach anderes. Und so haben Pflanzen
und Tiere eine Menge ähnlicher, zugleich aber natürlich jeweils für sie
spezifischen Gene. Auch gibt es bei Tieren und noch mehr bei Pflanzen genetische
Ähnlichkeiten mit Bakterien. Gene von Pflanzen, Tieren und Menschen tun in Vielem das
Gleiche, nur mit unterschiedlichen Zielen und auf unterschiedlichen Wegen.
Generell scheinen vielfach Proteine mit unterschiedlicher Evolutionsgeschichte
gleichartige Aufgaben bei Pflanzen und bei Menschen wahrzunehmen. Die
genetischen Architekturen von Pflanzen und Menschenchromosomen zeigen, dass in
beiden grundsätzlich sehr viel ähnliches vor sich geht. Z.B. finden in beiden
extrem präzise Informationsweitergaben, eine enorme Dynamik und stete
Veränderung und vieles mehr an ähnlichem statt. Auch wenn in alten Bäumen hierbei
widersprüchliche Verzögerungen stattfinden. Ein Genetiker oder
Molekularbiologe wird sich hiermit natürlich nicht zufrieden geben. Da hat er
sozusagen zu wenig unmittelbar Erfahrbares, kommt er, mit den seinem Fach
spezifisch empirischen Methoden, sehr rasch an eine Grenze.
Intentionen der Gen-
und Zellforschung
Mit großem medialen und populistischen Aufwand, und unter der Patronanz der
Politik und zum Teil der Börsen verkündeten
Proponenten des Human-Genom-Projekts, und jene der US-Firma Celera Genomics
die Entschlüsselung des Lebens bzw. erklärten das Wettrennen um die
Entzifferung des menschlichen Genoms für beendet. Und wahrlich war der Wettlauf
eine spannende Sache. Das Ergebnis ist natürlich nicht ohne Gewicht für die
Erforschung des Lebens des Menschen. Aber mittlerweile weiß auch die Mehrheit
der daran Anteilnehmenden und Beteiligten, dass hiermit nur eine Tür aufgemacht
wurde, um vom Leben überhaupt etwas zu verstehen, ja auch nur zu ahnen. Es ist nur zu verständlich, dass diese Rohsequenz des
menschlichen Erbguts und der sich daraus ergebenden Forschung in Richtung der
Proteine, Bauanleitungen, Signalübertragungen in und zwischen den Zellen etc.
besonderes Augenmerk geschenkt wird, denn damit lässt sich in unserer
Gesellschaft vom Prinzip her und legetimerweise viel Geld verdienen. Auch ist
der Weg der Weiterentwicklung, der Strategien der Forschung, ein einigermaßen
vorgegebener und damit bei aller nur mehr schwer überschaubaren Komplexität
und allem enormen Aufwand ein doch einigermaßen bequemer. Man weiß zumindest
wohin für die nächsten Jahre die Richtung geht. Aber mehr Forschungsbudget und
mehr Aufwand an Technologie garantiert noch lange keine Steigerung der
Qualität. Es ist immer bequemer, einmal eingeschlagene Wege des Erfolgs,
zumindest eines absehbaren, zu gehen, als selbst nachzudenken über Neues, über
noch Unbekanntes, über das Risikoreiche und sich der Gefahr der
Erfolglosigkeit, der Lächerlichkeit und des Nichtverstehens auszusetzen. Denken
ist unbequem, ist mühsam und verlangt verantwortliche Freiheit im Kopf. Deshalb passiert es so
wenig. Wer einmal krank war und durch ein Medikament Linderung oder
gar Heilung erfahren durfte, der kann nur für Forschung an Genen, Proteinen
und Zellen sein. Er wird auch dafür sein, dass andere daran Geld verdienen,
sofern er sich die notwendigen Medikamente leisten kann. Die Sicht der Kritik
verändert sich sofort, wenn man selbst ein von Krankheit Betroffener ist. Es
wird sich Wunderbares und Großes ereignen im Kampf gegen die verschiedensten
Krankheiten und es wird aber auch moralisch und ethisch nicht Vertretbares passieren. Bei
allem Vorausgedachtem der Entscheidungsträger und der meisten Forscher, wird
das aber eigentlich nur ein Agieren des Verstehens an der Oberfläche des Lebens zur Folge
haben. Ungefähr so wie ein Schwimmer, der nicht tauchen kann oder ein
Architekt, der nur eine Hausfassade entwirft. Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms und die sich
derzeit abzeichnenden Ergebnisse in der Forschung der Gene, Proteine und Zellen kann
niemals die Grundlage des Lebens an sich sein. Hierfür verlangt es ein anderes
wissenschaftliches Tun und zuvor eine oder mehrere andere Sichtweisen bzw.
Dimensionen und Perspektiven im Denken. (Eine weiterführende Auseinandersetzung
mit diesem Thema ist in Arbeit.) Der derzeitige Weg der Genomforschung führt
auf der Oberfläche des Lebens herum, manchmal gut geplant, oft genug planlos und
doch bemerkenswert sehr erfolgreich. Für die Zukunft gilt es in Tiefen zu stochern,
sie abzutasten und auszuloten, von der Oberfläche endlich wegzukommen und Dimensionen zusätzlich zu
gewinnen, ansonsten wird es keinen qualitativen Fortschritt geben. Da weiß keiner, was passieren wird. Und abgesehen der
Notwendigkeit von mehr Geistesleistung, Vernunft- und Kopfarbeit, sind da nicht
nur neue Bereitschaften gefordert, sondern auch Mut zur Investition in das
Ungewisse einer Forscherzukunft. Es gilt immer wieder etwas vorweg zu tun, um in
eine mögliche, aber keineswegs gewisse Zukunft des Menschen und des Lebens
prinzipiell zu investieren. Ob in oder jenseits der Gene, der Baukonstrukte, der
Signalnetzwerke und vieles mehr an Funktionalitäten des Lebens, passiert und
verursacht Größeres, wirkt und treibt Kraftvolleres, zieht und verändert
Elementareres abseits dem, was wir im Moment so bestaunen an Ergebnissen und
Erkenntnissen der biomolekularen Forschung. Das hat nichts mit Religion oder
Glaube zu tun, das wird wissenschaftlich, wahrscheinlich auch empirisch
erforschbar sein. Nur muss der Forscher bereit sein, dahinter, tiefer zu sehen. Unter anderem verlangt das ungewöhnliche Investitionen in
die Zukunft des eigenen Geistes, aber auch griffige, greifbare Investitionen in
eine komplett offene Zukunft. Ein exemplarischer Fall wäre hier das Altern von
Zellen und als Vorleistung für die Zukunft das Errichten eines Zellarchivs von
Materialien der ältesten Lebewesen unseres Planeten, der tausendjährigen und noch älteren
Bäume.
Warum ein Zellarchiv
und keine Gendatenbank?
Die für die derzeitige und nahe Zukunft absehbare molekularbiologische
Forschung bewegt sich auf dem zuvor angesprochenen Niveau und führt zu mehr
Quantität und nicht Qualität, zu noch mehr Inflation an Ergebnissen im
Gegensatz zur Erforschung des Prinzipiellen des Lebens. Jede momentane Forschung
scheint verfangen auf diesem Niveau. Und der Weg zu anderen Qualitäten ist nur sehr
schwer erkennbar, wahrscheinlich noch nicht begehbar. Aber für die Zukunft der Altersforschung an Zellen gilt es
insofern zu investieren, als Zellmaterial der ältesten Lebewesen für die
Zukunft gesichert werden sollen. Verbesserte Technologien und künftige
Erkenntnisse werden aus diesen Materialien sozusagen viel mehr herausholen an
Informationen, als es mit dem heutigen Stand der Forschung und den der nahen
Zukunft möglich wäre. Dieses Zellarchiv wäre wie ein Rohstofflager, ähnlich
den erdgeschichtlich bedingten Kohle-, Erdgas- oder Erdöllagern. Nur diesesmal
wäre es ein unmittelbar vom Menschen angelegtes Rohstofflager, auch ein Lagern
und evolutionäres Weiterentwickeln eines geistigen Rohstoffes, aus dem heraus
vielleicht irgendwann einmal der Mensch eine Genesis schafft. Deswegen ein
Zellarchiv und keine Gendatenbank dieser uralten Bäume. Ist das Utopie und Vision? Natürlich! Für den "ernsthaften"
Wissenschaftler, den Realisten und Positivisten sind Utopien und Visionen meist
ein Greuel, sind sie absurd und verrückt. Etwas pointiert gesagt, wenn einer das Absurde und
Verrückte tut, dann ist es absurd und verrückt, wenn mehrere Absurdes und
Verrücktes tun, dann ist das normal, ist das die Normalität. Vor allem, wenn
daraus Erfolgreiches entsteht, dann ist es meist genial und wird bewundert. Jetzt könnte jemand sagen, in zwanzig Jahren stehen diese
alten Bäume auch noch oder verwenden wir dann einfach die Zellen von sehr alt
werdenden Tieren, wie z.B. Schildkröten. Man kommt aber dann auch nicht umhin,
Zellproben sozusagen tiefgekühlt zu lagern. Die Bäume sind weniger komplex als
die Menschen und die höheren Tiere, deswegen werden wir den Zugang zum
Prinzipiellen des Lebens, wie z.B. das Vergehen und Werden, leichter erreichen über weniger komplizierte
Lebewesen, eben ein Zugang über diese alten Bäume. Und ganz ein gewichtiges
Argument, wir wissen nicht, was in unserer, in vielerlei Hinsicht extrem
ereignisreichen Zeit mit diesen alten Bäumen in den nächsten Jahrzehnten
passieren wird. Jetzt ist schon erkennbar, abgesehen vom globalen
Klimaproblemen, dass nach dem Aussterben der Tiger und dem enormen Schutz der
Nashörner afrikanische und fernasiatische Händlerkartelle Materialien dieser
alten Bäume als Wundermittel und Traumfängermedien etc. in den entsprechenden
Kulturräumen verkaufen werden. Je älter die Bäume, um so teurer das Unikat.
Und niemand weiß, was Verbrechern noch einfallen wird. Der Zeitpunkt zum Beginn einer organisierten Rettung dieser
alten Bäume ist vielleicht schon überschritten. Vielleicht ist es schon zu
spät. Denn alleine schon das Vorhaben Zeitmonumente des
KunstKulturprojekts Millennium Weltenbaum wird nicht wenige Jahrzehnte
beanspruchen. Dann würde solch ein Zellarchiv wahrscheinlich
nicht nur für Pharmaunternehmen, sondern auch für den Menschen und für viele
altwerdende Baumarten von unschätzbaren Wert sein.
Barabbas-Yuha-Eley
07/2001
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